07. April 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute mit Stimmen zur bevorstehenden Wahl in Ungarn, zum Iran-Krieg und zur Kandidatur von Wolfgang Kubicki für den FDP-Parteivorsitz.

Wolfgang Kubicki spricht nach seiner Wahl zu den Delegierten in Neumünster. Er hat einen grauen Anzug an ud eine rosa Krawatte.
Wolfgang Kubickis Kandidatur zum FDP-Vorsitz ist ein Thema unserer Presseschau. (dpa / Axel Heimken)
Der MÜNCHNER MERKUR begrüßt Kubickis Entscheidung. "Menschen wählen keine Parteiprogramme, sondern Menschen. Und sie mögen Typen mit Ecken und Kanten, die sich auch mal was trauen. Deshalb ist der im liberal-konservativen FDP-Flügel beheimatete Kubicki der Richtige für die Liberalen – und wohl auch der Einzige, der noch die Kraft hat, die Partei vor dem Untergang zu bewahren. Es wäre ein Fehler, würde sich das kleine Häuflein der übrig gebliebenen Liberalen vor dem Parteitag Ende Mai jetzt noch in einen Richtungsstreit stürzen. Die Parteinahme von Agnes Strack-Zimmermann für den NRW-Mann Henning Höne lässt solches befürchten. Ihr auf Kubickis Alter von 74 Jahren zielendes Argument, die FDP müsse von 'einer neuen Generation in die Zukunft geführt werden', sticht nicht. Erstens braucht, wer erst mal tot ist, sich nicht mehr den Kopf über künftige Generationen zu zerbrechen. Zweitens tritt Kubicki im Team mit dem 44-jährigen Bayern Martin Hagen an, der das Zeug hat, die Partei in ein paar Jahren selbst zu übernehmen", meint der MÜNCHNER MERKUR.
Auch das HAMBURGER ABENDBLATT hält Kubicki für eine gute Wahl: "Der bis dato stellvertretende Parteichef ist zwar für manche politische Beobachter weniger Aufbruch als vielmehr ein Rückgriff in die Mottenkiste, ein alter weißer Mann, der eine dem Tode geweihte Partei retten soll, ja, das letzte Aufgebot. Wahlen allerdings werden nicht in Redaktionsstuben oder Verbandszentralen entschieden, sondern an der Urne. Und da hat die FDP meist dann reüssiert, wenn ihr der Wind des Zeitgeistes ins Gesicht blies. Die Bundestagswahl 2025 hat gezeigt, wo die Zukunft der FDP liegt: nicht im linken Terrain bei Grünen und Sozialdemokraten, sondern eher zwischen Union und AfD. Die Rechnung ist einfach: Es gibt genug enttäuschte Christdemokraten und frustrierte AfD-Wähler, um die FDP wieder in die Parlamente zu tragen. Die Liberalen dürfen nun keinen Wettlauf des Populismus starten, sondern müssen sich auf ihre Kernkompetenzen besinnen: die Verteidigung des Rechtsstaates und eine wirtschaftsfreundliche Politik. Für beides steht Wolfgang Kubicki," findet das HAMBURGER ABENDBLATT.
"Kubicki steht für Liberalität, Marktwirtschaft, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit – also jene Themen, die man in ihren besten Zeiten mit der FDP verbunden hat", räumt der WESER-KURIER ein. Danach aber gibt das Blatt aus Bremen zu bedenken: "Für eines steht der 74-Jährige definitiv nicht: für einen neuen Aufbruch."
"Machtwillen sieht anders aus", titelt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG und führt aus: "Parteichef Dürr knickte ein, Strack-Zimmermann wollte nur mit Doppelspitze und Kubicki wirft seinen Hut erst jetzt in den Ring. Die Castingshow für den FDP-Vorsitz zeigt vor allem eines: Dieser Partei fehlt es an Politikern mit dem unbedingten Willen zur Macht."
"Die FDP steht 2026 an einem historischen Punkt: Entweder sie wird wieder zur echten demokratischen Alternative für die bürgerliche Mitte – oder sie verschwindet im politischen Museum", konstatiert die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg: "Während Union und SPD im Reformstau verharren und die AfD mit rechtsextremen Parolen die Wut der Enttäuschten kanalisiert, klafft in der Mitte eine gefährliche Lücke. Genau hier müsste die FDP ansetzen: als Kraft für Digitalisierung, Bürokratieabbau, solide Finanzen – und als klare Absage an jeden Flirt mit Extremisten."
Die jüngsten Drohungen von US-Präsident Trump gegen den Iran kommentiert der KÖLNER STADT-ANZEIGER: "Vor wenigen Jahren wäre dies kaum vorstellbar gewesen wären: Der amtierende US-Präsident nutzt in einem von ihm begonnenen Krieg gegen den Iran seine eigene Social-Media-Plattform Truth Social, um das Mullahregime nicht nur auf vulgäre Weise zu beleidigen, sondern auch mögliche Kriegsverbrechen öffentlich anzukündigen. Wenn die Straße von Hormus bis Dienstag nicht geöffnet sei, drohte Trump, würden die USA Brücken und Kraftwerke im Iran bombardieren. 'Öffnet die verdammte Meerenge, ihr Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben', schrieb der mächtigste Mann der Welt – im Original samt ausgeschriebenem 'F-Wort'. Und als wäre das nicht schon enthemmt genug, setzte Trump noch ein 'Gelobt sei Allah' hinterher. Eine Respektlosigkeit, die weit über den Iran hinaus in der muslimischen Welt für Empörung sorgt", heißt es im KÖLNER STADT-ANZEIGER.
"Falls Trump mit seinen wüsten Drohungen gegen den Iran versucht haben sollte, aus der verbalen Defensive im Krieg gegen das Mullah-Regime zu kommen, dann ist ihm das nicht gelungen", ergänzt die FRANKFURTER RUNDSCHAU: "Vielmehr scheint der US-Präsident nach der breiten Kritik an seiner Schimpfkanonade auch aus den eigenen Reihen so isoliert wie lange nicht. Seine verbalen Ausfälle scheinen zu zeigen, wie verzweifelt er nach einem Ausweg aus dem militärischen Konflikt sucht, bei dem seine Regierung seit Wochen auf der Stelle tritt und von einem Sieg weit entfernt ist. Wenig überzeugend ist auch, dass Trump sein Ultimatum zur Freigabe der Straße von Hormus erneut verschoben hat. Und die angedrohten Angriffe auf zivile Infrastruktur wie Kraftwerke und Brücken sind schlicht völkerrechtswidrig."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG fügt an: "Der US-Präsident schafft es nicht einmal, seine arabischen Verbündeten am Golf hinter sich zu scharen. Geschweige denn die europäischen Partner, denen er stattdessen mit dem Austritt aus der NATO droht. Nicht nur mit seinem Krieg im amerikanisch-israelischen Alleingang hat Trump jeden und alle verprellt. Sondern auch mit seinem tumben Einfordern militärischer Unterstützung. Das Bild, das der vermeintlich mächtigste Mann der Welt abgibt, ist jämmerlich", unterstreicht die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) richtet den Fokus auf die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs: "Der US-Präsident ließ das bereits verschobene Ultimatum an den Iran erneut verschieben und stößt neuerliche Drohungen von nochmals größerer Vernichtung aus. Er mag das für klug, weil unberechenbar, halten, doch die Händler an den internationalen Ölmärkten sehen es offenbar anders. Zumindest signalisieren die immer weiter steigenden Preise, dass sie eine schnelle oder gar erfolgreiche Lösung des Konflikts für unwahrscheinlich halten. Henry Kissinger wird die Einsicht zugeschrieben, dass schwächere Staaten nur aushalten müssten, um im Krieg gegen eine Supermacht erfolgreich zu bestehen. Danach handeln die Mullahs, darauf waren sie bereits vor dem planlosen Waffengang eingestellt. Trump hat das offenbar nicht berücksichtigt. Diesen Irrtum wird die Welt teuer bezahlen müssen", ist die MÄRKISCHE ODERZEITUNG überzeugt.
Zum Abschluss blickt die STUTTGARTER ZEITUNG auf den Wahlkampf von Ungarns Regierungschef Orban: "Wie beim widerrechtlich beschlagnahmten Geldtransport einer ukrainischen Bank, die die angebliche Finanzierung der Opposition durch Kiew belegen sollte, wirkt auch Orbans jüngste Wahlkampffinte unglaubwürdig. Zwei im serbischen Grenzgebiet zufällig aufgefundene Sprengstoffsätze, hektisch in Marsch gesetzte Sicherheitskräfte und Spuren, die nach Kiew führen sollen: Mit derart durchsichtig gestrickten Ablenkungsmanövern wird Orban die drohende Wahlschlappe kaum verhindern können. Zwar kann sich der Premier erstmals bei einem Urnengang der bedingungslosen Unterstützung von Washington und Moskau erfreuen. Doch sein jahrelang bewährtes Rezept, die Nation mit endlosen Verschwörungsmythen und Feindbildern hinter sich zu scharen, geht nicht mehr auf. Für immer mehr Ungarn, die ernüchtert ihre Auswanderung planen, sind keineswegs die EU, die Migration oder die Ukraine ein Problem, sondern die miese Wirtschaftslage, fehlende Perspektiven – und die Korruption im autoritären Fidesz-Staat."