
"Endlich kommen die Verhandlungen wesentlich voran", lobt die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO: "Das Kriegsende scheint so greifbar nah gerückt zu sein wie nie zuvor. Abgesehen von den unterschiedlichen Angaben zu den Rahmenbedingungen wäre die Umsetzung eines Abkommens keine einfache Sache. Vor allem: Wer soll den ersten Schritt machen? Sollen die USA zuerst die Sanktionen gegen den Iran aufheben oder soll der Iran zuerst die Straße von Hormus freigeben? Die heikelste Frage bleibt das iranische Atomprogramm. Auch ist unklar, ob Washington Israel für seinen Plan gewinnen kann. Alle Beteiligten wollen das Ende sehen. Was fehlt, ist das Vertrauen", vermerkt JIEFANG RIBAO aus Schanghai.
Die türkische Zeitung KARAR ist überzeugt: "Die Unstimmigkeiten zwischen den Parteien und ihr gegenseitiges Misstrauen haben zur Verlängerung des Krieges beigetragen. Die jüngsten Erklärungen deuten jedoch darauf hin, dass beide Seiten kurz vor einer Einigung stehen und diese auch ohne direkte Gespräche erzielt werden könnte. Es ist zu hoffen, dass dies eintritt und in der Region ein wenig Stabilität einkehrt. Sollte sich der Krieg jedoch hinziehen, werden die daraus resultierenden politischen und wirtschaftlichen Probleme weitaus schwerwiegender und dauerhafter sein", befürchtet KARAR aus Istanbul.
Die panarabische Zeitung AL ARABY AL-JADEED glaubt: "Teheran muss darauf verzichten, seinen Einfluss in der arabischen Welt auszuweiten - und zwar unabhängig davon, ob das mit oder gegen den Willen der betroffenen Staaten geschieht. Zudem wird der Iran nur dann an Ansehen gewinnen, wenn er das Völkerrecht wahrt. Während die USA und Israel in der Konfrontation lediglich materielle Verluste erleiden, ist das iranische Regime für den Fall, dass die Verhandlungen scheitern und der Krieg andauert, in seiner Existenz bedroht", so die Einschätzung von AL ARABY AL-JADEED mit Sitz in London.
Die WELT AM SONNTAG beleuchtet die Situation auf den Energiemärkten: "In den vergangenen Monaten hüpfte und taumelte der Ölpreis aufgeregt auf jedes neue Trump-Zitat zur Lage. Doch das Verlautbarungs-Chaos der letzten Tage hat sich kaum noch ausgewirkt, die Charts zeigen eine nahezu flache Linie knapp unter 100 Dollar für ein Barrel Brent. Die Ruhe trügt. Denn der Ölpreis scheint nur deshalb so stabil und überraschend niedrig, weil etliche große Industrienationen ihre Reserven auf die Märkte pumpen, um ihre Bevölkerungen vor den wirtschaftlichen Folgen der Krise abzuschirmen." Wir zitierten die WELT AM SONNTAG.
DIE PRESSE AM SONNTAG aus Österreich bilanziert: "Die Situation ist nicht besser, sondern schlechter als vorher. Vor dem Krieg konnten Öltanker die Straße von Hormus frei passieren. Künftig will der Iran mit dem Oman Gebühren erheben. Ein Atomabkommen mit Teheran hätte Trump auch ohne Krieg haben können. Sein Deal wird kaum besser sein als die Vereinbarung, die sein Vorgänger Obama 2015 abgeschlossen hat und aus der Trump 2018 ausgestiegen ist. Damals hatte er heftig kritisiert, dass Irans Regime eingefrorene Gelder erhielt. Auch diesmal soll wieder ein zweistelliger Milliardenbetrag nach Teheran fließen, wenn ein Vertrag zustande kommt. Die Lösegeld-Taktik des iranischen Erpresser-Regimes geht auf. Daneben sieht Trump aus wie ein Waisenknabe", urteilt DIE PRESSE AM SONNTAG aus Wien.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG beschäftigt sich mit Ende des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS: "Es fehlt an Projekten, mit denen die beiden wichtigsten europäischen Wirtschaftsmächte zeigen, wie solide das Fundament der Europäischen Union ist. In der Energiepolitik gehen Paris und Berlin bereits getrennte Wege. Ohne politische Impulse wird es keine Annäherung im Verteidigungsbereich geben. In Berlin gibt es die Vorstellung, die mit dem Kampfflugzeug geplante Combat Cloud als 'System der Systeme' weiter gemeinsam zu entwickeln. Das dürfte sich schnell als Illusion erweisen. Nicht einmal in den Vereinigten Staaten ist es bislang gelungen, eine 'Combat Cloud' mit allen Kampfjets, Drohnen und Sensoren zu vernetzen. Die Herausforderung ist vor allem organisatorisch. Deshalb stand am Anfang von FCAS auch das Versprechen, die strategischen Kulturen Frankreichs und Deutschlands anzunähern. Auf diesem Weg ist man kaum vorangekommen", resümiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX hat den größten Börsengang der Geschichte absolviert. Dazu bemerkt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG: "Willkommen in der Ökonomie von Dagobert Duck, willkommen in der realen Welt. Seit dem Börsengang von Spacex gilt die reichste Ente des Planeten kaum mehr als Fiktion. In der Gestalt des Gründers Elon Musk steigt ein Mensch erstmals in der Geschichte zum Billionär auf, eine phantastische Dimension, die bisher nur dem Comic vorbehalten war. Der Kapitalismus produziert den grössten Exzess seit seinem Bestehen - und alle fragen sich, wie das endet. Wahrscheinlich nicht gut, lautet die Antwort. Die Traumfabrik der Musk-jünger ist ein finanzarithmetischer Albtraum. Allein im ersten Quartal produziert die Truppe des Visionärs einen Verlust von 4,3 Milliarden. Der Aktienpreis entspricht mehr als dem Hundertfachen des Ertrages pro Aktie – einem Vielfachen dessen, was der Markt bisher für KI-, Satelliten- oder Raketenfirmen zu zahlen bereit war. Es geht hier also um die Frage, wie viele Rückschläge die verblendeten Anleger auf dem langen Weg zum galaktisch guten Investment wegstecken können", betont die NZZ aus der Schweiz.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN beschäftigt sich mit dem US-Unternehmen Anthropic, das auf Anordnung der Trump-Regierung den Zugriff auf seine Modelle für Künstliche Intelligenz weltweit gesperrt hat. In einem Gastkommentar heißt es: "Das ist ein geopolitischer 'Notausschalter'. Denn nicht nur Nutzer und Unternehmen, auch Regierungen sind betroffen. Die Gefahr des KI-Modells 'Mythos 5' von Anthropic ist seine Fähigkeit, Schwachstellen zu finden und in einen sicher funktionierenden Angriff zu verwandeln. Und dieser Prozess wird ziemlich schnell erledigt. Man ist nun in einer neuen Phase angekommen", betont NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Das HANDELSBLATT stellt fest: "Eine Anordnung aus Washington reicht, um Europäer von einem der wichtigsten KI-Systeme der Welt abzuschneiden. Genau davor wurde jahrelang gewarnt. Nun ist es passiert. Europa hat sich zu lange eingeredet, es reiche, die besten KI-Modelle der Welt nutzen zu können. Diese Annahme ist nicht beschädigt. Sie ist obsolet. Das ist der eigentliche Schock. Europa verliert nicht nur ein Werkzeug. Europa verliert die Gewissheit, bei der nächsten Stufe technologischer Entwicklung automatisch dabei zu sein. KI ist keine Zusatzsoftware mehr. KI wird zur Basistechnologie der nächsten Produktivitätswelle", gibt das HANDELSBLATT zu bedenken.
Abschließend eine Stimme zum Titelgewinn der New York Knicks in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA. "Endlich, nach langer Zeit, holt sich die Metropole die Krone im Basketball zurück", schreibt die NEW YORK TIMES: "Man kennt das Erfolgsrezept inzwischen zur Genüge. Über diese Knicks als Mannschaft wird man noch in hundert Jahren sprechen. Sie sicherten sich die Meisterschaft, indem sie 15 ihrer letzten 16 Playoff-Spiele gewannen – darunter 13 Siege in Folge mit einer Gesamtdifferenz von 273 Punkten; eine Dominanz, wie sie in den NBA-Playoffs beispiellos ist. Sie haben auf dem Spielfeld so viel erreicht und abseits davon eine so große Wirkung auf ihre Region ausgeübt, dass sie nicht nur als das beste Knicks-Team aller Zeiten in die Geschichte eingehen sollten." Und mit diesem Kommentar der NEW YORK TIMES endet die Presseschau.
