25. April 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Kommentiert werden der 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Verlängerung der Waffenruhe im Krieg zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah. Auch der von Bundeskanzler Merz ins Gespräch gebrachte Vorschlag zur Lockerung der Sanktionen gegen den Iran ist Thema. Doch zunächst ins Inland. Zur Entlastung von gestiegenen Kraftstoffpreisen haben Bundestag und Bundesrat eine befristete Senkung der Mineralölsteuer beschlossen.

Das Atomkraftwerk Tschernobyl 1987
Das Atomkraftwerk Tschernobyl (Aufnahme von 1987) (Elfie Siegl / Archiv der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen)
Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm schreibt zum sogenannten Tank-Rabatt: "Die Maßnahme wird Menschen tatsächlich helfen. Wer viele Kilometer pendeln muss, hat mehr Geld in der Tasche. Auch zahlreiche Unternehmen werden profitieren. Doch Kanzler und Vizekanzler haben selbst betont: Die Zeiten, in denen jede Krise mit viel Geld abgefedert wird, sind vorbei."
Die LANDSHUTER ZEITUNG kritisiert: "Ob höhere Pendlerpauschale, Spritpreisbremse oder Direktzahlungen – der Ruf nach dem Staat als Retter in der Not ist bei uns im Alltag zur Dauerschleife mutiert. Doch so verständlich der Ärger über das teure Tanken ist, so heikel ist die Erwartungshaltung, die dahintersteckt. Wir müssen aufhören zu glauben, dass der Staat jedes Risiko im Leben per Überweisung ausgleichen kann."
Der WESER-KURIER rechnet weiter mit hohen Preisen an der Tankstelle. "Den Autofahrern wird also nichts anderes übrigbleiben, als auf die bewährten Strategien auszuweichen: unnötige Fahrten vermeiden, Fahrgemeinschaften bilden, soweit es geht auf öffentliche Verkehrsmittel oder auf Elektromobilität umzusteigen. Denn: Sinkende Nachfrage wird zusätzlich den Druck auf die Mineralölkonzerne erhöhen, die Preise dauerhaft zu senken. Auch ganz ohne Tankrabatt", heißt es im WESER-KURIER aus Bremen.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG wirft ein: "Man sollte es mit der Kritik am Tankrabatt nicht übertreiben. Weil er eh nur zwei Monate existieren soll. Hier aber liegt die eigentliche Dramatik: Wenn die Straße von Hormus nicht in Kürze wieder geöffnet wird, drohen richtig harte Verwerfungen. Und wir reden hier nicht von einem gestrichenen Flug nach Ibiza. Wenn Lieferketten reißen, kann ein massiver Abwärtssog in Gang kommen. Dann geht es nicht nur um Kosten, dann geht es um den Treibstoff selbst, und ja, auch um den Kitt der Gesellschaft", warnt die NEUE OSABRÜCKER ZEITUNG.
Angesichts der hohen Energiepreise und der Blockade der Straße von Hormus werden in der EU Zugeständnisse an den Iran erwogen. Auf dem informellen EU-Gipfel in Zypern schlug Bundeskanzler Merz vor, Sanktionen gegen Teheran unter Bedingungen zu lockern. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG vertritt diese Ansicht: "Europa hat nichts zu sagen in der Krise am Golf. Die Bundesregierung versucht es jetzt immerhin mit althergebrachter Diplomatie. Ihr Angebot, die europäischen Sanktionen zu lockern, wenn es zu einer 'umfassenden Übereinkunft' kommen sollte, will mit Anreizen das erreichen, was der amerikanische Präsident mit Gewalt versucht: die alt-neue iranische Führung dazu zu bewegen, die militärisch nutzbaren Teile ihres Atomprogramms aufzugeben und die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Eine gemeinsame transatlantische Strategie ist das aber noch lange nicht, dafür ist Trump viel zu selbstherrlich und zu wankelmütig. Letztlich ist das Berliner Angebot nichts anderes als die Bekräftigung der Lage von vor dem Krieg. Die europäischen Sanktionen hatten schon immer zum Ziel, Teheran auf diversen Feldern zur Umkehr zu bewegen: beim Atomprogramm, in der Rüstung, bei terroristischen Aktivitäten und bei den Menschenrechten", fasst die F.A.Z. zusammen.
Nun in den Libanon. Dort wird die Waffenruhe nach Angaben von US-Präsident Trump um drei Wochen verlängert. Dazu schreibt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Dass Israel jetzt auch zugestimmt hat, ist eine gute Nachricht. Doch Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden sollte man sich nicht machen. Die Ankündigungen der Israelis, das als 'Sicherheitszone' deklarierte Areal entlang der Grenze weiter zu besetzen und die dortigen Dörfer zu zerstören, spielen der Hisbollah-Miliz und ihrer Propaganda in die Karten. Ministerpräsident Netanjahu wird sich nicht aus der Zone zurückziehen, auch wenn Libanon das zur Bedingung für Friedensgespräche machen dürfte. Netanjahu wird bedrängt von den rechtsextremen Mitgliedern seines Kabinetts und von der Mitte-rechts-Opposition, die einen Rückzug als Niederlage werten würden. Und das ein halbes Jahr vor der Wahl", analysiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG sieht in den direkten Gesprächen zwischen Israel und dem Libanon eine Unstimmigkeit, denn: "Wenn Friedensgespräche Erfolg haben sollen, sitzen am besten die beiden Kriegsparteien an einem Tisch. Schwieriger wird es, wenn zwei Staaten verhandeln, die eigentlich gar keinen heißen Krieg gegeneinander führen. So wie Israel und der Libanon. Israels Armee hat zwar die libanesische Grenze überschritten und bombardiert auch Vororte der Hauptstadt Beirut. Aber ihr Gegner ist mitnichten die libanesische Armee. Die Angriffe richten sich erklärtermaßen gegen die Terrormiliz Hisbollah, die Israel die Vernichtung geschworen hat und gar nicht mit am Friedenstisch sitzen will. Der libanesische Staat und seine Bevölkerung sind also Opfer eines Krieges, der mit ihnen im Grunde nichts zu tun hat. Ob er endet, wird kaum von dem nun verlängerten Waffenstillstand abhängen, sondern sehr stark davon, wie geschwächt der Hisbollah-Unterstützer Iran durch den zweiten aktuellen Krieg der Region ist", zeigt sich die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder überzeugt.
Zum Schluss der Presseschau geht es um den 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus erinnert: "Die friedliche Nutzung der Atomkraft galt bis 1986 als sicher. Doch nur 32 Jahre nachdem das erste AKW der Welt ans Netz ging, geschah in Tschernobyl das, was angeblich nie hätte geschehen können. Schnell beruhigte man sich damit, dass es sich eben um russische Technik gehandelt habe. 2011 folgten das Fukushima-Desaster und die Rücknahme der Rücknahme des Atomausstiegs in Deutschland durch eine schwarz-gelbe Bundesregierung."
Vor dem Unglück von Tschernobyl habe es in Deutschland keine festen gesetzlichen Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln gegeben, heißt es in der TAZ. "Das lange Ausbleiben von Information und Beratung, die späten und oft widersprüchlichen Empfehlungen erschütterten das Vertrauen in staatliche Stellen. Die Menschen begannen, sich selbst im Dickicht von Halbwertszeiten, Millisievert und Becquerel zu organisieren. Die Katastrophe von Tschernobyl wurde zur großen Stunde der Zivilgesellschaft, mit eigenen Infokanälen in Zeiten, bevor es Internet, Social Media und 24-Stunden-Nachrichtensender gab." Das war die TAZ.
Für die FRANKFURTER RUNDSCHAU markiert das Datum einen Einschnitt, "....von dem sich die Atomindustrie nie wieder erholt hat. Seither ist die Bilanz der Atomindustrie im Westen ernüchternd: Nur noch wenige AKW wurden neu gebaut. Dennoch wird wieder verstärkt eine Renaissance der Atomkraft proklamiert, vorgeblich aus Klima-, neuerdings vermehrt auch aus Energiesicherheitsgründen."
Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg sieht die weitere Entwicklung der Technologie skeptisch: "Ausflüchte wie 'kleine Atomkraftwerke' seien die Lösung oder die Utopie von Fusionsreaktoren – all das führt in die Irre und lenkt nur ab von der Tatsache, dass der atomare Kreislauf eine Projektion bleibt."
Die Zeitung WELT fordert in ihrer Online-Ausgabe hingegen einen Neustart auch in der Energiepolitk: "Sie muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden – und zwar sofort. Schluss mit der ideologischen Selbsttäuschung. Technologieneutralität unbedingt, der Wiedereinstieg in die Kernkraft als Option, endlich der Ausstieg aus dem Subventionskarussell. Solange deutscher Industriestrom doppelt so teuer ist wie amerikanischer, verlieren wir jedes Jahr Substanz."