04. Mai 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute geht es um den angekündigten Teilabzug von US-Soldaten aus Deutschland. Daneben spielt der Zustand der Koalition aus Union und SPD eine Rolle.

Donald Trump und Friedrich Merz im Säulengang des Weißen Hauses.
Der angeklündigte Abzug von US-Soldaten aus Deutschland spielt eine große Rolle in den Zeitungskommentaren - hier ein Foto von US-Präsident Trump und Bundeskanzler Merz. (IMAGO / dts Nachrichtenagentur)
Hören Sie zunächst die AUGSBURGER ALLGEMEINE. "Mit der Ankündigung, mindestens 5.000 Soldaten abzuziehen, erinnert Donald Trump die Bundesregierung brachial daran, wie sehr die Sicherheit Europas noch immer an seiner persönlichen Laune hängt. Wie viele US-Streitkräfte hier stationiert sind, ist dabei gar nicht so entscheidend. Die Truppenstärke variiert ständig – auch unabhängig von Trumps Wutausbrüchen. Standorte wie der Übungsplatz im bayerischen Grafenwöhr oder das Drehkreuz Ramstein sind für die Amerikaner zudem strategisch derart wichtig, dass die US-Militärs sie kaum ohne Widerstand aufgeben würden. Also mehr Gelassenheit wagen? Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn sicherheitspolitisch gravierender ist, dass die USA auch die Stationierung von Mittelstreckenraketen abgesagt haben", gibt die AUGSBURGER ALLGEMEINE zu bedenken.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG ruft in Erinnerung, wie die Idee der Raketenstationierung zustande kam. "Das war explizit als eine Botschaft transatlantischer Stärke in Richtung Kreml gedacht, als ein handfestes Signal der Abschreckung. Und genauso hatte ein erboster Putin den Beschluss auch verstanden: als Warnung. Dass Trump nun die geplante Verlegung ausgerechnet dieser Einheit stoppen lässt, nachdem er zuvor mal wieder eine Stunde mit Putin telefoniert hat, könnte man – wäre man Pessimist – fast schon als Einladung an den Kreml interpretieren."
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) beginnt ihren Kommentar beim Verhältnis des US-Präsidenten zum deutschen Bundeskanzler. "Donald Trump mochte Friedrich Merz, weil der so gut Englisch sprach und beim Besuch im Weißen Haus auch noch schöne Gesichtsfarbe hatte. Jetzt hat Merz den israelisch-amerikanischen Krieg gegen den Iran kritisiert, weshalb der US-Präsident ihn nicht mehr mag. Trump will deshalb Truppen aus Deutschland abziehen, Mittelstrecken-Raketen nicht stationieren und Zölle auf deutsche Autos erhöhen. So funktioniert Weltpolitik in diesen Tagen. Es ist ein Desaster", klagt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG.
"Friedrich Merz hätte ahnen können, was da kommt", findet die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg. "Als der Kanzler öffentlich kundtat, der US-Präsident agiere im Iran-Krieg strategielos und lasse sich von Teheran demütigen, war klar, dass das nicht folgenlos bleiben würde."
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU fährt fort: "Wer diese ärgerliche Art der Auseinandersetzung vermeiden will, muss den eingeleiteten Prozess der Europäer unterstützen, verteidigungspolitisch unabhängiger von den USA zu werden. Dafür muss Europa nach und nach immer mehr Aufgaben des US-Militärs auf dem alten Kontinent übernehmen. Das wird zwar dauern. Doch nur dann werden Deutschland und die anderen europäischen NATO-Staaten weniger erpressbar."
Ganz ähnlich klingt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG. "Schon seit Obama ist klar, dass Amerika sich nach Asien wendet und Europa sicherheitspolitisch mehr Verantwortung übernehmen muss. Viel zu lange hat man sich im bequemen Akkord eingerichtet: Die Russen liefern billiges Gas, die Amerikaner Schutz und wir erklären der Welt vom hohen Ross, wie es zu laufen hat. Der Ami geht, das Gas ist teuer und Deutschland ist alleine nicht verteidigungsfähig. Ein Kanzler muss das wissen und seine Worte abwägen."
Der Kommentator der WESTDEUTSCHEN ZEITUNG aus Wuppertal fasst die Debatte zusammen: "Deutschland kann es sich nicht leisten, die USA als militärischen Sicherheitsgaranten leichtfertig zu relativieren – so berechtigt politische Kritik im Einzelfall auch sein mag. Sicherheitspolitik folgt nicht moralischer Eindeutigkeit, sondern strategischer Notwendigkeit."
Und die NÜRNBERGER NACHRICHTEN schlagen noch einmal den Bogen zu den Truppenabzugsplänen der USA. "Weitblickende Kommunalpolitikerinnen und -politiker sollten sich vorbereiten, auch für ein weiteres Szenario: Das Szenario, dass der US-Präsident eines fernen oder nahen Tages nicht mehr Donald Trump, sondern JD Vance heißt. Denn während Trump dieser Tage Krieg offenbar als eine Art Videospiel begreift, ist es seinem ideologisch viel gefestigteren (und damit gefährlicheren) Vize ernst damit, Amerikas endlose Kriege zu beenden und die Rolle als international präsente Ordnungsmacht, die Verbündete schützt, zu schleifen. Die Stützpunkte der Region wären spätestens dann in höchster Gefahr." Das war ein Auszug aus den NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
Und nun zur Diskussion um das Auftreten der Koalition von Union und SPD. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG formuliert ihre Sicht auf die Dinge deutlich: "Die Kritik ist berechtigt: an Merz, an Klingbeil, an den SPD-Funktionären, am Kanzleramt, an der Koalition insgesamt. Wo bleiben Visionen, Reformen, Würfe und Entwürfe? Wann werden alte Versprechen eingelöst? Richtig ist auch der Hinweis darauf, dass sich dieses Land gerade jetzt keinen Stillstand leisten kann. Auch wenn durchaus schon etwas angestoßen wurde: Es zündelt und brennt an allen Ecken und Enden. Und wer profitiert? Richtig. Doch was ist die Alternative? Das Platzenlassen der Koalition? Neuwahlen? Das Regieren mit wechselnden Mehrheiten? Es ist legitim, sich darüber Gedanken zu machen, wie es auch anders weitergehen könnte", steht für die F.A.Z. fest.
"Diese Bundesregierung hat ein Kommunikationsproblem", findet auch die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen. "Der Kanzler spricht oft, als sei das Land ein einziger Sanierungsfall. Er sagt, was nicht mehr geht, was zu teuer ist, was sich ändern muss. Doch das Bild des Landes nach den Reformen bleibt unscharf. Welches Deutschland soll aus mehr Arbeit und besserer Wettbewerbsfähigkeit entstehen? Das ist mehr als ein Stilproblem. Und Merz trägt dafür einen Großteil der Verantwortung."
"Merz sagt zu oft, was er denkt", betont das STRAUBINGER TAGBLATT. "Als Oppositionspolitiker wirkte das erfrischend, als Regierungschef haben Worte ein anderes Gewicht. Die verunglückte Stadtbild-Äußerung zu Migranten, der Renten-Fauxpas und die offenherzige Iran-Analyse vor Schülern lassen die Wellen hochschlagen und kosten die Regierung viel Kraft, das Losgetretene wieder einzufangen."
Aus Sicht des WESER-KURIERS... "können Union und SPD durchaus noch zu vernünftigen Reformschritten kommen, wenn nicht gleich an jeder Ecke das eigene Parteiprogramm wie eine Monstranz vor sich hergetragen wird. Deshalb müssen sich SPD und insbesondere die Union, die im zurückliegenden Jahr deutliche Schwierigkeiten hatte, in die Rolle als regierungstragende Fraktion zurückzufinden, im zweiten Regierungsjahr mächtig am Riemen reißen. Zu tun gibt es genug: Es stehen in den kommenden Monaten noch eine Renten-, Pflege- und eine Einkommensteuerreform an", listet der WESER-KURIER aus Bremen auf.
Und zum Schluss ein Blick in die TAZ, die TAGESZEITUNG aus Berlin. Sie geht auf Medienberichte über eine Intensivierung der Kooperation zwischen der Bundesregierung und den islamistischen Taliban ein. "Unter höchster Geheimhaltung karren die Bundesländer offensichtlich Afghanen nach Berlin, die abgeschoben werden sollen. Um ihre Identität festzustellen und die nötigen Papiere zu besorgen, werden die Betroffenen dann von den Taliban-Vertretern identifiziert – in den Gebäuden der deutschen Behörden. Wir erinnern uns: Gegen die Taliban hat die Bundeswehr über zehn Jahre lang Krieg geführt. Und seit der Rückeroberung 2021 haben die Taliban ihr Land in einen abstoßenden Ort verwandelt. Nicht jeder und jede mag Mitleid finden für die Straftäter, um die es bei den Abschiebungen bislang geht. Aber das Bundesinnenministerium arbeitet schon daran, auch unbescholtene Afghan:innen zurückzuzwingen. Und an der diplomatischen Aufwertung der Taliban, die das Zusammenarbeiten mit den Islamisten zwangsläufig bedeutet, kann wirklich niemand ein Interesse haben", urteilt die TAGESZEITUNG.