21. Januar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Zahlreiche Zeitungen kommentieren den Streit um Grönland und die von US-Präsident Trump angedrohten Zollerhöhungen gegenüber mehreren europäischen Staaten. Außerdem geht es um die Kontroverse um Krankschreibungen in Deutschland.

US-Präsident Donald Trump zeigt mit seinem Finger auf seinen Gesprächspartner.
US-Präsident Trump wird heute in Davos eine Rede halten (hier ein Archivbild) (dpa / Evan Vucci)
Zum ersten Thema heißt es in der SÜDWEST PRESSE: "Donald Trump wird heute in Davos eine Rede halten, mit der er gleich mehrere Pfeiler der internationalen Ordnung einreißen könnte. Schon der Streit um Grönland offenbart, wie nah wir vor einer neuen Weltordnung stehen. Politik ohne Rücksicht, eine schlagkräftige Wirtschaft, deren Basis durch das Einsammeln von Ölquellen in aller Welt und das Einschüchtern von Handelspartnern gestärkt wird – und dahinter die mächtigste Armee der Welt: Das ist das Dreier-Rezept, mit dem die USA sich im Ringen um die Vorherrschaft gegen China rüsten. Angesichts dessen befindet sich Europa in einer Schockstarre. Doch aus der wird es sich sehr schnell lösen müssen. Den Verbündeten jenseits des Atlantiks, den Freund gar, gibt es nicht mehr. Politik, Wirtschaft, Sicherheit – Europa muss seine neue Rolle jetzt zügig neu bestimmen. Denn wir wissen nicht, wie viel Zeit wir noch haben", warnt die SÜDWEST PRESSE.
Von einer Schicksalswoche spricht der TAGESSPIEGEL aus Berlin: "Deutschland und Europa können ihre Sicherheit nicht ohne die USA garantieren und brauchen von Trump ein Minimum an Solidarität in der Ukraine. Hat sich da etwas Entscheidendes verändert? Ja und Nein. Die Europäer haben aus ihren Erfahrungen mit Trump gelernt und sind nun bereit, den Konflikt anzunehmen. Sie haben begonnen, die militärische Abhängigkeit zu reduzieren. Aber sie sind noch immer nicht so klarsichtig und entschlossen, wie es nötig wäre. Deshalb ist dies eine Schicksalswoche für Europa. Sie kann die Selbstbehauptung einleiten. Sie kann aber auch zur Demütigung der EU vor aller Welt führen", warnt DER TAGESSPIEGEL.
Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG mahnt, Trumps Drohungen ernstzunehmen. "Donald Trump behandelt die Welt wie sein persönliches Eigentum. Zwischen ihm und Putin steht noch ein blutiger Krieg in der Ukraine, aber das Anspruchsdenken beider gleicht sich erschreckend. Und was 'der Westen' beim einen für bare Münze nimmt (und sich deshalb bis an die Zähne bewaffnet), sollte er auch beim 'Führer der freien Welt' ernstnehmen. Trumps Zollpolitik ist kein Spaß. Damit treibt er die Weltwirtschaft auf Talfahrt. Seine Unfähigkeit, das mächtige Washingtoner Regierungsamt wohlstands- und friedenswahrend auszuüben, kommt alle teuer zu stehen", unterstreicht die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg.
In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG heißt es: "Merz und die anderen europäischen Staats- und Regierungschefs sind nichtum die Aufgabe zu beneiden, eine kohärente Politik zu formen. Sie wird wohl darin bestehen müssen, Trump Deals anzubieten, wo das möglich ist, und ihn auflaufen zu lassen, wo es nötig ist. Das gilt auch für Trumps 'Friedensrat'. Wer als Europäer einen Rest Anstand besitzt, wird nicht allen Ernstes daran denken, diesem Privatklub des Potentaten beizutreten."
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU kommentiert die persönliche Nachricht des französischen Präsidenten Macron an Trump: "'Mein Freund, ich verstehe nicht, was du in Grönland tust.' So schreibt der Präsident Frankreichs an den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wir erleben gerade einen historischen Moment. Nicht nur, weil Trump um jeden Preis Grönland haben will. Sondern auch, weil der mächtigste Mann der Erde behandelt wird wie ein Kind, das man vom Rand einer Klippe weglocken will. Macrons Nachricht ist nur ein Symptom einer lange gärenden Krankheit. Wir erleben den Aufstieg des Anti-Intellektualismus", konstatiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die TAGESZEITUNG aus Berlin betont die enge Abhängigkeit Europas von den USA: "Trump kann Europa erniedrigen, weil der Kontinent tatsächlich schwach ist. Wir sind erpressbar, weil wir die USA als Exportmarkt benötigen, weil wir die Informationen der US-Geheimdienste brauchen und weil wir ohne den atomaren Schutzschild der USA ziemlich schutzlos wären. Es wird Jahre und Jahrzehnte dauern, diese Abhängigkeiten zu reduzieren. Und trotzdem muss Europa signalisieren: Bis hier und nicht weiter", fordert die TAZ.
Nun zum nächsten Thema: Bundesgesundheitsministerin Warken will die geltenden Regelungen zur telefonischen Krankschreibung überprüfen lassen. Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder schreibt: "Wahrscheinlich wird es Drückebergern mit der telefonischen Krankschreibung zu einfach gemacht und, ja, zu Beginn der Europameisterschaft 2024 war der Krankenstand besonders hoch. Doch trotzdem handelt es sich dabei um Ausnahmen. Die allermeisten Arbeitnehmer sind fleißig und leistungsbereit und sie sind froh, wenn sie sich nicht in überfüllte Wartezimmer setzen müssen, um ihre Krankschreibung zu erhalten. Es scheint jedenfalls nicht sinnvoll, der Mehrheit einen vernünftigen Weg zu verwehren, um es einer Minderheit zu erschweren, das System für sich auszunutzen", findet die MÄRKISCHE ODERZEITUNG.
In der Zeitung ND.DER TAG ist zu lesen: "Wenn die Arztpraxen nicht schlagartig leer werden und sich nicht endlich alle krank zur Arbeit schleppen, dann gibt es bald noch mal ein richtiges Donnerwetter. Diese Jammerlappen! Mit dem bisschen Stress kommen sie nicht klar, Überstunden sind ihnen zu viel? Wie soll man da Gewinne machen, wenn die Arbeitskräfte sogar aktiv keine Lust haben? Wie als Kanzler Freude am eigenen Tun empfinden? Nein, es war auch nicht daran gedacht, etwas an den Rahmenbedingungen zu schrauben. Überhaupt nicht. Begeistertes Nicken kommt von Unternehmerverbänden. Man kann die Beschäftigten weiter belasten, der Arbeitsschutz muss auch nicht verbessert werden", kritisiert ND.DER TAG.
Die RHEINISCHE POST hält den Vorschlag für falsch, die bisherige Form der Krankschreibungen zu korrigieren: "Mit dem Ende der telefonischen Krankschreibung würde der Patient Deutschland kaum wieder gesund. Die Ursachen der Wirtschaftsschwäche liegen woanders. Ein Grund ist: Die Arbeitskosten sind zu hoch – ein Nachteil, unter dem Deutschland schon immer litt, der aber heute immer weniger durch Standortvorteile wie die hohe Produktqualität ausgeglichen werden kann. Andere in der Welt können eben auch, was wir können. Die Merz-Regierung muss beim zu geringen Produktivitätszuwachs und den steigenden Lohnnebenkosten ansetzen, nicht bei Krankschreibungen", fordert die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG macht folgenden Vorschlag: "Auffällig oft melden sich Arbeitnehmer an Freitagen und Montagen krank. Um das Blaumachen zu unterbinden, sind unbezahlte Karenztage zu Beginn der Krankmeldung sinnvoll. Denkbar wäre, dass die Mitarbeiter ihren Krankenstand dann um diese Tage nach hinten verlängern dürfen, falls nötig. In jedem Fall muss mehr Verantwortungsbewusstsein her: wenn schon nicht für den Standort und das Unternehmen, dann wenigstens für die Kollegen, die jedes Mal die Suppe auslöffeln müssen."
Zum Schluss ein anderes Thema: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bätzing, steht nicht mehr für eine zweite Amtszeit zur Verfügung. Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG sieht dies als Chance und argumentiert: "Bätzing, der mit Rom fremdelte und sich mangels Italienischkenntnissen nur schwer verständigen konnte, vermochte es kaum, das Reformprojekt des 'Synodalen Weges' gegenüber Papst und Kurie zu vermitteln. Wer es gut meint mit den Katholiken, darf hoffen, dass der neue Chef der Bischofskonferenz einen geschmeidigeren Umgang mit Rom findet. Der Blick des neuen Vorsitzenden muss nicht nur über die Alpen gehen. Schon hierzulande sind die Gräben tief, schließlich opponiert eine Gruppe von Bischöfen um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki seit Jahren gegen den Synodalen Weg. Bätzing hatte sich hier weniger als Versöhner verstanden, sondern war an der Seite des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, des größten katholischen Laien-Dachverbands, immer wieder reformerisch nach vorne geprescht." Das war die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG, mit der die Presseschau endet.