
"Es ist höchste Zeit, dass Europa reagiert", heißt es im REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER: "Entschieden und mit Nachdruck. Vielleicht nicht die in ihren Entscheidungsprozessen zu träge gewordene EU. Aber vielleicht ein wirtschaftlich und militärisch starkes Kern-Europa mit Deutschland, Frankreich, Polen und Italien, das sich auch noch Großbritannien mit ins Boot holt. Agiert werden müsste mit viel diplomatischem Kalkül und Fingerspitzengefühl. Denn an einer Eskalation in dieser Frage kann niemand Interesse haben", unterstreicht der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
"Europa muss das Spiel Trumps spielen, sofort Gegenzölle androhen und damit für die USA die Kosten des Konflikts in die Höhe treiben", fordert das Magazin CICERO: "Eine andere Sprache versteht ein Mann nicht, der für Recht, Moral und Wahrheit nichts übrig hat. Schon heute stellen sich Politiker der Demokraten und Republikaner gegen seine Pläne. Sie halten es für unverantwortlichen Wahnsinn, so mit dem Verbündeten Europa umzuspringen und sogar die Existenz der Nato zu gefährden. Und diese Meinungen werden umso einflussreicher werden, je höher die für die USA selbst drohenden Kosten werden", vermutet CICERO.
"Wer weiß schon, wie weit der Wahnsinnige im Weißen Haus wirklich gehen würde?", fragt sich der SÜDKURIER aus Konstanz: "Käme es zum Äußersten, würden amerikanische Soldaten auf dänische Truppen schießen. Krieg unter Nato-Verbündeten, die sich eigentlich gegenseitig beistehen sollten. Dass das überhaupt ein mögliches Szenario ist, ist das alleinige Werk von Trump. Immerhin regt sich diesmal massiver Widerstand aus der EU, aber ob diese den US-Präsidenten mit den Mitteln der Handelspolitik einhegen kann, ist völlig ungewiss", konstatiert der SÜDKURIER.
"Trumps Machtansprüche gehen so weit, dass ihn auch eine dadurch entstehende Weltwirtschaftskrise nicht schrecken kann", beobachtet das STRAUBINGER TAGBLATT: "Nun aber ist wohl der Zeitpunkt gekommen, wo Schluss sein muss mit einer Appeasement-Politik. Zwei Hebel sind denkbar: Schon lange wird über eine Besteuerung der US-Kommunikationsgiganten Meta, Microsoft und andere diskutiert, die viele Milliarden Euro brächte und den Trump-nahen Oligarchen zu Hause wehtäte. Oder aber man antwortet mit Zöllen vor allem auf Produkte wie landwirtschaftliche Erzeugnisse, welche die Wählerschaft Trumps treffen", notiert das STRAUBINGER TAGBLATT.
"Auch wenn es schwerfällt, sollte man sich nicht von Trump irre machen lassen", glaubt hingegen die AUGSBURGER ALLGEMEINE: "Zur Art, wie der Immobilienmogul Politik und Geschäfte betreibt, gehört seit jeher das Mittel der Unberechenbarkeit. Trump trieb seinen Aufstieg in einer Zeit voran, als in seiner Heimat New York die Baubranche extrem von der Mafia beherrscht war und seinem Business schadete. Seitdem zählen erpresserisches Verhalten, rüdes Drohen und Unberechenbarkeit nicht nur zu Trumps Taktik, sondern brannten sich auch in seinen Charakter ein. Da ist es kein Nachteil, dass in Deutschland ein gewiefter, auch in den USA lange erfolgreicher Wirtschaftsanwalt namens Merz an der Regierungsspitze steht. Die besten Mittel gegen Trumps Taktik bleiben trotz des Getöses ein sehr kühler Kopf und kreatives Verhandlungsgeschick", mutmaßt die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
"Der Streit um Grönland könnte zum Stolperstein für den egomanen Präsidenten werden", prognostiziert die NÜRNBERGER ZEITUNG: "Bezahlen müssen die höheren Zölle letztlich die Amerikaner, die schon jetzt merken, dass viele Versprechungen des Präsidenten so leer sind wie ihr Geldbeutel. Die bange Frage für Europa ist, ob es die Opposition in den Staaten schafft, Trump und seiner Administration eine Persönlichkeit entgegenzustellen, die ihm gewachsen ist. Erste Hinweise auf diese Frage sind bei den Halbzeitwahlen zum Kongress im Herbst zu erwarten", ist in der NÜRNBERGER ZEITUNG zu lesen.
Der WESER-KURIER aus Bremen merkt an: "Nicht zuletzt die nationale Sicherheitsstrategie der USA hat klar beschrieben, dass die Trump-Administration die Europäische Union gezielt durch die Stärkung rechtsextremer und nationalistischer Parteien aushöhlen will. Europa ist meilenweit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber die Gemeinschaft ist die einzige Waffe, die kleinere Staaten haben, wenn sie sich gegen die Gier übermächtiger Nachbarn zur Wehr setzen wollen. Dieser Tatsache sollten sich alle Europäer bewusst sein, bevor sie ihr Kreuz bei Wahlen an einer Stelle machen, die diese Union schwächt", mahnt der WESER-KURIER.
Nun zu einem anderen Thema. Bundeskanzler Merz hat mit seinen Aussagen zu Krankschreibungen in Deutschland unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. "Nirgendwo wird so wenig gearbeitet wir in Deutschland", betonen die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN: "Bei der Frage nach den Gründen gerät man auf vermintes Gelände – erst recht, wenn es um die Krankentage geht. Für den Hinweis, die Deutschen hätten davon zu viele, nämlich pro Jahr 14,5 im Durchschnitt, erhält Kanzler März Gegenwind. Dabei hat er untertrieben. Denn in dieser Statistik sind die ersten beiden Fehltage nicht enthalten. In Wirklichkeit sind es 20 bis 22. Daher ist es legitim, dass Politiker darüber nachdenken, wie man dem Problem beikommt. Bei den Ärzten anzusetzen bringt wohl wenig; diese sind nun mal schnell zur Hand mit dem Krankschreiben. Wirksamer dürften andere Vorschläge sein: etwa den ersten Krankheitstag aus der Lohnfortzahlung herauszunehmen", findet die MEDIENGRUPPE BAYERN.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER argumentiert: "Es führt sicherlich nicht weiter, wenn der Regierungschef der führenden Industrienation in Europa einen nicht geringen Teil der eigenen Bevölkerung zu Simulanten erklärt, die man nur ein bisschen antreiben muss, damit sie auch mit kleineren Wehwehchen am Arbeitsplatz erscheinen. Vielmehr dürfte bei vielen erneut der Eindruck entstehen, dass Merz die Welt, über die er da redet, gar nicht richtig kennt. Damit wiederum dürfte der Kanzler das Gegenteil dessen erreichen, was er anstrebt. Er dürfte eher demotivieren als alles andere", moniert der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG prognostiziert: "Karenztage ohne Lohnfortzahlung oder andere Verschärfungen würden daher genau eines bringen: eine Verschleppung der Krankheitstage. Vielleicht würden dadurch einige schwarze Schafe getroffen. Doch den schwerwiegenderen Effekt sehen wir am Beispiel der USA. Im Land des 'American Dream', wo es keinen gesetzlichen Anspruch auf bezahlte Krankheitstage gibt, zeigt sich: Zu einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts führt diese Regelung nicht, im Gegenteil. Es kommt häufiger zu Ansteckungen und zur Verschleppung von Krankheiten, was im Endeffekt zu längeren Ausfallzeiten und höherer Sterblichkeit führt", stellt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG fest.
Zuletzt ein Kommentar zur aktuellen Situation in Syrien. Dort drängen Regierungstruppen kurdische Kämpfer weiter zurück. Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder schreibt: "Es gibt in Syrien einen Neuanfang, nur weiß noch niemand, wohin die Reise geht. Die derzeit dort Herrschenden scheinen es sich mit niemandem verderben zu wollen, wenn man mal den Iran ausnimmt. Und natürlich ist das auch für Europa eine Chance, Einfluss zu nehmen. Syrien braucht Geld, Investitionen und Hilfe verschiedenster Art. Es wäre nicht klug, diese Möglichkeiten zu ignorieren. Das hieße von vornherein, den USA, den Golfstaaten, China oder auch Russland das Feld zu überlassen. Vor allem Deutschland, wo eine Million Syrer leben, hat ein hohes Interesse an guten Beziehungen zu Damaskus. Von der möglichen stabilisierenden Rolle Syriens im Nahen Osten ganz zu schweigen." Soweit die MÄRKISCHE ODERZEITUNG. Und damit endet diese Presseschau.
