29. August 2025
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute mit Stimmen zur Klausurtagung der Spitzen der Koalitionsfraktionen von Union und SPD in Würzburg und zum Atomstreit mit dem Iran. Zunächst einige Kommentare zu den jüngsten russischen Luftangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew.

Feuerwehrleute arbeiten an der Stelle eines brennenden Gebäudes nach einem russischen Angriff in Kiew, Ukraine.
Ein Thema in den Kommentaren. Die neuen russischen Luftangriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew. (picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Efrem Lukatsky)
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG betont, man müsse davon ausgehen, dass... "... die Beschädigung der EU-Vertretung, des British Council und des Büros des US-Senders Radio Liberty in Kiew beabsichtigt war. Es ist Putins Art, dem Westen mitzuteilen, was er von den jüngsten Versuchen hält, eine Verhandlungslösung für den Krieg zu finden - einen Krieg, den wohlgemerkt er begonnen hat, nicht etwa die Ukrainer, die nach dieser Bombennacht wieder etliche tote Zivilisten zu beklagen haben, und auch nicht die Europäer, die ihnen aus guten und legitimen Gründen beistehen. Präsident Selenskyj hat recht, wenn er feststellt, Russland habe sich für ballistische Raketen statt für den Verhandlungstisch entschieden. Das lässt vor allem Trump schlecht aussehen, und er merkt es selbst. Die Europäer setzen darauf, dass dem amerikanischen Präsidenten irgendwann die Geduld ausgeht und er eine härtere Gangart gegenüber Putin anschlägt", vermutet die F.A.Z.
Die LÜBECKER NACHRICHTEN konstatieren: "Es ist der tödlichste Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew seit dem Gipfel von Kremlchef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump in Alaska vor rund zwei Wochen. Inzwischen dürfte allen klar sein, dass Putin keinerlei ernsthaftes Interesse an Verhandlungen hat – allen bis auf Trump, der in einer Mischung aus Naivität und Selbstüberschätzung immer noch glaubt, dass er den Kriegstreiber mit gutem Zureden zum Einlenken bringen kann. Umso wichtiger ist es, dass die Europäer jetzt voranschreiten und der Ukraine robuste Sicherheitsgarantien geben – ob mit oder ohne den unberechenbaren US-Präsidenten, dessen Wort ohnehin nichts wert ist. Damit sichern sie das Überleben der Ukraine, das angesichts des aggressiven Nachbarn in Gefahr ist. Und sie beweisen Putin, dass es ihnen ernst ist mit dem Beistand für den EU-Beitrittskandidaten", unterstreichen die LÜBECKER NACHRICHTEN.
Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm verweist auf das baldige Ende einer Frist, die US-Präsident Trump für einen Friedensgipfel zwischen Russland und der Ukraine gesetzt habe: "Was man stattdessen sieht, sind Raketen, Drohnen und Marschflugkörper, die auf ukrainische Städte regnen. Neben einer Reihe von Zivilisten hat es jetzt sogar die EU-Vertretung in Kiew getroffen. Man kann davon ausgehen, dass das kein Zufall war. Denn in der EU macht man sich gerade viele Gedanken darüber, wie man im Fall der Fälle einen Waffenstillstand absichern könnte und welche Sicherheitsgarantien man der Ukraine geben müsste. Russland hat wiederholt klargemacht, dass es keine NATO-Soldaten auf ukrainischem Territorium akzeptieren wird. Und mehr noch: dass es nicht im Geringsten an einem Friedensschluss interessiert ist. Aus Moskaus Sicht läuft der Krieg gerade gut", notiert die SÜDWEST PRESSE.
Themenwechsel. Die VOLKSSTIMME geht auf das zweitägige Treffen der Spitzen der Koalitionsfraktionen in Würzburg ein: "Die Performance der Regierungskoalition ist bislang alles andere als überzeugend. Das macht den Job der Fraktionschefs nicht einfacher. Der linke SPD-Mann Matthias Miersch ist neu im Amt, genauso wie sein konservatives CDU-Pendant Jens Spahn. Dem Christdemokraten hängt allerdings der Corona-Maskendeal wie ein Klotz am Bein, die gescheiterte Verfassungsrichter-Wahl geht mit auf sein Konto. Es ist offen, ob sich Spahn im neuen Amt freischwimmt oder untergeht. Das Fraktionstreffen in Würzburg soll die gemeinsame Basis verbreitern. Jenseits persönlicher Annäherung ist es aber schwer vorstellbar, das Union und SPD ohne Konflikte auf einen Nenner in der Sozialpolitik kommen", argumentiert die VOLKSSTIME aus Magdeburg.
Die FRANKFURTER NEUE PRESSE analysiert: "Bislang nehmen die Bürger hauptsächlich Gegensätze innerhalb der Regierung wahr. Statt Kompromisse zu finden, blockieren sich Union und SPD gegenseitig bei wichtigen Vorhaben. Letztlich geschieht dann das, was in vielen Krisen das Schlimmste ist: nichts. Und das kann sich Deutschland nicht leisten – weder finanziell noch innenpolitisch, wenn die AfD bereitsteht, um Unzufriedene mit Scheinlösungen einzufangen. Daher bleibt nur zu hoffen, dass die Koalitionäre sich in Würzburg wirklich ihrer Verantwortung bewusst werden, aus den Fehlern der in hohen Streitwogen gekenterten Ampel lernen und Sach- vor Partei-Interessen stellen", mahnt die FRANKFURTER NEUE PRESSE.
Die STUTTGARTER ZEITUNG gibt zu bedenken: "Auch bei der schwierigen Reform des Bürgergelds muss die Mehrheit erst einmal stehen. Dazu wird es Schritte zur Konsolidierung der Sozialversicherungen geben müssen, für die es im Koalitionsvertrag keine Blaupause gibt. Das alles wäre schon für eine gut eingespielte Koalition alles andere als leicht zu bewältigen. Doch bis dahin ist der Weg für Schwarz-Rot noch weit", ist sich die STUTTGARTER ZEITUNG sicher.
"Kein Streit mehr, ab jetzt wird friedlich durchregiert – kann das das Ziel sein?" fragt der Berliner TAGESSPIEGEL: "Bitte nicht. Gar keine Konflikte, das wäre eine Bestätigung des fatalen Bildes vom politischen Einheitsbrei, in dem fast alle Parteien irgendwie das Gleiche wollen und am Schluss angeblich nur eine Alternative bleibt. Die Frage sollte also nicht sein, wie das Gestreite beendet werden kann, sondern wie so gestritten werden kann, dass auch etwas dabei herauskommt", findet der TAGESSPIEGEL.
Die TAGESZEITUNG - TAZ - empfiehlt: "Die ungleichen Partner sollten sich darauf konzentrieren, Dinge anzugehen, bei denen sie sich einig sind: den Sozialstaat zu entbürokratisieren, sodass die Menschen Pflegehilfe auf einen Klick und Arzttermine ohne Anstehen bekommen. Wenn der 'Geist von Würzburg' das Bekenntnis zu einem konstruktiven Arbeitsmodus ist, hätten Union und SPD schon etwas erreicht. Klingt langweilig. Aber mehr Langeweile täte nicht nur der Koalition, sondern der ganzen Gesellschaft ganz gut." Soweit die TAZ.
Abschließend Stimmen zum Atomstreit mit dem Iran. Die AUGSBURGER ALLGEMEINE erläutert: "Offiziell beteuert Teheran, das iranische Atomprogramm diene allein friedlichen Zielen, doch das wirkt unglaubwürdig. So stellt sich die Frage, warum der Iran internationale Inspekteure ausweist oder Uran auf ein Niveau anreichert, für das es nur militärische Zwecke gibt. Seit den israelisch-amerikanischen Angriffen vom Juni betonten einige Politiker in Teheran, nur die Atombombe könne ihr Land schützen. Bisher will sich der Iran jedenfalls alle Optionen offenhalten. Er will seine Wirtschaft durch einen Atom-Deal mit Sanktionsabbau sanieren und gleichzeitig völlige Transparenz in seinem Atomprogramm vermeiden. In den kommenden Wochen wird sich das Regime von einem dieser Ziele verabschieden müssen", erwartet die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
Die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock sieht ein Hauptproblem in den USA, die in "Donald Trumps erster Präsidenten-Amtszeit aus den internationalen Gesprächen ausgestiegen sind. Sie haben Iran den Vorwand geliefert, Vereinbarungen nicht einzuhalten. Israel hat auf fragwürdige Weise versucht, die Entwicklungsprogramme des Nachbarlandes zurückzuwerfen, indem es Atomanlagen mit Hilfe der USA bombardierte. Deutschland, Frankreich und Großbritannien setzen auf verstärkten wirtschaftlichen Druck und haben daher bei den Vereinten Nationen die Wiedereinsetzung von Sanktionen angestoßen. Das ist die wesentlich sinnvollere Variante, auch wenn die schon geschundene Zivilbevölkerung mit getroffen würde. Es ist kaum zu erwarten, dass sich die iranische Regierung nun sofort zu Verhandlungen bereit erklärt – Einlenken ist absolut nicht die Stärke der Hardliner, die dort den Ton angeben. So mühsam und so frustrierend es sein mag, gilt aber dennoch: Nach der Chance auf Gespräche muss gesucht werden. Und sei sie noch so klein", appelliert die OSTSEE-ZEITUNG, mit der diese Presseschau endet.