
Hören Sie zunächst die NEW YORK TIMES. "Mehr als ein halbes Jahrhundert lang und in Dutzenden Büchern hat sich Jürgen Habermas dem vorherrschenden Trend eines postmodernen Zynismus gegenüber Wahrheit und Vernunft widersetzt. Unerschütterlich hat er die Ideale der Aufklärung und die Möglichkeiten individueller und gesellschaftlicher Freiheit verteidigt. Besonders bekannt war er, weil er Anfang der 60er Jahre den Begriff der 'Öffentlichkeit' einführte. Er begründete die Theorie, dass Demokratie nur dadurch entstehen und in einer gesunden Form fortbestehen kann, wenn es einen Raum gibt, der sich der Kontrolle des Staates entzieht - und in dem der freie Austausch von Ideen stattfinden kann." Das war ein Auszug aus der NEW YORK TIMES.
"Habermas war eine prägende Figur der deutschen Geistesgeschichte der Nachkriegszeit", urteilt der britische GUARDIAN. "Bekannt ist er vor allem für seine Theorie der politischen Konsensbildung. Er hat auch den Diskurs über die europäische Integration und die Gründung der EU mitgeprägt. Trotz seines Hintergrunds in der neomarxistisch geprägten Frankfurter Schule und seines Rufs als Hofphilosoph der SPD reichte sein Einfluss über die Parteigrenzen hinaus."
"Mit Jürgen Habermas verstirbt einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts", steht für die LIBERATION aus Paris fest. Die Zeitung betont, Habermas sei ein aktiver Intellektueller gewesen, der - Zitat: "...so wie Russell, Sartre, Pasolini, Foucault oder Bourdieu zu allen politischen, sozialen, moralischen und bioethischen Fragen Stellung bezog, die die öffentliche Meinung prägen oder spalten. Er verkörperte eine Art 'linkes Gewissen' Deutschlands."
"Trotz seiner vielen wissenschaftlichen Arbeit blieb Habermas eine Figur, die das Licht der Öffentlichkeit nie wirklich verließ", findet auch der Autor der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG. "Im sogenannten 'Historikerstreit' wandte er sich mit Verve gegen jene 'apologetischen Tendenzen', die er etwa in der Geschichtsschreibung Ernst Noltes, Michael Stürmers oder Klaus Hildebrands erblickte. Die Singularität der nationalsozialistischen Verbrechen sollte durch keinen Vergleich mit den Untaten des Stalinismus relativiert, gar auf diese kausal bezogen werden", erläutert die F.A.Z. auf ihrer Internetseite.
DIE ZEIT kommentiert, es gehöre zur, Zitat: "...Tragik des Denkens von Jürgen Habermas, dass in den vergangenen Jahren viele seiner Hoffnungen zerbröckelten: der Aufstieg autoritärer Ideen, ein Krieg wieder mitten in Europa, Amerikas Irrweg, Trumps Rundumschlag gegen westliche Werte und regelbasierte Weltordnung. Besonders deutlich zeigte sich das in seiner Haltung zur Ukraine. Habermas verteidigte das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung und rief den Westen zur Unterstützung auf, zugleich warnte er eindringlich vor militärischer Eskalation, vor einem Hineingleiten in einen Krieg zwischen Atommächten und drängte auf rechtzeitige Friedensverhandlungen. Inmitten der scheinbar unaufhaltsamen Logik der Macht hielt er an der Idee fest, dass politische Vernunft auch im Krieg nicht verstummen darf", merkt die ZEIT an.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG beschreibt Habermas metaphorisch als "Sturmvogel der Bundesrepublik". Als solcher habe er sich bis zum Schluss über 'verzwergte politische Eliten' und den 'kleinteiligen Opportunismus der Machterhaltung' aufregen können. "Deshalb warnte er auch davor, die sogenannten Wutbürger 'in Watte zu packen'. 'Bürger sind Erwachsene und haben einen Anspruch darauf, als solche behandelt zu werden.' Jürgen Habermas hat danach gelebt und dafür sein Leben lang geschrieben. Einer wie er wurde für die Demokratisierung Deutschlands dringend gebraucht. Sein 'Projekt der Aufklärung' geht weiter", betont die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
"Im Fall von Jürgen Habermas könnte man vielleicht sagen: Die Ära war schon vor seinem Tod zu Ende und er hatte das Pech, noch eine Weile in ihren Trümmern zu stehen", schreibt DER SPIEGEL. "Aber es ist eben eine maximal große Epoche, die endet: Nämlich die der alten Bundesrepublik Deutschland, deren Gepflogenheiten und Selbstverständnis die Wiedervereinigung gut überlebten und die dann doch bis weit ins neue Jahrtausend hereinreichten." So weit DER SPIEGEL.
Und die TAZ, die TAGESZEITUNG aus Berlin, fügt abschließend hinzu: "Als Jürgen Habermas zwanzig Jahre nach 1968 gefragt wurde, was von der Studentenbewegung geblieben sei, sagte er: Frau Süssmuth. Wenn heute gefragt wird, welcher Intellektuelle aus der alten Bundesrepublik heute noch zählt, würden die meisten sagen: Herr Habermas."
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN geht auf den Iran-Krieg ein. Das US-Militär hatte zuletzt auch die Insel Kharg angegriffen, die für die iranische Ölindustrie eine entscheidende Rolle spielt. "Präsident Trump betonte, bei den Angriffen sei nicht die Öl-Infrastruktur das Ziel gewesen - sondern lediglich Militäranlagen. Trump wollte offenbar damit drohen, dass die USA als Nächstes der iranischen Wirtschaft einen tödlichen Schlag versetzen könnten. Allerdings könnte sich dadurch die Wahrscheinlichkeit des Worst-Case-Szenarios erhöhen. Der Iran könnte seinerseits der Weltwirtschaft einen Schlag versetzen, indem er die Blockade der Straße von Hormus eskalieren lässt und die Öl-Infrastruktur der Golf-Staaten attackiert", gibt ASAHI SHIMBUN zu bedenken.
Der US-Präsident hat auch angekündigt, Kriegsschiffe in die Straße von Hormus zu schicken. XINJING BAO aus Peking wertet das als Zuspitzung der Lage. "Es passt zu den Ambitionen von Präsident Trump, alle strategisch wichtigen Standorte der Welt unter amerikanische Kontrolle zu bekommen. Beim Iran-Feldzug geht es um die Kontrolle der globalen Energieversorgung. Ein Ziel wäre, die strategischen Inseln an beiden Seiten der Straße von Hormus zu besetzen. Das würde bedeuten, dass Amerika womöglich bald auch Bodentruppen in die Region schickt. Die iranische Seite hat bereits den härtesten Widerstand angekündigt", stellt XINJING BAO fest.
"Es ist nicht auszuschließen, dass der ungestüme US-Präsident sich zu immer bedenkenloseren Aktionen entschließt", merkt die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY aus London an. "So könnte er etwa die Wasser- und Stromnetze im Iran zerstören. Doch auch dadurch wird sich seine Lage kaum verbessern. Denn die steigenden Öl- und Gaspreise werden den internationalen Druck auf ihn erhöhen, den Krieg zu beenden. Dann hätte der Iran sein Ziel erreicht - nämlich die Kriegskosten weltweit auf ein bislang ungekanntes Niveau zu treiben."
Die Zeitung MILLIYET aus Istanbul schaut auf die Zivilbevölkerung im Iran. "Als die Bomben fielen, blieb der große Aufstand aus. Der erste Grund dafür ist einfach: An solchen Tagen versuchen die Menschen vor allem, zu überleben. Der zweite Grund ist die Unübersichtlichkeit der Opposition. Es gibt ein breites Spektrum von Menschen, die das Regime ablehnen. Es gibt jedoch keine gemeinsame Vorstellung davon, wie das Land nach dem Regime aufgebaut werden soll. Das liegt daran, dass jede Gruppe eine andere Vision für die Zukunft des Iran hat", erklärt die türkische Zeitung MILLIYET.
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER schaut kritisch auf den US-Präsidenten. "Wir wissen schon lange, dass Donald Trump die USA und am liebsten die ganze Welt in eine unangenehme Richtung steuern will. Während seiner ersten Amtszeit gab es noch Menschen in seinem Umfeld, die seine übelsten Pläne teilweise zu verhindern mochten. Aber nun hat sich Donald Trump mit Leuten umgeben, die entweder so sind wie er oder die keinen Widerpruch wagen. Deshalb erkennen wir immer deutlicher eine weitere Kehrseite der MAGA-Bewegung: ihre abgrundtiefe Inkompetenz." Sie hörten die Meinung von DAGENS NYHETER aus Stockholm.
