
Angesichts der unverminderten Ansprüche Trumps auf Grönland blickt die WELT AM SONNTAG auf die Möglichkeiten der Europäer: "Es rächt sich jetzt, dass die Zeitenwende, verstanden als europäische Fähigkeit zur Verteidigung der eigenen Sicherheit, verschlafen wurde. Deutschland und Europa haben zu wenig von jener Währung, die in der neuen Weltordnung allein zählt: militärische Macht, um eigene Interessen zu untermauern. Hätte man all jene Maßnahmen zur Aufrüstung, die jetzt in der zweiten Amtszeit Trumps begonnen wurden, schon 2014 nach der Krim-Annexion oder spätestens nach der ersten Amtszeit Trumps eingeleitet, stünde man jetzt womöglich souveräner da. Stattdessen bleibt der Bundesregierung aus dieser Position der Schwäche nur der Versuch, das Worst-Case-Szenario abzuwenden. Gelingen soll das, indem den USA die Kosten eines Scheiterns der NATO vor Augen geführt werden", schreibt die WELT AM SONNTAG.
"Es würde uns nicht überraschen, wenn wir eines Morgens lesen würden, dass die USA Grönland annektiert haben", konstatiert die Online-Zeitung T24 und spielt das Szenario durch: "Was würde in diesem Fall passieren? Die Vereinigten Staaten würden gegen Artikel 2 Absatz 4 der Charta der Vereinten Nationen verstoßen. Sie würden den 'Straftatbestand der Aggression' begehen. Außerdem könnten sich die USA, wie im Irak, nicht auf das Argument der 'legitimen Verteidigung' berufen. Denn eine Androhung eines nuklearen Angriffs oder eines Präventivkriegs gegen Dänemark wäre nicht gerechtfertigt. Eine solche Annexion wäre somit nach internationalem Recht null und nichtig. Alle Staaten sind verpflichtet, die Position der USA abzulehnen. Die NATO würde in diesem Fall zusammenbrechen. Wenn Grönland annektiert würde, wären Verstöße gegen das Völkerrecht nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Es könnte dann morgen Taiwan, das Südchinesische Meer, die übrigen Regionen der Ukraine oder andere Gebiete betreffen." Soweit das Zitat von T24 aus Istanbul.
Dass Trump den europäischen Unterstützern Grönlands nun Strafzölle aufbrummen will, gibt der SUNDAY TIMES aus London zu denken: "Wirtschaftsführer hegen die schwache Hoffnung, dass der US-Präsident in seiner zweiten Amtszeit mehr bellt als beißt. So hatte er im Oktober für China Zölle in Höhe von 145 Prozent angekündigt - um sie später um zwei Drittel herunterzuhandeln. Firmenchefs werden sich außerdem insgeheim fragen, ob diese neueste Bombe von Trump auf seiner Plattform Truth Social ein weiterer Fall von TACO ist. Das Kürzel steht für "Trump Always Chickens Out", etwa: "Trump kneift immer". Oder ob es vielleicht die erste Salve in einem Streit ist, der schließlich auf diplomatischem Weg beigelegt wird", heißt es in der britischen SUNDAY TIMES.
Die in Tokio erscheinende ASAHI SHIMBUN stellt fest: "Die angeblichen Drohungen aus China und Russland sind nur ein Vorwand. Das wahre Ziel Trumps sind die Rohstoffe in Grönland. Man sollte nicht vergessen: Trumps egoistisches Handeln, das internationale Zusammenarbeit und Regeln ignoriert, wird als Boomerang für die USA zurückkommen. Ohne Bündnis wird sich das Land isolieren müssen. Dass die USA die Regeln des Freihandels mit Füßen treten, wird die Weltwirtschaft hart treffen. Die Regierung in Tokio sollte die Konflikte mit Washington nicht scheuen und mit dem Schmeicheln aufhören", schlägt die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN vor.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG wagt sich an einen historischen Vergleich: "Als Hitler Österreich nahm und kaum jemand muckte, nahm er auch die Tschechoslowakei. Als auch da nichts passierte, nahm er Polen, und als Paris und London sich weiter wegduckten, waren Frankreich und viele andere Länder als Nächste dran. Trump ist nicht Hitler, aber auch er will mehr als nur Grönland. Er streckt seine Finger nach Venezuela, Panama und Gaza, will Kanada zum 51. Staat der USA machen, und er betreibt den Zerfall der Europäischen Union. Sein Griff nach Grönland ist deshalb Teil einer Politik, die Deutschlands Kerninteressen bedroht. Es ist deshalb nötig, klug und entschlossen Widerstand zu leisten. Und vor allem schnell, denn jedes Zögern ermutigt Trump zum nächsten Schritt", prognostiziert die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
Im TAGESSPIEGEL am Sonntag heißt es: "Autoritäres Denken beginnt mit Sprache. Trumps Sprache kennt keine Grautöne, nur Sieger und Verlierer, Patrioten und Verräter, 'wir' und 'die', die anderen. Das ist kein Zufall, sondern Methode. Wer Politik wie er auflädt, entzieht sie der Debatte. Widerspruch wird dann nicht mehr als legitimer Teil demokratischer Kultur begriffen, sondern als Angriff auf das 'wahre Volk'. Trump stellt sich selbst als dessen exklusiven Sprecher dar – ein Führungsanspruch, verpackt im Sound populistischer Empörung. Institutionen sind in seinem Weltbild störendes Beiwerk. Gerichte, Parlamente, Medien: Alle sollen sie bestätigen, nicht kontrollieren. Wer es nicht tut, wird delegitimiert. Richter sind 'politisch', Journalisten 'Volksfeinde', Wahlen 'manipuliert', sobald das Ergebnis nicht passt. Das ist keine bloße Rhetorik für die eigene Anhängerschaft, sondern eine systematische Aushöhlung von Vertrauen", kritisiert der TAGESSPIEGEL aus Berlin.
Die NZZ am Sonntag greift die Proteste in den USA gegen das Vorgehen der Einwanderungspolizei ICE auf und fragt sich, ob das möglicherweise im Sinne des Präsidenten sein könnte. "Das Weiße Haus zeigt keine Reue oder Skrupel. Der schiessende ICE-Beamte wird kaum belangt werden, und Trump spricht schon davon, den Insurrection Act anzuwenden, der den Einsatz des Militärs bei zivilen Unruhen erlauben würde. Es wirkt so, als hätte es Trump geradezu darauf abgesehen", ist in der NZZ AM SONNTAG aus der Schweiz zu lesen.
Zur Entwicklung im Iran schreibt die Zeitung VERDENS GANG aus Oslo: „Das Verhältnis der Iraner zu den USA ist kompliziert. Viele Iraner sind bis heute verbittert darüber, dass die CIA 1953 den Weg für einen Putsch gegen den demokratisch gewählten Premier Mohammad Mosaddegh ebnete. Damals bestand die Chance auf die Entwicklung einer echten Demokratie, doch stattdessen regierte weiterhin der Schah, von Amerikas Gnaden. Sowohl der Iran als auch die ganze Welt könnten ein sichererer Ort werden, wenn das heutige Regime stürzt. Aber in diesem Fall könnte auch ein Bürgerkrieg drohen, denn die Wirtschaftssanktionen des Westens haben die iranischen Revolutionsgarden gestärkt. Und nichts deutet darauf hin, dass sie die militärische Kontrolle oder die wirtschaftliche Macht abgeben, wenn der religiöse Machtapparat fällt", mahnt das norwegische Blatt VERDENS GANG.
Ein Umsturz im Iran sei nur eine Frage der Zeit, glaubt die PRESSE AM SONNTAG aus Österreich: "Mit seinen 86 Jahren macht sich Ayatollah Ali Khamenei offenbar keine großen Sorgen mehr um seine Zukunft, um sein Land hat er sich in den 37 Jahren seiner desaströsen Amtszeit ohnehin nie geschert. Anstatt sich in seinem Bunker still zu verhalten, bettelt Irans Oberster Religiöser Führer förmlich um eine Militärintervention der USA. In einer öffentlichen Mitteilung hat er US-Präsident Donald Trump als 'Verbrecher' bezeichnet und ihm die Verantwortung für Tausende Tote im Zuge der jüngsten Massenproteste umgehängt. Das ist eine dreiste Unverfrorenheit der Sonderklasse", unterstreicht die PRESSE AM SONNTAG, die in Wien erscheint.
Abschließend ein Blick in den Kommentar von KARAR aus Istanbul: "Die Tatsache, dass Tausende Menschen während der Proteste ihr Leben verloren haben, zeigt das gewaltige Potenzial der Krise im Iran. Es ist bedauerlich, dass die Menschenwürde derjenigen, die ihr Leben verloren haben, in Vergessenheit gerät und die Zahlen täglich als Propagandamaterial über unsere Bildschirme flimmern. In dieser Lage sollten wir vor allem die menschliche Dimension des Geschehens nicht aus den Augen verlieren. Die Krise im Iran ist noch lange nicht vorbei und birgt Gefahren und menschliche Tragödien, die weit über ähnliche politische Spannungen hinausgehen." Mit dieser Einschätzung der türkischen Zeitung KARAR endet die Presseschau.
