20. März 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Mit Kommentaren zum Krieg im Iran und dessen Auswirkungen auf Europa, zum Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel und zur Kritik an Kulturstaatsminister Weimer.

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG geht auf die iranischen Angriffe auf Öl- und Gasförderanlagen in der Golfregion ein: "Je höher der Öl- und Gaspreis, je größer die Schäden an den Förderanlagen, desto besser für Iran. Gegen diese asymmetrische Strategie, die das eigentlich hart getroffene Regime in Teheran immer noch mit einigem Erfolg praktiziert, haben US-Präsident Trump und Israels Ministerpräsident Netanjahu bisher kein Mittel gefunden. Die Wirkung der amerikanisch-israelischen Luftschläge sollte man nicht unterschätzen. Aber nur das im jahrzehntelangen Überlebenskampf gestählte Israel ist bereit, hohe Kosten in Kauf zu nehmen. Die Europäer sind raus, Trumps Wähler ungeduldig, Amerikas Verbündete am Golf immer wieder schutzlos - das iranische Regime hat noch nicht verloren", warnt die F.A.Z.
"Die Energiepreiskrise eskaliert", stellt DIE WELT fest. "Deutschland und den Rest der EU treffen die Auswirkungen des Kriegs immer stärker. Dabei geht es längst nicht mehr allein um die Energieversorgung, sondern infolge der gerissenen Lieferketten um noch viel weitreichendere Folgen für hiesige Unternehmen und Konsumenten. Der Bundeskanzler spricht zu Recht von einem Sturm, der nicht einfach an Deutschland vorbeiziehen werde. Die gesamte Bevölkerung muss sich darauf einstellen, dass dieser Großkonflikt erhebliche Wohlstandsverluste für die Volkswirtschaft mit sich bringt", glaubt DIE WELT.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER führt an: "Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez brauchte beim EU-Gipfel in Brüssel nur zwei Zahlen, um seinen Kollegen den Spiegel vorzuhalten. Mehr als 100 Euro kostete am Wochenende eine Megawattstunde Strom in Deutschland, Italien und Frankreich. In Spanien: 14 Euro, weil das Land schon früh massiv auf erneuerbare Energien gesetzt hat. Die beiden Zahlen erzählen mehr über Europas Probleme und Zukunft als jedes Strategiepapier. Was viele nach dem russischen Überfall auf die Ukraine schon hätten begreifen müssen, muss nun, unter dem nächsten Schock, erneut buchstabiert werden: Wer seinen Energiebedarf zu 400 Milliarden Euro im Jahr aus dem Ausland deckt – aus Autokratien und Krisenregionen –, der finanziert seine eigene Abhängigkeit", unterstreicht der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU kritisiert: "Die EU zeigt auch bei diesem Gipfel, dass sie noch weit davon entfernt ist, das viel beschworene Ziel von Einigkeit und Stärke zu erreichen. Bestenfalls kommt sie dieser Absicht mit umstrittenen, aber wenig überzeugenden Kompromissen näher. Dieses Handlungsmuster findet sich auch bei der Hilfe für die Ukraine. Das beschlossene Paket für Kiew stellte der ungarische Regierungschef infrage, was die Hilfeempfänger verständlicherweise nervös macht. Ihnen droht schon bald das Geld auszugehen, was den Kampf gegen den russischen Aggressor nicht leichter macht. Das ist kein gutes Menetekel. Denn die Regierung Trump dürfte die Kosten für die Hilfen für das überfallene Land noch stärker als ohnehin schon auf die europäischen Verbündeten der Ukraine abwälzen. Und die können das nur stemmen, wenn sie noch mehr Ressourcen mobilisieren", schreibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
"Wieder einmal hat die EU sich von dem Trickser aus Budapest an der Nase herumführen lassen", heißt es in der LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG. "Man hätte ihn längst kaltstellen müssen, etwa mit der Aussetzung von Stimmrechten nach Artikel 7. Solange Orban mit einem einzigen Veto Milliarden für die Ukraine und Sanktionsentscheidungen aufhalten kann, ist die Erpressung längst real. Ungeniert droht der Ungar weitere Blockaden an, falls sein Land kein billiges russisches Öl über die Druschba-Pipeline bekomme. Die EU muss also einen anderen Weg finden, den nahenden Staatsbankrott der Ukraine abzuwenden. Und hoffen, dass sich das lange Kapitel Orban mit der ungarischen Parlamentswahl in gut drei Wochen erledigt hat", vermerkt die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG.
Auch die VOLKSSTIMME aus Magdeburg meint: "Viktor Orban, Großmeister der populistischen Provokation, ist diesmal zu weit gegangen. Wenn aus der Blockade-Drohung die Sabotage des Brüsseler Klubs bei der Ukraine-Hilfe wird, hat er den Bogen überspannt. Einmal mehr stolpert die Gemeinschaft so über das Einstimmigkeitsprinzip bei Top-Entscheidungen. Also muss an dieser Stelle das Europas Regelwerk geändert werden, um solche Querschüsse auszuschließen. Dass der Ungar immer wieder allerdings die Kollegen und die EU-Führung zum Narren hält, hat auch mit Brüsseler Personal zu tun. Ließ sich Orban von einem Kommissionschef Jean-Claude Juncker noch zu manchem Einlenken bewegen, passiert das bei Ursula von der Leyen eben nicht", beobachtet die VOLKSSTIMME.
"Orban steht unter mehr Druck denn je", notiert der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER. "In seiner Not hat er Brüssel als Hauptgegner ausgerufen. Helfen wird es ihm nicht, denn diesmal werden die EU-Staaten für Orban keine Ausnahme machen. Zu groß ist die Chance, dass Mitte April mit Peter Magyar ein deutlich angenehmerer Verhandlungspartner an den Tisch kommt. Zudem wünschen sich viele, dass Orban endlich die Quittung für seine jahrelangen antidemokratischen und antieuropäischen Spielchen bekommt. Dass er es jetzt nicht einmal mit Erpressung schafft, das russische Öl wieder zum Fließen zu bringen, zeigt der ganzen Welt seine Machtlosigkeit. Und machtlose Präsidenten werden selten wiedergewählt", argumentiert der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
Nach zahlreichen Buhrufen bei einem Auftritt von Kulturstaatsminister Weimer zum Auftakt der Leipziger Buchmesse kommentieren mehrere Zeitungen die Kritik an dem parteilosen Politiker. Das Magazin DER SPIEGEL überlegt: "Weimers Vorgängerinnen und Vorgänger im Amt hätten wahrscheinlich aufgegeben, hätten sie gemerkt, dass sie fast die gesamte Kulturwelt gegen sich aufgebracht haben. Aber die verstanden sich auch als kritische Fürsprecher der Kultur, Wolfram Weimer hingegen sieht sich als deren strenger Maßregler. Je mehr offene Briefe gegen ihn aufgesetzt werden und Buhrufe bei Filmpremieren ertönen, desto mehr scheint sich sein Verständnis von Politik und Kultur als Gegner zu verhärten. Machte er kohärente konservative Kulturpolitik, ergäbe das vielleicht noch Sinn. Doch Weimer macht keine Politik, er produziert nur: Worte", meint DER SPIEGEL.
Der Berliner TAGESSPIEGEL fragt: "Wie lange kann Weimer, der zu seiner einzigen Entschuldigung höchstens einmal sagt, er käme eben nicht aus der Politik, so eine dilettantisch anmutende Kulturpolitik weiterführen? Was ist eigentlich seine Agenda, so er denn wirklich eine hat? Als Kulturkämpfer wurde er bei seiner Amtseinführung vielfach verschrien, auch wegen seines 'konservativen Manifests', das er 2018 veröffentlicht hatte, mit 'zehn Geboten für die Bürgerlichkeit'. Weimer jedoch versteht sich als Kämpfer für die Kultur, steht aber tatsächlich inmitten der nicht zuletzt von ihm selbst ausgelösten Kulturkämpfe", schreibt der TAGESSPIEGEL.
Die TAGESZEITUNG - TAZ betont: "Bei allem Verständnis für die Empörung über den von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer vorangetriebenen Umbau der Kulturpolitik zu einer Art Kontrollregime – es bleibt ein Unbehagen zurück, das selbst sein Rücktritt nicht aufheben würde. Geübte Politikbeobachter werden einwenden, dass dieser ohnehin nicht wahrscheinlich ist, obwohl Weimer sich so viel Unmut zugezogen hat wie kein Amtsvorgänger zuvor. Es wäre falsch, den Fall Weimer lediglich als missratene Personalie abzutun. Ganz sicher ist er 'der falsche Mann', als den der Autor Claudius Seidl ihn in der Süddeutschen Zeitung entzaubert hat. Weit darüber hinaus stehen die Vorgänge jedoch im Zeichen einer kulturellen Krise, für die die passenden Begriffe abhandengekommen sind", findet die TAZ. Und damit endet die Presseschau.