05. März 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Kommentiert wird die Reaktion von Bundeskanzler Merz auf die Kritik von US-Präsident Trump an Spanien. Außerdem Stimmen zum neuen Koalitionsvertrag in Brandenburg. Zunächst geht es aber um den anhaltenden Krieg im Nahen und Mittleren Osten.

Rauchwolken über Teheran nach den Angriffen von Israel und den USA
Rauchwolken über Teheran: Israel und die USA greifen weiter Ziele im Iran an. (picture alliance / Anadolu | Fatemeh Bahrami)
"Trotz des Todes von Chamenei und Dutzender weiterer Führungspersonen ist völlig offen, was dieser Krieg bringen wird", schreibt der SÜDKURIER aus Konstanz: "Das hängt in erster Linie davon ab, auf welche Seite sich die iranische Armee schlagen wird. Stellt sie sich hinter einen möglichen Aufstand, droht ein Bürgerkrieg gegen die zahlenmäßig überlegenen Revolutionsgarden und ihre Basidsch-Milizen. Passiert das nicht, dürften die Mächtigen in Teheran die Angriffe aussitzen und darauf warten, bis den USA und Israel die Luft ausgeht. Das wird auch wegen der wirtschaftlichen Verwerfungen eher früher als später passieren – und zeigt, mit welch naiven Vorstellungen dieser Krieg begonnen wurde. Demokratie lässt sich eben nicht herbeibomben", unterstreicht der SÜDKURIER.
"Das Signal der israelischen Regierung ist deutlich: Sie wird an der gezielten Tötung von Führungskadern festhalten", konstatiert die SÜDWEST PRESSE aus Ulm: "Diese Strategie hat das Land in den vergangenen zwei Jahren ziemlich erfolgreich gegen die Hamas im Gazastreifen und gegen die Hisbollah im Libanon angewandt. Die Ermordung unliebsamer Gegner mutet archaisch an und ist einer Demokratie im Grunde nicht würdig. Allerdings liegen die Dinge im Nahen Osten ein wenig anders. Nicht nur, weil Krieg herrscht, sondern weil die Mullah-Führung seit Jahrzehnten selbst damit droht, Israel zu vernichten", betont die SÜDWEST PRESSE.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG geht auf die Rückholaktion für deutsche Staatsbürger ein: "Die Bundesregierung wäre gut beraten, in dieser schwierigen Situation schnelle und pragmatische Lösungen gemeinsam mit Fluglinien und Reiseveranstaltern zu suchen. Dabei muss sichergestellt werden, dass nicht der Steuerzahler am Ende auf den Kosten sitzen bleibt. Doch die in der Golfregion festsitzenden Deutschen haben eine professionellere Unterstützung verdient, als sie das Auswärtige Amt bislang geleistet hat. Wenn aber der Außenminister schon so schlecht informiert ist, wundert es nicht, wenn auch das Krisenmanagement zu wünschen übrig lässt. Jetzt zeichnet sich eine größere Rückholaktion in der EU ab. Warum nicht gleich so?", fragt sich die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Das STRAUBINGER TAGBLATT prognostiziert die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges: "Öl und Gas sind trotz aller Bemühungen um erneuerbare Energie nach wie vor das Rückgrat der Wirtschaft in allen Industrieländern. Deshalb bedeutet eine massive Verteuerung, dass die Preise auf allen Ebenen der Verarbeitung von Rohstoffen steigen. Diese Preissteigerungen ziehen sich durch alle Handelsebenen und landen schließlich beim Verbraucher: an der Tankstelle, im Supermarkt und in der Gastronomie, überall. Dies treibt die Inflation, die Bürger verlieren an Kaufkraft, was zu einem Nachfrageverlust in der Wirtschaft führt. Noch ist es zu früh, um beziffern zu können, welche Kerben der Iran-Krieg in die Wirtschaftstätigkeit schlagen wird, Folgen aber sind unvermeidbar", ist das STRAUBINGER TAGBLATT überzeugt.
Der WESER-KURIER aus Bremen empfiehlt: "Die Bundesregierung wäre gut beraten, diesmal kein teures Strohfeuer wie einen Tankrabatt zu entzünden, sondern auf langfristige und größtmögliche Unabhängigkeit von Öl und Gas zu setzen. Das kann nur durch einen konsequenten und intelligenten Ausbau der erneuerbaren Energien geschehen. Das wäre nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen die klügste Strategie", findet der WESER-KURIER.
"Die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten macht das Land verletzbar", mahnt auch die AUGSBURGER ALLGEMEINE: "Deutschland ist bei der Elektrifizierung der Wirtschaft nicht entscheidend weitergekommen. Die scheinbar billigere Energie aus Öl, Gas und Kohle wirkt wie eine Droge, und das Land scheut den Entzug. Doch selbst wenn der neue Krieg am Golf schneller beendet werden könnte als derzeit zu befürchten: Die nächste Krise kommt sicher." Soweit die AUGSBURGER ALLGEMEINE. Nun zu einem anderen Thema.
US-Präsident Trump hat die spanische Regierung beim Besuch von Bundeskanzler Merz in scharfer Form kritisiert, weil Spanien den Vereinigten Staaten keine Stützpunkte für ihre Angriffe im Iran zur Verfügung stellt. Merz kommentierte das bei dem gemeinsamen Presseauftritt mit Trump nicht. Die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen findet, dass der Kanzler strategisch richtig gehandelt habe, aus mehreren Gründen: "Grund 1: Trump reagiert allergisch auf Maßregelung. Grund 2: Noch ist die NATO in großem Maße abhängig von der Schutzmacht USA. Den erratischen US-Präsidenten zu verärgern, kann nicht nur massive Konsequenzen für die EU haben, sondern auch für die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland. Grund 3: In vielen Familien gilt die goldene Regel 'Gestritten wird Zuhause' – also hinter verschlossenen Türen. Dieses Prinzip lässt sich auf Konflikte zwischen befreundeten Staaten übertragen", erklärt die RHEINPFALZ.
"Der Kanzler hat das einzig Vernünftige getan", loben auch die NÜRNBERGER NACHRICHTEN: "Er unterschied zwischen dem öffentlichen, vom Fernsehen übertragenen Gespräch, in dem er sehr diplomatisch blieb, und dem internen Gespräch, in dem er nach eigenen Aussagen sehr viel deutlicher wurde. Damit brüskierte er seinen Gastgeber nicht. So müssen wir Deutsche in Zukunft auftreten. Bei unserer Meinung bleiben und diese auch artikulieren, aber nicht der Meinung sein, dass alle Welt und insbesondere die Supermächte auf unsere Belehrungen warten", ist in den NÜRNBERGER NACHRICHTEN zu lesen.
Die TAGESZEITUNGTAZ – bezeichnet Merz' Besuch hingegen als "Kniefall von Washington": "Dieser Kurs kostet Glaubwürdigkeit, ohne etwas zu bringen. Merz hat kürzlich angekündigt, dass Europa nun die Sprache der Machtpolitik lernen muss. Sein Trip nach Washington dokumentiert eher eine Grammatik der Machtlosigkeit. Der Kanzler, der stumm lächelnd neben Trump sitzt, der gegen Spanien und Großbritannien wütet, ist dafür das sprechende Bild", moniert die TAZ.
Zuletzt zwei Stimmen zum neuen Koalitionsvertrag in Brandenburg. Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) kritisiert: "Das Papier ist über weite Strecken so unkonkret, dass man nicht genau sagen kann, wohin die Reise geht. Zu erahnen ist, dass überall gespart werden muss und nur wenig sakrosankt sein wird. Die Debatte dazu muss nun im Landtag geführt werden. Das ist durchaus positiv, denn so können sich Kommunen, Verbände und Vertretungen einbringen. Das wird dann auch der Zeitpunkt, an dem die neue Koalition den Beweis antreten muss, dass die Gemeinsamkeiten über den Parteiinteressen stehen", meint die MÄRKISCHE ODERZEITUNG.
"Mag die Laune im Rest der Welt am Tiefpunkt sein – in Potsdam herrscht eindeutig Aufbruchstimmung", stellt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG fest: "Nach knapp zwei Monaten haben sich SPD und CDU in Brandenburg auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Die Mehrheit der Brandenburger befürwortet Neuwahlen. Die neue Koalition tritt ihre Reise also mit einem relativ knappen politischen Legitimationsbudget an, und übrigens auch nicht mit vollen Taschen: In den kommenden Jahren müssen jährlich 1,7 Milliarden Euro eingespart werden. Der neue Vertrag ist nur halb so lang wie der alte, und er enthält wenig konkrete Ankündigungen, dafür aber einen 'Maßnahmenkatalog' für die jeweiligen Ministerien. Man wolle 'agil' regieren und sich jeweils an Gegebenheiten anpassen, kündigten die Koalitionspartner an. Leichtes Gepäck beim Reisen kann Stress schaffen, hat aber auch Vorteile. Wie es Brandenburg damit geht, wird Folgen für das ganze Land und besonders den Osten haben", glaubt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Und damit endet diese Presseschau.