
Der TAGESSPIEGEL legt in einem Online-Kommentar den Fokus auf die Beteiligung Russlands am Konflikt in Mali: "Russlands Söldner, die der Kreml der verbündeten Regierung geschickt hatte, konnten diese Entwicklung nicht verhindern. Damit steht Präsident Putin mit seinem militärischen Engagement in dem Land vor einem Scherbenhaufen. Er hatte sich mehrfach mit Malis Präsident Goita und den Juntas aus den benachbarten Ländern getroffen. Dabei versicherte der Kremlchef ihnen, dass seine Söldner Malis Sicherheitskrise lösen werden. Die russischen Kämpfer haben den Konflikt aber mit ihrem brutalen Vorgehen gegen Zivilisten angeheizt. Viele Menschen auf dem Kontinent sind ohnehin geschockt von den Berichten, dass Afrikaner unter falschen Versprechungen in den Ukraine-Krieg geschickt werden. Damit ist Putin einer der großen Verlierer des Konflikts in Mali", resümiert der TAGESSPIEGEL.
Während russische Soldaten in Mali nicht das Gewünschte bewirken konnten, führt Präsident Putin den Angriffskrieg auf die Ukraine fort. Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT kommentiert dazu: "Die Maßnahmen zur Beendigung des Ukraine-Krieges sind noch weit von vielversprechenden Ergebnissen entfernt. Mit dem Fortdauern des Krieges haben sich sowohl die politische Position als auch die strategische Ausrichtung des Westens spürbar verändert. Bis zum Amtsantritt der Trump-Regierung agierten die USA und der Westen aus einer eindeutig einheitlichen Position heraus. Die jüngsten politischen Äußerungen zum Ukraine-Krieg zeigen aber, dass dieser Konflikt nicht nur eine militärische Auseinandersetzung ist, sondern auch Gegenstand einer ernsthaften Debatte innerhalb des Westens über die Verteilung von Macht", schreibt die Zeitung MÜSAVAT aus Baku.
Dass Präsident Trumps Fokus zunehmend auf dem Irankrieg statt dem Krieg in der Ukraine liegt, ist Thema in der schwedischen Zeitung AFTONBLADET. Zu den Auswirkungen des Irankriegs heißt es dort: "Donald Trump schnaubt vor Wut, weil ihm die NATO nicht zur Hilfe geeilt ist. Aber längst schmiedet Europa Pläne und trainiert, wie man sich ohne Hilfe der USA verteidigen kann. Immer mehr Verbündete der USA entwickeln Strategien zur Reduzierung ihrer Abhängigkeit von einem einzigen Partner. Aber die globale Wirtschaft leidet schon heute. Donald Trumps Kritiker hatten recht: Trump hatte keinen Plan, und jetzt erhält er dafür die Quittung. Hoffentlich erinnern wir uns das nächste Mal daran, wenn jemand einen Angriffskrieg als eine einfache und schnelle Lösung für irgendetwas anpreist", mahnt AFTONBLADET aus Stockholm
"Und was, wenn die Trump-Regierung als einzige Gewinnerin aus dem Konflikt herauskommt - allein, weil sie durch die Schließung der Straße von Hormus Europa und Asien in eine verzweifelte Abhängigkeit von Öl und Gas verdammt hat?", fragt die SOUTH CHINA MORNING POST aus Hong Kong in ihrer Sonntagsausgabe, und fährt fort: "Gerade jetzt, wo die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Austritt aus der OPEC erklärt haben?"
US-Präsident Trump hat nach Kritik von Bundeskanzler Merz an seiner Kriegsstrategie angekündigt, US-amerikanische Truppen aus Deutschland abziehen zu wollen. "Jetzt droht den Deutschen die Rache des Donner-Donalds", heißt es in der KLEINEN ZEITUNG aus Kärnten. "Doch geht es hier nicht nur um Zahlen. Europas Sicherheit und Abschreckungsfähigkeit gegenüber Russland hängen davon ab, wie glaubwürdig die Beistandsbereitschaft der USA innerhalb der Nato ist. In Moskau dürfte sich gerade jemand ins Fäustchen lachen", vermutet die österreichische KLEINE ZEITUNG.
Auch die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG am Sonntag analysiert: "Man kann das als Racheakt verstehen, dafür, dass der Bundeskanzler es gewagt hat, Trump offen zu kritisieren. Aber es greift zu kurz. Denn vergangene Woche ist noch etwas anderes geschehen: Trump und Putin haben telefoniert. Wenige Tage später sollen nicht nur 5.000 Soldaten aus Deutschland abgezogen werden, sondern auch ein ganzes Bataillon, dessen Entsendung die Biden-Regierung für dieses Jahr geplant hat, erst gar nicht kommen. Das 'Long-range Fires Battalion' war dazu ausersehen, Mittelstreckenraketen in Europa zu stationieren, als zusätzliche Abschreckung gegen Russland. Putin war not amused: Er drohte damals, die Produktion atomarer Mittelstreckenraketen wieder aufzunehmen. Das muss er nun nicht mehr. Und so schwächt Trumps Truppenabzug nicht primär Deutschland oder die EU. Er stärkt vor allem Trumps Buddy Putin", fasst die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz zusammen.
Die LÜBECKER NACHRICHTEN kommentieren: "Inhaltlich zu widersprechen – wie Merz es bei Trumps Grönland-Fantasien gemacht hat – ist das eine. Das war ein überfälliges Contra in der Sache. Öffentlich Trumps Taktik und Verhandlungsgeschick infrage zu stellen, ist aber etwas anderes. Merz hat sich damit ohne Not und ohne eigene Exit-Strategie den echten Zorn des US-Präsidenten eingehandelt, der gleichermaßen eitel wie nachtragend ist", notieren die LÜBECKER NACHRICHTEN.
Die WELT AM SONNTAG beschäftigt sich in ihrem Kommentar mit der deutschen Wirtschaftslage, und schreibt: "Weder der US-Präsident noch Russlands Angriffskrieg in der Ukraine oder Chinas aggressive Handelspolitik ist schuld an der ökonomischen Depression in Deutschland. Diese exogenen Schocks treffen alle Staaten, doch die anderen großen Industrieländer befinden sich nicht in der Dauerflaute. Die hiesigen Strukturprobleme sind hausgemacht. Eine im buchstäblichen Sinne grenzenlos großzügige Sozialpolitik belastet die öffentlichen Kassen. Bleibt zu hoffen, dass Arbeitsministerin Bas bei ihrer für den Sommer angekündigten Rentenreform Maßnahmen ergreift, die den drohenden Kollaps des Sozialsystems verhindern." Das war die WELT AM SONNTAG.
Auch die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG schaut auf die deutsche Wirtschaft und auf das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz, und schreibt: "Jetzt haben sich die Sozialdemokraten nach einem langen Ringen mit der Union darauf geeinigt, dass sich Mieter und Vermieter das beschriebene Kostenrisiko bei den Gasheizungen teilen müssen. Damit, sagt Wirtschaftsministerin Reiche, sei der letzte große Streitpunkt rund um das neue Gesetz aus dem Weg geräumt. Gut ist das Gebäudemodernisierungsgesetz deshalb noch lange nicht. Es ist und bleibt Murks. Denn die Regierung geht damit eine große Wette darauf ein, dass in einigen Jahren ausreichend klimaneutrale Gase zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen werden. Doch viele Fachleute bezweifeln das stark. Sie befürchten, dass 'grüne' Gase mittelfristig knapp werden, wenn sie wie vorgesehen eine größere Rolle beim Heizen spielen sollen. Die Bundesregierung schiebt solche Bedenken zur Seite, getreu der Devise: Augen zu und durch. 2029, wenn mit der Beimischung der klimaneutralen Gase begonnen werden soll, ist die heutige Regierung ohnehin nicht mehr im Amt", notiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
Zum Schluss ein Blick nach Großbritannien. Nach einem mutmaßlich antisemitisch motivierten Messerangriff hat Premierminister Starmer angekündigt, propalästinensische Proteste einschränken zu wollen. Die Zeitung THE INDEPENDENT aus London begrüßt das: "Keir Starmer ist im Recht, wenn er bei einigen Slogans darauf hinweist, dass sie potenziell der Anstiftung zum Rassenhass dienen könnten und daher eine potenziell strafbare Handlung darstellen. Aber es ist auch richtig von ihm, sehr vorsichtig zu sein, wenn es um ein komplettes Verbot der Proteste geht. Es liegt in seiner Verantwortung als Premierminister, das richtige Gleichgewicht zwischen der Gewährleistung der Meinungsfreiheit und der Bekämpfung von Aufstachelung zum Rassenhass zu finden", erinnert die britische Zeitung THE INDEPENDENT, mit der diese Presseschau endet.
