01. März 2026
Die Presseschau

Die uns vorliegenden Zeitungen kommentieren insbesondere die Luftangriffe Israels und der USA auf den Iran. In der Online-Ausgabe der NEW YORK TIMES heißt es zum Tod des geistlichen Oberhaupts Chamenei:

Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, hat Verhandlungen mit den USA im Atomstreit eine klare Absage erteilt
Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, ist bei den israelisch-amerikanischen Angriffen getötet worden. (picture alliance / ZUMAPRESS.com | Rouzbeh Fouladi)
"Der Angriff hat zwar zur Tötung eines brutalen Diktators geführt, aber es bleibt unklar, wie es nun weitergeht. US-Präsident Trump hat nicht dargelegt, warum die Welt davon ausgehen sollte, dass dieser Regimewechsel besser ausgeht als die Regimewechsel im Irak und in Afghanistan zu Beginn dieses Jahrhunderts. Diese Kriege haben zwar Regierungen gestürzt, aber verständlicherweise die amerikanische Öffentlichkeit gegenüber unbefristeten Militäroperationen von ungewissem nationalem Interesse verbittert und die Soldaten, die loyal daran teilgenommen haben, verärgert. Jetzt, da die Militäroperation im Gange ist, wünschen wir uns vor allem die Sicherheit der amerikanischen Truppen und das Wohlergehen der vielen unschuldigen Iraner, die seit langem unter ihrer brutalen Regierung leiden", schreibt THE NEW YORK TIMES.
DER TAGESSPIEGEL vermutet, dass Trump keinen Plan für die Zukunft des Iran hat: "Dabei haben die Invasion des Irak 2003 und die Beseitigung des libyschen Machthabers Gaddafi einige Jahre später gezeigt, wo derartige Interventionen enden: in Chaos und Anarchie. Man möchte sich nicht ausmalen, was es hieße, wenn der Iran ebenso endet. Diese Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Denn der Nahe Osten ist ein besonders schwieriges Umfeld. Das wird Trump kaum bedacht haben, als er den Befehl zum Angriff gab. Oder hat er billigend in Kauf genommen, dass mit dem Angriff auf den Iran die Region in Brand gesetzt werden könnte? Nein, das ist unwahrscheinlich. Diese Gemengelage könnte für ihn zu einem massiven Problem werden. Dann, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten als Oberbefehlshaber sein Land in einen langen, womöglich verlustreichen Krieg geführt hat", warnt DER TAGESSPIEGEL.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN erinnert: "Wegen des Atomprogramms hatten die USA und der Iran gerade noch am Donnerstag verhandelt und der Iran hatte das nächste Gespräch in Aussicht gestellt. Es ist zutiefst bedauerlich, dass diese diplomatischen Bemühungen von einer militärischen Aktion begraben werden. Das Thema Atomprogramm kann nicht einfach durch eine militärische Intervention erledigt werden. Gerade deswegen haben die bisherigen Regierungen in Washington versucht, das Problem diplomatisch zu lösen. Vom Atom-Abkommen mit dem Iran 2015 stiegen die USA 2018, in der ersten Amtszeit Trumps, einseitig aus. Das bedeutet: Trump ist für die aktuelle Lage mitverantwortlich", betont NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die österreichische Zeitung DIE PRESSE AM SONNTAG fragt: "Verstoßen die Angriffe auf den Iran gegen internationales Recht? Ja, es gilt ein Gewaltverbot. Und mit dem Recht auf Selbstverteidigung lässt sich auch nur über zwei Ecken argumentieren. Trump hat Irans Atomprogramm eigenen Angaben nach ja schon im Juni in der Operation 'Mitternachtshammer' vernichtet. Israel, dessen Auslöschung der Iran anstrebt, spricht nun von einem 'Präventivschlag'. Doch die Islamische Republik plante zuletzt keinen Angriff. Im Gegenteil: Es waren weitere Verhandlungen über das Atomprogramm angesetzt und die israelisch-amerikanische Allianz schlug wie schon im Juni trotzdem zu. Dennoch klingt es ohrenbetäubend hohl, wenn ausgerechnet die iranische Regierung, die Terrorgruppen wie die Hamas unterstützt, nun die Verletzung des Völkerrechts beklagt", unterstreicht die Wiener Zeitung DIE PRESSE AM SONNTAG.
Der Kommentator der Online-Ausgabe der Zeitung DIE WELT begrüßt den Angriff auf den Iran: "Nach Jahrzehnten opportunistischer und auch feiger Appeasement-Politik ist es nun einmal mehr Donald Trump, einer der großen amerikanischen Präsidenten, der sich entschieden hat, nicht länger zuzusehen. Er riskiert damit viel: Gewählt wurde er von Bürgern, die es leid waren, den klug defäkierenden, moralisierenden Europäern aus der Patsche zu helfen und die genug hatten von der – vielfach ungeliebten – Rolle Amerikas als Weltpolizei. Das 'Ami go home' der Linken und Grünen war auch das Ideal der MAGA-Wähler. Doch Trump entschied sich für die Freiheit und den Kulturkampf gegen die Barbaren im Iran – und gegen seine Wähler.Jeder Anhänger von Freiheit und Demokratie muss den Amerikanern und den Israelis die Daumen drücken", ist in der WELT zu lesen.
Die Lage sei dramatisch, notiert die norwegische Zeitung VERDENS GANG. "Ab jetzt ist alles möglich, denn der Angriff auf den Iran durch Israel und die USA kann einen umfassenden Krieg in der Region auslösen. Die USA und der Iran sind seit der islamischen Revolution 1979 verfeindet, und Israel betrachtet den Iran als existenzielle Bedrohung. Vor acht Monaten unterstützten die USA Israel bei Angriffen auf iranische Atomanlagen. Es ist unklar, was zerstört wurde, aber vieles deutet darauf hin, dass der Angriff weniger erfolgreich war als von Trump behauptet. Das iranische Regime ist eine Bedrohung, für die eigenen Bürger und für die übrige Welt. Am besten wäre es, wenn das Regime kollabiert und etwas Besseres an seine Stelle tritt. Aber die Sache könnte eben auch fürchterlich schief gehen - für den Iran, für Israel und die Region. Wir wollen das Beste hoffen. Aber gleichzeitig müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen", findet VERDENS GANG aus Oslo.
Der Kommentator der Zeitung DIE ZEIT vermisst einen Plan für die Zukunft des Iran: "Der stärkste Einwand gegen diesen Krieg hat mit dem Danach zu tun, mit der Unklarheit über das angestrebte politische Ziel. Die iranische Opposition ist notorisch zerstritten; wie viel Unterstützung der Sohn des letzten Schahs, die prominenteste Figur unter den Regimegegnern, genießt, kann niemand verlässlich sagen. Welche Alternative zum weithin verhassten Mullah-Regime den Protestierenden im Iran selbst vorschwebt, wissen wir und vielleicht auch die Protestierenden selbst bei Weitem nicht genau genug. Ganz zu schweigen von der undurchschaubaren Dynamik im Machtapparat selbst, der sich ja auch im Fall einer deutlichen Niederlage und einer möglichen Enthauptung des Spitzenpersonals nicht einfach in Luft auflösen wird. Das alles bringt enorme Risiken mit sich", hebt DIE ZEIT hervor.
Die Schweizer NZZ AM SONNTAG analysiert: "Die Terror- und Bürgerkriegsjahre im Irak oder der Zerfall Libyens nach einer anderen unüberlegten Intervention des Westens sollten eine Warnung sein. Auch dem Iran könnte ein solcher Weg in den Abgrund bevorstehen – einem Land, so groß wie Libyen und mit einer doppelt so großen Bevölkerung wie jene des Iraks. Doch seine Verantwortungslosigkeit begründet Trump mit der Eigenverantwortung der Iraner. Sie hätten es in der Hand, eine freie Regierung aufzubauen. Allein, ohne Waffen, gegen Revolutionswächter und Basijmiliz. Man möchte nicht in ihrer Haut stecken", meint die NZZ AM SONNTAG aus Zürich.
Die türkische Zeitung HÜRRIYET aus Istanbul warnt vor einem Bürgerkrieg im Iran: "Ohne Bodenoffensive kann das Regime nur durch einen starken internen Aufstand gestürzt werden. Ein möglicher Aufstand könnte zu einem Bürgerkrieg führen. Das ist uns heute klar: Oman, Genf, Wien. Verhandlungen, Treffen, runde Tische. Aber es war alles Theater. Es war alles Täuschung. Es war alles nur gespielt."
Die RHEINPFALZ AM SONNTAG, die in Landau herausgegeben wird, befürchtet gravierende Auswirkungen: "Die Entwicklungen im Nahen Osten werden Menschen auf der ganzen Welt betreffen. Der Ölpreis wird steigen, Länder wie Saudi-Arabien können noch mehr Rohstoffe absetzen. Der Iran hat überall seine Agenten und Terroristen. Sie haben in der Vergangenheit gezeigt, wie sie mit ihren Aktionen Schlimmes verursachen können. Jüdisches Leben braucht – leider wie so oft – unser aller entschiedenen Schutz. Die Welt mag ohne einen mit Atomwaffen ausgerüsteten Iran sicherer werden. Die unmittelbaren Risiken für alle sind seit gestern jedoch nicht kleiner geworden", betont die RHEINPFALZ AM SONNTAG.