
"Netanjahus Lebenstraum könnte Trumps Albtraum werden", heißt es in der TAZ: "Der Angriff auf den Iran ist vermutlich der politisch riskanteste Schritt der bisherigen zweiten Amtszeit des US-Präsidenten. Denn er läuft allem zuwider, was Trump seiner eigenen MAGA-Bewegung bislang als Grundfeste seiner 'America First'-Strategie erklärt hat. Er wollte keine weiteren Kriege mit ungewissem Ausgang anfangen – und ist nun doch mittendrin in genau so einem Krieg, der auch bereits die ersten US-Todesopfer gefordert hat. Schon zwei Tage nach Beginn der Angriffe sind zudem die Benzinpreise weltweit deutlich gestiegen. Für Israels Ministerpräsidenten Netanjahu geht mit dem Angriff auf Iran ein Lebenstraum in Erfüllung. Er braucht dafür keine durchdachte Exitstrategie, kein klar definiertes Ziel. Für Trump und seine MAGA-Republikaner hingegen kann dieser Krieg der Beginn eines politischen Albtraums sein", betont die TAGESZEITUNG – TAZ.
Die FREIE PRESSE aus Chemnitz wirft die Frage auf, wie lange die Angriffe noch andauern werden: "Israel und die USA werden den Iran so lange angreifen, bis es 'Frieden im ganzen Nahen Osten' gibt, sagt US-Präsident Trump. Doch die USA haben haben keinen Plan für den Tag nach den Angriffen und einem möglichen Regimesturz. Inzwischen weitet sich der Konflikt bis zum EU-Mitglied Zypern aus. Trumps Krieg ist eine Zeitenwende für den Nahen Osten, wird aber keinen Frieden bringen."
In der Onlineausgabe der ZEIT ist zu lesen: "Dieser Krieg ist direkt eskaliert. Flughäfen in Dubai und Abu Dhabi sind geschlossen, ebenso die Straße von Hormus. Die wichtigste Versorgungsroute für Erdöl und Gas ist über Nacht zum Schlachtfeld geworden. Trump wird sich nach einigen Tagen, in denen er den Iran mit Bomben überzogen hat, zurückziehen. Er wird eine Region im Chaos hinterlassen und Golf-Regierungen, die ihre Interessenskonflikte bisher mehr oder minder wohltemperiert hinter den Kulissen ausgetragen haben, werden jetzt in offener Konfrontation zueinanderstehen", befürchtet DIE ZEIT.
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE blickt auf die Angriffe des Irans auf mehrere Golfstaaten: "Ein Land, das so wahllos um sich feuert, kann selbst in den Staaten der Region, die sich bisher zurückhalten, nicht auf Verständnis hoffen. Was ein Zeichen von Stärke sein soll, nämlich die Diversifizierung des Konfliktes, ist letztlich nur ein Ausdruck der Verzweiflung."
ND.DER TAG analysiert die iranische Kriegstaktik: "Durch die recht wahllosen Angriffe mit Mittelstreckenraketen und Kamikaze-Drohnen geraten Raffinerien, Kraftwerke, Hotels und Militärstützpunkte in den unmittelbaren Nachbarländern unter Beschuss. Das neue Führungstrio im Iran scheint den Krieg für alle unbeteiligten Dritten so teuer machen zu wollen, dass diese sogar selbst in den Krieg eintreten oder aber, so wohl die vorherrschende Überlegung, die USA und Israel dazu drängen, die Angriffe einzustellen", erläutert ND.Der TAG.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG kritisiert die Äußerungen von Bundeskanzler Merz zum Nahost-Krieg: "Nach Israels Luftschlägen gegen iranische Atomanlagen im vergangenen Jahr hatte Merz noch von der 'Drecksarbeit' gesprochen, die Israel 'für uns alle' erledige. Schaut man sich die aktuellen Äußerungen des Kanzlers an, besteht der Fortschritt freilich einzig in der geschickteren Wortwahl. Es sei ein 'Dilemma', dass mit einer völkerrechtlichen Maßnahmenagenda beim iranischen Regime offensichtlich nichts zu bewirken sei. Und nun seien die USA und Israel angetreten, den seit Jahrzehnten andauernden Konflikt zu beenden. Wenn es nicht im Einklang mit dem Völkerrecht geht, so lässt sich das übersetzen, dann muss es halt ohne Völkerrecht gehen. Drecksarbeit eben. Die angedeutete Zustimmung des Kanzlers nach dem Motto 'Es trifft ja immerhin die Richtigen' sendet ein fatales Signal an die internationale Rechtsgemeinschaft. Niemand verlangt, die Bundesregierung solle sich an die Seite Irans stellen. Aber an der Seite des Rechts sollte sie schon stehen", findet die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG sieht es anders: "Man kann Merz kaum widersprechen. Wenn das Völkerrecht skrupellose Diktatoren schützt, erweist es der Weltgemeinschaft einen schlechten Dienst."
Die MEDIENGRUPPE BAYERN, zu der unter anderem die PASSAUER NEUE PRESSE gehört, schreibt zu den Rückholflügen für gestrandete deutsche Touristen: "Es ist richtig, besonders verletzliche Gruppen nun aus der Krisenregion zu evakuieren. Gleichwohl: Es gab genügend Warnungen, dass ein Krieg drohen könnte. Wer nun festsitzt, zahlt auch den Preis für die eigene Acht- und Gedankenlosigkeit. Reisen nach dem Motto 'da passiert schon nichts' war am Golf immer schon ein Risiko - und ist es generell. Reisende sollten wissen, was sie tun, Verantwortung übernehmen und dann die Folgen auch tragen", ist die Ansicht der MEDIENGRUPPE BAYERN.
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER kommentiert die für heute geplante Reise von Kanzler Merz nach Washington: "Friedrich Merz ist dort angekommen, wo er immer hinwollte: Nun hat er die Führungsrolle in Europa. Nachdem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Washington in Ungnade gefallen ist und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nie das beste Verhältnis zu Donald Trump hatte, soll es der Sauerländer mit seinen guten Kontakten richten. Neben der Klärung akuter Fragen zum neuen Nahostkonflikt, werden das weitere Vorgehen in der Ukraine und nicht zuletzt Gespräche über die Zollpolitik die Kernaufgaben von Merz sein, die er für alle Europäer klären soll. Es ist seine wichtigste diplomatische Reise bisher. Allzu resolut sollte der Bundeskanzler aber auch nicht auftreten, besonders, bis er weiß, welchen Trump er gerade vor sich hat", warnt der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
Die NÜRNBERGER ZEITUNG konstatiert: "Richtig schwierig wird es für Merz, wenn das US-Engagement in der Ukraine ins Spiel kommt. Die EU und vor allem Deutschland sind zwar bedeutende Unterstützer, denn die USA wollen sich ihre Waffenlieferungen von der NATO bezahlen lassen. Insofern hat Merz keine schlechten Karten, kommt er doch nicht als Bittsteller. Doch ohne eine Sicherheitsgarantie der USA für die Ukraine ist keine überzeugende Friedenslösung denkbar. Vorstellbar ist auch, dass Trump das Interesse an der Friedensstiftung in Europa verliert. Das darf nicht passieren. Denn dann haben die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Gegner Europas allzu leichtes Spiel", meint die NÜRNBERGER ZEITUNG.
Und damit zum letzten Thema: Deutschland und Frankreich haben eine enge Zusammenarbeit im Bereich der atomaren Abschreckung vereinbart. Die FRANKFURTER ALLGEMEINTE ZEITUNG führt aus: "Die alte Frage, ob ein US-Präsident New York für eine europäische Stadt opfern würde, dürfte Russlands Präsident Putin heute anders beantworten als die Generalsekretäre in der Sowjetunion. Trump hat die Zweifel, wie weit Amerika für seine Verbündeten gehen würde, so sehr verstärkt wie kein Präsident vor ihm. Das Angebot von Frankreichs Präsident Macron für eine stärkere Zusammenarbeit ist da ein Fortschritt. Doch selbst wenn man an die Minimalabschreckung glaubt, wäre eine deutsche Teilnahme an französischen Nuklearübungen kein Signal, das man in Moskau allzu ernst nehmen müsste." So weit die F.A.Z.
Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm bemerkt: "Macrons Forderung, die Europäer müssten wieder in der Lage sein, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, ist richtig. Der andere Teil seiner Botschaft war aber ebenso gut hörbar: Die Entscheidung über den Einsatz der Waffen bleibt allein in der Hand des französischen Präsidenten – der Schutz, den Frankreich bietet, ist nicht garantiert. Von den Franzosen – neben den USA – ein zweites Los zu kaufen, ist klug, sicher ist es aber nicht."
