10. April 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute mit Stimmen zur andauernden Debatte über mögliche Entlastungen wegen der hohen Energiepreise. Beherrschendes Thema ist jedoch die erneute Kritik von US-Präsident Donald Trump an den NATO-Verbündeten.

Die USA- und die NATO-Fahnen wehen beide in eine Richtung.
In den Kommentaren geht es unter anderem um die jüngste Kritik von US-Präsident Trump an den NATO-Verbündeten (Symbolbild). (IMAGO / Pond5 Images / IMAGO / xAhmedZaggoudix)
Der Berliner TAGESSPIEGEL stellt fest: "Wenn es ernst wird, steigt in Washington die Lautstärke. Wieder die von Donald Trump. Der Vorwurf: Europa habe die USA im Krieg mit dem Iran im Stich gelassen. Spanien sperrt Lufträume, Italien zögert bei Basen, Frankreich knüpft Bedingungen. Deutschland kritisiert den Waffengang – selbst der Bundespräsident. Das alles ist, aus amerikanischer Sicht, in jeder Hinsicht wenig hilfreich. Der da führt, erwartet Gefolgschaft. Und wer zahlt, erst recht. Aber so geht Führung nicht. Sie verlangt nicht nur Gefolgschaft, sondern auch Überzeugungskraft. Genau daran mangelt es in diesem Fall. Der Angriff auf den Iran war politisch hochumstritten, völkerrechtlich zumindest umstritten, strategisch riskant. Dass europäische Demokratien hier nicht einfach 'Ja' sagen, ist kein Verrat – es ist Politik", findet der TAGESSPIEGEL.
Die VOLKSSTIMME bemerkt zum Treffen des US-Präsidenten mit dem NATO-Generalsekretär in Washington: "Wenn selbst der Oberschmeichler Mark Rutte im Weißen Haus bei Donald Trump kaum mehr durchdringt, wird klar: Der Nordatlantikpakt ist nicht nur ein wenig beschädigt, er siecht vielmehr vor sich hin – bis er total zertrümmert sein wird. Dafür könnte schon das aktuelle Konfliktfeld, der von den USA und Israel angezettelte Iran-Krieg, ausreichen. Zu Trumps Ärger sind die europäischen Verbündeten ihm nicht freudig zur Seite gesprungen. Trump will keine kosmetischen Veränderungen, sondern raus aus diesem Bündnis", glaubt die VOLKSSTIMME aus Magdeburg.
Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG aus Essen ist überzeugt: "Es ist nicht so sehr die Frage, ob, und wenn ja wann, Trump das Bündnis mit einem großen Knall sprengt. Die Gefahr geht von innen aus. Er höhlt die NATO aus, entwertet sie seit Jahrzehnten, stellt sie und den Bündnisfall infrage und macht Verteidigungspolitik zur täglichen Loyalitätsprüfung. Das hat System und gipfelt in dem Satz: 'Warum sollten wir für sie da sein, wenn sie nicht für uns da sind?' Nicht nur im Kreml und in Peking reiben sich die Mächtigen verwundert die Augen: Trump zerlegt die NATO, ohne dass sie irgendetwas tun müssen. Besser kann es für Putin in Russland und Xi in China nicht laufen", folgert die W.A.Z.
Für die Zeitung DIE GLOCKE aus Oelde stellt sich die Frage, ob... "... die USA unter Trump auch beim Verbleib in der NATO den europäischen Partnern zur Seite stehen würden, sollte einer von ihnen von Russland angegriffen werden. Die Europäer sollten deshalb gegenüber Trump selbstbewusster auftreten und ihm die Konsequenzen eines NATO-Austritts aufzeigen. Gleichzeitig müssen sie sich unabhängiger von den USA machen und die eigene Widerstands- und Verteidigungsfähigkeit entschiedener stärken", empfiehlt DIE GLOCKE.
Ähnlich äußert sich die FRANKFURTER RUNDSCHAU: "Der Streit mit Trump erhöht den Druck auf die europäischen NATO-Mitglieder, noch mehr der verteidigungspolitischen Bürden des Nordatlantikpakts zu übernehmen. Sie müssten sukzessive unabhängiger von Washington werden. Am Ende dieses Prozesses könnten die USA womöglich nur noch für die atomare Abschreckung sorgen."
"Trump geht es um Erpressung", hebt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG hervor: "Er weiß genau, wie abhängig Europa im Kriegsfall noch immer von der militärischen Macht der USA ist: Es ist angewiesen auf Zehntausende amerikanischer Soldaten, nukleare Abschreckung, Geheimdienstinformationen und Aufklärung. Ein schneller, unkoordinierter Abzug amerikanischer Truppen und Kapazitäten hätte gravierende Folgen. Neu ist das alles nicht. Schon in seiner ersten Amtszeit kündigte Trump eine Reduzierung der US-Soldaten auf dem europäischen Kontinent an. Geschehen ist: nichts", gibt die SÜDDEUTSCHE zu bedenken.
Themenwechsel. "Dringend gesucht: eine Maßnahme, um Bürgerinnen und Bürger effizient von hohen Spritpreisen zu entlasten", schreibt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder: "Sie soll für den Bund bezahlbar sein, keine Fehlanreize setzen, möglichst nur jene unterstützen, die wirklich auf das Auto angewiesen sind, und vor allem Geringverdienern helfen. Die Anforderungen sind also klar. Und doch ist die perfekte Maßnahme noch nicht gefunden worden. Daher bleibt wohl nur die zweitbeste Option: die Erhöhung der Pendlerpauschale. Die Erhöhung erreicht genau jene Gruppe, die am stärksten von den hohen Spritpreisen betroffen ist: Berufspendler. Der Nachteil ist: Es profitieren eben nicht nur Handwerker und Pflegekräfte, sondern auch Konzernchefs oder Unternehmensberater. Doch will man nicht auf die ungewisse Erfindung der perfekten Lösung warten, bleibt die Pendlerpauschale die vorerst beste Lösung", ist sich die MÄRKISCHE ODERZEITUNG sicher.
Die RHEINISCHE POST vermutet, eine höhere Pendlerpauschale wäre... "... für den Fiskus vergleichsweise teuer und würde Geld im Haushalt für Sinnvolleres abziehen. Und sie wäre vor allem klimaschädlich, weil der Staat weite Strecken auch mit Benzinmotoren noch stärker fördern würde. Schon die Anhebung der Pauschale zu Jahresbeginn für alle Pendler auf 38 Cent pro Kilometer war in dieser Hinsicht falsch. Der Staat kann höhere Spritpreise kaum dauerhaft ausgleichen. Dazu wäre er schon finanziell nicht in der Lage. Es gehört zu den Bedingungen einer offenen Marktwirtschaft, dass Marktteilnehmer höhere Preise aushalten müssen – und sich daran anpassen, je schneller, desto besser", argumentiert die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf.
Der WIESBADENER KURIER plädiert für... ".... direkte Hilfen wie ein Mobilitätsgeld, auf das Einkommenssteuer gezahlt werden müsste. Das würde für eine sozial gerechtere Verteilung der Lasten sorgen. Statt einer Senkung der Energiesteuer könnte die Bundesregierung zudem die Stromsteuer senken. Denn damit würde nicht der Kraftstoffverbrauch subventioniert, sondern es würden alle privaten Haushalte unterstützt und Anreize für den Umstieg auf elektrische Wärmepumpen sowie E-Mobilität gesetzt", betont der WIESBADENER KURIER.
Das STRAUBINGER TAGBLATT fragt: "Hat das Spritpreis-Hickhack in der Regierung bald ein Ende? Bundeskanzler Merz hat erkannt, dass er die Dinge nicht einfach laufen lassen kann. Darum hat er Vizekanzler Klingbeil und Wirtschaftministerin Reiche zum Gespräch gebeten und sie öffentlich aufgefordert, zu gemeinsamen Lösungen zu kommen. Der SPD-Chef hat sich für Staats-Eingriffe in den Markt durch eine Übergewinnsteuer und einen Preisdeckel starkgemacht. Wohl wissend, dass Merz sie ablehnt. Doch Union und SPD wissen: Der Frust der Leute wächst trotz jüngster Preisabschläge an der Tankstelle. Es wäre erfreulich, wenn die Koalitionäre die Bürger überraschten - und sich doch kurzfristig auf Maßnahmen einigen würden", vermerkt das STRAUBINGER TAGBLATT.
Abschließend ein Kommentar zum Tod des Schauspielers Mario Adorf. Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN führen aus: "Es ist schon ein besonderes schauspielerisches Kunststück, eine brillante Serie wie Helmut Dietls 'Kir Royal' durch den Auftritt in einer einzigen von insgesamt sechs Folgen noch viel brillanter zu machen. Genau das ist Mario Adorf gelungen. Doch da war noch so viel mehr, wodurch er glänzte. Komödiant, Charmeur, Darsteller von brutalen Schurken und liebenswerten Filous: Adorf war in über 200 TV- und Kinofilmen mit von der Partie, den meisten drückte er seinen Stempel auf, und dazu musste er keineswegs der Hauptdarsteller sein. Zudem war er vor Jahrzehnten als einer von wenigen deutschen Schauspielern Stammgast in internationalen Produktionen. Klar, dass Adorf im Lauf der Zeit etliche Preise anhäufen konnte. Doch trotz allen Erfolgs blieb der in der beschaulichen Eifel aufgewachsene Charaktermime ein Star ohne Allüren, ein Mann mit klarer politischer Haltung, die er der Welt aber nicht aufdrängen wollte. Man könnte auch sagen: ein rundum feiner Kerl." Das war zum Ende dieser Presseschau die MEDIENGRUPPE BAYERN.