19. März 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Deutschlandfunk, die Presseschau

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) steht an einem Rednerpult im Deutschen Bundestag und gibt eine Regierungserklärung ab.
Bundeskanzler Merz gibt im Plenum des Deutschen Bundestags eine Regierungserklärung ab. (picture alliance/dpa/Christoph Soeder)
Heute mit Kommentaren zum Einfluss der Politik auf die Sprit- und Gaspreise in Deutschland, zum sogenannten Schulbarometer, das die psychische Stimmung von Kindern und Jugendlichen unter die Lupe nimmt, und zur Regierungserklärung von Kanzler Merz. "Trump tobt – und Friedrich Merz bleibt cool" - lautet das Resümee der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG: "Zuversicht mochte Merz nicht verbreiten, aber auch keine Panik. Über den Elefanten im Raum sprach er nicht: Donald Trumps unverhohlene Drohungen in Richtung NATO-Partner. Merz versuchte, es weniger dramatisch aussehen zu lassen, als es ist. Gleich mehrfach bot er den USA Hilfe und Zusammenarbeit an. Er signalisiert Offenheit, vermeidet offene Kritik. Und er bleibt erstmal cool gegenüber Trump. Sein Blick richtet sich auf Europa, das er zu mehr Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit ermuntern will. Was bleibt ihm gerade auch anderes übrig?", fragt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Lob kommt auch vom Kommentator der RHEINISCHEN POST aus Düsseldorf. "Merz redet in seiner Regierungserklärung gar nicht drumherum", heißt es dort. Allerdings befinde sich der Bundeskanzler auf einem klaren Konfrontationskurs mit Trump: "'Schockierend' und 'dumm': Mit diesen drastischen Worten keilte US-Präsident Donald Trump gegen die NATO-Partner zurück. Merz nimmt das diesmal in Kauf. Wohl wissend, dass damit auch neues Ungemach aus Washington drohen kann", bilanziert die RHEINISCHE POST.
Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg sieht Deutschland und Europa auf dem richtigen Kurs - vor allem angesichts der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten: "Trumps Ziele bleiben nebulös: Regimewechsel, Zerstörung nuklearer Anlagen oder bloße Machtdemonstration? Der US-Präsident riskiert nicht nur einen Flächenbrand im Nahen Osten, sondern gefährdet auch zentrale Handelsrouten und die Stabilität der Weltwirtschaft. Bundeskanzler Merz hat diese Entwicklung in seiner Regierungserklärung treffend eingeordnet. Trumps Attacken auf die NATO sind Ausdruck einer Erosion von Verlässlichkeit. Europa darf sich dieser Realität nicht länger entziehen. Wer auf eine Rückkehr zur alten Partnerschaft hofft, verkennt die Lage. Strategische Eigenständigkeit ist überfällig", fordert die SCHWÄBISCHE ZEITUNG.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt: "Merz sagt über sein Verhältnis zu Trump: Man dürfe sich nicht kleiner machen, als man sei." Die Zeitung gibt dabei aber zu bedenken: "In diesem Satz steckt auch die Aussage, dass Deutschland nun mal ziemlich klein ist - ohne die USA kann es sich nicht vor Russland schützen. Gleichzeitig hat Trump die NATO schon immer für einen Zirkel von Schnorrern gehalten. 'Wir wollen nicht, dass dieser Krieg zu einer Belastung für die transatlantische Partnerschaft wird', sagte Merz im Bundestag – wobei diese Belastung freilich längst besteht. Merz' Entgegenkommen besteht jetzt in einem Versprechen: Deutschland werde helfen – nach Kriegsende", fasst die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zusammen.
Und die OSTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG aus Dresden zeigt Verständnis, dass Deutschland und die NATO US-Präsident Trump jetzt nicht zur Hilfe kommen wollen: "In guten wie in schlechten Zeiten – so lautet das Versprechen westlicher Bündnispolitik. Donald Trump hat dieses Prinzip systematisch untergraben. Bereits zu Jahresbeginn sendete er mit der Drohung, Grönland zu annektieren, ein deutliches Signal an die europäischen Partner: Washington spielt nach eigenen Regeln. Kurz darauf führte er die USA ohne Abstimmung mit dem Kongress oder den Verbündeten in einen Krieg gegen Iran. Nun, in einer Phase der Schwäche, bittet Trump ausgerechnet jene Partner um Unterstützung, die er zuvor verärgert, unter Druck gesetzt und übergangen hat. Die Bereitschaft, einem Amerika beizustehen, das sie zuletzt wie Gegner behandelte, ist begrenzt", stellt die OSTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG fest.
Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN beschäftigen sich mit den deutlich gestiegenen Spritpreisen und blicken dabei auf das Nachbarland Österreich: "Erst verschärfte Wien die Preiserhöhungs-Bremse drastisch – ein Instrument, das Deutschland nach jahrelangem Zögern kurz zuvor erst übernommen hatte. Jetzt geht man noch weiter und senkt die Mineralölsteuer. Eine wohltuende Vorbildfunktion erfüllt Kanzler Stocker auch in der Kommunikation: Der Staat dürfe nicht zum 'Krisenprofiteur' werden, mahnte er. Schließlich verdiene der Staat an jeder Preiserhöhung mit."
Auch der WESER-KURIER aus Bremen beschäftigt sich mit der Forderung nach einer Steuersenkung für Benzin und Diesel - hält diese aber für "nicht hilfreich": "Die Preise schießen zwar wie eine Rakete in die Höhe, sinken aber nur leicht wie eine Feder wieder zu Boden. Eine Steuersenkung würde dazu führen, dass die Mineralölkonzerne noch ein zweites Mal kräftig Kasse machen können. Deshalb dürfte es erheblich mehr bringen, dass die Kartellbehörden den Konzernen künftig ganz genau auf die Finger schauen", hofft der WESER-KURIER.
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: Auch die Gaspreise dürften bald deutlich steigen, befürchtet die Zeitung. Und macht dafür die Bundesregierung verantwortlich: "Es rächt sich, dass die Speicher schon zu Beginn des Winters 2025/26 historisch niedrige Füllstände aufwiesen; die Bundesregierung hatte die Vorgaben im Vertrauen auf neue Flüssiggasterminals in Wilhelmshaven, Stade, Brunsbüttel und Mukran auf Rügen leichtfertig gelockert. Die Folge: Es muss nun mehr und viel teureres Gas gebunkert werden. Zudem kommt über die Terminals fast nur US-Flüssiggas. Das ist angesichts des unberechenbaren und wegen des deutschen 'Neins' zum Iran-Krieg erbosten Donald Trump höchst gefährlich", gibt die Magdeburger VOLKSSTIMME zu bedenken.
Themenwechsel. Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg beschäftigt sich mit dem "Deutschen Schulbarometer", das die psychische Belastung von Schülerinnen und Schülern festhält. Erstmals seit der Corona-Pandemie gibt es demnach wieder einen Anstieg der psychischen Belastungen. Das sei ein "Warnschuss", hält die Zeitung fest und fordert einen Strategiewechsel: "Bislang begegnete man psychischen Problemen der jungen Bevölkerung mit einer gewissen Trägheit. Man könnte fast meinen, psychosoziale Hilfe sei ein Luxusgut – etwas, worauf man in Krisenzeiten eben verzichten muss. Das Gegenteil ist der Fall. Bei der Frage nach der zentralen Stellschraube, durch die sich Probleme in der Schule schlagartig bessern würden, sind sich Bildungsforschung, Schulleitungen und Lehrkräfte einig: multiprofessionelle Teams, also schnelle Einsatztruppen aus Lehrkräften und Fachleuten aus Sonderpädagogik und Schulpsychologie. Höchste Zeit also, den Warnschuss zu hören", mahnt die BADISCHE ZEITUNG.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG glaubt, ein Social-Media-Verbot, das in Zusammenhang mit psychischen Problemen von Jugendlichen oft diskutiert wird, sei nicht zielführend: "Die wichtigste Ursache für psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen sind prekäre Lebensverhältnisse, Armut und Stress in der Familie. Wer bedenkt, dass die Befragten die Pandemie und den Krieg in Europa und im Nahen Osten erleben und trotzdem zu 85 Prozent zufrieden sind und sich nicht belastet fühlen, wird den meisten eine robuste psychische Resilienz bescheinigen müssen", findet die FAZ.
Und die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG sieht die Lösung der Probleme in einer anderen Schulpolitik: "Schulen brauchen eine Kultur, in der Jugendliche nicht nur nach ihren Noten bewertet werden, sondern gefragt werden, wie es ihnen geht. Und was sie erwarten, um gern zu lernen. Wer die 'Bildungsrepublik' beschwört, muss aufhören, die junge Generation zu verschleißen. Und er muss sich auch hinter die Lehrer stellen, die ausbaden sollen, was in der Gesellschaft und in den Elternhäusern schiefläuft", heißt es in der LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG.