02. März 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Die Kommentare der heutigen Zeitungen befassen sich fast ausschließlich mit den Angriffen der USA und Israels auf den Iran.

Panorama-Ansicht von Teheran: Nach einem Angriff der USA zieht eine große Rauchsäule über der Stadt auf
Rauchwolken über Teheran nach den Angriffen von Israel und den USA. (picture alliance / SIPA / Akasbashi)
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU befürchtet unabsehbare Folgen: "US-Präsident Donald Trump hat gute Gründe, gemeinsam mit Israel die Herrscher im Iran auszubremsen. Das aktuelle Vorgehen der Amerikaner ist dennoch falsch. Es birgt die Gefahr, erst im Nahen Osten einen Flächenbrand auszulösen und dann die ganze Welt anzuzünden. Denn die Vereinigten Staaten wissen offensichtlich nicht, wo und wann ihr Angriff enden soll. Das iranische Volk hat der US-Präsident aufgefordert, sich die Macht im eigenen Land zu nehmen. Leider ist strategisch nichts vorbereitet. Die iranische Opposition ist zersplittert. In Wahrheit ist die Bevölkerung in ihren religiösen Anschauungen und in ihren ethnischen Abstammungen zerrissen. Eben diese Zerrissenheit kennzeichnet den Nahen Osten insgesamt. Deshalb ist die Gefahr so groß, dass sich dieser Krieg zum Flächenbrand entwickelt", betont die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Auch die SAARBRÜCKER ZEITUNG sieht die Gefahr einer dauerhaften Instabilität im Nahen Osten: "Trump hat sich bei arabischen Partnern unbeliebt gemacht, indem er den Angriff auf den Iran gegen ihren Rat und auf Ermunterung durch Benjamin Netanjahu befahl. Israels Einfluss auf die US-Nahost-Politik war nie so groß. Daher suchen arabische Staaten andere Beschützer. Saudi-Arabien hat ein Verteidigungsabkommen mit der islamischen Atommacht Pakistan unterschrieben. Trump läutet mit dem Krieg eine neue Ära im Nahen Osten ein – aber nicht die, die er sich wünscht", warnt die SAARBRÜCKER ZEITUNG.
Die FULDAER ZEITUNG rechtfertigt die Angriffe und wünscht sich den Sturz des iranischen Regimes: "Die Hoffnung hat viele Gesichter. Angstvolle, schuldbewusste und traurige gehören zur Zeit in einem Krieg dazu, der zwar völkerrechtlich fragwürdig ist, aber dem ganz normalen Gerechtigkeitsempfinden entgegenkommt. Wer jetzt das Gesicht von Donald Trump einblendet, in dem davon wenig zu lesen ist, wird sich vielleicht seiner Hoffnung schämen, aber doch darum beten, dass der Krieg, den Israel und die USA gegen den Iran begonnen haben, jenes Ergebnis hat, dass sich alle freiheitsliebenden Menschen wünschen: eine Niederlage des grausamen Mullah-Regimes mit möglichst wenig Opfern und dem Sturz der Theokratie", meint die FULDAER ZEITUNG.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) geht allerdings davon aus, dass das iranische Regime nicht kampflos aufgibt: "Die Enthauptung eines menschenverachtenden Regimes bedeutet noch längst nicht, dass es geschlagen ist. Der unbewaffneten Opposition stehen hochgerüstete Revolutionsgarden, Sicherheitskräfte und das Militär gegenüber, die ihre Ruchlosigkeit mehrfach unter Beweis gestellt haben. Und wie ein gewaltsamer Regimewechsel von außen missglücken und im Chaos enden kann, haben die USA bereits mehrfach unter Beweis gestellt – in Afghanistan, im Irak und in Libyen", heißt es in der MÄRKISCHE ODERZEITUNG.
Auch das HANDELSBLATT glaubt nicht an einen unblutigen Machtwechsel: "Das vielleicht größte Problem bei diesem spektakulären Militärcoup: Trump hat keinen Plan für danach. Weder lässt sich die iranische Diktatur einfach weg- noch eine neue Friedensordnung herbeibomben. Ein Regime-Change bräuchte am Ende mit großer Wahrscheinlichkeit eben doch amerikanische Bodentruppen. Die Serie negativer Erfahrungen solcher außenpolitischer Abenteuer reicht von Vietnam über den Irak bis nach Afghanistan. Es bestehen berechtigte Zweifel daran, dass Trump bereit ist, dieses Risiko einzugehen", gibt das HANDELSBLATT zu bedenken.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG sieht durch das Vorgehen des US-Präsidenten zumindest die Chance auf einen Umsturz im Iran: "Donald Trump hatte vor wenigen Wochen auf dem Höhepunkt der Massenproteste der iranischen Opposition Hilfe versprochen. Jetzt hat er Wort gehalten. Innerhalb weniger Stunden hat die Mission vollbracht, was fast unmöglich erschien: Ajatollah Ali Chamenei ist tot. Natürlich besteht die Gefahr, dass sich das Regime an der Macht halten kann. Das wäre das Worst-Case-Szenario. Dagegen spricht aber, dass die breiten Massen tatsächlich die Mullahs loswerden wollen. Es wird jetzt darauf ankommen, einen friedlichen Übergang hinzubekommen. Dass Trump den Teilen des Regimes Straffreiheit verspricht, die jetzt zu ernsthaften Verhandlungen bereit sind, könnte ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Für Rachegelüste darf es keinen Platz geben", fordert die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Auch die AUGSBURGER ALLGEMEINE begrüßt die Angriffe: "Friedrich Merz ist für seinen Satz, Israel erledige im Nahen Osten die Drecksarbeit für den Westen, viel gescholten worden. Tatsächlich tun die Vereinigten Staaten und Israel nun genau das – sie versuchen, die Welt ein Stück friedlicher zu machen, indem sie den Iran daran hindern, eine Atommacht zu werden, die am Ende auch Europa bedrohen würde. Die jüngsten Demonstrationen, die von den berüchtigten Revolutionsgarden brutal niedergeschlagen wurden, hatten noch nicht die Kraft, das Regime zu stürzen. Sollte es jetzt fallen, würde sich jedoch ein Fenster für einen neuen, demokratischen Iran öffnen. Ein iranischer Frühling ist möglich", glaubt die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG sieht auch Europa in der Pflicht, sich am Aufbau eines neuen Iran zu beteiligen: "Europa betont gern die Werte, auf denen es aufgebaut ist und die angeblich seine Außenpolitik leiten. Kaum ein Regime hat diese Werte so misshandelt wie das in Teheran. Das heißt nicht, dass jetzt alles automatisch gut wird. Nichts garantiert, dass sich aus den Trümmern des weggebombten Regimes eine Art Demokratie erhebt. Es gibt nicht einmal eine Garantie, dass das Regime tatsächlich stürzt. Aber die Europäer haben jedes Interesse daran, dass es so kommt. Deswegen reicht es nicht, jetzt sorgenvoll die Köpfe zu wiegen, Völkerrechtsparagrafen zu zitieren oder sich im generellen Misstrauen gegenüber Donald Trump einig zu sein. Der Krieg eröffnet auch eine Chance, dass ein neuer Iran entsteht. Europa muss alles tun, um dabei zu helfen", wünscht sich die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER wägt ab: "Für einen Teil der Welt ist es der Aufbruch in eine neue demokratische Zukunft, für den anderen ein völkerrechtswidriger Angriff auf die Selbstbestimmung eines souveränen Staates. Donald Trump spielt ein gefährliches Glücksspiel im Nahen Osten. Natürlich dürfen Regime, die Nachbarländern mit der Vernichtung drohen, die eigene Bevölkerung unterdrücken und ein ständiger Unruheherd sind, nicht geduldet und schon gar nicht unterstützt werden. Mit der aktuellen Eskalation im Nahen Osten zeigt sich aber einmal mehr, dass es die Vereinten Nationen als Gremium braucht, um als Verteidiger der Menschenrechte für dauerhaften Frieden und Sicherheit auf unserem Planeten zu sorgen. Die Entscheidung, wann und ob zum letzten Mittel gegriffen wird, darf nicht einem Mann überlassen werden, nur weil er die größte Knarre hat und sich nicht um Regeln schert", fordert der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
Auch die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg sieht die Angriffe kritisch: "Was Washington und Tel Aviv versuchen, herbeizubomben, ist kein Regimewechsel hin zu einer Demokratie. Vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass sowohl der von den Epstein-Akten bedrängte Trump, als auch der wegen Korruptionsverdacht vor Gericht stehende Netanjahu, schlicht versuchen, von ihrer innenpolitischen Bedrängnis abzulenken. Beide öffnen sie ein Tor, das in die Hölle führen kann. So wird das Bombardement einer Grundschule in der Provinz Hormusgan mit über 100 toten Kindern ganz sicher als Chiffre für künftigen islamistischen Terror dienen. Welche Werte könnten solch ein Verbrechen rechtfertigen? Natürlich stellt sich auch die Frage, wie Russland und China reagieren werden – beides Partner des Iran. Lässt Peking es durchgehen, dass Trump sich zum Weltdiktator emporschwingt?", fragt die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG.