25. Februar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Kommentiert werden der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die China-Reise von Bundeskanzler Merz und der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Bischof Heiner Wilmer steht in schwarzem Talar vor dem Logo der Deutschen Bischofskonferenz.
Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. (Daniel Löb / dpa / Daniel Löb)
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN sind voll des Lobes über die Wahl des Hildesheimer Bischofs: "Heiner Wilmer war insofern eine schlaue Wahl, als er kein dezidierter Vertreter eines bestimmten kirchenpolitischen Kurses ist. Er bewegt sich theologisch innerhalb des römisch-katholischen Lehramts, sieht aber die Machtstrukturen in der Kirche kritisch und fordert zeitgemäße Veränderungen. Die Segnung homosexueller Paare begrüßte er, stellte aber die traditionelle Ehelehre nicht grundsätzlich in Frage. Diese Mischung ist die beste Voraussetzung, gesprächsfähig zu bleiben in einer zunehmend diversen Gesellschaft", unterstreichen die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
Die katholische Kirche in Deutschland stehe an einem Wendepunkt, meint die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg. "Heiner Wilmer, der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz, beginnt eine Amtszeit inmitten von Vertrauensverlust und hohen Austrittszahlen. Viele Gläubige beklagen vergangene Untaten wie den Missbrauchsskandal und auch die heutige Sprachlosigkeit. Statt klarer ethischer Orientierung, beispielsweise in den Talkshows als modernen Marktplätzen zu Profilierung und Meinungsaustausch, dominierte die Binnenkommunikation zum Synodalen Weg. Reformen sind legitim und unerlässlich, doch die Fixierung auf Strukturen verstärkte den Eindruck fehlender geistlicher Führung in Zeiten ungestillter spiritueller Not. Nun braucht es Profil, theologische Klarheit und glaubwürdige Vermittlung zwischen Rom und Ortskirche", mahnt die SCHWÄBISCHE ZEITUNG.
In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG ist zu lesen: "Das Reformprojekt Synodaler Weg ließ kirchenpolitische und theologische Fliehkräfte wirksam werden, die der Limburger Bischof Bätzing als Vorsitzender noch befeuerte. Diese einzuhegen, wird die erste, aber nicht die einzige Aufgabe des Hildesheimer Bischofs Wilmer sein – zumal ein moderater Binnenpluralismus der Konferenz nicht als Schwäche, sondern als Stärke ausgelegt werden sollte. Diese gälte es nun rasch zu nutzen", empfiehlt die FAZ.
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE erläutert: "Knapp 20 Millionen Katholikinnen und Katholiken stellen knapp ein Viertel der Bevölkerung, 'die' Kirche ist ein wesentlicher, prägender, nicht wegzudenkender Teil des Landes – nicht zuletzt als Arbeitgeber oder als karitative Institution. Und: Gotteshäuser mögen leer sein, das Bedürfnis nach Spiritualität, Sinnstiftung und Seelsorge bleibt ungebrochen. Wilmers vordringliche Aufgabe wird es also sein müssen, stärker als sein Vorgänger auf all das hinzuweisen."
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER sieht den neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz in einer Zwickmühle: "Die Einheit der katholischen Kirche zu bewahren und gleichzeitig die Reformer zufriedenzustellen kommt der berühmten Quadratur des Kreises gleich. Der Gott, der Wilmer diese Aufgabe gestellt hat, kann es nicht nett mit ihm gemeint haben."
Hören Sie nun Kommentare zur Reise von Bundeskanzler Merz nach China. Dazu schreibt die FREIE PRESSE aus Chemnitz: "Interessant ist es für den Kanzler und seine rund 30-köpfige Wirtschaftsdelegation, wo China die Zukunft verortet. Diese Themen bestimmen maßgeblich, wohin auch für den Rest der Welt die Reise geht. Da gibt es einiges, von Frachtdrohnen bis zur Biotechnologie, von der Raumfahrt bis hin zur Künstlichen Intelligenz. Und – nicht nur für Autobauer der Zukunft von Interesse – Batterierecycling und vor allem Wasserstoffenergie. Die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung sieht vor, dass Deutschland bis zum Jahr 2030 Leitanbieter für diese Technologie ist. Wenn China nun auf diesen Zug aufspringt, kommt womöglich eine Dynamik in Gang, deren Ende nicht absehbar ist. Ob China ein Rivale ist oder ein Partner, wenn auch ein manchmal schwieriger, das ist derzeit in vielen Bereichen nicht so ganz klar", konstatiert die FREIE PRESSE.
Merz stehe vor einer schwierigen Aufgabe, meint die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG. Er müsse - Zitat: "Risiken gezielt reduzieren, ohne Brücken abzubrechen. Nur wenn Deutschland und die EU endlich an ihrer Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit arbeiten, können sie gegenüber Peking aus einer Position der Stärke agieren. Merz muss also wieder mal den richtigen Ton treffen: respektvoll, aber selbstbewusst. Ziel muss eine so nüchterne wie langfristig tragfähige Partnerschaft sein, die deutsche und europäische Interessen wahrt. Da gibt es einiges nachzubessern", unterstreicht die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Das Magazin CICERO notiert: "Politisch hält man in Deutschland ostentativ Distanz zu China – sehr zum Missfallen der deutschen Industrie. Diese tiefe Ambivalenz im Verhältnis zu China, zwischen ideologischen Grundannahmen und wirtschaftlichen Interessen, scheint derzeit unauflösbar. Lassen sich diese Widersprüche miteinander versöhnen? Auch wenn die Zeiten für europäische Staats- und Regierungschefs kompliziert geworden sind, sollte man die Ambivalenzen nicht übertreiben, um bleibende Schäden zu vermeiden. Um im Bild zu bleiben: Der deutsche Kanzler ist nicht auf dem Feuerpferd, sondern bestenfalls auf einem Maulesel unterwegs nach Osten", spottet der CICERO.
DER TAGESSPIEGEL sieht in dem China-Besuch Chancen für Merz: "In einer Welt, die der US-Präsident mit Zöllen und der Kreml mit Krieg neu ordnen will, kann der Kanzler Peking große Handelsräume offen halten. Selbstbewusst, aber nicht naiv sollte Merz bei Xi für die Erneuerung einer Partnerschaft werben, von der seit der Öffnung Chinas unter Deng Xiaoping beide Seiten profitiert haben."
Nun zum letzten Thema, dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der WESER-KURIER aus Bremen resümiert: "Vier Jahre lang leben die Menschen in Kiew, Lwiw, Charkiw oder Odessa schon im Krieg. Nacht für Nacht wird die Ukraine mit Angriffen von Drohnen und Raketen überzogen, die immer häufiger auf den Energiesektor zielen, um den erbitterten Widerstand der Bevölkerung bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad zu brechen. Das ist kein Krieg, das ist keine militärische Spezialoperation, das ist Terror. Terror, der vom russischen Präsidenten Putin ausgeht und sich nicht nur gegen die Ukraine, sondern auch gegen seine eigene Bevölkerung richtet. Etwa eine Million Russen hat der Herrscher im Kreml offenbar schon seiner wahnsinnigen Aggression geopfert. Hinzu kommen die enormen wirtschaftlichen Schäden, die der Krieg und die Sanktionen auch in Russland angerichtet haben", betont der WESER-KURIER.
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sei am Gedenktag mit leeren Händen nach Kiew gekommen, notiert die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder. "Das 20. Sanktionspaket wird wie auch der von der EU versprochene Milliardenkredit für die Ukraine zum Kauf von Waffen durch Ungarn blockiert. Deshalb ist der Besuch Ursula von der Leyens in Kiew ein Offenbarungseid. Die Blockade durch Ungarn zeigt, dass die Union als Konsensmaschine in der aktuellen Weltlage, in der schnelle und konsequente Entscheidungen nötig sind, nicht funktionsfähig ist. Will die EU überleben, muss sie sich reformieren. Ein erster Schritt wäre, das Einstimmigkeitsprinzip in der Außenpolitik über Bord zu werfen", fordert die MÄRKISCHE ODERZEITUNG.
Nach dem Veto Ungarns gegen europäische Finanzhilfen für die Ukraine stellt die TAGESZEITUNG - kurz TAZ - Überlegungen zum weiteren Umgang mit der Regierung in Budapest an: "Wie kann eine europäische Selbstbehauptung in diesen Zeiten überhaupt noch aussehen? Die Antwort ist so einfach wie kompliziert: Wenn nicht alle EU-Staaten an einem Strang ziehen, müssen es eben einzelne Länder im Verbund tun. Dazu müsste man sich nur der Mechanismen bedienen, die es auf EU-Ebene schon gibt. Entscheidungen könnten demnach etwa mit qualifizierten Mehrheiten getroffen werden statt von allen Mitgliedern gemeinsam. Dies würde ein Bündnis im Bündnis stärken und die Störer in die Schranken weisen oder besser: ihre lautstarke Verhöhnung der Europäischen Union dämmen", glaubt die TAZ.