24. Januar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Die Videoplattform TikTok hat ein Joint Venture mit einer US-Mehrheitsbeteiligung gegründet, um in den Vereinigten Staaten aktiv bleiben zu können. Weiteres Thema sind die trilateralen Ukraine-Gespräche in Abu Dhabi. Doch zunächst geht es um die deutsch-italienischen Regierungskonsultationen in Rom.

Minneapolis: Bundesbeamte der Einwanderungsbehörde konfrontieren Demonstranten vor dem Bishop Henry Whipple Federal Building in Minneapolis.
Ein Thema: Die Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE im Bundesstaat Minneapolis (Archivbild). (Yuki Iwamura / AP / dpa / Yuki Iwamura)
Die STUTTGARTER NACHRICHTEN stellen mit Blick auf die beiden Regierungschefs fest: "Merz und Meloni können miteinander, das zeigten sie jetzt bei den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen. Meloni genießt das Wohlwollen von US-Präsident Donald Trump, das eröffnet wichtige Gesprächskanäle nach Washington. Italiens rechtspopulistische Regierungschefin ist klar auf der Seite der Ukraine-Unterstützer und sie fährt einen überraschend EU-freundlichen Kurs. Bei vielen Themen, etwa Bürokratie-Abbau und Stärkung europäischer Wettbewerbsfähigkeit, sind Meloni und Merz auf einer Wellenlänge. Wenn sich Rom und Berlin hierbei unterhaken, kann das der gesamten EU nutzen", vermuten die STUTTGARTER NACHRICHTEN.
Der MÜNCHNER MERKUR nennt Gründe, warum Deutschland und Italien enger zusammenrücken: "Das liegt am französischen Präsidenten Macron, der seine EU-Partner immer wieder mit unabgestimmten Vorstößen vor den Kopf gestoßen hat und in der Heimat mittlerweile als lahme Ente gilt. Doch auch inhaltlich gibt es inzwischen größere Schnittmengen zwischen den konservativ geführten Regierungen in Deutschland und Italien: Während die Politik im rebellischen Frankreich gerade eine wichtige Rentenreform einkassieren musste, arbeitet Meloni an einem ehrgeizigen Programm zum Bürokratie-Rückbau. Auch beim Verbrenner-Aus, der Begrenzung der Asyl-Migration und dem Mercosur-Abkommen zog man in Berlin und Rom zuletzt an einem Strang, während Paris das für die Exportnation Deutschland so wichtige Freihandelsabkommen mit Südamerika blockierte. In Berlin weiß man zu schätzen, dass sich Meloni lieber mit den EU-Partnern abstimmt, als sich selbst in Szene zu setzen", glaubt der MÜNCHNER MERKUR.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU findet: "Sinnvoll ist es sicher, diese Runden eines Kerneuropa der einflussreichen EU-Staaten durch Italien zu erweitern, was Kanzler Friedrich Merz mit seinem Treffen mit seiner Amtskollegin Giorgia Meloni anstrebt. Auf EU-Ebene ist das möglich, weil die Postfaschistin Meloni keinen antieuropäischen Kurs wie andere rechte Gruppen fährt. Das könnte sich das hoch verschuldete Land südlich der Alpen nicht leisten. Ob der von beiden angekündigte Bürokratieabbau hilfreich sein wird, muss sich zeigen. Zielen ihre Vorschläge darauf ab, unnötige Hürden abzubauen, wird niemand etwas einzuwenden haben. Wollen sie dagegen Sozialstandards und andere nötige Regeln beseitigen, werden sie auf Widerstand stoßen", erwartet die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Themenwechsel. Die LAUSITZER RUNDSCHAU geht auf die direkten Gespräche zwischen Vertretern der Ukraine, Russlands und der USA in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein: "Man kann Donald Trump viel vorwerfen. Aber nicht, dass er die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine vernachlässigen würde. Jetzt tagen US-Verhandler erstmals seit Langem wieder mit Vertretern beider Kriegsparteien. Schon dieser Umstand zeigt, dass die Amerikaner eine ernsthafte Lösung wollen. Die Europäer sitzen allerdings in Abu Dhabi nicht am Tisch. Dabei sind sie es, die neben der Ukraine vermutlich die Hauptlast einer Nachkriegsordnung tragen werden", so die Einschätzung der LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus.
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf analysiert die Strategie des US-Präsidenten: "Trump, der im Wahlkampf behauptet hatte, er könne den Konflikt 'innerhalb von 24 Stunden' beenden, reagiert auch auf das Ausbleiben eines schnellen Erfolgs damit, den Druck auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj immer weiter zu erhöhen. Denn Kiew ist auf amerikanische Waffen und Geheimdienstinformationen angewiesen - ein Hebel, den Trump gegenüber Wladimir Putin nicht hat."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG rät: "Man muss abwarten, was nun bei den Gesprächen in Abu Dhabi herauskommt und ob sich Russland wirklich in konstruktive Verhandlungen einbinden lässt. Dass der ukrainische Präsident Selenskyj von den Europäern enttäuscht ist, lässt sich angesichts der Gesamtlage ein Stück weit verstehen. Die seien im 'Grönland-Modus', so hat er es in Davos gesagt. Und meinte damit, dass man ein paar Soldaten entsendet, die nie in der Lage wären, die Insel zu verteidigen. Das ist auch Selenskyjs Sorge für die Zeit nach einem Waffenstillstand. Er weiß, dass die Zusagen der 'Koalition der Willigen' nur dann etwas wert sind, wenn sie die USA in ihrem Rücken haben. Trotzdem wird Selenskyj in dieser Welt keine besseren Freunde mehr finden", folgert die F.A.Z.
Das wegen Sorgen um den Einfluss Chinas vom Aus bedrohte US-Geschäft der Videoplattform Tiktok ist offiziell in eine neue Firma eingebracht worden. Die WIRTSCHAFTSWOCHE konstatiert: "Nun gerät ein weiteres digitales Netzwerk unter Kontrolle regierungsnaher Multimilliardäre. Allen voran Larry Ellison, Oracle-Gründer und erklärter Trump-Buddy, ist jetzt einer der führenden Köpfe hinter dem US-Geschäft von TikTok. Der von Trump seit seinem Amtsantritt forcierte Deal markiert den nächsten Schritt in einer Entwicklung, die längst systemisch ist: die Ballung von Meinungsmacht in den Händen weniger Superreicher mit klarer politischer Agenda. Zwar bleibt TikTok in Europa unter chinesischer Kontrolle. Aber ist das wirklich die bessere Alternative, angesichts der bei uns durch chinesisch kontrollierte Algorithmen gesteuerten Indoktrination? Es ist eher die Wahl zwischen Pest und Cholera", urteilt die WIRTSCHAFTSWOCHE.
Das Magazin DER SPIEGEL wendet ein: "Mittlerweile fällt es schwer, sich daran zu erinnern, was eigentlich das Ziel des Zwangsverkaufs war: Sowohl Demokraten als auch Republikaner warfen dem ungeliebten Konkurrenten aus den China vor, die Meinungsbildung in den USA zu beeinflussen und die App zu nutzen, um Amerikaner massenhaft auszuspionieren. Ein Jahr später, als es das Gesetz erlaubt hätte, hat Trump nun geliefert. Doch löst der Verkauf irgendein Problem? Nein. Im Gegenteil. Die Plattform kann weiterhin alles tun, um Jugendliche und Erwachsene möglichst lange am Screen zu halten. Falschnachrichten und Hysterie dürften sich wohl künftig noch ungenierter verbreiten, nachdem die US-Regierung Faktenchecks und Moderation als unpatriotische Zensur verpönt hat", prognostiziert DER SPIEGEL.
Abschließend Stimmen zum Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE im Bundesstaat Minnesota. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG beobachtet: "Um die Welt gehen nun Bilder von Liam, einem Fünfjährigen mit Spider-Man-Rucksack und einer Mütze mit Ohren. ICE-Agenten haben ihn in Columbia Heights, in der Nähe von Minneapolis, zusammen mit seinem Vater festgenommen. Eines der Bilder zeigt den Jungen neben schwer bewaffneten und maskierten ICE-Agenten vor einer Haustür. Laut Augenzeugen soll ICE ihn als Lockvogel benutzt haben, damit der Vater die Tür öffnet. Das Ministerium für Innere Sicherheit bestreitet das. Es ist nicht so, dass es einen weiteren Beweis gebraucht hätte für das unverhältnismäßige und in höchstem Maße fragwürdige Vorgehen von ICE. Spätestens seit Renée Good erschossen wurde, ist auch klar, dass die ICE-Einheiten rechtsstaatliche Grenzen überschreiten und dabei von den politisch Verantwortlichen gedeckt werden", notiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die SÄCHSISCHE ZEITUNG aus Dresden ist überzeugt: "Trump will im Kampf gegen Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung Stärke zeigen: Er schickt maskierte Truppen auf die Straße, gibt ihnen kaum Training, dafür aber volle Rückendeckung. Damit nimmt er extreme Szenen nicht nur in Kauf, sondern provoziert sie regelrecht. Trump führt in Minneapolis auch einen Krieg der Bilder. Doch wer ein Kind festnimmt, macht nur deutlich, dass ihm jegliche Moral abhandengekommen ist. Wen wundert es, dass die Lage zunehmend eskaliert?", fragt die SÄCHSISCHE ZEITUNG, mit der diese Presseschau endet.