07. März 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute mit Stimmen zum Internationalen Frauentag, zum Iran-Krieg und zur Landtagswahl in Baden-Württemberg.

Außenaufnahme des Landtags von Baden-Württemberg. Im Vordergrund ein Schild mit der Aufschrift. Landtag von Baden-Württemberg. 1959-1961 erbaut.
Am Sonntag wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt - dies ist ein Thema in Presseschau. (picture alliance / Daniel Kubirski | Daniel Kubirsk)
"Es wird ein spannender Wahlabend am Sonntag in Stuttgart", schreibt die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf: "Laut Umfragen gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Demokratie pur, jede Stimme zählt. So weit, so gut. Aber die Rezepte der Kandidaten gegen den wirtschaftlichen Abstieg des Bundeslandes gerieten völlig ins Hintertreffen. Stattdessen diskutiert das Ländle über die Hochzeit des grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir. Den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel holt ein völlig verunglücktes Video von vor acht Jahren ein, bei dem er von einer minderjährigen Schülerin mit 'rehbraunen Augen' schwärmt. AfD-Frontmann Markus Frohnmaier steht in der Affäre um die Beschäftigung von Verwandten persönlich stark in der Kritik. Der abgeschlagene Spitzenkandidat der SPD, Andreas Stoch, sorgt wiederum für Schlagzeilen, weil er seinen Fahrer ausgerechnet nach einem Besuch bei der Tafel gebeten hat, Feinkost in Frankreich einzukaufen. Keine Frage, Stilnoten sind bei Politikern besonders wichtig. Aber wenn, befeuert durch die sozialen Medien, eine politische Auseinandersetzung sich nur noch auf dieses Niveau beschränkt, dann ist das Wort vom Politzirkus sehr passend. Traurig für das ehemalige Vorzeige-Bundesland", beklagt die RHEINISCHE POST.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG fügt an: "Angesichts des wirtschaftlichen Niedergangs im Südwesten ist erstaunlich, dass der Wahlkampf so dahin plätscherte. Einziger Aufreger war ein zehn Jahre altes sexistisches Zitat des CDU-Kandidaten Hagel. Wahnsinn - angesichts dessen, was auf dem Spiel steht."
Der MÜNCHNER MERKUR richtet den Fokus auf den Grünen Spitzenkandidaten: "Das alte Schlachtross Özdemir hat, im Gegensatz zu seinem konturlosen CDU-Konkurrenten Hagel, einen fulminanten Wahlkampf geliefert. Die in Berlin abgestraften Grünen können immer noch Volkspartei – wenn sie, wie sie es im Südwesten traditionell tun, die Wähler der Mitte umwerben."
"Der Persönlichkeit der Spitzenkandidaten kommt eine wichtige Rolle zu", wirft die LUDWIGSBURGER ZEITUNG ein und führt auf: "Cem Özdemir von den Grünen inszeniert sich als eine Art Kretschmann 2.0 und verspricht Erfahrung und Verlässlichkeit. Manuel Hagel von der CDU hatte mehr mit seiner Partei zu kämpfen. Die Querschläger aus Berlin – Stichwort Lifestyle Teilzeit – waren sicher nicht hilfreich. Wer Hagel etwas näher kennt und erlebt, der weiß auch, dass die Debatte um das von einer grünen Bundestagsabgeordneten ausgegrabene Video ihm nicht gerecht geworden ist. Aber bei einem Kandidaten, der kaum bekannt ist, kann solch ein Eindruck verheerend sein", erläutert die LUDWIGSBURGER ZEITUNG.
Der TAGESSPIEGEL aus Berlin geht zunächst auf den scheidenden Ministerpräsidenten ein: "Mit seinem wertegebundenen ökologisch-liberalen Pragmatismus machte Winfried Kretschmann seine Partei zur dominierenden Kraft im Südwesten. Das gelang den Grünen nicht einmal in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. Lange wurde Kretschmann als personifizierter Sonderfall betrachtet, als Ausnahmepersönlichkeit in einem konservativen Land, das geprägt ist von Autoindustrie, Zulieferbetrieben und anderen mittelständischen Unternehmen. Wer hätte noch vor wenigen Wochen erwartet, dass Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir eine echte Chance haben würde, Kretschmann im Staatsministerium zu beerben? Aber mit einem innen-, migrations- und wirtschaftspolitischen Kurs der Mitte, einer klugen Strategie und einem fleißigen Wahlkampf fand Özdemir ein Momentum. Er inszenierte sich als politischer Sohn Kretschmanns und grenzte sich so stark wie irgend möglich von den Bundes-Grünen ab", so die Analyse des TAGESSPIEGELS.
Der Iran-Krieg und die Position Deutschlands ist Thema in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG: "In der Bundesregierung zieht zumindest der sozialdemokratische Teil nur allzu gern die Folgerung, die Verteidigungsminister Pistorius sinngemäß formuliert hat: Das ist nicht unser Krieg, die Bundeswehr wird nicht zum Einsatz kommen. Man fühlt sich an Gerhard Schröder erinnert. Nur waren die Parolen damals so doppelbödig wie heute. Tatsächlich leistete die Bundeswehr unter Schröder Hilfsdienste. Und natürlich konnten die Amerikaner ihren 'stationären Flugzeugträger' Ramstein benutzen. Auch heute wird dieser Luftwaffenstützpunkt wieder eifrig frequentiert. Wenn die Türkei oder Zypern verstärkt ins Visier iranischer Raketen genommen werden sollten, und die Partner in der NATO beziehungsweise der EU nach Beistand riefen, dann würde Deutschland auf keinen Fall abseits stehen können", betont die FAZ.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schaut auf US-Präsident Trump: "Dessen Verhältnis zum Völkerrecht ist ungefähr so wie sein Verhältnis zur Dekoration des Weißen Hauses: Was ihm gefällt, macht er. Er hat überall güldenes Geschnörkel anbringen lassen. Als ihn im Januar die New York Times befragte, was denn seiner Macht Grenzen setze, sagte Trump: 'Meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich stoppen kann.' Und das Völkerrecht? 'Ich brauche kein Völkerrecht', sagte er in eben jenem Interview. Im Übrigen definiere er für sich, was Völkerrecht sei. Das Völkerrecht jedenfalls deckt die Angriffe der USA und Israels auf Iran nicht. Eine Maxime der Trump'schen Außenpolitik lautet: Töte deine Feinde. Darin sind die USA – im Nahen Osten im Verbund mit Israel – zurzeit 'erfolgreich'. Wie der Iran aber aussehen wird, wenn die US-Flugzeugträger Richtung Kuba abgedreht haben werden, weiß niemand. Auch der US-Präsident nicht, der bombardieren lässt, weil er es kann. Trump hat keinen Plan für die Zeit nach den Raketen. In dieser seltsamen Anstalt, dem goldverzierten Weißen Haus, ist der Klinikleiter in Personalunion der am meisten problematische Patient. Er leidet an unheilbarer Hybris. Und er fühlt sich toll dabei", unterstreicht die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Das Magazin CICERO aus Berlin findet: "Bei der Kritik an den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran geht es nicht um das Völkerrecht, da schwingt ein gewisser Antiamerikanismus mit und das, was man euphemistisch 'Israelkritik' nennt.“
Anlässlich des Internationalen Frauentags am Sonntag fragt die PFORZHEIMER ZEITUNG: "Wie belastbar ist die hart erkämpfte Emanzipation in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung? Dass auf Phasen progressiver Politik Zeiten der politischen Gegenbewegung folgen, lässt sich derzeit weltweit beobachten. Bei den Vereinten Nationen wird offen von Rückschritten gesprochen. Gleichstellungspolitik, lange selbstverständlicher Bestandteil moderner Demokratien, scheint zum Auslaufmodell zu werden. Dabei geht es bei dieser Debatte um weit mehr als um politische Symbolik: Es geht um Teilhabe, wirtschaftliche Unabhängigkeit und Schutz vor Gewalt. Der 8. März erinnert daran, dass Gleichberechtigung nie geschenkt wurde. Sie wurde politisch erstritten – und muss politisch verteidigt werden", mahnt die PFORZHEIMER ZEITUNG.
Die NÜRNBERGER ZEITUNG kritisiert: "Ein einseitig linker, auf traditionelle Feindbilder fixierter Feminismus, wie er mit dem Internationalen Frauentag zelebriert wird, kann der Komplexität globaler weiblicher Befindlichkeiten und Bedürfnisse nicht gerecht werden. Zugleich weist er Frauen eine auf Dauer demütigende Opferrolle zu, macht sehr männliche Karriere-Definitionen zum Maßstab des Erfolgs und diskriminiert jene, die sich bewusst für eine traditionelle Rolle in Haushalt und Erziehung entscheiden", meint die NÜRNBERGER ZEITUNG.
"Frauen hierzulande und weltweit erleben systematisch Gewalt – doch stehen sie oftmals hilflos alleine da", beklagt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder): "Umso wichtiger, dass Gewalt gegen Frauen öffentlich thematisiert und Lösungen der Politik eingefordert werden – was am Sonntag zum Frauentag hoffentlich nicht nur zahlreiche Frauen auf die Straße drängt, sondern auch viele Männer. Denn statt Blumen und Glückwünschen wäre Sicherheit ein weitaus bedeutenderes Geschenk."