
Dazu schreibt die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG: "Kubicki hat sich nie als Intellektueller ausgegeben. Gleichwohl wird er als oberster Liberaler die großen Linien bedenken müssen, will er seine Partei zurück zum Erfolg führen. Auch der bestechendste Werbeträger wird versagen, wenn seine Marke nicht mehr in die Zeit passt. Eben dies steht zur Debatte. Ein moderner Liberalismus würde anerkennen, dass zwar nicht das illiberale Zeitalter angebrochen ist, aber doch ein postliberales. Das Alleinstellungsmerkmal des Liberalismus bleibt seine Überzeugung, dass der Bürger im Zweifel besser weiß, was für ihn gut ist, als der Staat. Der Schutz vor staatlicher Übergriffigkeit muss dabei nicht das einzige Politikfeld bleiben, auf dem die Kubicki-FDP einen Platz markieren kann. Die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, Steuerentlastungen und Haushaltsdisziplin haben bei der Union und den Parteien links von ihr einen schweren Stand, während die einst aus wirtschaftsliberalem Geist geborene AfD mit Versuchungen ringt, denen schon andere Rechtspopulisten in Europa erlegen sind: Kollektivismus und Staatsintervention. Die FDP, die aller Irrwege zum Trotz in den jahrhundertealten Ideen der Freiheit und des Pluralismus’ wurzelt, könnte als Alternative der Mitte wiederauferstehen", meint die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
DER TAGESSPIEGEL aus Berlin analysiert: "Klar ist: Unter Kubicki wird die FDP eine andere werden. Deutlich angriffslustiger, libertärer und ja, auch weiter rechts. Im Grunde, sagen manche Liberale, erlebe man gerade die Geburt einer neuen FDP. Eine, die sich nicht mehr unverrückbar in der politischen Mitte zementiert, sondern neu verhandeln will, was Mitte bedeutet. Kubickis neuer Generalsekretär Martin Hagen ließ erst vor wenigen Tagen wissen, er halte die Brandmauer zur AfD für einen Popanz. Kubicki lehnt sie ohnehin ab und betont, er wolle im Zweifel auch mit den Rechtsextremisten reden. Hinter den Kulissen köchelte seit Wochen in der Partei der Widerstand. Viele Liberale haben ob der neuen Linie Bauchschmerzen; sie könnte zu kurzem Aufwind, aber langfristigem Ärger führen." So weit DER TAGESSPIEGEL.
Das HANDELSBLATT führt aus: "Wolfgang Kubicki weiß, wie man Aufmerksamkeit auf sich zieht. Zahlreiche Interviews und Statements hat der frischgewählte FDP-Chef in den vergangenen Wochen gegeben, seine Kandidatur allein schon hat mehr Wirbel ausgelöst als sein Vorgänger Christian Dürr in mehreren Monaten erzielen konnte. Für eine Partei außerhalb des Bundestags, die schon drohte in der politischen Bedeutungslosigkeit zu versinken, ist das bereits ein Erfolg. Auch die überraschende Kampfabstimmung am Parteitag mit der Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann entschied er für sich. Die hitzigen Botschaften in den Reden der beiden Kandidaten, die unterschiedlicher kaum sein könnten, bringen die Liberalen für einen Tag wieder ins Rampenlicht. Aber das kurzzeitige Rampenlicht allein wird das grundlegende Problem der FDP nicht lösen. Die Wähler wussten letztlich nicht mehr, wofür die FDP eigentlich steht. Kubicki muss sich für die kommenden Monate ein politisches Projekt suchen, das inhaltlich gedacht ist und nicht nur Aufmerksamkeit erregt", rät das HANDELSBLATT.
In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG ist zu lesen: "Kubicki hat der FDP einen polarisierenden Richtungsentscheid aufgezwungen. Seine Kandidatur strahlte aus: Nur eine konservativ-liberale Ausrichtung kann die Partei noch retten, das sozial-liberale Gedöns kann weg. Außerdem kokettierte er damit, dass die Brandmauer zur AfD eine Idee von gestern sei. Das reizte Marie-Agnes Strack-Zimmermann so sehr, dass sie im Geheimen einen Plan entwickelte, um Kubicki als Parteichef doch noch zu verhindern: Sie kandidierte überraschend. Plötzlich mussten die Delegierten wählen: entweder Kubickis Krawallkurs oder Strack-Zimmermann, die auch gerne austeilt, aber für eine kosmopolitische Ausrichtung steht. Den Kampf um den Parteivorsitz hat Kubicki gewonnen. Aber die Partei steht nicht hinter ihm. Die Progressiven in der FDP sind Strack-Zimmermann dankbar. Weil sie fast 40 Prozent der Stimmen gegen Kubicki bekommen hat, ist für alle sichtbar, dass die Rechtsliberalen die Partei nicht übernommen haben", stellt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG klar.
Die österreichische Zeitung DER STANDARD ist folgender Meinung: "Für die meisten Delegierten und auch für Wolfgang Kubicki überraschend, hat die EU-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann beim FDP-Parteitag doch noch ihren Hut in den Ring geworfen und Kubicki in einer Kampfkandidatur herausgefordert. Derlei passiert auf Parteitagen nicht oft und es zeigt, dass bei den deutschen Liberalen längst nicht alles so rosig ist, wie Kubicki und seine Getreuen es glauben machen wollten. Die FDP ist am Boden, aber jetzt kommt das 'alte Schlachtross' Kubicki und führt die Partei mit seinen markigen Sprüchen wieder in den Bundestag zurück – so lautete das wohlvorbereitete Narrativ. Doch Kubicki hat offenbar nicht sehen wollen, dass viele mit seinem Kurs nicht einverstanden sind. Nicht wenige hadern mit seinem wirtschaftsliberalen Ansichten, das sozialliberale Element kommt ihnen zu kurz. Viele sehen auch seine Bereitschaft, mit der AfD zumindest einmal zu diskutieren, kritisch. Ihnen wollte Strack-Zimmermann eine Alternative bieten. Hätte sie ihre Kandidatur früher statt sozusagen in letzter Sekunde anmelden sollen? Dies kann man bejahen. Aber die 68-Jährige wollte wohl das Überraschungsmomentum nutzen. Das ist ihr gelungen, wenn auch nicht bis zur letzten Konsequenz. Doch Strack-Zimmermanns Antreten ist mehr als ein kurzes Störmanöver. Ihre Kandidatur zeigt: Kubicki wird nicht nur viel Kraft darauf verwenden müssen, um die FDP wieder attraktiver zu machen; sondern auch mehr tun müssen, um die Partei zusammenzuhalten", ist sich DER STANDARD aus Wien sicher.
Und nun zum Einschlag einer mutmaßlich russischen Drohne in ein Wohnhaus in der rumänischen Stadt Galati. Die Zeitung GÂNDUL hält fest: "Der Krieg in der Ukraine tobt seit über vier Jahren, und noch immer fällt Rumänien aufgrund der Defizite bei der Landesverteidigung in die Kategorie von Staaten, die zur Gewährleistung ihrer Sicherheit von ihren Bündnispartnern abhängig sind. Rumänien befindet sich aufgrund seiner geografischen Lage im Konfliktgebiet und hätte deshalb die Drohnenabwehr priorisieren müssen. Damit hätte Bukarest längst auftrumpfen müssen, auch im Dialog mit den USA und innerhalb der NATO", findet GÂNDUL aus Bukarest.
Die US-Archive haben ihre Zugänge zu den Mitgliedskarteien der NSDAP geöffnet. Seitdem recherchieren viele Deutsche die NS-Vergangenheit ihrer Familie. Die WELT AM SONNTAG erläutert: "Jeder kennt es. Manche Erzählungen, die man im Elternhaus gehört hat, ähneln dem Familiensilber – eine von ständiger Wiederholung blank geputzte Geschichte, die weniger erinnert als vielmehr beschworen wurde. Oftmals gehört der Bericht dazu, eigentlich sei Opa immer gegen die Nazis gewesen – auf jeden Fall nicht Mitglied der Partei und schon gar nicht der SS. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Bewusstsein der Deutschen verschoben. Unterstrich man in den ersten Nachkriegsjahren das eigene Leid durch Krieg und Vertreibung, fühlt sich die Volksseele seit den 80er-Jahren als Opfer des NS-Regimes – mit allen Facetten des Selbstbetruges, die man sich vorstellen kann. Vielleicht führt der Blick in die NSDAP-Akten zu einem ehrlichen Umgang mit der eigenen Geschichte. Er täte uns Deutschen gut."
