
Der Berliner TAGESSPIEGEL ordnet die neue Altersvorsorge ein - und zwar anhand der Reaktionen: "Die Versicherungswirtschaft ruft 'Staatsfonds' und meint damit: unzulässige Konkurrenz. Verbraucherschützer hingegen sehen hier die Chance, ein kostengünstiges Standardprodukt zu etablieren, das den Namen verdient. Ein öffentlich organisiertes Basisprodukt kann Druck auf Preise und Transparenz erzeugen – aber es ersetzt nicht die Vielfalt eines funktionierenden Marktes.Interessant ist außerdem, was die Reform über das politische Selbstverständnis verrät. Die Frühstartrente – zehn Euro im Monat für Kinder – ist mehr als Symbolpolitik. Sie ist der Versuch, ein neues Narrativ zu schaffen: Vorsorge beginnt nicht erst mit dem ersten Gehalt, sondern mit der Geburt. Das ist klug gedacht und kommunikativ eingängig. Aber auch hier gilt: Zehn Euro sind ein Anfang, kein Konzept", lautet die Analyse des TAGESSPIEGELS.
"Warum nicht gleich so?", fragt die FRANKFURTER RUNDSCHAU: "Als Finanzminister Klingbeil seinen ersten Entwurf für die überfällige Ablösung der Riester-Rente vorlegte, waren die Banken und Versicherungen zufrieden – die Verbraucherschützer äußerten sich hingegen entsetzt. Schließlich hätten die Finanzinstitute weiter viel Geld mit der privaten Altersvorsorge verdienen und die Anlegerinnen und Anleger mit einer mageren Rendite abspeisen können. Dann legten die Finanzpolitiker der Koalitionsfraktionen von Union und SPD Hand an. Und siehe da: Nun maulen die Banken und Versicherungen – die Verbraucherschützer aber sprechen von einem Meilenstein. Das ist keine Übertreibung. Mit der Reform wird es in Deutschland erstmals eine attraktive private Altersvorsorge geben", lobt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Skeptisch, aber auch zuversichtlich blickt die Magdeburger VOLKSSTIMME auf das neue Altersvorsorge-Modell: "Angeboten wird eine ganze Palette von Verträgen. Wie die neuen Möglichkeiten angenommen werden, ist offen. Es wird auch davon abhängen, ob die Versicherer so fair mitmachen, wie es nötig ist, um Vertrauen zu schaffen. Altersarmut in Deutschland wird es allerdings weiter geben. Die Privatvorsorge, staatlich gefördert, kann aber dazu beitragen, mehr Menschen im Alter von finanziellen Nöten zu befreien", meint die VOLKSSTIMME.
Nach Ansicht der RHEIN-ZEITUNG gehört ein solches Modell nicht in die Hände der Privatwirtschaft: "Die Idee eines Staatsfonds nach schwedischem Vorbild für die Alterssicherung ist an sich ja nicht falsch. In Schweden wird ein Teil der Rentenbeiträge unter der Kontrolle des Staates am Kapitalmarkt angelegt, dadurch ist die Altersabsicherung besser und stabiler als in Deutschland. Wollte man sich das abschauen, sollte man dieses Element aber unter dem Dach der Rentenversicherung organisieren – und nicht als Teil der privaten Altersvorsorge", betont die RHEIN-ZEITUNG.
Die TAGESZEITUNG - TAZ - sorgt sich um die finanzielle Sicherheit der Verbraucher im neuen Altersvorsorge-System, denn - Zitat: "Gerade diesen Schutz fährt Schwarz-Rot zurück. Bei der Riester-Rentemuss der Anbieter garantieren, dass mindestens die eingezahlten Beiträgeund Zulagen erhalten bleiben. Bei den neuen Verträgen ist das anders.Kund:innen können nur zwischen Risikoklassen wählen. Damit verbunden istdas Versprechen, dass Bürger:innen so stärker von den Erträgen an denKapitalmärkten profitieren können. Faktisch wird das Kapitalmarktrisikoaber auf sie verlagert. Das ist schlecht. Wer ohnehin eine geringe Renteerwartet, kann es sich nicht leisten, etwas von seinem wenigen Kapital zuverzocken", argumentiert die TAZ.
Und die MÄRKISCHE ODERZEITUNG blickt auf die wirtschaftliche Situation der Menschen, während sie in eine private Altersvorsorge zusätzlich zur Rentenversicherung einzahlen: "Die Einkommensteuer darf im unteren und mittleren Einkommensbereich nicht mehr so stark ansteigen und auch die hierzulande hohe Teilzeitquote muss wieder sinken. Ein Land mit niedrigen Geburtenraten und wenig qualifiziertem Zuzug kann sich das nicht leisten, zumal die meisten Arbeitnehmer ihre Teilzeit eben nicht mit fehlender Kinderbetreuung oder der Pflege der Eltern begründen, sondern mit dem Wunsch nach mehr Freizeit." Soweit die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder).
Die finanziellen Belastungen durch den Iran-Krieg schmälern viele Haushaltskassen zusätzlich. Hohe Treibstoffpreise als Kriegsfolge thematisiert die PASSAUER NEUE PRESSE. In ihrem Kommentar beschreibt sie die Entwicklung in zehn Akten. Wir steigen im vierten Akt ein: "US-Präsident Donald Trump findet hohe Ölpreise super, weil die USA als Öllieferant viel Geld verdienen würden. Fünfter Akt: Die Spritpreise steigen auch an den US-Tankstellen, Trumps Beliebtheit sinkt. Sechster Akt: Die USA fordern von den Europäern und der NATO, militärisch tätig zu werden, damit der Ölpreis sinkt. Siebter Akt: Die Europäer erklären sich für nicht zuständig; die NATO betont, ein Verteidigungs- und kein Angriffsbündnis zu sein. Achter Akt: Trump tobt. Neunter Akt: Die USA verhandeln angeblich mit dem Iran, doch der weiß von nichts. Nun kommt wohl bald der zehnte Akt: Die Europäer helfen den USA – weil ihnen das Öl ausgeht", so das Szenario der PASSAUER NEUEN PRESSE.
Trump hat die Frist zur Öffnung der Straße von Hormus noch einmal verlängert und die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG fragt sich, "wer sich eigentlich durch Trumps Ultimaten mehr unter Druck gesetzt fühlt: das Regime in Teheran oder der Präsident selbst? Dass Trump die angedrohten Angriffe auf iranische Energieanlagen noch einmal verschiebt, und diesmal gleich um zehn Tage, begründet er mit gut laufenden Verhandlungen. Das sind wohlgemerkt Verhandlungen, von denen Iran behauptet, dass sie gar nicht stattfinden, zumindest nicht direkt. Was da wirklich hinter den Kulissen vor sich geht, lässt sich von außen nicht seriös beurteilen. Aber eines ist klar: Mit jedem Tag, den Trump sich selbst einen Aufschub gewährt, kann er eine Entscheidung über den Einsatz von Bodentruppen vertagen. Dieser hätte große Folgen, nicht nur militärisch, sondern vor allem auch innenpolitisch in den Vereinigten Staaten", warnt die F.A.Z.
Die Ulmer SÜDWEST PRESSE fühlt sich von der erneuten Fristverlängerung - Zitat - "fatal erinnert an Ende Februar," "als Trump in eine ebensolche Gesprächsphase hinein den Krieg entfesselte. Möglicherweise kauft er sich nur Zeit, bis zusätzliche Bodentruppen in der Region angekommen sind. Eines offenbart Trumps Vorgehen allerdings: Der Iran verfügt mit seinem Würgegriff um Öl- und Gasexporte aus der Golfregion momentan über einen überaus wirksamen Hebel im Krieg. Das Mullah-Regime erweist sich als widerstandsfähiger, als die USA und Israel es erwartet haben", unterstreicht die SÜDWEST PRESSE.
Noch einmal ins Inland zur Deutschen Bahn. Die AUGSBURGER ALLGEMEINE kommentiert die Bilanz des Konzerns für das abgelaufene Geschäftsjahr und stellt fest: "Die Deutsche Bahn könnte der Gewinner des Kostenschocks an den Zapfsäulen sein. Mit 63 Euro pro Monat ist das Deutschlandticket eine günstige Alternative für Pendler. Das ist weniger als ein Mal volltanken. Die Autofahrer könnten den Umstieg wagen und künftig mit dem Zug zur Arbeit fahren, wenn das Preisniveau für Benzin und Diesel anhaltend hoch bleibt. Für die Bahn kommt es jetzt darauf an, verlässlich zu sein und mögliche Neukunden nicht durch das dem Konzern eigene Chaos gleich wieder zu verprellen", so die Meinung der AUGSBURGER ALLGEMEINEN.
Diese Position vertritt auch ND.DERTAG aus Berlin, schränkt jedoch ein: "Nur wenn die Netzqualität nicht mehr nur quälend langsam steigt, kann sich auch die Pünktlichkeit spürbar verbessern. Und erst dann wird die Bahn ihr eigentliches Potenzial im Güter- sowie im Personenverkehr erschließen können. Wie groß dieses ist, zeigt die Tatsache, dass die Fahrgastzahlen von hohem Niveau aus weiter steigen, obwohl die Bahn alles dafür tut, neue Kunden abzuschrecken und alte Kunden zu verprellen." Mit diesem Kommentar aus ND.DERTAG endet diese Presseschau.
