
Die STUTTGARTER NACHRICHTEN erläutern: "Noch Anfang der Woche schien es, als ob die Union die Finanzierung des Deutschlandtickets für 2025 ablehnen würde. Nun signalisiert sie Zustimmung. Der Sinneswandel dürfte mit einer Zahl zusammenhängen: 13 Millionen. So viele Kunden hat das Deutschlandticket – viele von ihnen sind Wähler. Hätte die Union nicht zugestimmt, hätten diese mit steigenden Preisen rechnen müssen. SPD und Grüne witterten bereits ein Wahlkampfthema. Richtig ist die Entscheidung der Union dennoch. Denn das Ticket macht den Öffentlichen Nahverkehr attraktiver. Gleichzeitig haben CDU und CSU recht, wenn sie Investitionen in Bus und Bahn anmahnen. Doch ein Ende des Deutschlandtickets wäre eine schlechte Nachricht für die Verkehrswende", meinen die STUTTGARTER NACHRICHTEN.
Die Koblenzer RHEIN-ZEITUNG mahnt: "Für die Union gilt nach dem Hin und Her bei dem Deutschlandticket jedenfalls: Vorsicht an der Bahnsteigkante. Wer im Überschwang der Umfragen glaubt, in den nächsten Wochen Wahlkampf nach Lust und Laune, aber ohne Rücksichtnahme machen zu können, der wird weitere Eigentore schießen. Der wird dann aber auch am 23. Februar bei der Bundestagswahl die Quittung dafür bekommen. Denn wie heißt es so schön: Übermut tut selten gut."
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER notiert: "Jetzt sind zwei Dinge wichtig: starke Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur – und eine schnelle Klärung der Ticketzukunft ab 2026. Nach der Wahl müssen sich frühzeitig Allianzen für seinen Fortbestand bilden, am besten für eine langfristige Lösung. Vermutlich wird das nicht ohne weitere Preissteigerungen gehen. Aber vielleicht nicht für alle. Auch ein gestaffeltes Preissystem ist denkbar für Familien oder Einkommensschwache. Wichtig ist, den Schwung des so bestechend einfachen Systems mitzunehmen: einsteigen und losfahren", unterstreicht der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
"In München, Berlin und Frankfurt gefeiert als großer Erfolg, auf dem Lande heftig kritisiert – und das nicht ohne Grund", hebt die AUGSBURGER ALLGEMEINE hervor. "Wer in der Provinz lebt, wo der Bus höchstens fünfmal am Tag fährt, fühlt sich zu Recht übergangen. Für ländliche Regionen ist das Deutschlandticket wenig attraktiv. Doch trotz der berechtigten Einwände und Schwächen weist das Ticket den Weg in eine klimafreundliche, gerechtere Zukunft des Verkehrs. Deshalb ist es gut so, dass es zumindest für das kommende Jahr erhalten bleibt", lobt die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
DIE GLOCKE aus Oelde sieht das Ticket kritischer: "Längst nicht jeder Deutsche profitiert von dem hoch subventionierten Bahnprodukt. Im Gegenteil: Gerade für die Bewohner des ländlichen Raums ist der öffentliche Nahverkehr und damit auch das Deutschlandticket schon darum keine Alternative, weil es schlichtweg keine funktionierenden Bus- und Bahn-Verbindungen gibt. Für die übergroße Mehrheit der Abonnenten handelt es sich beim Deutschlandticket um einen Rabatt auf einen Fahrschein, der von der Allgemeinheit finanziert wird. Nach den Zahlen des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen sind gerade einmal acht Prozent der Abonnenten Neukunden. Um zu einer echten und wirklich nachhaltigen Verkehrswende zu kommen, ist nach Jahren des Bahn-Rückbaus der massive Ausbau der Verkehrsinfrastruktur notwendig", verlangt DIE GLOCKE.
Zum selben Thema noch die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG: "Das Deutschlandticket ist offenbar zu populär, um es SPD und Grünen als Wahlkampfthema zu überlassen. Auch die geschmeidige CDU, die es sich gerade mit keiner relevanten Wählergruppe verscherzen will, bekennt sich vorerst zu dem Abo und will den 13 Millionen Nutzern auch nächstes Jahr verbilligte Fahrten mit Bus und Bahn ermöglichen. Die Dauersubvention für das Ticket gibt einen Vorgeschmack auf einen Wahlkampf, in dem Union, SPD und Grüne jegliche Zumutungen scheuen werden. Rente, Gesundheit, Deutschlandticket, alles soll so bleiben, wie es ist. Zu groß ist die Angst, mit Kürzungen AfD und BSW noch mehr Wähler zuzutreiben. Die Rechnung wird nur leider nicht aufgehen. Man kann den Wählern bittere Wahrheiten zwar verschweigen. Die Probleme werden ohne Reformen aber nur weiter anwachsen - und die Unzufriedenheit dann erst recht steigern", erwartet die F.A.Z.
Bundeskanzler Scholz hat erstmals seit zwei Jahren mit Russlands Präsident Putin telefoniert und ihn zu Verhandlungen mit der Ukraine aufgefordert. In den OM-MEDIEN, zu denen die MÜNSTERLÄNDISCHE TAGESZEITUNG gehört, ist zu lesen: "Scholz, der sich mit der Aktion angesichts der nahen Neuwahlen profilieren will, muss aber dies bewusst sein: Er macht sich damit Putin selbst zum Wahlkampfhelfer. Und der Kremlchef spielt wohl kaum mit, ohne einen satten Vorteil daraus ziehen zu können, wenn er nach zwei Jahren Sendepause plötzlich den Gesprächsfaden wieder aufgreift – mit einem Kanzler im Wahlkampf. Putin spekuliert auch auf Zeitgewinn."
Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm führt aus: "So, wie es Olaf Scholz am Freitag mit seinem Telefonat mit Wladimir Putin vorgeführt hat, mag der Wahlkampf-Aspekt zwar ein wenig dick aufgetragen wirken. Scholz als Friedenskanzler, so sieht er sich selbst gern. Aber die Konsequenzen, wenn man jetzt nicht mit Verhandlungen beginnt, könnten für Europa dramatisch sein."
Der designierte US-Präsident Trump hat angekündigt, dass Robert F. Kennedy der neue Gesundheitsminister werden soll. Diese Personalie ist besonders umstritten. "Trump gelang es, noch einen drauf zu setzen", kommentiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und erklärt: "Robert F. Kennedy Junior soll Gesundheitsminister werden, also ein Mann, der erklärter Impfskeptiker ist und an die Kraft der alternativen Medizin glaubt. Die Nominierung von Kennedy lässt sich nur als vollkommen irregeleitet bezeichnen. Er hat keinerlei Abschlüsse oder Erfahrung im Gesundheitswesen. Er folgt in diesen Fragen seinem Gefühl. Nachdem Trump die Wahl gewonnen hatte, gab es Stimmen, die sagten, alle Warnungen vor seiner zweiten Amtszeit seien doch schon immer übertrieben gewesen. Am Ende dieser Woche der Nominierungen dürften diese Stimmen verstummen. Fast immer hat sich Trump für die extremste Lösung entschieden", betont die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg bemerkt: "Bei der Besetzung der neuen US-Regierung legt der designierte Präsident nicht unbedingt Wert auf die Eignung fürs Ministeramt. Andere Qualifikationen sind wichtiger, Loyalität und erzkonservative Gesinnung etwa. Sollte es moralische Bedenken geben, sind sie schon deshalb kein Hindernis, weil der Chef selbst strafrechtlich verurteilt ist. In dieses Schema scheint auch der nominierte Gesundheitsminister zu passen. Durch den Verzicht des unabhängigen Bewerbers Robert F. Kennedy auf die Präsidentschaftskandidatur dürften vor allem Trump dessen Wähler zugefallen sein. Ein anderer Aspekt ist bei Kennedy noch weit wichtiger: Der Name und das, was dahintersteht. Nämlich eine der berühmtesten Familiendynastien der Vereinigten Staaten. Etwas von diesem Glanz soll auch auf Trump abfallen, der vom Volk geliebt werden will", meint die VOLKSSTIMME.
Zum Abschluss eine Stimme aus der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG: "Ein Gesundheitsminister, der von sich selbst behauptet, ein Wurm habe Teile seines Gehirns gefressen? Was wie ein psychedelischer Horrortrip klingt, wird in den USA gerade real. Das Kabinett, das Donald Trump sich für seine zweite Amtszeit zusammenstellt, ist eine bizarre Mischung. Die gute Nachricht könnte lauten: Wer weiß, wie lange es dauert. Wohl kaum jemand hat so oft sein Spitzenpersonal gewechselt wie Donald Trump in seiner ersten Amtszeit."
