19. April 2026
Die Presseschau

Neben der Wahl in Ungarn widmen sich die Kommentare der Lufthansa und den Kosten für den Nahverkehr bei der Fußball-WM in den USA. Zentrales Thema ist aber der Nahost-Konflikt.

Benjamin Netanjahu und Donald Trump am 29.12.2025 in Trumps Privatresidenz Mar-a-lago in Florida. Sie schütteln Hände und Trump zeigt mit dem Finger der anderen Hand auf Netanjahu.
Die Kommentare beschäftigen sich unter anderem mit der US-israelischen Strategie im Nahostkonflikt (Archivbild). (Getty Images / Joe Raedle)
Die türkische Zeitung MILLIYET bemerkt zum Verhältnis des US-Präsidenten und des israelischen Premierministers: "Obwohl sie wie ein unzertrennliches Duo wirken, hat Trump Netanjahu mit seiner Entscheidung zum Waffenstillstand im Libanon erneut in eine unerwünschte Lage gebracht. Trump forderte Netanjahu auch auf, mit dem libanesischen Präsidenten Aoun zu telefonieren. Der israelische Premierminister stimmte zu, doch der libanesische Präsident weigerte sich, mit ihm zu sprechen. Der schwerste Schlag für Netanjahu kam erneut von Trump – diesmal über dessen Social-Media-Account. Der US-Präsident schrieb: 'Israel wird den Libanon nicht länger bombardieren. Die USA haben es ihnen verboten. Es reicht!' Der Waffenstillstand im Libanon dürfte Netanjahu im eigenen Land erhebliche Stimmen kosten. Trump schreibt Israel in einem möglichen Krieg vor, was es tun darf und was nicht", vermerkt MILLIYET aus Istanbul.
Die israelische Zeitung THE JERUSALEM POST verweist auf ein von US-Präsident Trump geplantes Treffen mit Israels Premier Netanjahu und dem libanesischen Präsidenten Aoun: "Ob diese Gespräche Früchte tragen werden, hängt davon ab, wie entschlossen der Libanon im Kampf gegen die Hisbollah ist. Netanjahu erklärte, die Waffenruhe sei eine Chance, ein historisches Friedensabkommen zwischen den beiden Ländern zu schließen. Und tatsächlich gibt es hoffnungsvolle Anzeichen. Die Zusage der USA, sich an der Entwaffnung der Hisbollah zu beteiligen, und die Bereitschaft des Libanon, den Kriegszustand mit Israel endgültig zu beenden, sind zweifellos positive Entwicklungen. Dass Israel aber offenbar kaum ein Mitspracherecht hatte, ist zutiefst beunruhigend. Israel muss seine Entscheidungen selbst treffen und darf sie sich nicht von seinem wichtigsten Geldgeber diktieren lassen", verlangt THE JERUSALEM POST.
Die panarabische Zeitung AL ARABY AL-JADEED zweifelt an der Strategie der USA und Israels im Iran-Krieg: "Die Ergebnisse stehen in keinem Verhältnis zu den enormen Ressourcen, die Washington und Israel aufgewendet haben, zumindest nicht im Hinblick auf die Verwirklichung eines der beiden Szenarien: einer Revolution gegen das Regime und dessen Sturz oder der Zersplitterung des Iran entlang ethnischer und konfessioneller Linien. Diese Politik hat Präsident Trumps schwierige Lage verschärft und ihn in eine schwache Position gebracht. Der Druck auf ihn wächst von Verbündeten und Freunden, ja sogar in den USA selbst, wo die steigenden Benzinpreise möglicherweise mehr Sorgen bereiten als der Iran", notiert AL ARABY AL-JADEED mit Sitz in London.
Die schwedische Zeitung AFTONBLADET findet mit Blick auf den US-Präsidenten: "Donald Trump wirkt immer mehr wie der Prototyp eines verrückten Herrschers, einsam, umgeben von Speichelleckern und Ja-Sagern, während er sich als Jesus-Gestalt darstellen lässt. Auf unserer Seite des Atlantiks arbeitet die NATO währenddessen an einem Plan B: Was sollen wir tun, wenn der verrückte Herrscher das ist, wonach er aussieht? Äußerungen wie die von der Auslöschung einer Zivilisation im Iran sind abstoßend. Da war es nur natürlich, dass Papst Leo 14. protestierte - auch wenn sich die Trump-Rechten gerne als gute Christen präsentieren", schreibt AFTONBLADET aus Stockholm.
Die britische Zeitung THE TIMES beschäftigt sich mit dem Friedensaufruf des Papstes: "Leo sagte: 'Ich bitte alle Menschen guten Willens, den Krieg abzulehnen, stets nach Frieden und nicht nach Gewalt zu streben.' Das klingt wie eine Pressemitteilung von Yoko Ono aus dem Jahr 1971; oder wie aus dem Aufsatz eines durchschnittlich wortgewandten Zwölfjährigen. Leos Äußerungen entbehrten moralischer Klarheit, eines Gespürs für Recht und Unrecht. Der von den USA gegen den Iran begonnene Krieg war verfehlt und zum Scheitern verurteilt. Doch ein Iran, befreit von seinen mittelalterlichen Herrschern, und ein Libanon, befreit von den brutalen Schlägern der Hisbollah, würden die Welt zu einem wesentlich friedlicheren Ort machen. Mit anderen Worten: Dem Krieg lag eine starke Moral zugrunde, unabhängig von der Art seiner Führung", argumentiert THE TIMES aus London.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG geht auf die Wahl in Ungarn ein: "Die Ungarn wissen, dass es in Wirklichkeit Orbán ist, der Medien gleichschaltet und Minderheiten drangsaliert. Sie haben gesehen, wie weit es her ist mit seiner Fürsorge für Ungarns Kinder, die er vor europäischer Gender-Ideologie schützen will: Jahrelang wurden diese Kinder in Heimen missbraucht, jahrelang sah die Regierung tatenlos zu. Als die Opposition den Skandal öffentlich machte, begann der Aufstieg von Péter Magyar, Orbáns Bezwinger. Er hat gewonnen, indem er sich gar nicht erst auf einen Kulturkampf eingelassen hat. Während Orbán über Zensur und Gender-Wahnsinn phantasierte, sprach Magyar über Brot, Butter und Toilettenpapier. Das hat die Menschen offensichtlich mehr interessiert. Denn mit leerem Magen macht Kulturkampf keinen Spaß", notiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
DIE PRESSE AM SONNTAG aus Österreich deutet den Wahlausgang in Ungarn nicht als Beginn eines Abstiegs der europäischen Rechtspopulisten: "In der Allianz der 'Patrioten für Europa' wird niemand erfreut sein über die Schlappe ihres Freundes Viktor. Doch künftige Wahlchancen von FPÖ, Rassemblement National oder Vox werden um keinen Prozentpunkt schlechter ausfallen, bloß weil eine verbündete Partei in Ungarn gewaltig Federn lassen musste. Wer glaubt, der Umschwung in Ungarn läute eine internationale Trendwende ein, erliegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eigenem Wunschdenken", betont DIE PRESSE AM SONNTAG aus Wien.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums beleuchtet die WELT AM SONNTAG die Situation bei der Lufthansa: "Zwischen Premium-Anspruch und Alltagsrealität klafft bei der Airline mittlerweile eine spürbare Lücke. Und das hat nicht nur mit den Streiks ihrer Piloten und des Kabinenpersonals zu tun, die in dieser Woche einen Teil des Flugverkehrs hart getroffen haben. Bei Pünktlichkeit ist der Anbieter im internationalen Vergleich eher Mittelfeld, oft auch schlechter als die Wettbewerber. Der Service an Bord ist nicht mehr deutlich besser als bei der Konkurrenz. Die Preise aber sind vor allem bei Inlandsflügen mittlerweile so stark gestiegen, dass sie mit der gebotenen Leistung immer schwerer zu rechtfertigen sind. Als Kunde gewinnt man den Eindruck, dass das Lufthansa-Management gerade im Heimatland die Macht hat, Preise nahezu nach Belieben zu setzen – in einer Weise, die in wettbewerbsintensiveren Märkten kaum möglich wäre", so die WELT AM SONNTAG.
Abschließend geht es um die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer. Bei Fahrten zum WM-Finalstadion in New Jersey müssen sich Fans auf hohe Kosten für den Nahverkehr einstellen. Die Zeitung ND DER TAG erläutert: "Eine auf den ersten Blick schockierende Preissteigerung um mehr als das Zehnfache von normalerweise 12,90 Dollar auf dann 150 Dollar ist angekündigt, um die WM-Fans zum Stadion und wieder in ihre Unterkünfte zurückzubringen. Die Fifa protestiert und verweist darauf, dass andere Städte auf derlei verzichten oder moderater mit den Preisen anziehen würden: Ja, wie soll denn der gemeine Fußballfan das bezahlen? Vor allem, wenn eine Anfahrt mit dem Auto wegen fehlender Parkmöglichkeiten unmöglich ist. Dabei liefert das staatlich geführte und steuerfinanzierte Unternehmen NJ Transit nachvollziehbare Argumente. So würden mit der WM erhebliche Zusatzkosten einhergehen: vor allem in den Bereichen Personal und Sicherheit, um die riesigen Besucherströme zu lenken. Auch müssten ganze Bahnhöfe gesperrt werden für den Berufsverkehr, der wiederum dann umgeleitet werden muss. Dafür, dass zur WM ohnehin kaum normale Fußballfans anreisen werden, hat die Fifa selbst gesorgt. Schließlich verlangt sie Ticketpreise, die in den meisten Fällen sogar vierstellig sind", kommentiert ND DER TAG, mit der die Presseschau endet.