
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU zeigt sich irritiert, dass noch immer kein Ende des Krieges in Aussicht ist - im Gegenteil: "Regierungschef Netanjahu erweitert den Konflikt sogar noch durch die Angriffe gegen die Hisbollah im Libanon. Er strebt das Ende des Nahen Ostens an, wie wir ihn kennen. Dass er die Feinde Israels schwächen will, ist zwar nachvollziehbar. Doch besiegen kann er sie nicht, weshalb das Ziel einer größeren Sicherheit für sein Land nicht erreicht wird. Europa und die anderen Staaten der Welt haben kaum Einfluss auf das Kriegsgeschehen. Sie müssen sich nach dem Ende der regelbasierten Weltordnung erst noch zurecht finden und sich wappnen für eine Welt, in der Trump mitverantwortlich dafür ist, dass das Recht des Stärkeren wieder gilt", urteilt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Das Magazin CICERO konzentriert sich auf die Auswirkungen des Krieges in der Region und stellt fest: "Die arabischen Golfstaaten sehen sich mit beispiellosen Angriffen konfrontiert, die bereits jetzt ihr strategisches Umfeld verändern. Diese energiereichen Nationen, die lange Zeit als Oasen der Stabilität in der volatilsten Region der Welt galten, haben internationale Investitionen angezogen und sind zu wichtigen Drehkreuzen für den globalen Flugverkehr geworden. Bis zu diesem Konflikt war ein Krieg mit dem Iran weitgehend ein theoretisches Risiko, das ihre Fähigkeit zum Export von Öl und Gas durch die Straße von Hormus gefährden könnte. Nun, da diese Bedrohung real ist, gibt es Befürchtungen, dass Angriffe zu einem wiederkehrenden Phänomen werden könnten." Das war der CICERO.
Welche Lehren wird der Iran aus dem Krieg ziehen? Das fragt sich die FREIE PRESSE aus Chemnitz, und vermutet: "Hardliner in Teheran fühlen sich stark und dürften Lehren aus dem bisherigen Kriegsverlauf ziehen. Eine Lehre ist die Erkenntnis, dass ein riesiges Arsenal an Raketen und Drohnen selbst gegen die modernsten Streitkräfte der Welt wirksam ist. Der Iran wird deshalb nach dem Krieg nicht ab- sondern weiter aufrüsten. Die weitere Lehre der iranischen Hardliner lautet, dass sich Angriffe auf die arabischen Golfstaaten lohnen. Auch im Verhältnis zwischen den arabischen Staaten und den USA wird nichts mehr so sein wie vorher. Trump hat seine Verbündeten am Golf zu Opfern eines Krieges gemacht, den sie nicht wollten und der sie wirtschaftlich zurückwirft. Trump und Netanjahu hatten sich den Iran-Feldzug als Spaziergang vorgestellt. Doch der Krieg wird zum Horrortrip", unterstreicht die FREIE PRESSE aus Chemnitz.
Durch den Krieg in Nahost sind erneut viele Menschen aus der Region auf der Flucht. Die STUTTGARTER ZEITUNG kommentiert mögliche Auswirkungen auf Europa: "Die Lage erinnert fatal an 2015: In Europas Hinterhof tobt ein Konflikt, der Menschen in die Flucht treibt. Damals war das der Bürgerkrieg in Syrien, heute sind es die Angriffe auf den Iran. In den vergangenen zehn Jahren kamen eine Million Syrer allein nach Deutschland. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber: Die Verhältnisse unterscheiden sich sehr. Viele Iraner hoffen auf einen Regimewechsel in Teheran – ein Motiv, der Heimat erst einmal nicht den Rücken zu kehren. Zudem sind die Fluchtwege aus dem Nahen Osten nach Europa weitgehend versperrt. Insofern gibt es Gründe, die Risiken nicht aus dem Blick zu verlieren. Aber keine Gründe für Panikmache", meint die STUTTGARTER ZEITUNG.
Im Iran wurde mutmaßlich durch US-amerikanische Angriffe auch eine Mädchenschule getroffen. Knapp 200 Menschen wurden getötet. Die Zeitung ND DIE WOCHE schreibt dazu: "Die Entmenschlichung ziviler Opfer wurde und wird bis heute betrieben, sei es beim Reden über den Afghanistan-Einsatz der Nato oder über den israelischen Krieg in Gaza. Vielfach wird ihnen gar eine Mitschuld am eigenen Tod zugeschrieben. Wer aber in Washington oder Jerusalem residierende Verbrecher dafür feiert, dass sie eine andere Verbrecherbande dezimieren, wer also das Völkerrecht verlacht, ist nicht zivilisierter als weggebombte Tyrannen. Denn die Angreifer nehmen bei jeder 'Operation' den Tod Hunderter in Kauf, die sie doch angeblich von ihren Diktatoren befreien wollten." Das war ND - DIE WOCHE.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG wertet den Vorfall anders, und meint: "Ein entsetzlicher Fehler, dem weiter auf den Grund zu gehen ist, aber kein Verbrechen. Das darf eigentlich nicht passieren, passiert aber. Man erinnert sich an die versehentliche Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad 1999. Eines Landes wie der USA völlig unwürdig waren hingegen wieder einmal die Lügen ihres Präsidenten über die Urheber. Noch dazu dumme Lügen. Welche andere Kriegspartei verfügt über Tomahawk-Marschflugkörper?", fragt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG.
Themenwechsel: Angesichts der stark gestiegenen Spritpreise seit Beginn des Iran-Kriegs will Bundeswirtschaftsministerin Reiche Erhöhungen an Tankstellen nur noch einmal am Tag erlauben. Skeptisch äußert sich die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG: "Erfahrungen aus Österreich, das gerade als Vorbild dient, zeigen: Das Instrument ist ebenso populär wie unwirksam. Die Spritverkäufer finden natürlich Umwege, um trotz des Verbotes, mehrmals am Tag die Preisschraube hochzudrehen, maximalen Reibach zu machen. Billiger wird der Sprit aus anderen Gründen: Die Märkte hoffen ungeachtet aller Eskalationen auf ein nahendes Kriegsende. Alles andere bleibt letztlich Symbolpolitik, die Katherina Reiche, aber auch Friedrich Merz und Lars Klingbeil, am Ende nur auf die Füße fallen dürfte", warnt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm schreibt zur Bitte der Internationalen Energieagentur IEA an die 32 Mitgliedsländer, 400 Million Barrel Erdölreserven freizugeben. Die Entscheidung sei falsch gewesen, meint die Zeitung: "Ziel war es unter anderem, die drastisch gestiegenen Preise für Benzin und Diesel wieder zu senken – und es hat funktioniert. Zumindest am Mittwoch gaben die Preise an den Tankstellen etwas nach, sogar in Deutschland. Einen Tag später aber erreichte der Ölpreis einen neuen Höchststand, weil der Iran zwei Öltanker beschossen hatte. Das zeigt deutlich, dass der Ölpreis derzeit vor allem durch irrationale Entscheidungen zustande kommt. Die nur scheinbar rationale Entscheidung der Politik, an die Notreserven zu gehen, obwohl genügend Öl auf dem Markt ist, gehört sicherlich dazu", analysiert die SÜDWEST PRESSE.
Zum Schluss noch ein Blick auf folgendes Thema: Deutsche Ermittler sollen künftig biometrische Daten automatisiert mit öffentlich zugänglichen Fotos aus dem Netz abgleichen können. Die AUSBURGER ALLGEMEINE sieht das kritisch, weil sie befürchtet: "In die dafür notwendige Datenbank würden auch Fotos und Videos von Millionen Menschen einlaufen, die gar nicht verdächtigt werden. Nun kann man einwenden: Selbst schuld, wenn man diese Bilder öffentlich teilt. Aber so einfach ist es nicht. Nicht jedes Foto oder Video, das von einer Person im Netz existiert, wurde von ihr selbst hochgeladen. Von einer Demonstration beispielsweise werden unzählige Videos geteilt, auf denen nicht nur der Ersteller zu sehen ist, sondern meist auch ein Haufen Passanten. Auch sie gerieten in den Fokus staatlicher Ermittlungsalgorithmen. In einer Zeit, in der fast jeder eine Kamera mit sich herumträgt, ist die Sorge vor Überwachung berechtigt", meint die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
Auch der WIESBADENER KURIER hat sich anlässlich des Jubiläums des Bundeskriminalamtes mit der Datenspeicherung befasst. Dort heißt es: "Die richtige Balance zwischen Sicherheitserfordernissen und Freiheitsrechten zu finden, ist eine politisch immer wieder neu auszutarierende Frage. Ob vor diesem Hintergrund die anlässlich des BKA-Jubiläums verkündeten Pläne der Bundesregierung zur Sammlung und Auswertung von biometrischen Daten juristisch Bestand haben werden, wird sich zeigen müssen." Das war der WIESBADENER KURIER, mit dem die Presseschau endet.
