08. Januar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind vorläufigen Berechnungen zufolge im vergangenen Jahr erneut gesunken. Im Mittelpunkt der Kommentare steht jedoch das Gipfeltreffen von Unterstützerländern der Ukraine in Frankreich.

Das Foto zeigt mehrere europäische Staats- und Regierungschefs bei einem Treffen in Paris.
Ein großes Thema in den Kommentaren: Der Ukraine-Gipfel der "Koalition der Willigen" in der französischen Hauptstadt Paris. (dpa-news/Ludovic Marin)
Der WESER-KURIER aus Bremen findet: "Dass Europäer und US-Amerikaner in Paris verbindliche Sicherheitsgarantien für das angegriffene Land verabredet haben, ist ein gutes Zeichen. Denn eine Waffenruhe würde der Ukraine nicht helfen, wenn sie die Befürchtung haben müsste, erneut überfallen zu werden. Ob sich Russland tatsächlich auf das Angebot einlässt, im Gegenzug für die seit 2022 eroberten Gebiete oder für eine Demilitarisierung des Donbass ausländische Truppen im Nachbarland zu dulden, scheint mehr als fraglich. Die Antwort wird Aufschluss darüber geben, wie ernsthaft der Kreml überhaupt gewillt ist, eine souveräne Ukraine zu akzeptieren, oder ob die Ziele Putins weit über die geforderten vier Landstriche im Osten und im Süden des geschundenen Landes hinausgehen", vermerkt der WESER-KURIER.
Die FREIE PRESSE stellt mit Blick auf den Bundeskanzler fest: "Friedrich Merz hat sich ein bisschen weiter vorgewagt als bisher. Beim Pariser Treffen der 'Koalition der Willigen' sagte er erstmals genauer, wie sich die Bundeswehr an Sicherheitsgarantien für die Ukraine beteiligen könnte. Deutschland würde zwar Truppen nach einem Waffenstillstand stellen wollen, aber nicht in der Ukraine selbst, sondern nur in einem benachbarten NATO-Land. Der deutsche Kanzler erfüllte damit das Minimum dessen, was in dieser Situation erforderlich war. Frankreich und Großbritannien hatten bereits vor Monaten ihren Willen bekundet, Soldaten auch in die Ukraine zu entsenden. Ein weiteres Hinauszögern deutscher Zusagen war für Merz nicht mehr möglich, ohne die europäische und die eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen", glaubt die FREIE PRESSE aus Chemnitz.
"Merz’ Zurückhaltung ist einerseits peinlich. Und andererseits weise", urteilt der Berliner TAGESSPIEGEL: "So wie die Bundeswehr heute aufgestellt und ausgerüstet ist, kann er redlicherweise nicht mehr versprechen. Deutschland führt die NATO-Schutztruppe, die Litauen vor einem russischen Angriff schützen soll. Schon damit ist die Bundeswehr am Rande der Überforderung. Bis 2027 soll eine gut ausgerüstete Brigade mit 5.000 Mann in Litauen stehen. Das reicht nicht, um Putin von einem Angriff abzuschrecken. Europa muss schlagkräftiger werden – und das schnell. Merz hat einen weiteren triftigen Grund: Anders als viele NATO-Partner benötigt er die Zustimmung des Parlaments für Militäreinsätze. Man darf Zweifel haben, dass er sich da auf die Regierungspartei SPD verlassen kann", notiert der TAGESSPIEGEL.
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf mahnt: "Die deutschen Fähigkeiten bei der Luftverteidigung oder der Absicherung entlang der NATO-Grenze sollten nicht unterschätzt werden. Abschreckung funktioniert nicht nur an vorderster Frontlinie. All das sind bislang aber nur Luftschlösser, weil der Aggressor Wladimir Putin weder mit am Tisch saß, noch irgendein Interesse an einem für die Ukraine fairen Waffenstillstandsabkommen erkennen lässt", gibt die RHEINISCHE POST zu bedenken.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) begrüßt, dass die... "... Europäer in Dreiecksgesprächen mit den USA und der Ukraine solche Pläne entwickeln. Das ist der beste Weg, US-Präsident Donald Trump auf der eigenen Seite zu halten. Sonst ließe er sich womöglich schon wieder von Putin Wünsche in den Block diktieren. Das wäre der Supergau für Europa und die Ukraine."
Das STRAUBINGER TAGBLATT ist skeptisch: "Dass die Lage eher auf Zuspitzung als auf Waffenstillstand hindeutet, zeigt der brandgefährliche Tanker-Thriller im Atlantik. Statt sich um eine diplomatische Lösung für die Ukraine zu bemühen, liefern sich die USA und Russland auf hoher See einen Schattenkrieg um venezolanisches Öl. Solange die Großmächte mit solchen Manövern eine direkte Konfrontation riskieren, ist ein baldiger politischer Kompromiss in der Ukraine oder gar ein Frieden kaum vorstellbar". Soweit das STRAUBINGER TAGBLATT.
Themenwechsel. Die USA haben erneut erklärt, dass sie die Kontrolle über Grönland anstreben. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU ist überzeugt, die EU habe im Streit um die Insel mehr Druckmittel gegen Trump als vermutet: "Dänemark und die anderen EU-Staaten sind zwar verteidigungspolitisch auf die USA angewiesen. Sie haben auch nicht wie China mit den Seltenen Erden ein Druckmittel gegen die Trump-Regierung. Doch Europa ist auch für die Vereinigten Staaten wichtig. Ein Konflikt über die Insel verbunden mit einem möglichen Handelsstreit würde die Preise in den USA vor den wegweisenden Zwischenwahlen Ende des Jahres in die Höhe treiben. Die hohe US-Inflation war ein Grund für die Niederlage von Joe Biden. Fraglich ist zudem, ob die Trump-Administration einen weiteren Konflikt managen könnte", schreibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Das Magazin CICERO verweist auf die Begründung von Präsident Trump, er brauche die Insel für die Sicherheit der USA, weil dort bislang nur russische und chinesische Schiffe kreuzten: "Hierfür gibt es zwei Erklärungsmodelle: Laut Version 1 meint Trump es ernst, er wolle tatsächlich Grönland an die USA anschließen, notfalls auch mit militärischer Gewalt. Es wäre das Ende der NATO, denn die rohstoffreiche Insel ist eine autonome Region des NATO-Mitglieds Dänemark. Version 2: Die Drohungen haben lediglich den Zweck, die europäischen NATO-Staaten dazu zu bringen, sich an einer militärischen Schutzmacht für die Insel zu beteiligen. In jedem Fall sind die Europäer längst nicht stark genug, um sich auf diesem Feld ohne amerikanische Hilfe behaupten zu können." Wir zitierten CICERO.
DIE RHEINPFALZ aus Ludwigshafen fragt: "Wie lange wollen wir noch zusehen, dass die Regierung Trump das Völkerrecht mit Füßen tritt? Die EU-Staaten müssen Trump nun irgendwie in die Schranken weisen, ihn von seinem irrwitzigen Plan abbringen. Das wird aber alles andere als einfach. Dass nach der Militäraktion in Venezuela keine klaren Worte seitens der EU und schon gar nicht aus Deutschland kamen, fällt uns jetzt auf die Füße", kommentiert DIE RHEINPFALZ.
Abschließend geht es um Jahresbilanz zu den Treibhausgasemissionen in Deutschland. Dazu bemerkt die TAGESZEITUNG - TAZ: "Bundesumweltminister Carsten Schneider muss spätestens Mitte März ein Klimaschutzprogramm vorlegen, das zeigen soll, wie die Bundesregierung die gesetzlich vorgegebenen Klimaziele einhalten will. Zwei Zahlen müssen ihm dabei Sorgen bereiten: 9 Millionen und 36 Millionen. Um 9 Millionen Tonnen sind die deutschen CO2-Emissionen 2025 zurückgegangen, wie die Denkfabrik Agora Energiewende ausgerechnet hat. 36 Millionen Tonnen Rückgang sind ab jetzt jährlich nötig, damit Deutschland 2030 sein selbst gestecktes Klimaziel einhält. Nur in der Stromerzeugung zeichnet sich dahingehend ein Erfolg ab. Schneider hat in den kommenden Wochen die undankbare Aufgabe, das Wohn- und das Verkehrsministerium genauso wie das Wirtschaftsministerium zu wirkungsvollen, durchfinanzierten Klimaschutzmaßnahmen zu verpflichten. Wie Schneider sich durchsetzen will, ist unklar", folgert die TAZ.
Die LÜBECKER NACHRICHTEN analysieren: "Die positive Gesamtentwicklung basiert weiterhin vor allem auf dem Ausbau der Solar- und Windenergie sowie der Tatsache, dass die Wirtschaft schwächelt und emissionsträchtige Raffinerien oder Kokereien weniger ausgelastet waren. Es ist ein schöner Erfolg, dass Solaranlagen erstmals auf Platz zwei der Stromquellen gleich hinter der Windkraft liegen und die Erneuerbaren-Anteile sogar den Strompreis senken. Doch zugleich bleiben wichtige Felder unbespielt: Dass die Sektoren Gebäude und Verkehr erneut weit hinter ihren Klimaschutzzielen zurückbleiben und ihre Emissionen sogar steigen, statt zu sinken, ist ein Armutszeugnis", kritisieren die LÜBECKER NACHRICHTEN zum Ende dieser Presseschau.