"Von Jahr zu Jahr werden neue Temperaturrekorde gemessen. Hitzewellen treten häufiger auf, dauern länger an und werden intensiver. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und chronisch Kranke. Hitze ist keine private Herausforderung. Sie ist ein gesellschaftliches Risiko. Es braucht kühlere Städte mit mehr Grünflächen. Es braucht Hitzeschutzpläne – für die Kommunen, aber auch für Krankenhäuser, Pflegeheime und Schulen. Und zwar verpflichtend – und nicht als netten Zusatz. Dass das möglich ist, zeigt Frankreich vorbildlich. Nach der tödlichen Hitzewelle von 2003 hat das Land seine Lehren gezogen und setzt seitdem auf Frühwarnsysteme, Notfallpläne und gezielte Anrufe oder Besuche bei älteren Menschen. Im Elsass gilt aktuell die zweithöchste Hitzewarnstufe – damit wurden auch alle Sportveranstaltungen abgesagt. Nicht, um die Menschen zu ärgern, sondern um sie zu schützen. In Deutschland hingegen werden wir noch immer mit den gleichen Verhaltenstipps abgespeist", ärgern sich die LÜBECKER NACHRICHTEN.
Zu den Problemen der Bahn schreibt die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG: "Zugegeben: Dieses Wochenende leidet die Bahn unter hohen Temperaturen, mit denen niemand gerechnet hat, als die Schienen einst verlegt wurden. Da kann sich mal eine Schiene verformen oder ein Strauch an der Böschung brennen. Mit solchen Temperaturen muss die Bahn allmählich lernen zurechtzukommen. Doch dass am späten Dienstagabend mehr als eine Stunde lang überhaupt kein Zug mehr fuhr, das ist allein die Schuld der Bahn. Nach ihren Angaben war es eine ganz normale Wartung, die den Zugfunk lahmgelegt hat. Allein rund um die Kommunikationstechnik sind in den vergangenen Wochen so viele Dinge schiefgelaufen, dass sich das nicht als Zufall abtun lässt. Beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 ging das ambitionierte Vorhaben schief, die Leit- und Sicherungstechnik zu digitalisieren. Zwischen Hamburg und Berlin wurden in den vergangenen Monaten zwar die Gleise generalsaniert, die digitale Zug-Leittechnik allerdings kommt auch dort erst in den Dreißigerjahren. Zur Ehrenrettung der Bahn bleibt allenfalls, dass sie damit nicht allein ist. Die Bundeswehr möchte seit Jahren einen digitalen Funkverkehr einführen. 20 Milliarden Euro wurden dafür ausgegeben, aber die Armee schafft es bisher nicht, vier Panzer zu verbinden", moniert die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
Bund und Länder haben sich auf eine neue Struktur in den Finanzbeziehungen geeinigt. Der Bund übernimmt ab September 80 Prozent der Kosten, wenn Bundesgesetze in Ländern und Kommunen Ausgaben verursachen. Das Prinzip wird auch umschrieben als "Wer bestellt, bezahlt". Die WELT AM SONNTAG findet: "Klingt plausibel. Ist es aber nicht. Denn dass Länder und Kommunen staatliche Aufgaben übernehmen, war immer schon Bestandteil des Föderalismus. Dafür bekommen sie seit jeher den Löwenanteil der Steuereinnahmen. Eine sachliche Begründung, Geld von der einen auf die andere staatliche Ebene zu schieben, gibt es nicht. Die Spendierhose, mit der Bundeskanzler Merz nun den Ministerpräsidenten entgegentrat, hatte er schon im Wahlkampf angelegt. Damals schmuggelten die listenreichen CDU-Landespolitiker dem Unerfahrenen die Formulierung ins Regierungsprogramm: 'Wer eine Leistung veranlasst oder ausweitet, muss für die Finanzierung aufkommen.' Damit wäre jede Steuersenkung künftig doppelt so teuer. Denn der Bund müsste nicht nur seinen Anteil stemmen, sondern auch noch den der Länder. Wenn anschließend das Wirtschaftswachstum anspringt und neue Steuereinnahmen fließen, sind die Länder beim Kassieren erneut dabei. Ein solcher Automatismus wäre schlicht grundgesetzwidrig. Was nicht heißt, dass die Länder bei der nächsten Einkommensteuerreform nicht wieder die Hand aufhalten. In einer Woche wenn die Koalition sich einigt - könnte es schon so weit sein", warnt die WELT AM SONNTAG.
Die österreichische Zeitung PRESSE AM SONNTAG wirft ein Schlaglicht auf die Beziehungen zwischen den USA und der Europäischen Union: "250 Jahre nach der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung müssen die Europäer ihren eigenen 'Independence Day' vorbereiten, womit der Tag gemeint ist, an dem sie die Abhängigkeit von den USA überwunden haben. Damit Europas Unabhängigkeit gelingen kann, muss es sich ein paar Eigenschaften und Fähigkeiten aneignen, die man gemeinhin den Amerikanern zuschreibt. Dazu zählt die Bereitschaft, ins Risiko zu gehen und sich auf große Zukunftswetten einzulassen – wie es die USA bei Raumfahrt, Digitalisierung und KI getan haben. Den europäischen Rechtsstaat muss man dafür nicht opfern. Die Europäer sollten auf die USA blicken wie die USA auf die Welt: pragmatisch und interessengeleitet, allerdings ohne Macht über Regeln zu stellen, wie das die USA häufig getan haben. Aus kühler Distanz zeigt sich: Die Amerikaner werden in vielen Bereichen ein unzuverlässiger Partner bleiben und in anderen womöglich zum Rivalen werden. Diese Fernbeziehung endet jedenfalls nicht nach 250 Jahren; sie wird nur künftig anders geführt werden. Eines Tages vielleicht ja sogar auf Augenhöhe", hofft die PRESSE AM SONNTAG aus Wien.
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER blickt auf die Lage Großbritanniens zehn Jahre nach dem Referendum zum EU-Austritt: "Das Land hat deutlich an Wirtschaftskraft eingebüßt, Investitionen sind zurückgegangen, Kosten aufgrund der neuen Handelshemmnisse gestiegen. Der Preis für eine angebliche Rückgewinnung der Kontrolle war hoch, und das haben die Leute natürlich bemerkt. Nur noch eine Minderheit glaubt heute, dass der Brexit gut gewesen sei. Zu den unmittelbaren Folgen der Abstimmung vor zehn Jahren gehörte ein dramatischer Anstieg des offenen Rassismus. Brexit-Befürworter Nigel Farage führt heute die größte Partei des Landes an. Seine 'Reform UK' wird inzwischen sogar von der noch offener rassistischen 'Restore Britain' herausgefordert. Der Brexit hat dazu geführt, dass es Menschen schlechter geht, und immer mehr von ihnen lasten diese Entwicklung Einwanderern und Nicht-Weißen an", beobachtet DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Die schweizerische NZZ AM SONNTAG kommentiert die militärischen Erfolge der Ukraine auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim: "Treibstoff ist rar, die Stromversorgung wacklig, die Hotels sind leer. Es ist eine weitere spektakuläre Wende, die der ukrainischen Armee in diesem nun über vier Jahre dauernden Verteidigungskrieg gelungen ist. Früh schon hat sie die russische Schwarzmeerflotte zum Rückzug von der Krim gezwungen, später den Luftraum über der Halbinsel unbenutzbar gemacht. Jetzt schneidet sie die Versorgung der Krim über den Landweg ab. Die Russen haben es nicht kommen sehen. Für Russlands Diktator Wladimir Putin muss der Schlag gegen die Krim empfindlich sein. Die Annexion der Halbinsel war sein Prestigeprojekt. Wird ihn die Abschnürung der Krim endlich zu Verhandlungen bewegen? Das ist unsicher. Aber was sonst? Ein gerechter Frieden für die Ukrainer wird nur aus einer Position der Stärke kommen", ist sich die NZZ AM SONNTAG sicher.
Die türkische Online-Zeitung T24 scheibt zu den ukrainischen Drohnenangriffe, die auch weit in das russische Hinterland reichen: "Vor allem die Ölförder- und Verarbeitungszentren sind betroffen. In Russland ist ein Benzinmangel entstanden, der sich zunehmend ausbreitet, während die Preise steigen. Neben den Drohnenangriffen und der Benzinkrise sorgen auch die mit der 'nationalen Sicherheit' begründeten Internetbeschränkungen für Unmut in der Bevölkerung. Diese Situation setzt Russlands Präsidenten Putin zunehmend unter Druck, der sich im 26. Jahr seiner Amtszeit befindet," vermerkt T24 aus Istanbul.
