16. April 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Die Europäische Union will mit einer neuen App den Jugendschutz im Internet verbessern. Kommentiert wird auch die Forderung des Beamtenbunds dbb, die geplante steuerfreie 1.000-Euro-Prämie an alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst auszuzahlen. Doch zunächst zur internationalen Sudan-Konferenz in Berlin.

Mehrere Personen sitzen sich an zwei langen Tischen an der Internationalen Sudan-Konferenz im Auswärtigen Amt gegenüber.
Die Zeitungskommentare beschäftigen sich unter anderem mit der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin. (picture alliance/dpa/Michael Kappeler)
Die BERLINER MORGENPOST stellt fest: "Seit drei Jahren kämpfen im Sudan Armee und Paramilitärs gegeneinander. Inzwischen hungert die Hälfte der Bevölkerung, mehr als 30 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, Millionen sind vertrieben. Gewalt gehört vor allem für Frauen und Mädchen zum Alltag. Und doch sieht kaum jemand hin. Die Aufmerksamkeit der Menschen folgt simplen Kriterien, etwa der Gefahr, selbst hineingezogen zu werden. So fühlt sich Europa von Russland bedroht. Und den Iran-Krieg spüren Autofahrer an den Tankstellen. Was im Sudan passiert, hat keine Auswirkungen auf unseren Alltag. Die Sudan-Konferenz in Berlin soll den Konflikt ins Bewusstsein rücken. Aber sie kann nicht ersetzen, was so fehlt: politischer Druck auf die Kriegsparteien", vermerkt die BERLINER MORGENPOST.
Die TAGESZEITUNG - TAZ - vertritt folgende Ansicht: "Dass Sudans Kriegsparteien und die international anerkannte Regierung des Landes nicht eingeladen waren, war kein Fehler. Dies war keine Friedenskonferenz der Kriegsbeteiligten, die einen Friedensprozess voranbringen soll. Es war eine Konferenz der Nichtbeteiligten, um gemeinsame Positionen im Hinblick auf einen möglichen zukünftigen Friedensprozess auszuloten. Gemessen am desaströsen Zustand der internationalen Diplomatie bei sonstigen Kriegen auf der Welt, wo meistens nicht einmal Einigkeit über das Gesprächsthema besteht, kann sich das sehen lassen", lautet das Fazit der TAZ.
"Unter den mehr oder weniger vergessenen Kriegen auf der Welt nimmt der Sudan einen traurigen Spitzenrang ein", betont die VOLKSSTIMME aus Magdeburg: "Es ist daher neben der Sammlung von Millionen-Geldern für humanitäre Hilfe globale Aufmerksamkeit, auf die das geschundene Land dringend angewiesen ist. Dabei könnte der Sudan – gemessen an seinem Rohstoffreichtum – ein blühendes Staatswesen sein. Es gibt Gold, Erdöl, Erdgas, Seltene Erden. Die Kriegsherren beider Seiten lassen ihre Truppen um den maximalen Zugriff auf diese Schätze kämpfen. Die Zukunft ist düster: Ein militärisches Engagement erscheint hier nicht mal Trumps US-Truppen lohnenswert. Es wird beim Appellieren und Geldsammeln bleiben", vermutet die VOLKSSTIMME.
Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN findet: "Was den Konflikt besonders grausam macht, sind die Kriegswaffen, die eingesetzt werden, um Menschen einzuschüchtern. Das klappt zwar auch mit Gewehren und Drohnen, doch es gibt noch eine perfidere Waffe, die sogar ganze Bevölkerungsgruppen zersetzen kann: Sexualisierte Gewalt – vor allem gegen Frauen. Die Überlebendenberichte sind unvorstellbar in ihrer Grausamkeit. Sexuelle Versklavung, Übergriffe mit vorgehaltener Waffe und Gruppenvergewaltigungen gehören vor allem für nicht-arabische Frauen zum täglichen Horror. Paramilitärische Gruppen setzen diese Form der Gewalt gezielt gegen sie ein. Die Männer bleiben ungestraft. Das Stigma, das den betroffenen Frauen anhaftet, macht sie zu Ausgestoßenen. Das belastet Familien - und schwächt die Gesellschaft von innen. Darum geht es den Angreifern", analysiert die MEDIENGRUPPE BAYERN.
Themenwechsel. Der Deutsche Beamtenbund dbb fordert, dass die geplante steuerfreie 1000-Euro-Prämie an alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst ausgezahlt wird. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG beobachtet: "Das dröhnende Schweigen der Regierung auf die Beamten-Forderung und die Abwehrreaktion des Unionsfraktionschefs deuten darauf hin, dass die Koalition daran nicht denkt. Sie hat sich die Sache offenbar so vorgestellt, dass sie die Bürger erfreut, ohne den eigenen Haushalt zu belasten. Was tut sie nun? Verweigert sie sich, so nimmt sie den eigenen Beschluss nicht ernst. Zahlt sie, dann droht ihr ein weiteres Haushaltsloch. Erst recht gerieten Länder und Kommunen mit ihrem hohen Personalanteil am Etat unter Druck. Und wenn es dann so aussähe, als ob der Staat fast die einzige 'Firma' sei, die die Prämie wirklich zahlt, dann wäre der erhoffte Popularitätsschub vermutlich überschaubar", so die Einschätzung der F.A.Z.
DIE GLOCKE aus Oelde bemerkt zum dbb-Vorsitzenden: "Falsch liegt Volker Geyer, wenn er behauptet, die Regierung nehme die Arbeitgeber 'in die Pflicht'. Von einem Zwangs-Bonus ist nämlich nicht die Rede. Was bedeutet: Bei weitem nicht alle Arbeitnehmer werden sich über eine Finanzspritze freuen können. Unternehmen, die hohe Gewinne erzielen, können und wollen sie sich vielleicht leisten. Und es ist anzunehmen, dass auch die Beamten und Beschäftigen von Bund, Ländern und Kommunen in den Genuss kommen werden, weil die öffentliche Seite dem Druck nachgibt – wofür letztlich der Steuerzahler aufkommt. Der kleine Handwerksbetrieb aber oder Firmen, die gerade so über die Runden kommen, werden ihre Mitarbeiter eher nicht beglücken können", prognostiziert DIE GLOCKE.
Die Zeitung ND DER TAG gibt zu bedenken: "Selbst wenn der Bund die Vorbildfunktion wahrnehmen würde, die der Beamtenbund von ihm fordert: Der Bonus käme überwiegend jenen zugute, die angesichts der Inflation im schlimmsten Fall über die Abschaffung des Wohnmobils oder der Zweitwohnung nachdenken müssten. Diejenigen, die prekär in Minijobs oder zum Mindestlohn arbeiten, kriegen das Geld entweder nicht – oder es wird ihre Situation vielleicht für einige Monate minimal erleichtern." Das war ND DER TAG.
Der MÜNCHNER MERKUR wendet ein: "Langsam dämmert es der Regierung, dass die Prämie, mit der sie den Firmen den Schwarzen Peter beim Thema Entlastung der Bürger zuschob, doch nicht der schlaueste Einfall war. Die Unternehmer nennen sie schon eine 'Bombe in die Betriebe'. Eine Ausgeburt der Koalitionspanik ist sie allemal."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG beschäftigt sich mit einer neuen europäischen App zu Verbesserung des Jugendschutzes im Internet, die laut EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen "bald" einsatzbereit ist: "Mit der Altersüberprüfung reguliert die EU erstens am falschen Ende. Anstatt endlich die Plattformen zu zähmen und die dazu verfügbaren Instrumente aus ihrem 'Digital Services Act' effektiv einzusetzen, verkauft die Kommission eine neue App als Durchbruch beim Jugendschutz. Zweitens werden Lücken bleiben und Umgehungsmöglichkeiten einfach sein, zumal der Altersnachweis am Gerät hängt und nicht am einzelnen Nutzer. Drittens ist die Idee riskant. Was als wünschenswerter Schutzschild gegen Pornos und Gewalt daherkommt, machte es technisch möglich, Bürger von Teilen des Internets auszusperren. Das gefährdet Grundrechte und muss wachsam beäugt werden. Was die Kommission vorgestellt hat, ist nicht mehr als ein potenziell fehleranfälliges Werkzeug. Von der Leyen sollte nicht so tun, als wäre digitaler Jugendschutz mit einer App erledigt", urteilt die SZ.
Die LÜBECKER NACHRICHTEN sind überzeugt: "Eine Altersverifizierung macht Social Media nicht automatisch sicherer – so etwas wäre ein Trugschluss. Das eigentliche Problem ist nicht das Alter der Nutzenden. Es sind die süchtig machenden Tricks der Anbieter, die auch viele Erwachsene stundenlang ans Handy fesseln. Zu lange haben die Techkonzerne selbst die Spielregeln bestimmt – mit freiwilligen Selbstverpflichtungen statt verbindlicher Gesetze, mit unternehmenseigenen Ethikgremien statt echter Kontrolle. Doch nicht Firmen sollten entscheiden, welche Risiken die Gesellschaft verträgt, sondern gewählte Politikerinnen und Politiker sowie öffentliche Institutionen. Dafür braucht es mehr als eine schlichte App zur Altersverifizierung. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn die Politik gar nicht eingreifen müsste, weil Eltern die Kontrolle haben. Die Realität ist eine andere: Ständige Überwachung der Jugendlichen ist unmöglich und auch nicht wünschenswert", argumentieren die LÜBECKER NACHRICHTEN zum Ende dieser Presseschau.