09. April 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

In Rheinland-Pfalz haben CDU und SPD die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen beschlossen. Weiteres Thema in den Kommentaren ist das neue Wehrdienstgesetz. Im Mittelpunkt steht jedoch die zwischen dem Iran und den USA vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe.

Iranische Flagge liegt neben den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes nach den Anschlägen an der Sharif University of Technology in Teheran (Iran, 7.04.2026)
Kommentiert wird unter anderem die Waffenruhe im Iran-Krieg (Archivbild). (ATTA KENARE / AFP;)
Die TAGESZEITUNG - TAZ - erläutert: "Natürlich ist der Waffenstillstand nur ein erster Schritt und ein Spoiler könnte neben den noch offenen Fragen sein, dass Israels Premier Benjamin Netanjahu die Bekämpfung der Hisbollah im Libanon gleich ausgenommen hat. Das steht im Widerspruch zu Äußerungen des vermittelnden pakistanischen Premiers Shehbaz Sharif. Dass sich die Regierungen der USA und Irans jetzt beide als Sieger darstellen, liegt in der Natur des Konflikts, dabei sind Sieg und Niederlage klar verteilt. Denn den von Donald Trump verkündeten 'totalen und vollständigen Sieg' der USA gibt es nicht. Es ist sogar eher unwahrscheinlich, dass seine großmäuligen Maximaldrohungen gegen Iran das Regime in Teheran zum Einlenken bewegt haben", hält die TAZ fest.
Die HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE ALLGEMEINE aus Kassel ist überzeugt: "US-Präsident Trump war zu keiner Zeit bewusst, was er mit diesem Krieg an der Seite Israels eigentlich bewirken wollte. Am Anfang war vom Regimewechsel und der Verhinderung des iranischen Atombombenbaus die Rede. Nun müssen die USA unter Vermittlung Pakistans erneut über Teherans ewige Forderung verhandeln, Uran anzureichern. Auch für die bekannte Erkenntnis, dass sich ein Regimewechsel nicht von außen herbeibomben lässt, hätte es keinen weiteren Krieg gebraucht. Teile der Mullah-Tyrannei sind zwar eliminiert, aber schon wieder ersetzt worden", gibt die HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE ALLGEMEINE zu bedenken.
Das Magazin CICERO findet: "Was hier als diplomatischer Triumph gefeiert wird, ist in Wirklichkeit ein weiterer Ausdruck jenes riskanten Doppelspiels, das Pakistan seit Jahrzehnten kultiviert. Dass Pakistan sich in dieser Konstellation als zentraler Vermittler zwischen den USA und Iran positioniert hat, stärkt vor allem seine eigene strategische Hebelwirkung."
Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus blickt zurück: Am 27. Februar, also dem Tag vor Kriegsbeginn, war die Straße von Hormus für den freien Schiffsverkehr offen, der Ölpreis lag bei rund 70 Dollar. Das menschenverachtende Mullah-Regime war damit beschäftigt, sich nach den Massenprotesten zu Jahresbeginn, auf die es mit der Tötung Zehntausender friedlicher Demonstranten reagierte, zu konsolidieren. Heute ist der Ölpreis zwar gesunken, von 70 Dollar ist er jedoch weit entfernt. Und die Mullahs sitzen nach dem Krieg womöglich fester im Sattel als zuvor. Verbunden mit der Gewissheit: Hätten wir schon eine Atombombe, wäre uns das nicht passiert." Das war die LAUSITZER RUNDSCHAU.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG beobachtet: "Die Bundesregierung agiert nach wie vor in einem Raum größter Ungewissheit und weitgehender Ohnmacht. Kanzler Friedrich Merz, der die Waffenruhe begrüßte, ließ die Bevölkerung über einen Sprecher aus gutem Grund um eine 'realistische Erwartungshaltung' bitten. Das sollte der Hoffnung vorbeugen, die fragile Entspannung am Golf werde sich rasch in deutlich sinkenden Spritpreisen an deutschen Tankstellen niederschlagen. Die Normalisierung der Preise dürfte Wochen dauern, vorausgesetzt die Straße von Hormus bleibt verlässlich offen. Immerhin: Zerstörte Anlagen und unterbrochene Lieferwege lassen sich wiederherstellen. Der politische Schaden aber ist zum Teil gar nicht mehr zu beheben", befürchtet die SÜDDEUTSCHE.
Das FLENSBURGER TAGEBLATT wendet ein: "Im Nahen Osten gilt seit Jahrzehnten das Prinzip: Nach dem Waffengang ist vor der nächsten Krise. Ob die Politik Trumps diesen unheilvollen Kreislauf durchbrechen kann? Das ist mehr als fraglich. Als Unruheherd in der Region ist auch ein geschwächter Iran längst nicht ausgeschaltet – zumal für Israel.Die Lehre, die Deutschland aus dem US-Feldzug gegen den Iran ziehen sollte, liegt demnach auf der Hand: Die Bundesrepublik muss sich entschlossen von der Öl- und Gasabhängigkeit verabschieden", verlangt das FLENSBURGER TAGEBLATT.
Themenwechsel. Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG geht auf das neue Wehrdienstgesetz ein und bemerkt mit Blick auf den Bundesverteidigungsminister: "Dass man von Boris Pistorius längere Zeit wenig hört, ist zunächst kein Desaster. Politik ist kein Dauerstream, und nicht jede Stille ein Versäumnis. Doch wenn ein Minister mit einem Passus aus dem ohnehin emotional aufgeladenen Wehrdienstgesetz für Unruhe sorgt und dann lange schweigt, ist das ein Problem. Konkret geht es um die Meldepflicht für 17- bis 45-Jährige bei Auslandsreisen. Zwar beteuert das Ministerium nun eilig, es werde ‚generelle Ausnahmen‘ geben und die Freiheit bleibe gewahrt, solange der Wehrdienst freiwillig ist. Doch der bittere Beigeschmack bleibt: Warum schreibt man ein Gesetz erst so scharf, dass es per Verordnung sofort wieder entschärft werden muss? Dieser 'Passus auf Vorrat' mag juristisch für den Spannungsfall logisch erscheinen, wirkt politisch aber wie ein bemerkenswert unscharfer erster Aufschlag", urteilt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Das Fazit der STUTTGARTER ZEITUNG lautet wie folgt: "Das Polittheater um dieses unliebsame Gesetzesdetail verrät auch, wie viele die Zeichen der Zeit noch nicht begriffen haben. Wehrdienst ist keine Schnapsidee von Politikern, sondern eine schlüssige Antwort auf ein wachsendes Bedrohungspotenzial. Wenn sich nicht genügend Freiwillige finden, führt an einer Neuauflage der Wehrpflicht kein Weg vorbei – inklusive einer Genehmigungspflicht für längere Auslandsreisen. Solche Zumutungen sind letztlich jenen anzulasten, die das Bedrohungspotenzial schüren", folgert die STUTTGARTER ZEITUNG.
Die Zeitung DIE WELT argumentiert: "Unser Land bietet seinem Nachwuchs keine attraktive Perspektive mehr für Arbeit, Wohnen und finanzielle Sicherheit. Mit der an Betrug grenzenden Kommunikation zum Wehrpflichtgesetz liefert Boris Pistorius dieser schon halb verlorenen Generation noch einen weiteren Grund, ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Angesichts der Unsicherheit, ob der gerontokratische Staat ihnen das Ausreisen auch in Zukunft noch erlaubt, werden sich manche eher damit beeilen", erwartet DIE WELT.
Abschließend blicken wir nach Rheinland-Pfalz, wo CDU und SPD über ein Regierungsbündnis verhandeln wollen. DIE RHEINPFALZ stellt fest: "Nur 16 Tage haben CDU und SPD nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz benötigt, um ein Sondierungspapier als Grundlage für Koalitionsverhandlungen vorzulegen. Dass Schnelligkeit allein keinen Erfolg garantiert, wissen Gordon Schnieder und Alexander Schweitzer als Verhandlungsführer aber nur allzu gut. Mit ihrem Sondierungspapier setzen beide Parteien auf jeden Fall schon mal einen Kontrapunkt zu vielem, was die Bürger mit der Berliner Koalition verbinden. Wie der Koalitionsvertrag aussehen wird, bleibt abzuwarten. Der Auftakt aber gibt zumindest Grund zur Hoffnung", schreibt DIE RHEINPFALZ aus Ludwighafen.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG fragt: "Über was haben CDU und SPD in Rheinland-Pfalz eigentlich sondiert? Ob sie tatsächlich eine Koalition eingehen sollen? Wenn das eine ehrlich gemeinte Frage wäre, was wäre gewesen, wenn herausgekommen wäre, dass nicht? Die Frage stellte sich aber gar nicht, sondern es war klar, dass beide Parteien sich keine andere Wahl gelassen hatten, als nur diese Koalition zu bilden. Andere regierungsfähige Mehrheiten entstünden nur, wenn eine der beiden Parteien sich auf die AfD einließe. Das hatten Gordon Schnieder und Alexander Schweitzer aber ausgeschlossen. Da fragt man sich schon: Was gibt es dann noch zu verhandeln? Das Ringen um einen Koalitionsvertrag wirkt so, als werde hier nur etwas zum Schein vorgeführt. Wirkliche Verhandlungssache ist nur die Ressortverteilung, alles andere ließe sich in den Ministerien und im parlamentarischen Alltag verhandeln", notiert die F.A.Z., mit der diese Presseschau endet.