11. Januar 2026
Die Presseschau

Die Sonntagszeitungen beschäftigen sich mit den von der US-Regierung mehrfach geäußerten Ansprüchen auf Grönland. Weiteres Thema ist der von der EU gebilligte Freihandelsvertrag mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Urugay. Doch zunächst zu den andauernden Protesten im Iran.

Auf diesem Bild vom 9.1. aus Teheran sind zahlreiche Protestierende zu erkennen. Es ist Nacht, auf der Straße spiegelt sich das Licht. Die Personen sind vermummt.
Die Proteste in der iranischen Hauptstadt Teheran und anderen Städten beschäftigen weiterhin die Zeitungskommentare. (picture alliance / SIPA / MEK / The Media Express)
Die türkische Zeitung SABAH führt aus: "Es hat schon viele Male Demonstrationen gegeben. Keine von ihnen war jedoch so groß angelegt wie die Proteste, die am 28. Dezember begannen und sich in kurzer Zeit auf 31 Provinzen ausweiteten. Nun wird darüber diskutiert, ob sich die aufgrund wirtschaftlicher Probleme entstandene Wut zu einem Regimewechsel führen wird. Denn die sozioökonomischen Forderungen der Demonstranten haben sich verändert. Die meisten von ihnen wollen jetzt den Sturz der Regierung. Die Frage ist: Wird sich das Regime verändern? Dabei geht es auch darum, wie gut die Gegner und Befürworter sowie externe Akteure wie die USA, Europa, Russland, China, die Türkei und Saudi-Arabien auf Szenarien des Wandels vorbereitet sind. Das Regime ist immer noch an der Macht, weil es den Demonstranten an Organisation und Führung mangelt", vermutet SABAH aus Istanbul.
Die LÜBECKER NACHRICHTEN stellen fest: "Nicht nur von innen, auch von außen ist die Führung in Teheran zuletzt unter erheblichen Druck geraten. Die von Teheran gesteuerte 'Achse des Widerstands' ist schwer beschädigt: Die Hisbollah-Miliz im Libanon und die islamistische Hamas im Gazastreifen sind durch israelische Angriffe dezimiert. In Syrien stürzte der langjährige Verbündete Baschar Al-Assad. Im Zwölftagekrieg mit Israel im vergangenen Juni wurde die militärische Schwäche des Iran offenbar. US-Präsident Donald Trump machte in dem Krieg deutlich, dass er vor Luftangriffen auf die Islamische Republik keinesfalls zurückschreckt. Damals zeigte sich allerdings auch, dass sich ein Regimewechsel im Iran nicht einfach herbeibomben lässt", geben die LÜBECKER NACHRICHTEN zu bedenken.
Die US-amerikanische Zeitung THE NEW YORK TIMES empfiehlt: "Westliche Regierungen sollten mit einer ernsthaften politischen Planung für die Möglichkeit eines Wandels im Iran beginnen. Es gibt zahlreiche Szenarien, die eintreten könnten. Eine Möglichkeit ist eine Übergangsregierung unter der Leitung einer Persönlichkeit aus der Zivilgesellschaft, die die Aufgabe hat, ein demokratisches System zu etablieren und Wahlen einzuleiten. Besorgniserregend wäre es, wenn eine Figur aus den Reihen der Islamischen Revolutionsgarden die Kontrolle an sich reißen würde, um das bestehende System unter einer neuen Fassade zu erhalten. Nach der iranischen Revolution von 1979 bemerkte Anthony Parsons, der damalige britische Botschafter in Teheran: 'Rückblickend ist mein Urteil, dass unser Versagen weniger an mangelnden Informationen als vielmehr an mangelnder Vorstellungskraft lag.' Washington und seine westlichen Verbündeten sollten diesen Fehler nicht noch einmal begehen", mahnt THE NEW YORK TIMES.
Themenwechsel. "Auf dieses Signal hat Deutschlands angeschlagene Exportwirtschaft lange gewartet", schreibt die WELT AM SONNTAG: "Die EU-Länder stimmten für das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten. Zusammen mit dem südamerikanischen Wirtschaftsblock – dem Schwergewichte wie Brasilien, Argentinien und bald womöglich wieder das seit 2016 suspendierte Venezuela angehören – entsteht die größte Freihandelszone der Welt. In diesen Zeiten, in denen der Protektionismus grassiert und Regelverstöße gegen das Welthandelssystem an der Tagesordnung sind, macht die Einigung in Brüssel Hoffnung. Besonders das stark exportabhängige Deutschland profitiert von offenen Märkten. Zwar rangiert Mercosur als Absatzmarkt für Produkte 'Made in Germany' nur unter ferner liefen. Doch das Potenzial ist groß und ebenso die Not der hiesigen Unternehmen, die dringend neue Kundschaft brauchen. Die Geschäfte in den USA und in China sind eingebrochen und werden sich möglicherweise dauerhaft nicht erholen. Mehr noch: Weitere Verschärfungen der Handelsstreitigkeiten mit den beiden Großmächten sind jederzeit möglich. Für mehr Resilienz im Exportgeschäft müssen die Deutschen ihre Stellung auf anderen Märkten ausbauen", ist die WELT AM SONNTAG überzeugt.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN verweist auf Gegenstimmen einiger EU-Mitgliedsstaaten wie Frankreich. Dennoch seien Kommissionspräsidentin... "... Ursula von der Leyen und ihre Mitstreiter hartnäckig drangeblieben, dieses Abkommen mit Mercosur unbedingt abzuschließen. Sie sind überzeugt, dass eine Freihandelszone für die wirtschaftliche Entwicklung der Europäischen Union großen Gewinn bedeutet. Neben den Verhandlungen mit Indien gibt es bei der EU auch einen Plan für ein Freihandelsabkommen mit Pazifik-Anrainerstaaten wie Japan, Australien oder Kanada. So will die EU ein Leuchtturm des weltweiten Freihandels sein, während die US-Regierung unter Donald Trump immer stärker zum Protektionismus neigt", notiert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die PRESSE AM SONNTAG aus Österreich geht auf den Streit um Grönland ein: "Vertrauen in gemeinsame Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Freiheit ließ die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, sich Grönland aneignen zu wollen, anfangs wie einen schlechten Witz aussehen. Dies wird nun rückwirkend als Naivität ausgelegt. Durch das Beharren der Ansprüche auf die arktische Insel und die Wiederholung von 'Fakten' - wenn sich die USA nicht der Insel bemächtigten, dann würden dies China oder Russland tun - wird aus der Ungläubigkeit ein ernst zu nehmendes Szenario. Wie kann sich Europa gegen die Politik 'Alles ist möglich' wehren? Zuallererst, indem es unbeirrt am internationalen Recht festhält. Und bei aller Sorge über die neue Weltordnung daran erinnert, dass die EU schon Krisen gemeistert hat, denen man höchste Sprengkraft attestiert hatte: sei es Griechenlands Staatsschuldenkrise, sei es der Brexit", schreibt DIE PRESSE aus Wien.
Die chinesische Zeitung LIANHE BAO spekuliert, US-Präsident Trump habe... "... jedem grönländischen Bürger bis zu 100.000 Dollar angeboten. Würden sich die Grönländer bestechen lassen? Wünschenswert wäre, gemäß des Völkerrechts, das Inselvolk selbst über seine Zukunft entscheiden zu lassen. Fatal ist, dass der US-Präsident Gesetze lieber mit Füßen tritt. Als US-Vizepräsident Vance die Dänen vor China und Russland warnte, fand ein dänischer Abgeordneter klare Worte: Weder Peking noch Moskau stellen eine Gefahr dar, sondern einzig Washington. Wen wundert das?" Das war LIANHE BAO aus Taipeh.
Die dänische Zeitung POLITIKEN fragt: "Wie viel Souveränität, wie viele Ressourcen und wie viele Werte wollen grönländische und dänische Politiker aufs Spiel setzen, um die USA zufriedenzustellen? Trumps Weltordnung belohnt Stärke und Loyalität – und bestraft Zögern. Für kleine und mittelgroße Länder ist die Wahl brutal und einfach: Entweder man akzeptiert die Rolle als Spielfigur im Spiel der anderen, oder man stärkt sich gegenseitig durch neue Allianzen und gemeinsame Widerstandsfähigkeit. Grönland und Dänemark dürfen nicht so tun, als könnten sie sich dieser Wahl entziehen", bemerkt POLITIKEN aus Kopenhagen.
Abschließend eine Stimme zum Bruch der Regierungsbündnisses von SPD und BSW in Brandenburg. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG erläutert: "Eine Koalition ist am Ende, dann gibt es eben eine andere. Was gerade im Landtag von Brandenburg passiert, kann man Potsdamer Pragmatismus nennen. Aber dann übersieht man das Drama, das dahintersteht. In Brandenburg und auch sonst vielerorts in Deutschland ist das Parteiensystem am Ende, das die Bundesrepublik getragen hat. Ob es einen funktionierenden Nachfolger haben wird, weiß keiner. Überraschend kommt das Ende nicht, es wurde nur lange mit schwarz-roten Koalitionen kaschiert. Aber selbst das wird immer schwieriger, siehe Brandenburg, wo es jetzt genau auf so eine Koalition hinausläuft." Das war zum Ende dieser Presseschau die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.