12. April 2026
Die Presseschau

Kommentiert werden die Rückkehr des Artemis-Teams nach der Mondumkreisung und die Wahl in Ungarn. Weiteres Thema ist die aktuelle Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran.

Die Besatzung der Artemis 2, drei Männer und eine Frau, steht auf einer Bühne, einer von ihnen hält ein Mikrofon in der Hand.
Von links nach rechts: Jeremy Hansen, Reid Wiseman, Christina Koch und Victor Glover (Michael Wyke / AP / dpa / Michael Wyke)
Zum Ziel der NASA, eine Basisstation auf dem Mond zu errichten, bilanziert die schweizerische NEUE ZÜRCHER ZEITUNG am Sonntag: "Die Artemis-2-Mission ist mehr als nur ein Flug um den Mond. Ihr Erfolg legt den Grundstein, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, und könnte eine der spannendsten Phasen der Raumfahrtgeschichte einleiten. Es ist ein monumentales Vorhaben, das alle bisherigen Weltraumambitionen in den Schatten stellt. Der Plan der NASA könnte noch an vielen Stellen schiefgehen. Doch die Artemis-2-Mission kann die NASA als großen Erfolg verbuchen. Sie ist vollständig gelungen und hat weltweit einen neuen Enthusiasmus für die Raumfahrt geweckt. Wir wagen uns als Menschheit wieder weiter ins All hinaus", lobt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.
Die in Wien erscheinende PRESSE AM SONNTAG legt den Fokus auf das mediale Echo zum Artemis-Flug und schreibt dazu: "Die Mission kam zu einem Zeitpunkt, an dem die US-Regierung die Welt ins Wanken zu bringen scheint. Das ist Amerika. Ebenso die Flut an Fake News, die schon während der Reise rund um den Mond deren Wirklichkeit anzweifelten. Mittels künstlicher Intelligenz und dem Erstellen von Deepfakes, die Gesichter, Stimmen und Situationen täuschend echt imitieren, dreht sich die Spirale von Manipulation und Betrug offenbar unaufhaltsam weiter. Fakten sind nichts wert, wenn der Glaube an ihre Echtheit fehlt", bilanziert die österreichische PRESSE AM SONNTAG.
Themenwechsel: In den Sonntagsausgaben der Zeitungen sind zwar die jüngsten Entwicklungen zu den abgebrochenen Verhandlungen im Irankrieg noch nicht berücksichtigt. Kommentiert wird aber die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Die Zeitung EVRENSEL aus Istanbul ist der Überzeung: "Die USA haben den Krieg verloren, Trump will die Waffenruhe als einen Sieg verkaufen. Dieser Krieg fand unter den US-Wählern keine Unterstützung, auch nicht in der Republikanischen Partei. Kurz vor der Waffenruhe sagte Trump, dass 'heute Nacht eine ganze Zivilisation ausgelöscht' werde. Das war eine Drohung mit Völkermord. Im Iran gab es keinen Regimewechsel, das Volk hat sich nicht aufgelehnt – im Gegenteil: Tausende waren täglich auf der Straße, um gegen die Aggression zu protestieren. Die Emirate und Königreiche am Golf hatten sich seit den 1970er Jahren US-Sicherheitsgarantien erkauft; diese sind nun schwer beschädigt. Es zeigt sich nun, dass es sich um eine Täuschung handelte. Kurz gesagt: Der Iran leistete Widerstand, und die USA verloren", urteilt EVRENSEL aus der Türkei.
Auch die in Simbabwe erscheinende SUNDAY MAIL attestiert dem Iran einen weitaus größeren Erfolg im Krieg als den USA und deren Verbündeten: "Zu drohen ist eine Sache. Es ist eine völlig andere, die Konsequenzen auszuhalten, wenn Drohungen fehlschlagen. Die genauen Grundsätze der Waffenruhe bleiben unklar. Aber der zentrale politische Fakt ist schon absehbar: Die USA haben einen Rückzieher gemacht, weil sie mit entschlossenem Widerstand konfrontiert worden sind. Der Iran hat vor allem Resilienz demonstriert. Er hat die Kernannahme der US-israelischen Kampagne gänzlich untergraben, nämlich, dass ein ausreichend starker Schlag genügen würde, um die Islamische Republik in die Knie zu zwingen. Teherans Antwort war nicht im konventionellen militärischen Sinne spektakulär - aber sie war effektiv." Das war die afrikanische SUNDAY MAIL.
Die SOUTH CHINA MORNING POST aus Hongkong hat deutliche Zweifel am Auftritt der USA, auch in Bezug auf die noch anhaltende Waffenruhe: "Die Welt zu leiten erfordert auch die Fähigkeit, Konsens zu erzielen. Und obgleich wir noch nichts haben, was einer tatsächlichen Weltregierung nahekommt, ist es doch ein Fakt, dass wir alle in einem Boot sitzen, wenn es um globale Unabhängigkeit geht. Die Außenpolitik der Großmächte hat internationale Auswirkungen und sollte nicht einseitig betrieben werden. Das ist vielleicht nie so offensichtlich gewesen wie jetzt, wo die Auswirkungen des US-isrealischen Krieges gegen den Iran jeden Tag klarer hervortreten, trotz der Waffenruhe. Von einem geopolitischen, ökonomischen, finanziellen und logistischen Standpunkt aus betrachtet sieht deren gemeinsamer Angriff eher wie das Werk von stümperhaften Amateuren aus, als von kompetenten Profis. Eine Waffenruhe ist immer nur so gut wie die Zuverlässigkeit und Integrität der Parteien, die ihr zustimmen. Diese Qualitäten fehlen den USA", resümiert die SOUTH CHINA MORNING POST.
Die Zeitung THE STRAITS TIMES aus Singapur rückt die Auswirkungen der internationalen Lage auf die Beziehungen zwischen Südkorea und den USA in den Mittelpunkt. Dort heißt es: "Die amerikanisch-südkoreanischen Beziehungen haben seit Trumps Rückkehr ins Oval Office 2025 eine Reihe von Schlaglöchern passiert." Die Zeitung zitiert außerdem einen Wissenschaftler der George H.W. Bush Stiftung für US-Chinesische-Beziehungen mit den Worten: "Diese Allianz wird überleben, aber Seoul muss sehr schnell akzeptieren, dass die Ära, in der man sich auf geteilte demokratische Werte und Historie verlassen konnte, um sich Washingtons Zuneigung zu sichern, definitiv vorbei ist." Das war THE STRAITS TIMES aus Singapur.
Der INDEPENDENT aus London beschäftigt sich vor dem Hintergrund des Irankrieges mit den britischen Militärausgaben sowie einer Aussage von Premierminister Starmer. Dort heißt es: "Der amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran mag unklug gewesen sein, aber er hat den Bedarf für stärkere Verteidigung in allen liberalen Demokratien noch einmal unterstrichen. 'Dieser Konflikt wird uns für eine ganze Generation lang prägen, und wir müssen und werden darauf mit Stärke reagieren', hat Keir Starmer am Freitag erklärt. Er muss seine Worte jetzt mit Taten und Mitteln stützen. Für Investitionen in die Verteidigung müssen jetzt klare Ziele und glaubwürdige Finanzierungsmöglichkeiten festgelegt werden", fordert die britische Zeitung THE INDEPENDENT.
Zuletzt noch einige Stimmen zur Wahl in Ungarn. Zum amtierenden Ministerpräsidenten Orbán schreibt die schwedische Zeitung AFTONBLADET aus Stockholm: "Seine Polarisierung hat dazu geführt, dass sich ein Großteil der Wähler in völlig unterschiedlichen Blasen befindet. Die Regierungspartei Fidesz hat ihren Wahlkampf auf falsche Behauptungen aufgebaut, zum Beispiel, dass die Opposition ungarische Soldaten in die Ukraine schicken will. Für die Anhänger der führenden Oppositionspartei Tisza dagegen geht es um eine Wahl zwischen einem korrupten System und neuer Hoffnung. Ungarn ist noch nicht Russland, und die Chancen des Regimes auf die Einführung einer echten Diktatur schwinden. Der Führung gehen die Energie und das Geld aus. Wenn die Umfragen stimmen, könnte Oppositionsführer Péter Magyar gewinnen. Aber noch kann vieles schiefgehen. Das Wahlsystem ist auf Fidesz zugeschnitten, und Orbán könnte versuchen, die Regeln nachträglich zu ändern. Aber vielleicht erleben wir auch den Abgesang des Rechtspopulismus?", fragt die schwedische Zeitung AFTONBLADET.
Die WELT AM SONNTAG aus Berlin sieht in Orbáns Rhetorik auch einen möglichen Lerneffekt für den Rest Europas: "Das ist nicht unser Krieg: Es ist, als würde Orbán damit die gleichlautende Parole nachäffen, mit der große Teile des sich fortschrittlich dünkenden Europas routiniert auf Trumps Militärschläge reagierten. Die Welt ist vermutlich in eine Phase getreten, in der Sprüche wie dieser nur noch pure Realitätsflucht sind. Der Ukraine-Krieg ist unser Krieg, und viel hängt davon ab, dass alle das begreifen. Mit der scheinbar hochherzigen Ausflucht, uns nicht in fremde Angelegenheiten einmischen zu wollen, werden wir jedenfalls nicht mehr sehr weit kommen", warnt die WELT AM SONNTAG, mit der diese Presseschau endet.