10. Januar 2024
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Die Zeitungen blicken auf die neuerliche Insolvenz von Galeria Karstadt Kaufhof und die Regierungsumbildung in Frankreich. Thema ist auch der Lokführer-Streik, der nun wie geplant stattfindet, nachdem ein Gericht den Weg dafür frei gemacht hat.

Logo des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof
Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hat wieder Insolvenz angemeldet - eines der Themen in der Presseschau. (Oliver Berg/dpa)
Dazu schreibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU: "Bahn und GDL können ihre Streitigkeiten nicht an die Gerichte delegieren, sondern müssen zurück an den Verhandlungstisch kommen. Dazu braucht es die Bereitschaft zum Kompromiss. Der Kompromiss wiederum erfordert Größe: Man rückt von eigenen Maximalforderungen ab und bewegt sich auf das Gegenüber zu. Das kann schmerzhaft sein und mag für manche wie Schwäche wirken. Claus Weselsky und Martin Seiler sollte das egal sein. Die beiden starken Männer in diesem Konflikt haben nun die Chance, echte Vorbilder zu sein und zu zeigen: Kompromiss ist möglich, miteinander sprechen besser als übereinander – auch in politisch und wirtschaftlich unruhigen Zeiten wie diesen", notiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG ist besorgt: "Im schlimmsten Fall kann der Staatskonzern die Lokführer so lange streiken lassen, bis die Streikkasse leer ist. So weit darf es aber auch im Interesse der Fahrgäste nicht kommen. Beide Seiten müssen sich bewegen."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG nimmt vor allem die Deutsche Bahn in die Pflicht: "Natürlich kann der Konzern jetzt noch nicht alles anbieten, was er sich leisten kann. Doch für einen Gesamtdeal kann die Bahn durchaus einem Einstieg in kürzere Arbeitszeiten zustimmen, begleitet von einem begrenzten Lohnausgleich.Die Bahn kann einen derartigen Abschluss verkraften, wenn die Details stimmen. Und je schneller der Lohnabschluss steht, desto schneller kann sich der Konzern auf seine Kernaufgabe konzentrieren: den Zugverkehr zu verbessern, der schon ohne Streik die Geduld der Kunden herausfordert," hofft die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die RHEINPFALZ glaubt, dass sich auf lange Sicht etwas grundlegend ändern muss: "Wenn die Bahn, was niemand bestreitet, für die beschworene Verkehrswende unverzichtbar ist, muss sichergestellt werden, dass dieses Verkehrssystem flächendeckend pünktlich und zuverlässig funktioniert. Deshalb sollten Politik und Gesellschaft bereit sein, das heutzutage scheinbar Undenkbare zumindest einmal in Erwägung zu ziehen: Lokführer, Fahrdienstleiter und andere, die für den Fahrbetrieb unerlässlich sind, wieder zu verbeamten", regt die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen an.
Das Politikmagazin CICERO beschäftigt sich mit der neuerlichen Insolvenz des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof - und ist überzeugt: "Das Geschäftsmodell großer Kaufhäuser ist an sein Ende gekommen, weil es vom Konsumenten nicht mehr gewünscht wird. Wenn in einer freien Marktwirtschaft Unternehmen aufsteigen und untergehen, hat das eine Art demokratische Qualität: Alle Marktgewalt geht vom Konsumentenvolk aus. Am Ende bleiben genau so viele Kaufhäuser übrig, wie der souveräne Nachfrager sich leisten will", konstatiert CICERO.
Die WIRTSCHAFTSWOCHE beklagt dagegen, Galeria habe trotz vieler Restrukturierungen nie eine faire Chance erhalten: "Das Unternehmen wurde geplündert, von Beratern und unterschiedlichen Investoren, die auf ihren eigenen Vorteil bedacht waren, aber kaum das langfristige Wohl des Unternehmens im Blick hatten. Sollte Galerias vorläufiger Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus nun einen mutigen Investor finden, muss die aktuelle Insolvenz nicht das Ende der Warenhauskette sein. Vielmehr kann sich nun eine einmalige Chance ergeben. Wenn es dann nicht funktioniert, wenn Galeria nicht nachhaltig in die schwarzen Zahlen kommt, gehört der Laden zugesperrt. Aber eben erst dann", unterstreicht die WIRTSCHAFTSWOCHE.
Das HANDELSBLATT sieht den Konzern in einem Dilemma: "Gerade die wichtigsten Standorte in Düsseldorf, Köln, Hamburg und Frankfurt sind hochdefizitär - auch wegen der überhöhten Mieten. Ohne Zugeständnisse des Vermieters Signa müsste Galeria diese Häuser aufgeben, um überhaupt eine Chance zu haben, profitabel zu werden. Doch eine bundesweite Warenhauskette, die in diesen wichtigen Städten nicht mehr präsent ist, droht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken", hält das HANDELSBLATT fest.
Die HEILBRONNER STIMME ist wenig optimistisch: "Auf weitere Staatshilfen kann der taumelnde Riese nicht zählen, das hat die von Haushaltslöchern geplagte Bundesregierung bereits signalisiert. Das Unternehmen und die mehr als 15.000 leidgeprüften Galeria-Mitarbeiter müssen auf einen Investor hoffen, der eine Zukunft für das Geschäftsmodell Warenhaus sieht. Angesichts der Entwicklung des Konsumverhaltens und des Handels in den Innenstädten braucht es dafür viel Zuversicht. Potenzielle Investoren werden sich wohl eher die Rosinen aus dem Galeria-Filialnetz herauspicken, dem Rest droht die Schließung. Sollte den Heilbronner Standort dieses Schicksal ereilen, wird es düster in der Innenstadt", fürchtet die HEILBRONNER STIMME.
Die BADISCHE ZEITUNG ist sich gar nicht sicher, ob es sinnvoll ist, an jedem Ort die Warenhäuser zu erhalten: "Wo das nicht der Fall ist, entsteht Platz für etwas Neues. Es ist dann an den Akteuren vor Ort, neue Konzepte zu finden. Daran können die Innenstädte sogar gewinnen. Und auch wenn eine Insolvenz für die Mitarbeitenden erstmal schmerzhaft ist: Dank Arbeitskräftemangel gerade im Verkauf haben sie gute Chancen auf andere Stellen", heißt es in der BADISCHEN ZEITUNG, die in Freiburg erscheint.
DIE TAGESZEITUNG blickt nach Frankreich, wo Premierministerin Borne zurückgetreten ist und durch den bisherigen Bildungsminister Atall ersetzt wird: "Die Auswechslung des Premierministers ist in einer Präsidialrepublik wie Frankreich kein politisches Erdbeben. Der Staatschef hat die Macht, er sitzt dem Kabinett vor und hält die Richtlinienkompetenz; der Regierungscheforganisiert bloß die Umsetzung der Beschlüsse und verantwortet sie vor dem Parlament. Nicht umsonst gilt Frankreich als eine Art Wahlmonarchie mit festen Amtszeiten", fomuliert die TAZ.
"Was kann ein neuer Premierminister Gabriel Attal bewirken?", fragt das STRAUBINGER TAGBLATT und antwortet: "Wenig, zumal der 34-Jährige komplett vom Staatschef abhängt, der alle Fäden in der Hand behält. Mit der Ernennung eines Getreuen ändert Macron nicht die Grundlage seiner Politik. Er ändert die Form, das Auftreten. Vielleicht kann dies die Beliebtheitswerte der Regierung verbessern. Aber kaum das Grundproblem der fehlenden Mehrheiten, der allgemeinen Verdrossenheit und des unaufhaltsam erscheinenden Aufstiegs der Rechtsextremen", glaubt das STRAUBINGER TAGBLATT.
"Attal wird sehr viel Geschick brauchen, um die Situation zu entschärfen", wirft die SÜDWEST-PRESSE aus Ulm ein: "Aber wenn es ein anderer, charmanterer Stil sein sollte, mit dem sich der Horizont aufhellen lässt, könnte er der richtige Mann sein. Bislang hat er in jeder ihm anvertrauten Rolle zu glänzen gewusst. Allerdings war keine auch nur annähernd so schwierig."
Die VOLKSSTIMME nennt die Argumente der französischen Opposition, die viel an Attal auszusetzen habe: "Zu jung, zu unerfahren und vor allem zu sehr auf Präsident Macron geeicht. Natürlich geht es Emmanuel Macron neben dem Wohl Frankreichs um seine eigene Reputation. Noch gut drei Jahre, dann endet seine Präsidentschaft, und dies nach der zweiten Amtszeit endgültig. Macron, der aristokratischen Pomp und monarchistische Alleinherrschaft zu schätzen weiß, will sich einen angemessenen Eintrag in den Chroniken sichern. Mit einer abgehalfterten Regierung war da nichts mehr drin, deshalb hat er sein Fußvolk ausgetauscht. Ministerpräsident Atall riskiert dabei nicht allzu viel: Ist er erfolgreich, kann er künftig selbst eine Präsidentschaft anstreben. Scheitert er, ist er für einen Neustart nicht zu jung - und kann alles auf Macrons Dominanz schieben", analysiert die Magdeburger VOLKSSTIMME.