13. Januar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Mit Kommentaren zur Situation im Iran, zum Vorgehen der US-Regierung gegen Zentralbankchef Powell und zur Indien-Reise von Bundeskanzler Merz.

Dieser Ausschnitt aus Aufnahmen, die in den sozialen Medien kursieren, zeigt Demonstranten, die im iranischen Teheran um ein Feuer herum tanzen und jubeln.
Die Proteste im Iran reißen nicht ab. (Uncredited / VALIDATED UGC / AP / dpa)
"Wieder einmal begehren die Menschen im Iran gegen die islamistische Diktatur auf", schreibt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG. "Ihr Mut ist von bewundernswerter Größe, denn sie begeben sich bei ihrem Kampf für die Freiheit in Lebensgefahr. Die Schergen des Regimes haben schon viele Demonstranten getötet. Deshalb ist es ein starkes Signal, dass US-Präsident Donald Trump dem Regime eine unmissverständliche Botschaft gesendet hat: Wer unschuldige Iraner erschießt, muss mit der Antwort der Vereinigten Staaten rechnen."
Der MÜNCHNER MERKUR erläutert: "Im Iran kämpfen die Menschen mit dem Mut der Verzweiflung um ihre Freiheit. Man kann über Trumps Drohungen gegen Teheran streiten. Aber wenigstens tut er was. Aus Europa kommt mal wieder nur dröhnendes Schweigen. Das war schon immer so. So hielt der damalige SPD-Außenminister Steinmeier noch krampfhaft am Atomabkommen mit Teheran fest, als längst klar war, dass die Islamisten die Europäer betrügen. Bis heute ist Deutschland wichtigster Handelspartner der Mullah-Diktatur in Europa. Und bis heute stuft die EU die Revolutionswächter nicht als Terrororganisation ein", kritisiert der MÜNCHNER MERKUR.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG bemerkt: "Das Internet ist voll von Fantasien darüber, dass die USA das geistliche Oberhaupt Irans, Ayatollah Ali Chamenei, mit einem Raketenschlag ausschalten könnten. Die Folgen einer solchen Aktion aber wären unabsehbar. Bei Trump weiß man nie, aber es ist kaum anzunehmen, dass er dieses Risiko eingeht. Wahrscheinlicher wären schon eher Angriffe gegen den Unterdrückungsapparat der Mullahs, die Revolutionsgarden und die Geheimdienste. Allerdings dürfte dies das Regime genauso wenig ins Wanken bringen wie ein paar mehr ins Land geschmuggelte Terminals für Elon Musks Starlink-Satelliten, die ungehinderten Zugang zum Internet ermöglichen. Freiheit lässt sich, aller markigen Rhetorik zum Trotz, von außen schwerlich herbeireden – und schon gar nicht herbeibomben", unterstreicht die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus analysiert: "Der Westen, falls dieser Ausdruck überhaupt noch Sinn macht, steht vor schwierigen Entscheidungen, die die Zukunft der Region für viele Jahre beeinflussen werden. Dass ausgerechnet Donald Trump dabei eine Schlüsselrolle zukommt, stimmt nicht hoffnungsvoll. Er hat nun mitgeteilt, dass seine Administration 'starke Optionen' prüfe, worunter auch ein militärischer Schlag fallen dürfte. Was ist davon zu halten? Der alte Grundsatz ist auch hier anzuwenden: Vor jedem militärischen Eingreifen muss das Ziel der Aktion klar benannt und das Ende präzise definiert sein. Ist das nicht der Fall, entsteht Chaos. Das amerikanische Eingreifen im Irak und in Afghanistan, das jeweils ohne Exit-Strategie erfolgte, legt davon Zeugnis ab, welche verheerenden Langzeitfolgen unbedachte militärische Operationen haben können", hebt die LAUSITZER RUNDSCHAU hervor.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU geht auf das Vorgehen der US-Justiz gegen Notenbank-Chef Powell ein, dem Falschaussagen vor dem Kongress vorgeworfen werden: "Der Fed-Chef hat recht, wenn er den Angriff als Versuch erklärt, die Notenbank geldpolitisch gefügig zu machen. Stoisch hat der 72-Jährige Trumps Anwürfe pariert. Wie er sie in einem Video kontert, mit klaren Worten und fast wütendem Ausdruck, ist beispiellos. Es ist die persönliche Unabhängigkeitserklärung des wichtigsten Akteurs am weltweiten Finanzmarkt. Die ist bitter nötig. Was wirken mag wie Machtspielchen und Trump-Getöse, hat in Wahrheit das Zeug zum großen Crash. Die Unabhängigkeit der Zentralbank ist mehr als ein akademisches Ideal", heißt es in der FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die STUTTGARTER ZEITUNG äußert sich besorgt: "Wenn die Fed zu einem Anhängsel der Regierung verkommt, ist das eine Gefahr weit über die USA hinaus. Die US-Zentralbank ist Hüterin des Dollar, der Leitwährung der Welt. Was die Fed beschließt, setzt Wegmarken für Zentralbanken rund um den Globus. Falls sie in die Hände politischer Fanatiker fällt oder auch nur Irrationalität und Willkür ausgeliefert wird, kann das Schockwellen auslösen mit schwersten Schäden im gesamten, weltumspannenden Finanz- und Wirtschaftssystem", warnt die STUTTGARTER ZEITUNG.
"Trump interessiert sich nicht für die längerfristige Stabilität des Gemeinwesens", stellt DIE ZEIT fest. "Für ihn zählt das Hier und Jetzt. In diesem Fall aber dürfte sein Kalkül nicht aufgehen. Denn die Federal Reserve finanziert nicht den Staat direkt, das übernehmen die Banken und andere Finanzinstitutionen. Wenn Anleger damit rechnen, dass die Regierung den Dollar entwertet, werden sie als Entschädigung höhere Zinsen auf ihre Kredite verlangen. Und zwar selbst dann, wenn die Notenbank frisches Geld auf den Markt bringt. Es ist also fraglich, ob es Trump gelingt, durch seine Angriffe auf die Federal Reserve die Finanzierungskosten seiner Politik zu senken. Die Vorgehensweise des Präsidenten könnte auch den gegenteiligen Effekt haben", glaubt DIE ZEIT.
Ähnliche Erwartungen hat die TAZ: "Erneut würde die Inflation in den Vereinigten Staaten steigen, nicht sinken. Viele US-Bürger haben aber jetzt schon das Gefühl, dass sie sich das tägliche Leben nicht mehr leisten können. 'Affordability' war das Schlagwort, mit dem die Demokraten zuletzt die Wahlen in New York, Virginia und New Jersey gewonnen haben. Trump arbeitet an seinem eigenen Untergang."
In der PASSAUER NEUEN PRESSE ist zu lesen: "Während sich Trump in der Weltpolitik als großer Macher gebärdet, geht im Inland die Konsumstimmung der Verbraucher in seiner zweiten Amtszeit immer weiter in den Keller. Kein Wunder also, dass sich der US-Präsident deutliche Zinsschritte nach unten wünscht – so rasch wie möglich. Der Fed-Chef steht dem im Weg. Ab Mai wird Powell aber ohnehin nicht mehr die Stimme der zinspolitischen Vernunft sein können. Denn dann läuft seine Amtszeit ab. Und Trump darf seinen Nachfolger vorschlagen. Es ist vorherzusehen, dass dies dann ein loyaler Ja-Sager sein wird, wie sie der US-Präsident gerne in seinen Reihen hat", prophezeit die PASSAUER NEUE PRESSE.
Thema in der SÜDWEST PRESSE aus Ulm ist die Indien-Reise des Bundeskanzlers: "Es ist fahrlässig, wie stark Deutschland Abhängigkeiten von China hat entstehen lassen, wenn es um Rohstoffe, Lieferketten und Absatzmärkte geht. Umso wichtiger ist es, dass Deutschland jetzt seine Beziehungen mit Indien ausbaut. Damit hat bereits Olaf Scholz begonnen. Es ist gut, dass Friedrich Merz diesen Kurs kraftvoll fortsetzt. Dass der Bundeskanzler bereits früh in seiner Amtszeit Indien besucht hat – noch vor einer Reise nach Japan oder China –, stellt ein deutliches Zeichen dar. Für Deutschland ist ein engerer Austausch mit Indien gleich in mehrfacher Hinsicht gewinnbringend. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen verstärkten Handels kann Deutschland auch Fachkräfte aus Indien sehr gut gebrauchen", betont die SÜDWEST PRESSE.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG führt aus: "Wo ein Kanzler zuerst hinfährt, mag symbolisch eine Rolle spielen, aber es ändert nichts an den Realitäten der Weltpolitik. Ohne Zweifel braucht Deutschland neue Partner in Asien, und Indien wurde da viel zu lange übersehen. Dass Merz von seinem Gastgeber, Ministerpräsident Modi, zu hören bekam, dass dessen Land nicht auf russisches Öl verzichten kann, kommt nicht überraschend. Nicht mal Trumps Zölle brachten diese Einnahmequelle Putins bisher vollständig zum Versiegen. Indien fährt seit der Unabhängigkeit einen pragmatischen und unabhängigen Kurs in der Außenpolitik. Dass Merz sagt, er wolle da nicht 'mit erhobenem Zeigefinger' auftreten, ist nicht nur eine Anerkennung der Realität, sondern auch eine überfällige Anpassung der früher oft so oberlehrerhaften deutschen Wortwahl", lobt die F.A.Z.