15. Januar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Themen sind die Pläne der Bundesregierung für einen erleichterten Abschuss von Wölfen, die Überlegungen des bayerischen Ministerpräsidenten Söder zu einer Neuordnung der Bundesländer sowie das 25. Jubiläum von Wikipedia. Zunächst aber in den Iran.

Menschen im Iran protestieren auf der Straße
Menschen im Iran protestieren auf der Straße (picture alliance / SIPA | MAHSA/MEI)
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG konstatiert: "Folter ist nichts,was den Menschen in Iran fremd ist. Und trotzdem gehen sie jetzt auf die Straße. Sie nehmen in Kauf, festgenommen, gefoltert und gehängt zu werden. Sie nehmen in Kauf, in die Hände dieses Regimes zu fallen, das in all seiner Abscheulichkeit mit ihnen machen wird, was es will. Sie gehen auf die Straße, nicht weil sie keine Angst haben. Sondern weil etwas größer ist als ihre Angst: der Wunsch nach Freiheit. Vielleicht geht es nur mit dem Mut einer Verzweiflung, die den meisten Menschen hierzulande fremd ist. Was aber jeder kann: innehalten. Ehrfurcht haben vor diesem Mut, der stärker ist als die Grausamkeit und die Gewalt des Regimes", betont die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die WELT führt aus: "Die Machtverhältnisse im Iran werden sich erst ändern, wenn im Innern der Elite die Überzeugung wächst, dass dieses System keine Zukunft mehr hat. Das kann morgen der Fall sein oder noch Jahrzehnte dauern. Die Folge kann eine Demokratie sein oder eine noch radikalere Diktatur der Revolutionsgarden – oder irgendetwas dazwischen. Aber all jenen, die den Iranern Freiheit wünschen ebenso wie denen, die militärische Mittel in der internationalen Politik grundsätzlich ablehnen, muss klar sein, dass es kaum mehr Hoffnungen für die Menschen in der Region und für eine Stabilisierung der Geopolitik gibt, wenn diese Führung Atomwaffen erlangt. Um dieses Szenario zu verhindern, sind auch militärische Mittel zulässig, wenn das wankende Regime nicht selbst glaubwürdig verzichtet. Dafür gibt es aber derzeit keinerlei Anzeichen", unterstreicht die WELT.
In der TAZ ist zu lesen: "Man muss alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Druck auf das Regime zu erhöhen, damit es den Forderungen der Protestierenden nachgibt. So ist es richtig, dass Deutschland seine Handelsbeziehungen mit dem Iran überprüft, und es sollte Abschiebungen dorthin stoppen. Sanktionen und angedrohte Strafverfolgungen sind besser als Militäreinsätze. Es gilt, die Aktivistinnen und Aktivisten zu schützen. Ein militärischer US-Angriff wäre kontraproduktiv. Freiheit und Demokratie lassen sich nicht herbeibomben – das haben die vergangenen Versuche gezeigt", heißt es im Kommentar der TAZ.
Die Zeitung ND. DER TAG stellt heraus: "Trump verspricht Hilfe. Doch welche? Weitere Sanktionen, die vor allem die Bevölkerung treffen? Militärische Drohungen, die es Irans Führung erlauben, den Protest als imperialistische Verschwörung darzustellen? Trump geht es nicht um die Menschen im Iran, sondern ums eigene politische Profil, während sich die EU lediglich 'besorgt' zeigt. Seit Tagen heißt es, Hilfe sei unterwegs. Doch sie kommt nicht. Das trägt zur Hoffnungslosigkeit bei, während die Repression eskaliert. Die Iraner brauchen keine Inszenierungen, sondern Schutz", meint ND. DER TAG.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder nimmt den Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Söder, die Bundesländer neu zu ordnen - oder gar zu fusionieren - in den Blick: "Das ist angesichts historisch gewachsener Identitäten schwierig. Es geht dabei auch nicht nur um Stadtstaaten wie Bremen oder das winzige Saarland, sondern zum Beispiel auch um Flächenländer mit kaum mehr als zwei Millionen Einwohnern wie Sachsen-Anhalt oder Thüringen. Glaubt irgendjemand, die Vorschläge aus Bayern helfen den demokratischen Parteien der Mitte dort, sich gegen die rechtsextreme AfD zu behaupten?", fragt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG.
Das STRAUBINGER TAGBLATT vermerkt: "Über Reformen und Kooperation reden alle nur so lange gern, wie es abstrakt bleibt. Etwas Zusammenarbeit hier, ein gemeinsames Amt oder ein geteiltes Rechenzentrum dort, doch im Grund bleibt alles, wie es ist. Und elf von 16 Bundesländern halten die Hand auf."
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG findet: "Bayerns Ministerpräsident Markus Söder stößt mit seinem Vorschlag zur Reduzierung der 16 Bundesländer eine überfällige Debatte an. Gegner einer Reduzierung führen gern die Heimatliebe und das Identitätsargument ins Feld. Das aber wird überschätzt. Schließlich sind auch heute schon einige Länder künstliche Nachkriegsgebilde. Regionale Bindungen leben von Kultur und Tradition, nicht von Verwaltungsgrenzen. Und sind nicht die Bürger an mehr Effizienz interessiert – gerade in der heutigen, finanziell herausfordernden Zeit? Deutschlands Föderalismus braucht eine Verschlankung – und eine ergebnisoffene Debatte darüber." So weit die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Nun zur geplanten Reform des Jagdgesetzes zum leichteren Abschuss von Wölfen. Dazu schreibt der KÖLNER STADT-ANZEIGER: "2024 gab es 1.100 Angriffe von Wölfen auf Nutztiere, bei denen 4.300 Nutztiere gerissen oder verletzt wurden, meist Schafe. Den Landwirten wurden dafür 780.000 Euro Entschädigung ausgezahlt. Eine Bejagung des Wolfes ist ein Beitrag zum Naturschutz. Schafe sind wesentlich für die Pflege von Heidelandschaften, da ihr Fraß Verbuschung verhindert, die Artenvielfalt fördert und wertvolle Biotope offen hält. Und kein Herdenschutz-Zaun der Welt wird die Raubtiere wirklich aufhalten. Der Wolf muss eine - kurze - Jagdzeit bekommen, außerhalb der Zeit, in der er Junge hat – wie Füchse, Dachse, Marder und alle anderen Wildarten auch. Das deutsche Jagdgesetz ist eines der strengsten der Welt", bemerkt der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus befindet: "Längst ist der Wolf zum Politikum geworden, zum Symbol des Kampfes zwischen ökologisch orientierten Nachhaltigkeitsfreunden und traditionellen, hartgesottenen Natur-Ordnungskräften mit einem gewissen Hang zu Männlichkeitsritualen. Alles in allem bleibt zu hoffen, dass nicht erst der letzte getötete Wolf beweisen muss, dass die Schafzüchter nach seinem Dahinscheiden kein bisschen reicher werden. Vielmehr sollte die Beachtung, die Isegrim weiter zuteil wird, dafür sorgen, dass er uns in erklecklicher Stückzahl erhalten bleibt. Falls nicht, würde nicht nur der Politik etwas fehlen", stellt die LAUSITZER RUNDSCHAU fest.
Abschließend zu Wikipedia. Die englischsprachige Version der Plattform ist heute vor 25 Jahren online gegangen. Die AUGSBURGER ALLGEMEINE hebt hervor: "Man stelle sich nur einmal vor, was das heute für eine Welt wäre, wenn sich gemeinnützige Gemeinschaftsprojekte wie Wikipedia auch in anderen Bereichen des Netzes durchgesetzt hätten: als Suchmaschine, als Social-Media-Portale, als globale Handelsplattform, die allen Händlern gleiche faire Bedingungen bietet, als Büro-Software. Es gäbe keine süchtigmachenden Algorithmen und keine Möglichkeiten, Lügen und Halbwahrheiten mit einfachsten Mitteln an Millionen Menschen zu streuen", gibt die AUGSBURGER ALLGEMEINE zu bedenken.
Die STUTTGARTER ZEITUNG sieht es folgendermaßen: "Wikipedia hat die Idee der Enzyklopädie um Dimensionen erweitert, führt sie allerdings auch an ihre Grenzen. Es bietet Fast Food für Bildungshungrige, fördert aber auch ein Halbwissen, das dem wissenschaftlichen Arbeiten bisweilen gar zuwider läuft. In der Erfolgsgeschichte von Wikipedia spiegeln sich Fluch und Segen des Internets."
Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg notiert zur Online-Enzyklopädie: "Hinter ihr stecken die hehren Ideale aus der digitalen Gründerzeit; angefangen bei Schwarmintelligenz, die darauf baut, dass viele positiv gesinnte Menschen die Fehler nahezu ausmerzen. Zugleich 'verschenkt' Wikipedia gemeinnützige Fotos, bietet ein beeindruckend breit aufgestelltes Wissen und es hält nicht nur Nutzer, sondern auch Autoren fit, die sich – meist ehrenamtlich – auf der Plattform engagieren. Anders ausgedrückt: Das Wiki-Prinzip sollte auch auf die Künstliche Intelligenz angewendet werden."