
"Volkswagen war einst das Symbol für das Wirtschaftswunder. Jetzt droht der Konzern zum Symbol für den Niedergang des Industriestandorts Deutschland zu werden. Zumindest, wenn die Verantwortlichen nicht schnell und mutig handeln. Volkswagen wankt – unter dem Verlust der Technologieführerschaft bei E-Autos an chinesische Konkurrenten, unter US-Strafzöllen und nicht zuletzt unter eigenen Strategiefehlern."
Die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen sieht hohe Kosten für Material, Personal und einen Strategiewechsel als Belastungen für den Konzern: "VW streicht hierzulande Jobs, die vorerst nicht zurückkommen. Nach China und – wegen der US-Zollpolitik – in die USA hat VW weniger Autos verkauft. Gerade China schmerzt. Die Konkurrenz dort macht den lange verwöhnten Wolfsburgern zu schaffen; mit weltweit erfolgreichen E-Autos etwa von BYD, Wey oder Geely. VW steuert mit der Strategie „In China für China“ dagegen – bei der Produktion und in Zusammenarbeit mit chinesischen Firmen auch bei der Entwicklung. Das hilft dem Weltkonzern global, dem Standort Deutschland – auch vielen Zulieferern hier – allerdings nur bedingt", glaubt die RHEINPFALZ.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU hält fest: "Von einem 'nicht funktionierenden Geschäftsmodell' ist die Rede und einem 'Transformationsprogramm'. Aber der Inhalt bleibt nebelhaft. Wenn die Umwälzung so groß ist wie die Worte, stehen unruhige Zeiten ins Haus. Sicher ist jedenfalls neue Unruhe. An der Basis wird die Sorge vor Entlassungen und Werksschließungen schwelen, und im Management wird man sich fragen, wie das nun ist mit dem Geschäftsmodell. VW hat ja anscheinend keins", konstatiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die FREIE PRESSE aus Chemnitz macht sich Sorgen um die VW-Beschäftigten in Zwickau-Mosel: "Was soll werden, wenn die Beschäftigungsgarantie abläuft? War die Entscheidung des Managements falsch, in dem Werk so früh ausschließlich auf E-Antriebe zu setzen? Das wird sich erst zeigen. Mit großer Sicherheit aber war es falsch, viel Energie in Lobbyarbeit für den Verbrenner zu stecken und weniger Energie in die Entwicklung bezahlbarer E-Autos."
In der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG ist zu lesen: "Volkswagen stand lange für Deutschlands Wohlstand. Jetzt steht Volkswagen für Deutschlands Siechtum. Kann Volkswagen die Kurve noch kriegen? Vielleicht, aber dafür müssten sich die Wolfsburger auf alte Stärke zurückbesinnen und wettbewerbsfähige Wagen bauen, die weltweit wieder für Perfektion und Innovation stehen. Und das geht weder mit einer 35-Stunden-Woche noch mit horrenden Gehältern für Manager, die zu wenig abliefern. VW bräuchte Macher und ein Aufbrechen der verkrusteten Machtstrukturen, in denen Land und Gewerkschaften nicht immer hilfreich agieren. Aber realistisch – so ehrlich muss man sein – klingt das nicht", urteilt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Und damit zum nächsten Thema: Dem Ausgang der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG attestiert der CDU einen "interessanten Umgang mit ihrer Wahlniederlage": "Einerseits gratulierten Bundeskanzler Merz und Spitzenkandidat Hagel auf vorbildliche Weise. Andererseits klingen führende Christdemokraten so, als hätte die CDU gar nicht verloren, sondern eine Art Unentschieden errungen. Das Ergebnis sei so knapp, dass sich daraus kein eindeutiger Führungsanspruch für eine Partei ableite, heißt es. Und schon hat CDU-Fraktionschef Spahn auch eine Lösung parat: Özdemir und Hagel könnten sich nach einer gewissen Zeit als Ministerpräsident abwechseln. Spahn dürfte klug genug sein, um zu wissen, dass es so nicht laufen wird", ist sich die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG sicher.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG vermerkt: "Es war ein geschickter Schachzug von Jens Spahn, dass er, um den Preis für eine Koalition hochzutreiben, auf den Gleichstand der Mandate zwischen CDU und Grünen im neuen Landtag hinwies und daraus den Schluss zog, das Amt des Regierungschefs laufe nicht automatisch auf Özdemir zu. Aber verloren ist verloren, wenn auch nur mit einem halben Prozentpunkt. Verloren haben aber auch all die Wähler, die den Grünen misstrauen. Die CDU sollte sich nun wenigstens darum bemühen, den grünen Lastenrädern zu zeigen, was ein Porsche ist", empfiehlt die F.A.Z.
Die STUTTGARTER NACHRICHTEN notieren: "Für die CDU wird es nun Zeit, aus dem Schützengraben herauszusteigen. Die Forderung nach Neuwahlen kann nicht ihr Ernst sein, das wäre Wasser auf den Mühlen der Rechtsextremen. Und auch eine Rotation im Ministerpräsidentenamt erscheint abwegig. Umso wichtiger ist es, dass Hagel und Özdemir ein vernünftiges Verhältnis zueinander aufbauen. Während Kretschmann in der CDU fast schon Verehrung genoss, erfährt Özdemir eine mitunter brutale Abneigung. Woran das liegt, darüber kann man nur spekulieren. Die CDU tut sich damit keinen Gefallen. Schon gar nicht dem Land", bemängeln die STUTTGARTER NACHRICHTEN.
Das Magazin CICERO schlägt vor, dass die Grünen alleine regieren sollten: "Eine von der CDU mit Einschränkungen tolerierte grüne Minderheitsregierung widerspräche keineswegs dem Wählerwillen. Schließlich ergaben alle Umfragen vor und nach der Wahl, dass die Bürger zwischen Mannheim und dem Bodensee Özdemir in der Staatskanzlei sehen wollen. Das wäre keine sonderlich stabile Konstellation. Aber Minderheitsregierungen bedeuten nicht den Untergang eines Landes. Ganz abgesehen davon: Kein Gesetz – weder geschrieben noch ungeschrieben – verpflichtet den Wahlverlierer, dem Wahlsieger das Leben leicht zu machen." Soviel von CICERO und soviel zu diesem Thema.
Und damit zum Iran-Krieg und US-Präsident Trump. Die MEDIENGRUPPE BAYERN titelt: "Völlig verzettelt. Erstmals hat Donald Trump ein baldiges Kriegsende im Iran in Aussicht gestellt − ohne jedoch wirklich konkret zu werden. Der Energiemarkt dankte es ihm trotzdem: Der Preis für Rohöl sank deutlich, auch die Börsen erholten sich. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass der US-Präsident keinen Plan für den Krieg in Nahost hat, aber langsam wahrnimmt, welchen wirtschaftlichen Schaden sein Krieg anrichtet. Nur fehlt die berühmte Exit-Strategie", kritisiert die MEDIENGRUPPE BAYERN, zu der unter anderem der DONAUKURIER zählt.
"Der Iran-Krieg sei so gut wie vorbei, sagt US-Präsident Donald Trump. Das erscheint als kühne Ankündigung", befindet die SÜDWESTPRESSE aus Ulm. "Bislang gibt es aber keinen Anhaltspunkt dafür, dass das iranische Regime wanken würde. Weiterhin schlagen dessen Raketen und Drohnen in den umliegenden Ländern ein. Und trotz aller Geheimdienst-Kniffe von Israel und den USA wurde mitten im Krieg sogar ein neuer oberster Führer gekürt."
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf nennt "Trumps Satz durch nichts belegt, auch wenn er ihn mit herben Schlägen gegen Irans Militär begründet hat. Doch die Straße von Hormus ist weiterhin dicht, die Angriffe gehen von beiden Seiten unvermindert weiter und eine Aussicht auf Verhandlungen gibt es nicht. Hinzu kommt, dass Israels Regierungschef Netanyahu Trump explizit widersprochen und Israels Schläge gegen Iran als noch nicht fertig bezeichnet hat."
Und das HANDELSBLATT stellt heraus: "Der amerikanische Präsident fordert vom Iran die bedingungslose Kapitulation. Das zeigt, dass er in den Krieg gegen ein Land gezogen ist, das er nicht versteht. Wie alle Menschen will auch Irans Führungriege leben. Verluste – selbst des religiösen und politischen Oberhaupts – wird die Elite hinnehmen. Egal, wie viele Opfer es jetzt fordert, das Regime wird weiterkämpfen – zumal es um die Existenz der Islamischen Republik geht."
