03. Oktober 2025
Die Presseschau

Zu dem Terroranschlag auf eine Synagoge in Manchester mit zwei Toten und mehreren Verletzten schreibt THE DAILY TELEGRAPH:

Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Manchester trösten sich gegenseitig nach einem Anschlag nahe der Synagoge.
Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Manchester trösten sich gegenseitig nach einem Anschlag nahe der Synagoge. (AP / Peter Byrne)
"Dass es nicht mehr Opfer gab, ist ein Beweis für den Mut der Sicherheitskräfte und der Gläubigen, denen es gelang, den Angreifer am Betreten des Gebäudes zu hindern, sowie für die schnelle Reaktion der Polizei. Jede Woche stehen Mitglieder der Gemeinde im ganzen Land vor Synagogen Wache, um sich gegen genau solche Angriffe zu verteidigen. Dass Freiwillige dies tun, ist lobenswert. Dass sie dazu gezwungen sind, ist verabscheuungswürdig. Den antijüdischen Hass, der das öffentliche Leben in Großbritannien seit dem Pogrom vom 7. Oktober 2023 geprägt hat, sehen hierzulande viele Menschen nicht. Sie sehen auch nicht den Hass, der bei pro-palästinensischen Demonstrationen zum Ausdruck kommt; sie hören nicht die blutrünstige Rhetorik, die den Staat Israel mit der britischen jüdischen Bevölkerung gleichsetzt. Die britische Gesellschaft lebt ihr Leben einfach weiter, während ihre Nachbarn in Angst leben. Das kann so nicht weitergehen", mahnt THE DAILY TELEGRAPH aus London.
Die britische Zeitung THE GUARDIAN nennt den Terroranschlag einen Weckruf an die Nation. "Die Aufgabe besteht nun darin, sicherzustellen, dass die jüdische Gemeinde in allen Teilen Großbritanniens auf jede erdenkliche Weise vor der Gefahr weiterer Angriffe geschützt wird. Diese Pflicht geht über die Sicherheitskräfte hinaus. Die Verantwortung liegt bei uns allen als Bürgern", betont THE GUARDIAN aus London.
Die EU-Staats- und Regierungschefs haben sich noch nicht auf den Aufbau eines Drohnenwalls und die Nutzung des eingefrorenen russischen Vermögens für die Ukraine einigen können. Die österreichische Zeitung DIE PRESSE konstatiert: "Der Kopenhagener Gipfel zeigte erneut, dass die EU nicht fähig ist, Europa auf die voranschreitende militärische Eskalation des Kremls vorzubereiten. Was zu tun ist, um Russlands neoimperialistischen Todestrip zu stoppen, dürfte im vierten Kriegsjahr – und elf Jahre nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine – hinlänglich bekannt sein. Noch mehr Positionspapiere, Fahrpläne und andere verschriftlichte Willensbekundungen ohne echte Entscheidungsbereitschaft werden Wladimir Putin weder von seinem mörderischen Tun in der Ukraine noch von seinen zusehends frechen Provokationen der Union abhalten", meint DIE PRESSE aus Wien.
Die österreichsiche Zeitung DER STANDARD schreibt zur Ukraine: "Mehr als dreieinhalb Jahre nach Kriegsbeginn ist Putin meilenweit davon entfernt, auch nur seine Minimal-Ziele im Ukraine-Feldzug zu erreichen. Hunderte vermeintliche rote Linien, die der Kreml-Herrscher bei jeder neuen Gattung an Waffenlieferungen zog, wurden überschritten, ohne dass es spürbare Konsequenzen für europäische Bürger gab. Mittlerweile bietet uns die Ukraine gar Unterstützung in der Drohnenabwehr an. Wir brauchen sie. Das Austesten der westlichen Verteidigungsbereitschaft ist ein weiterer Destabilisierungsversuch des Dauerkriegers Putin, ist ein neues Schlachtfeld, das er eröffnet, weil er am alten wieder einmal nicht weiterkommt. Ähnliches geschah nach Georgien, dem Donbass oder Transnistrien", erinnert DER STANDARD aus Wien.
Der russische Präsident Putin hat die USA im Fall der Lieferung weitreichender Tomahawk-Raketen an die Ukraine vor einer neuen Eskalation gewarnt. Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN überlegt: "Das Mindeste, was der Westen bräuchte, um Russlands militärische Überlegenheit im Ukrainekrieg zu stoppen, wären weitere Waffenlieferungen, deren Finanzierung mit Krediten durch eingefrorenes russisches Vermögen abgesichert werden. Wenn man tatsächlich von einer Kehrtwende Washingtons in der Ukrainepolitik sprechen will, müssten die USA Russland militärisch weiter unter Druck setzen, indem sie sich beispielsweise an der Zerstörung der Kertsch-Brücke, der wichtigen Versorgungslinie der Halbinsel Krim, beteiligen", resümiert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Frankreich hat einen Öltanker vor der Atlantikküste aufgebracht, der womöglich in Verbindung zur russischen Schattenflotte steht. Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT führt aus: "Sollten Beweise für eine Beteiligung des Öltankers an Drohnenangriffen auf europäische Länder aufgedeckt werden, wäre das ein Fall für die internationale Sicherheitspolitik. Die europäischen Länder könnten dann Kontrollen solcher Schiffe verstärken und Russlands Energieexporte einschränken. Für den Kreml hätte das nicht nur wirtschaftliche, sondern auch militärische Folgen. Dies könnte der erste echte Funke für den Beginn eines Krieges zwischen europäischen Staaten und Russland sein. Frankreich hat bereits offen zur Kriegsrhetorik gewechselt", vermerkt MÜSAVAT aus Baku.
Nun zum Nahostkonflikt und den Bemühungen der USA um ein Ende des Gaza-Kriegs. Damit befasst sich die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA: "US-Präsident Trump hat einen Friedensplan vorgelegt, der die Entwaffnung und den Rückzug der Hamas aus dem Gazastreifen sowie den Abzug der israelischen Truppen vorsieht. Auch soll die Hamas die Geiseln freilassen und Israel von einer Besetzung des palästinischen Gebiets absehen. Israel, die Türkei, Saudi-Arabien und Ägypten sind mit den Details des Friedensprojekts im Nahen Osten vielleicht nicht ganz zufrieden, aber sie spielen das politisch-diplomatische Spiel mit. Trump will ein Friedensstifter sein und versucht daher, diese Energie zu seinem Vorteil zu nutzen. Dem US-Präsidenten ist Schnelligkeit wichtig, deshalb ist er bereit, ihm angebotene Initiativen aufzugreifen und Argumente zu akzeptieren", analysiert die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Nach Ansicht der chinesischen Zeitung LIENHE ZAOBAO aus Singapur bleibt der Weg zu einer Zweistaaten-Lösung steinig: "Solange die beiden Völker kein eigenes sicheres Zuhause haben, wird es keine friedliche Verständigung im Nahen Osten geben. Ein Frieden auf dem Papier bedeutet noch gar nichts. Er muss durch verbindliche Garantien abgesichert werden und auch die Interessen der Beteiligten wahren."
"Verantwortung für den Tag" danach titelt die israelische Zeitung JERUSALEM POST. Sie fordert nach einem Waffenstillstand die politische Aufarbeitung des Gazakriegs: "Dieser hat laut den Gesundheitsbehörden der Hamas über 65.000 Palästinenser das Leben gekostet. Die Auswirkungen des Krieges reichen weit über das Schlachtfeld hinaus. In Israel steigt die Angst vor möglichen Sanktionen. Ob gerechtfertigt oder nicht, die Fotos von der Zerstörung in Gaza beginnen die Israelis einzuholen. Für viele wird der Reputationsverlust durch diese Bilder ebenso schmerzhaft sein wie die Gefahren des Krieges selbst. Israels Führung muss der Welt dann erklären, was getan wurde, warum es getan wurde, und auch Fehler eingestehen. Wenn all dies vorbei ist, ist eine gründliche und umfassende Überprüfung der Kriegstaktiken notwendig. Von Luftangriffen in dicht besiedelten Gebieten bis hin zur Politik der humanitären Hilfe muss jede Entscheidung überprüft werden", verlangt die JERUSALEM POST.
Zum Schluss nach Frankreich. Dort haben sich gestern zehntausende Menschen an neuen Protesten gegen die Sparpolitik der Regierung beteiligt. Der französische FIGARO schreibt: "Die Regierung sucht nach mehreren Dutzend Milliarden, um das abgrundtiefe Haushaltsdefizit zu reduzieren. Es geht um den Wohlstand Frankreichs, um seine Kreditwürdigkeit, um seine Souveränität. Ein einfacher Geist würde daraus schließen, dass man den Gürtel enger schnallen muss, und würde daher eine genaue Liste von Einsparungen erwarten, um die Situation zu verbessern. Das Gegenteil wird angekündigt: Milliarden an neuen Ausgaben für Renten und Gesundheit, die beiden Abgründe unseres Sozialsystems. Diese Verschwendung öffentlicher Gelder und diese winzigen Steuererleichterungen, die das bestehende Loch noch vergrößern werden, verheißen nichts Gutes für die große Schar der Steuerzahler", befürchtet LE FIGARO aus Paris.