16. Januar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Neben der Lage im Iran geht es in den Kommentaren um die Reform des Bürgergelds. Doch zunächst zum Thema Grönland. Nach erfolglosen Gesprächen in Washington zur Beilegung des Grönland-Konflikts schicken mehrere NATO-Verbündete Dänemarks Soldaten auf die Arktisinsel.

Bunte Häuser der Hauptstadt Nuuk in Grönland inmitten von Schnee
In den Kommentaren ist eine Erkundungsmission in Grönland mit Beteiligung deutscher Soldaten ein großes Thema (Archivbild). (picture alliance / TT Nyhetsbyran / Johan Nilsson / TT)
Die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock begrüßt, dass sich Deutschland an der Erkundungsmission beteiligt. Dies sei ein... "... starkes Symbol der Solidarität – mehr jedoch nicht. Weder materiell noch personell ist die Bundeswehr derzeit zu großangelegten Arktismanövern fähig. Sie ist bereits an zahlreichen Fronten gebunden, etwa an der NATO-Ostflanke im Baltikum. Eine dauerhafte oder größere Militärpräsenz auf der Insel wäre in erster Linie Aufgabe der sieben NATO-Arktisanrainerstaaten. 13 Bundeswehrsoldaten werden Trump jedenfalls nicht von seinem großen Wunsch abhalten, Grönland zu besitzen. Der Milliardär im Weißen Haus will Grönland – koste es, was es wolle. Ihm geht es ohnehin weniger um die Sicherheit der Arktis. Wenn es Trump ernst wäre, würde er die Zahl der US-Soldaten auf Grönland mit einem Fingerschnippen verzehnfachen", vermutet die OSTSEE-ZEITUNG.
Die WESTFÄLISCHEN NACHRICHTEN aus Münster heben hervor: "Klar ist: Wenn sich die USA Grönland einverleiben wollen, kann sie niemand daran hindern. Das weiß Trump, das wissen die Grönländer, die Dänen und auch alle anderen Europäer. Dennoch ist es richtig und geboten, nichts unversucht zu lassen, um den US-Präsidenten von seinen wahnwitzigen Plänen abzubringen. Zu viel steht auf dem Spiel. Annektiert Trump Grönland, ist nicht nur die NATO am Ende. Dann ist die Welt geopolitisch eine andere", prophezeien die WESTFÄLISCHEN NACHRICHTEN.
Die FREIE PRESSE aus Chemnitz glaubt: "Die Europäer versuchen nun in Windeseile, den Amerikanern nachzuweisen, dass sie selbst für die Sicherheit Grönlands und des Wegs über die Arktis nach Nordamerika sorgen können. Man muss allerdings konstatieren, dass der Mangel an strategischer Voraussicht in Europa diesen Konflikt mit Trump überhaupt erst möglich gemacht hat. Dass infolge des Klimawandels das Eis der Arktis schmilzt und daher mehr Schiffsverkehr über die Transarktis-Passage möglich werden wird, ist nicht erst seit gestern bekannt", argumentiert die FREIE PRESSE.
Der Berliner TAGESSPIEGEL analysiert: "Eine europäische Militärmission, zu deren Vorbereitung auch ein 13-köpfiges Erkundungsteam der Bundeswehr nach Grönland aufbricht, folgt formal der offiziellen US-Linie: Ihr wollt mehr Präsenz auf diesem geostrategisch bedeutsamen Flecken Erde? Bitte sehr! Über die Details muss sicher noch geredet werden. Von den Gebirgsjägern abgesehen, gibt es nämlich in Europa sicher andere Armeen, die besser für den Kälteeinsatz gerüstet sind. Aber die Marine, die schon regelmäßig am Polarkreis die NATO unterstützt, könnte womöglich noch mehr für die Seeaufklärung tun", so die Einschätzung vom TAGESSPIEGEL.
Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg fragt sich, was US-Präsident Tump in Grönland eigentlich will: "Seine Soldaten sind schon dort. Es existieren Rohstoffabkommen. Welche weiteren US-amerikanischen Interessen könnte es geben, die erst mit einer Annexion Grönlands zu erreichen wären?"
Themenwechsel. Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN beschäftigen sich mit der Lage im Iran: "Auf den ersten Blick ist es eine gute Nachricht: Das iranische Terror-Regime verzichtet auf die Hinrichtung festgenommener Demonstranten. Zumindest vorerst, wie Außenminister Abbas Araghtschi ankündigt. Insofern scheint Trumps Drohkulisse einer Militäraktion in dem islamistischen Unrechtsstaat tatsächlich etwas bewirkt zu haben. Was natürlich nichts mehr daran ändert, dass die bewaffneten Schergen der Mullahs bereits zuvor Tausende von Demonstranten auf den Straßen getötet haben. Es scheint ihnen geglückt zu sein, den Massenprotest zu ersticken. Gegen die menschenverachtende Brutalität des Regimes kommen dessen Gegner nicht an", vermerkt die MEDIENGRUPPE BAYERN.
Die Zeitung ND DER TAG spekuliert, es gebe möglicherweise eine Vereinbarung zwischen Washington und Teheran: "Der Schachzug des Außenministers, der nach außen das umgängliche Bild der Islamischen Republik abgibt, folgt auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump einzugreifen, sollte das iranische Regime die Todesstrafe gegen Demonstranten verhängen. Soll hier ein typisch Trump'scher Deal geschlossen werden? Keine Todesstrafe, im Gegenzug macht der Iran Zugeständnisse beim Atomprogramm? Für die revoltierende Bevölkerung im Iran liefe das auf einen Ausverkauf ihrer Forderungen hinaus – alles für eine Versicherung des Außenministers, der nicht zu trauen ist", schreibt ND DER TAG.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG ist überzeugt: "Im Wesentlichen will Trump einen Sieg – für sich, nicht für die Menschen im Iran. Wenige Tage nachdem das dortige Regime ein Massaker am eigenen Volk verübt hat, ist Trump im Reinen mit sich: Mit seinen Drohungen, so glaubt er und so kann er verkünden, habe er weiteres Morden verhindert. Sicher, man mag einwenden, dass Trump mit seiner Rhetorik in der Tat mehr bewirkt hat als die stets besorgten Europäer oder der von dem Massenmord auf den iranischen Straßen 'schockierte' UNO-Generalsekretär. Das Ergebnis aber ist, dass Tausende Menschen getötet worden sind, die sich auch aus der Hoffnung heraus zu protestieren trauten, dass das Ausland diesmal nicht nur zuschaut. Jetzt müssen die Iranerinnen und Iraner fürchten, dass das Regime bis zu seinem Fall, der kommen wird, mit noch mehr Gewalt regiert", folgert die SZ.
"Dieses Regime hat keine Schonung verdient", urteilt der KÖLNER STADT-ANZEIGER und empfiehlt: "Der Westen sollte den Handel komplett aussetzen, Regime-Angehörige sanktionieren, die Revolutionsgarden auf die Terrorlisten setzen. Jetzt wäre auch der ideale Zeitpunkt, Teheran einen international abgestimmten Forderungskatalog zu diktieren: Freilassung der Inhaftierten, Flugverbotszone, Dialog mit Oppositionellen."
Der Bundestag hat in erster Lesung über die neue Grundsicherung beraten, die das bisherige Bürgergeld ablösen soll. Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) mahnt: "Die Koalition sollte die Reform jetzt zügig und ohne weitere Streitigkeiten beschließen. Künftig sollen diejenigen, die ihre Termine im Jobcenter versäumen oder Arbeitsangebote ablehnen, schneller und härter sanktioniert werden können. Gut so. Der Busfahrerin oder dem Krankenpfleger ist es nicht zuzumuten, diejenigen mitzufinanzieren, die nicht arbeiten wollen. Die Jobcenter erhalten nun bessere Mittel, um die überschaubare Zahl hartnäckiger Verweigerer zur Mitwirkung zu bewegen", gibt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG zu bedenken.
DIE GLOCKE aus Oelde erwartet: "Im ersten Jahr dürften die Einsparungen mit geschätzten 86 Millionen Euro eher moderat ausfallen. Es ändert nichts daran: Wer arbeiten kann, dennoch nicht zu Jobcenter-Terminen, Förderkursen oder Vorstellungsgesprächen erscheint, wird völlig zu Recht stärker sanktioniert. Sich um Jobs zu bemühen, das ist der arbeitsfähige Bürgergeld-Bezieher der Solidargemeinschaft schuldig. Schließlich werden die ihm zur Verfügung gestellten Leistungen von den Millionen Erwerbstätigen erwirtschaftet", argumentiert DIE GLOCKE.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG vertritt diese Ansicht: "Die Kritik an der Abschaffung des Bürgergelds zugunsten einer mehr aufs Fordern ausgerichteten Grundsicherung trifft in einem Punkt zu: Sehr viel Geld wird dadurch nicht gespart. Dagegen lässt sich nur einwenden, dass der psychologische und symbolische Effekt mit Geld nicht aufzuwiegen sei. Zur Psychologie der Reform gehört aber auch, dass der Eindruck entsteht, das Bürgergeld werde geopfert, um einen großen Schritt in Richtung Reform des Sozialstaats zu gehen. Dieser Eindruck ist falsch und lenkt davon ab, was getan werden müsste, um Sozialversicherungen und öffentliche Haushalte zu sanieren", kommentiert die F.A.Z. zum Ende dieser Presseschau.