
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN warnt vor einem Flächenbrand: "Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran weiten sich auf die Region aus. Das Chaos wird durch US-Präsident Trump und seine sich täglich ändernde Strategie verstärkt. Am ersten Tag appellierte Trump an die iranische Bevölkerung, einen Regimewechsel herbeizuführen. Zwei Tage später nannte Trump die Zerstörung der Atomwaffen, einen Regimewechsel erwähnte er nicht mehr. Dennoch will er offenbar an der Auswahl eines Nachfolgers für den getöteten Ajatollah Chamenei beteiligt werden. Zuletzt nannte Trump plötzlich eine bedingungslose Kapitulation des Irans als Voraussetzung für ein Ende der Angriffe. Offenbar hat das Militär keine überdachte Strategie. Kämpfe ohne Strategie erhöhen die Unsicherheit weltweit und schaden allen. Die USA, Israel, der Iran und betroffene Staaten sollten alle Anstrengungen unternehmen, damit es eine Lösung durch Gespräche gibt", appelliert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Der Kommentator der WASHINGTON POST warnt vor einem Bürgerkrieg im Iran: "Im Iran leben viele ethnische Gruppen – Kurden, Armenier, Aserbaidschaner –, die Verbindungen zu Nachbarländern haben. Sie haben friedlich zusammengelebt, aber wie die Geschichte zeigt – vom Balkan bis zum Irak –, ziehen sich die Menschen, wenn die Ordnung zusammenbricht und ein Machtvakuum entsteht, in ihre Stammesgruppen zurück und verlieren das Vertrauen in andere. Und so beginnt ein Bürgerkrieg. Was diesen Krieg anheizen könnte, ist die Tatsache, dass die iranische Regierung über eine große Zahl engagierter, bis an die Zähne bewaffneter Soldaten verfügt, die gegen jede neue Regierung oder Gruppe kämpfen würden. Für Israel ist dies wahrscheinlich ein akzeptables Ergebnis. Es befreit das Land von seinem größten Feind, und wenn dies zu Chaos im Iran und im Libanon führt, dann sei es so", ist in der WASHINGTON POST zu lesen.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG notiert: "Wenn es stimmt, dass der amerikanische Geheimdienst CIA und der israelische Mossad iranisch-kurdische Milizen im Nachbarland Irak bewaffnen und mit Luftunterstützung in Iran einsetzen wollen, wäre das eine höchst beunruhigende Entwicklung. Israel und die USA würden damit die Gefahr eines Bürgerkriegs und eines Staatszerfalls willentlich in Kauf nehmen. In den Augen vieler Iraner würde ein solches Vorgehen bedeuten, dass es Israel und den USA nicht nur um den Sturz des islamistischen Regimes in Teheran geht, sondern darum, Iran als Staat zu destabilisieren", erläutert die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT fragt, wer den Iran regiert: Präsident Peseschkian oder die Revolutionsgarden? "Einerseits wandte sich Peseschkian an die Nachbarländer und erklärte, die iranischen Streitkräfte würden künftig keine Staaten der Region angreifen. Nur im Falle eines Angriffs auf iranisches Territorium werde es eine Antwort geben. Andererseits vertrat der iranische Justizchef Mohseni-Ejei eine völlig andere Position. Er kündigte an, Angriffe auf 'dem Feind überlassenes Territorium' in der Region würden fortgesetzt. Tatsächlich wurzelt dieser Widerspruch im Wesen des iranischen politischen Systems. Der Iran wird nicht allein vom Präsidenten regiert. Die wahre Macht in diesem Land konzentriert sich oft in den Händen der Revolutionsgarden und des Sicherheitsapparats", analysiert die Zeitung MÜSAVAT aus Baku.
Die Schweizer NZZ AM SONNTAG schreibt: "Für J. D. Vance, der große Ambitionen hat, Trump als Präsidenten zu beerben, ist der Iran-Krieg ein Desaster, ja eine Desavouierung, hatte Vance doch seine politische Karriere auf 'America first' und der Maga-Bewegung aufgebaut. Vance muss nun die harte Lektion lernen, dass Maga keine normale Ideologie ist, sondern vor allem ein Kult. Trumps Unberechenbarkeit könnte Vance’ politisches Verhängnis werden. Trump geht mit diesem Krieg ein enormes Risiko ein für die Zwischenwahlen. Denn nur etwa 30 Prozent der Amerikaner sind für den Einsatz militärischer Kräfte in Iran und den Sturz des Regimes in Teheran. Trump schwelgt in seiner Macht, die Welt ins Chaos stürzen zu können. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass der Disruptor in Chief die Kontrolle verliert", notiert NZZ AM SONNTAG aus Zürich.
Die Zeitung WELT AM SONNTAG vermisst eine gemeinsame europäische Außenpolitik: "Das jüngste Beispiel für die europäische Orientierungslosigkeit in der Außenpolitik ist der Militäreinsatz im Iran. Wollte man eine europäische Position in der Sache finden, wäre das am ehesten eine grundsätzliche Verurteilung des Mullah-Regimes bei gleichzeitig skeptischer Haltung gegenüber einem Militäreinsatz. Diese Haltung wäre schon zahnlos genug. Aber leider kommt die europäische Hilflosigkeit in der Iranfrage auch noch in unterschiedlichen Schattierungen daher. Von einer klaren deutschen Analyse der eigenen Schwäche bei grundsätzlicher Solidarität mit dem Einsatz bis zu der spanischen Belehrung mit Komplettablehnung des Einsatzes ist vieles zu finden zwischen Paris, Berlin, Budapest und Kopenhagen. Während die Welt sich am vergangenen Wochenende stündlich verändert, beraten in Brüssel Diplomaten über kleinste gemeinsame Nenner einer Position, auf die niemand wartet. Die europäische Außenpolitik ist tot", findet die WELT AM SONNTAG.
Die LÜBECKER NACHRICHTEN kommentieren die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland, denn "trotz ambitionierter Pläne der neuen Regierung" sei die Aufbruchstimmung verflogen: "Zurzeit gibt es zwei Szenarien für die konjunkturelle Entwicklung – beide lassen ein weiteres verlorenes Jahr für die Strukturreformen fürchten. Bis zur vergangenen Woche hatten sich noch die positiven Signale gemehrt. Es zeichnete sich ein Wirtschaftswachstum sogar in den betont pessimistischen Prognosen ab, ein sanfter Aufschwung in Europa und auch Deutschland. Man ahnte die politische Folge: Die Bundesregierung könnte sich in ein paar Monaten in ihren angeblichen Erfolgen sonnen, der Reformdruck ließe vermeintlich nach. Das andere Szenario gibt es seit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran, und es heißt Stagflation: Stark steigende Energiepreise könnten die allgemeine Inflation anfachen und gleichzeitig den Aufschwung stoppen. Auch hier ist die politische Folge absehbar: Man würde sich mit Diskussionen um Nothilfen und Preisbremsen beschäftigen, die Spritpreisdebatte gibt einen ersten Vorgeschmack. Kurzatmiger Aktionismus ohne Effekt würde die großen Reformprojekte an den Rand drängen. Ein weiteres verlorenes Jahr kann sich die deutsche Wirtschaft jedenfalls nicht leisten", warnen die LÜBECKER NACHRICHTEN.
Hören Sie nun noch einen Kommentar zum Weltfrauentag. Die österreichische Zeitung DIE PRESSE AM SONNTAG warnt vor einem Rückzug in die Hausfrauenrolle. Dies sei eine freiwillige Selbstentmachtung: "Der Konflikt im Iran dient als ein Argument mehr, den Kopf in den Sand zu stecken und lieber zu backen, als sich über das Weltgeschehen zu informieren. Dabei zeigt doch gerade der Iran exemplarisch, dass Freiheit und politische Teilhabe für Frauen alles andere als selbstverständlich sind. Seine Geschichte macht auch mehr als alles andere deutlich, dass einmal erreichte Gleichstellung kein Selbstläufer ist, sondern ein Prozess, an dem es immer wieder zu arbeiten gilt - manchmal entgegen allen staatlichen und religiösen Strömungen. Das trifft auch auf Österreich zu. In den vergangenen Jahrzehnten wurde erkämpft, dass Frauen keine Unterschrift des Ehemannes mehr brauchen, zum arbeiten zu dürfen, innereheliche Vergewaltigung strafbar ist, Frauen alle politischen Ämter übernehmen können und es mehr Bewusstsein für Väterbeteiligung gibt. Doch es wäre falsch, deshalb nun die Hände in den Schoß zu legen. Wenn der Weltfrauentag also nur als Erinnerung gut ist, uns nicht auszuruhen, dann hat er seinen Zweck schon erfüllt", unterstreicht die Wiener PRESSE AM SONNTAG.
