
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER bemerkt zum US-Präsidenten: "Als Donald Trump vor einem Jahr seine Handelskriege begann, wirkte sich dies unmittelbar auf die Finanzmärkte aus, und Analysten befürchteten sogar eine globale Wirtschaftskrise. Kurz darauf nahm Trump seine heftigsten Zölle wieder zurück, und der Begriff TACO wurde geprägt: Trump Always Chickens Out - Trump weicht immer zurück. Die Frage ist, ob er das auch dieses Mal tut, wo es um einen echten Krieg geht. Es besteht die Hoffnung, dass Trump nachgibt, bevor der wirtschaftliche Preis zu hoch ausfällt", notiert DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Die US-amerikanische Zeitung THE NEW YORK TIMES wirft dem Präsidenten vor, gelogen zu haben: "Bevor Trump diesen Krieg begann, wischte er Warnungen seines obersten Militärberaters beiseite, dass der Iran die Straße von Hormus für den von ihm nicht genehmigten Schiffsverkehr sperren könnte. Die Weltwirtschaft hat nun mit den Folgen seiner Selbstüberschätzung zu kämpfen. Präsidenten sind den amerikanischen Soldaten und ihren Familien die Wahrheit darüber schuldig, warum von ihnen verlangt wird, zu kämpfen. Jeglicher kurzfristige Gewinn, den Herr Trump durch seine Lügen über den Iran-Krieg zu erzielen glaubt, wird bei Weitem von den Kosten für ihn, das Land und die Welt übertroffen", betont die NEW YORK TIMES.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio geht in einem Gastkommentar auf die Ankündigung der USA ein, die Sanktionen gegen den Verkauf von iranischem Öl über den Seeweg für 30 Tage auszusetzen: "Diese Notmaßnahme der US-Regierung gegen die steigenden Benzin- und Rohölpreise wird vom Iran selbst wohl als Sieg für seine eigene Strategie bewertet. Das Regime in Teheran hat früh erkannt, dass der Anstieg der Rohöl-Preise die größte Schwachstelle der Trump-Regierung ist. Aus dem US-israelischen Angriffskrieg machte es kurzerhand einen Wirtschaftskrieg, indem es die Straße von Hormus de facto geschlossen hat. Die Auswirkung der Blockade dürfte das Selbstbewusstsein des Iran deutlich gestärkt haben. Die USA stecken dagegen in Schwierigkeiten", lautet die Einschätzung von NIHON KEIZAI SHIMBUN.
Die türkische Onlinezeitung T24 erwartet, dass neben Energie auch Lebensmittel teurer werden: "Die heutigen Ereignisse lediglich als Krieg zu betrachten, greift zu kurz. Sie sind ein Zeichen für eine neue Ära, in der Nahrungsmittel, Düngemittel und Wasser zunehmend zu geopolitischen Instrumenten werden. Wir haben es in Gaza, im Sudan und im Jemen gesehen. Jetzt stehen wir vor einer globaleren Version. Nahrung ist nicht länger nur ein Grundbedürfnis. Sie ist auch ein Machtfaktor. An diesem Punkt kehren wir zu der Frage zurück: Was passiert, wenn die Straße von Hormus länger gesperrt bleibt? Die Antwort ist einfach: Zunächst stellen die Tanker ihren Betrieb ein. Dann drosseln die Fabriken ihre Produktion. Danach sind die Felder betroffen. Krieg wird nicht mehr nur auf dem Schlachtfeld ausgetragen. Er findet auch in den Supermarktregalen statt", betont T24 aus Istanbul.
Die panarabische Zeitung AL ARABI AL-JADEED analysiert die Strategie des Regimes in Teheran: "Während es bislang versuchte, die islamistische Revolution in seine Nachbarländer zu exportieren, exportiert es nun den Krieg - und zwar unter dem Vorwand, diese Nachbarn pflegten enge Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Es gibt Militärbasen in Dutzenden Ländern weltweit. Doch gerade am Golf haben die Beziehungen der dortigen Staaten zu den USA dabei geholfen, zwischen Teheran und Washington zu vermitteln. Diese Länder haben sich stets gegen eine Eskalation der Konflikte bis hin zu einer militärischen Konfrontation ausgesprochen. Zugleich haben die meisten von ihnen trotz gelegentlicher Spannungen stabile Beziehungen zum Iran unterhalten. Umso klüger handeln die betroffenen Staaten, wenn sie Besonnenheit und Zurückhaltung beweisen. Das aber ist alles andere als einfach angesichts eines Nachbarn, der wahllos in alle Richtungen feuert." findet AL ARABI AL-JADEED mit Sitz in London.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG beleuchtet die Haltung der Europäer. Diese müssten "bedenken, welche sicherheitspolitischen Nachwehen es haben könnte, wenn sie Trump die kalte Schulter zeigen, so verlockend das sein mag, auch aus innenpolitischen Gründen. Wer zieht schon so gerne in den Krieg wie Trump und Putin? Trump droht den Verbündeten – abermals – offen mit der Aufkündigung des transatlantischen Bündnisses, für das sein Herz noch nie schlug. Zöge die Supermacht USA sich aus der NATO zurück, dann fehlte insbesondere den nicht nuklear bewaffneten Staaten das Rückgrat ihrer Verteidigungs- und Abschreckungsstrategie", gibt die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG zu bedenken.
Die LÜBECKER NACHRICHTEN beschäftigen sich mit dem Maßnahmenpaket zur Drosselung der Kraftstoffpreise, dass die Bundesregierung in der kommenden Woche im Parlament verabschieden will: "Tankstellen sollen nur noch ein Mal am Tag die Preise erhöhen dürfen. Im Kartellrecht ist eine Verschärfung geplant. Außerdem will die Regierung einen Teil der staatlichen Ölreserven in die Märkte geben. Eine dramatische Senkung der Spritpreise ist dadurch aber nicht absehbar – das wird auch in Koalitionskreisen eingeräumt. Österreich hat die Tankstellenregelung schon länger und gerade erst abgeändert – zu deutlichen Preissenkungen kam es dort nicht. Die Koalition hofft auch auf psychologische Wirkung: den Menschen Verunsicherung nehmen, für mehr Planbarkeit beim Tanken sorgen, ihnen signalisieren, dass sich die Regierung kümmert. Doch nur mit Signalen ist den Menschen nicht geholfen", urteilen die LÜBECKER NACHRICHTEN.
Thema in der WELT AM SONNTAG ist Ungarns Ministerpräsident Orbán, der einen 90-Milliarden-Euro-Kredit der Europäischen Union für die Ukraine blockiert: "Das ist sein gutes Recht. Allerdings hatte er dem Kredit bereits zugestimmt unter der ihm zugestandenen Bedingung, dass sein Land und zwei weitere EU-Mitglieder den Kredit nicht mitfinanzieren. Ein vernünftiger Kompromiss. Dass er nun von der Nichtbeteiligung zur Blockade übergeht, hat mit der Sache nichts, mit der ungarischen Innenpolitik aber alles zu tun. Am 12. April wird in Ungarn das Parlament neu gewählt. Umfragen zufolge führt die Oppositionspartei 'Freiheit und Respekt' - Tisza - mit 48 Prozent vor Orbáns Fidesz-Partei mit 39 Prozent. Eine Ohrfeige, bedenkt man, dass alle wichtigen Medien in der Hand von Orbán-Parteigängern sind", urteilt die WELT AM SONNTAG.
Abschließend ein Kommentar zur Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen. Der Berliner TAGESSPIEGEL AM SONNTAG führt aus: "Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht wieder ein Fall auftaucht, der erschüttert. Da sind aufsehenerregende Fälle, wie Pelicot oder Epstein. Und dann ist da der alltägliche Skandal, der Frauen widerfährt, ohne dass es öffentlich wird. Tag für Tag erfahren Frauen von Männern körperliche Gewalt, werden verbal attackiert oder digital missbraucht. Nun wieder ein Vorgang, der juristisch nicht abgeschlossen ist, bei dem die Unschuldsvermutung gilt und der dennoch die Gesellschaft erschüttert: die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Für viele Frauen hinterlässt all das ein Gefühl der Ohnmacht, Verzweiflung und Wut. Frauen sind weit überwiegend die Leidtragenden, erschreckend viele Männer die Schuldigen. Das sollte uns Männer aufrütteln. Wir dürfen nicht länger mehrheitlich schweigen zu dem, was manche unserer Geschlechtsgenossen Frauen antun. Natürlich ist es Aufgabe der Politik, die richtigen gesetzlichen Rahmen zu setzen und Straflosigkeit, die es in einigen Fällen noch gibt, zu beenden. Aber es ist auch Aufgabe von uns Männern, etwas zu verändern", mahnt der TAGESSPIEGEL, mit dem diese Presseschau endet.
