
Hören Sie zum Auftakt einen Kommentar aus der Schweizer NZZ AM SONNTAG zur Teilnahme von AfD-Abgeordneten bei einem russischen Wirtschaftsforum: "Wladimir Putin freut sich auf die AfD. 'Wir werden mit denen zusammenarbeiten, die mit uns arbeiten wollen', sagte er diese Woche bei seinem Wirtschaftsforum in St. Petersburg und verwies auf die Umfragen in Deutschland. Die sehen die in Teilen rechtsextreme AfD als mit Abstand stärkste Kraft im Land, vor allem im Osten Deutschlands. Die vier AfD-Abgeordneten, die als 'deutsche Delegation' nach St. Petersburg reisten, sind deshalb auch nicht länger nur die nützlichen Idioten des russischen Präsidenten, die seine Propaganda vom aufgezwungenen Krieg in der Ukraine in Deutschland verbreiten helfen. Markus Frohnmaier, der außenpolitische Sprecher der AfD im Bundestag, und seine Parteifreunde machen selbst Politik mit Putin. Ihre Parolen vom 'fremden Krieg', den die deutschen Steuerzahler finanzieren müssten, und vom billigen Gas, das Putin wieder schicken könnte, verfangen bei den Wählern. Im Herbst könnte die AfD schon in einem Bundesland regieren. Dann hat Putin wieder einen Fuß in der Tür in Deutschland", ist in der NZZ AM SONNTAG aus Zürich zu lesen.
Im Abwehrkampf gegen Russland greift die Ukraine immer wieder russische Infrastruktur an, darunter war zuletzt auch der Hafen von Sankt Petersburg. Dazu notiert die WELT AM SONNTAG: "Man kann der Ukraine zu ihrem Schlag auf den Hafen von Sankt Petersburg nur gratulieren. In dem Augenblick, in dem Russland und die Welt auf das jährliche Wirtschaftsforum in Putins Heimatstadt schauten, gelang es Kiew, der internationalen Gemeinschaft in Form einer schwarzen Rauchwolke und einer getroffenen Korvette zu zeigen, wie verwundbar das Riesenreich mittlerweile selbst fern der Front geworden ist. Neben dem Propagandaerfolg sind die Attacken auf Ölraffinerien und Häfen ein weiterer Schritt, die Kosten des Kriegs für Russland derart zu erhöhen, dass es sich womöglich doch noch eines Tages dazu entschließt, ernsthafte Gespräche mit Kiew zu beginnen. Allerdings gibt es wenig Anlass zur Zuversicht. Russlands Präsident Putin kann sich eine Niederlage nicht erlauben. Eher wird der Kremlchef die russische Verwundbarkeit durch noch heftigere Attacken auf die ukrainische Zivilbevölkerung zu verbergen suchen", heißt es in der WELT AM SONNTAG.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT aus Baku schreibt zu möglichen Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine: "Die Diplomatie zwischen der Ukraine und Russland ist in eine Sackgasse geraten. Der russische Präsident Putin hat die Tür zu einem direkten Treffen mit dem ukrainischen Staatschef Selenskyj zugeschlagen. Putin erklärte, er sehe derzeit keine Notwendigkeit für ein direktes Treffen mit Selenskyj. Nach Auffassung des Kremls müsse zunächst eine Einigung über die wesentlichen politischen und sicherheitsrelevanten Fragen des Konflikts erzielt werden. Erst danach sollte ein direkter Kontakt auf der Ebene der Präsidenten beider Länder stattfinden. Der Kreml ist der Ansicht, dass ein Treffen allein nicht ausreicht, um den Krieg zu beenden. Für Kiew dagegen steht der Schutz der territorialen Integrität und der staatlichen Souveränität der Ukraine im Vordergrund", betont MÜSAVAT aus Baku.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG kommentiert die gescheiterte Bewerbung Deutschlands für einen Sitz im UNO-Sicherheitsrat: "Der Schock ist so groß, dass aus ihm etwas Befreiendes erwachsen kann. Mindestens sollte ihm doch das nüchterne Eingeständnis folgen, dass Deutschland eben einen Preis zahlen muss, wenn es seine elementaren Interessen immer entschiedener verfolgt. Vor allem: die Abschreckung eines aggressiven Russlands. Lange hat Berlin die Verantwortung für die eigene Sicherheit nach Amerika ausgelagert und mit viel Geld stattdessen in der Welt sein Ansehen gemehrt. Jetzt ist das Geld knapp und der Weg zur sicherheitspolitischen Eigenständigkeit lang, unangenehm - aber auch unausweichlich. Weder die immer weniger regelbasierte Ordnung noch ein Sitz im Sicherheitsrat helfen am Ende, wenn ein Angriff Russlands droht." unterstreicht die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG,
Auf einem Gipfeltreffen in Montenegro hat die EU den Westbalkanstaaten die Möglichkeit eines baldigen Beitritts signalisiert. Dazu notiert die kroatische Zeitung NOVI LIST: "Wegen der russischen Vollinvasion in der Ukraine hat die EU ihre Prioritäten neu gesetzt. Eine Erweiterung ist zur sicherheitspolitischen Frage geworden, und damit rücken neben der Ukraine und Moldau auch die Westbalkanländer wieder in den Vordergrund. Die Aufnahme neuer Mitglieder steht vermutlich nicht unmittelbar bevor, aber die Stimmung hat sich geändert: Es geht weniger um das Ob, sondern darum, wie man den Prozess beschleunigen kann. Das ist ein wichtiges Signal des Gipfels im montenegrinischen Tivat: Eine Erweiterung ist für Europa wieder eine Vision und ein strategisches Ziel geworden", findet die Zeitung NOVI LIST aus Zagreb.
Nun einen Kommentar zur Stichwahl für das Präsidentenamt in Peru. Dazu schreibt die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN: "Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl im April mit mehr als 30 Kandidaten vor rund einem Monat und dem andauernden Chaos sind Keiko Fujimori und Roberto Sanchez in die Stichwahl gezogen. Die beiden hatten damals allerdings nicht einmal 20 Prozent der Stimmen gewonnen. Das war eher eine Abstimmung über den unbeliebtesten Kandidaten. Seit fast zehn Jahren zeigt sich die Politik handlungsunfähig. Keikos verstorbener Vater, der erste japanischstämmige Präsident Alberto Fujimori, hatte Vor- und Nachteile. Seine Tochter Keiko, die jetzt im vierten Anlauf Präsidentin werden will, ist nie aus dem Schatten ihres Vaters herausgetreten. Die Proteste gegen die Familie Fujimori bleiben, aber auch die Unterstützung. Am heutigen Sonntag steht das Land erneut vor der Wahl. Es gibt viele schwierige Aufgaben. Wahrscheinlich wird auch die neue Regierung mit der Spaltung kämpfen müssen", vermutet NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Themenwechsel. Der Regisseur Wim Wenders will seinen wegen einer Nacktszene mit Nastassja Kinski umstrittenen Film "Falsche Bewegung" vorerst zurückziehen. Dazu schreiben die LÜBECKER NACHRICHTEN: "Dass Wenders jetzt nach den losgetretenen Debatten endlich entschieden hat, dass der Film vorerst nicht mehr gezeigt werden soll, und sich bei Kinski entschuldigte, ist besser als nichts. Aber wirkliche Verantwortung sieht anders aus. Sollte Wenders seine Entschuldigung ernst meinen, muss man der sonst doch etwas auf Abwege geratenen Feministin Alice Schwarzer recht geben, die forderte, Wim Wenders solle 'diese verdammten zwei Minuten' einfach herausschneiden. Und dabei bitte damit aufhören, den Eindruck zu vermitteln, Kinski würde mit ihrem Wunsch die Freiheit des Kinos bedrohen. Denn das ist eine Verschiebung der Verantwortung", ist in den LÜBECKER NACHRICHTEN zu lesen.
Abschließend ein Kommentar aus der österreichischen Zeitung DIE PRESSE AM SONNTAG zur anstehenden Fußball-WM. "Wenn man es genau nimmt, kann man an der WM, die am 11. Juni beginnt, wenig Gutes finden. Aufgeteilt auf Austragungsorte in den USA, Kanada und Mexiko ist ihr nur mit Superlativen beizukommen: die teuersten Tickets, die weitesten Wege, der höchste Ausstoß von Emissionen. In fünf Wochen wird das Abhalten des Turniers laut Klima-Thinktank 'New Weather Institute' so viel CO2 ausstoßen wie Länder wie Kroatien in einem Jahr. Politisch ist die WM sowieso überschattet. Das Shaming, das Teil unseres gesellschaftlichen Dialogs geworden ist, ob dies nun Fleischessen betrifft, oder das Fliegen, die politische Einstellung oder das persönliche Lebensmodell, nun auch noch auf den Fußball auszuweiten, macht keinen Missstand besser", meint DIE PRESSE AM SONNTAG.
