
Dazu schreiben Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN: "Das Wahljahr ist lang. 2026 wählen außer Baden-Württemberg noch Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Die verunsicherte CDU unter Kanzler Merz hatte ihre ganze Hoffnung darauf gesetzt, den Grünen die Stuttgarter Staatskanzlei abzujagen und mit diesem Sieg im Rücken in die folgenden Wahlgänge zu gehen. Die Operation Rückeroberung, auf die Manuel Hagel und seine Südwest-CDU so viele Hoffnungen gesetzt hatten, ist gescheitert", bemerken die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN, zu denen unter anderem die PASSAUER NEUE PRESSE zählt.
Zu den Rufen aus der Bundes-CDU nach einer Ämterteilung an der Spitze der künftigen Landesregierung schreibt die ALLGEMEINE ZEITUNG aus Mainz: "Es sei der CDU in Baden-Württemberg dringend geraten, alle Forderungen nach einer Doppelspitze oder einer paritätischen Teilung der Macht rasch wieder einzupacken. Schlechte Verlierer mag das Wahlvolk nicht, und schlechte Verlierer machen selten gute Politik."
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER spricht von Störfeuern aus Berlin. "Es ist Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken. Die CDU ist die Nummer 2 in Baden-Württemberg. Manuel Hagel hat die Wahlschlappe mit echter Größe auf seine Kappe genommen. Das sollte honoriert werden, besonders weil sein Ergebnis eine echte Koalition auf Augenhöhe ermöglicht."
Die Zeitung DIE WELT befasst sich mit der CDU näher: "Der Eindruck verfestigt sich, dass die CDU in Baden-Württemberg wie im Rest des Landes eigentlich eine Partei sein will, die nicht mehr so ist wie zu Zeiten Angela Merkels. Aber sie ist weiterhin genau das. Nur ohne Merkel an der Spitze. Wenn die Partei so weitermacht, wird sie in zehn Jahren so dastehen wie die SPD jetzt. Die große Gefahr für die Christdemokratie sind nicht nur die politischen Ränder, die Populisten, das Anwachsen von AfD und Linken. Die große Gefahr ist, dass die CDU in der Mitte erodiert, dass sich dort dauerhaft erst die Grünen ausbreiten und dann andere. Und alle werden erzählen, sie seien 'die Mitte'." Wir zitierten DIE WELT.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU nennt Gründe für das schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten: "Der SPD fehlt es an Biss, Courage und Ausstrahlung. Ihr Desaster im Südwesten ist nicht durch das Wettrennen von CDU und Grünen oder durch die AfD verursacht worden. Dieses Debakel ist hausgemacht."
Das Portal T-ONLINE hält fest: "Nur fünf bis sieben Prozent der Arbeiter machten ihr Kreuz bei der SPD. Bei solchen Werten müssten im Willy-Brandt-Haus eigentlich seit Sonntagabend ununterbrochen die Alarmglocken schrillen. Nicht der Kurs des Pragmatikers Lars Klingbeil wurde bei der Wahl abgestraft, sondern seine wenig glaubwürdige Umsetzung. Wenn die SPD daraus nicht die richtigen Lehren zieht, wird der Absturz weitergehen."
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER erläutert: "Die SPD hat versagt, weil sie viele Menschen in diesen aufgewühlten nationalen und internationalen Zeiten nicht mehr erreicht. Nach den Wahlergebnissen ist sie sowohl im Bund als auch in vielen Ländern keine Volkspartei mehr. Überhaupt kommen Zweifel über Volksnähe in ihren Reihen auf. Der Absturz in Stuttgart könnte das allerletzte Warnsignal für die Bundespartei vor dem schleichenden Untergang sein."
Das HANDELSBLATT blickt auf die AfD: "Sie hat in Baden-Württemberg ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in einem westdeutschen Bundesland erzielt und damit ein politisches Signal gesetzt, das weit über Prozentpunkte hinausreicht. Es ist mehr als eine Momentaufnahme: Es ist Ausdruck einer fortschreitenden Normalisierung, die selbst durch handfeste Skandale kaum zu bremsen ist. Die Partei fischt nicht mehr nur am rechten Rand. Dass fast ebenso viele Wähler von der FDP wie von der CDU zur AfD wechseln, verweist auf eine tiefe Entfremdung im wirtschaftsliberalen und wertkonservativen Spektrum. Die AfD profitiert dort, wo Union und Liberale an Profil verloren haben", analysiert das HANDELSBLATT.
Aufmerksamkeit erhalten auch die Freien Demokraten. Der MÜNCHNER MERKUR führt aus: "Dass die FDP nicht mal mehr in ihrem Stammland den Sprung in den Landtag schafft, sollte auch dem Letzten zu verstehen gegeben haben: Mit Christian Dürr, dem uncharismatischsten Anführer in der Geschichte der FDP, sind die Liberalen chancenlos."
Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg formuliert es so: "Dass die Wähler in ihrer übergroßen Zahl die Partei von Theodor Heuss, von Hans-Dietrich Genscher, von Hildegard Hamm-Brücher, Gerhart Baum oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger für verzichtbar halten, wirkt erschütternd. Allerdings haben die Erben dieser Partei-Granden kaum mehr etwas mit den liberalen Wurzeln der Partei zu tun."
Nun in den Iran. Dort ist mitten im Krieg Modschtaba Chamenei, der Sohn des getöteten Ajatollahs, zum neuen religiösen und staatlichen Oberhaupt gewählt worden. Für die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG ist dies "... ein unmissverständliches Signal, dass das Regime nicht ans Aufgeben denkt. Das Venezuela-Modell hat bisher nicht funktioniert in Iran. US-Präsident Trump konnte trotz massiver Luftschläge nicht verhindern, dass die Führung des Landes an einen Mann überging, den er ausdrücklich abgelehnt hatte. Wird sich daran etwas mit zunehmender Dauer des Krieges ändern? Es dürfte auf beiden Seiten auch von technischen Voraussetzungen abhängen, Stichwort Munition. Jede Seite hat aber einen strategischen Nachteil. Die Iraner verlieren an Schlagkraft, wenn ihnen immer mehr Waffen weggeschossen werden. Die amerikanisch-israelische Allianz wiederum kann den Lauf der Dinge ohne Bodentruppen nicht ausreichend kontrollieren. Im Grunde ist auch Trump wieder mit einer Situation asymmetrischer Kriegführungen konfrontiert, an der der Westen in jüngerer Zeit so oft gescheitert ist. Iran ist seinen Angreifern weit unterlegen und weicht deshalb auf andere Ziele aus: Amerikas Verbündete, die globalen Ölmärkte, letztlich die öffentliche Meinung in den USA. Ausgang offen", konstatiert die F.A.Z.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt zu Modschtaba Chamenei: "Klar ist, dass es keine echte Wahl war. Nicht die Kleriker bestimmten, sondern die Revolutionsgarde. Die Islamische Republik ist eine Militärdiktatur geworden, mit Chamenei als Erbverwalter, als Symbolfigur für Kontinuität. Bisher hat sich Chamenei nicht gezeigt. Würde er öffentlich auftreten, müsste er um sein Leben fürchten. Israel hat angekündigt, auch ihn zu töten. Schon allein deshalb wird Chamenei der Jüngere kaum die Rolle seines Vaters übernehmen können. Fürs Erste bleibt er, was er seit Jahren ist: ein Phantom. Und ein Symptom für ein scheiterndes, aber noch nicht gescheitertes System." Das war die Einschätzung der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.
Zum Schluss noch ein Schlaglicht auf die Türkei. Dort hat der Hauptprozess gegen den früheren Istanbuler Bürgermeister İmamoğlu begonnen. Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG warnt vor einer Zäsur für die Demokratie in dem Land. "Sollte es zu einer Verurteilung kommen, stünde mehr auf dem Spiel als das Schicksal eines einzelnen Oppositionspolitikers – es geht um die Frage, ob in der Türkei demokratische Grundregeln überhaupt noch existieren. Seit über 20 Jahren ist die AKP von Erdogan an der Macht. Doch die Popularität der Erdogan-Partei zeigt Risse. Imamoglu, eine der prominentesten Figuren der Opposition, ist so zu einem ernsthaften Herausforderer für Erdogan geworden. Jetzt sitzt er seit einem Jahr in Haft. Ihm wird unter anderem Korruption vorgeworfen. Die Forderungen der Staatsanwaltschaft wirken absurd: Mehr als 2.000 Jahre Haft, obwohl bislang nur fadenscheinige Beweise für die Korruptionsvorwürfe vorliegen. Erdogans Ziel, das ist kein Geheimnis, ist nicht nur Imamoglu politisches Ende. Er will, dass die CHP, die laut aktuellen Umfragen stärkste Partei ist, keine Wahl mehr gewinnen kann", schlussfolgert die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
