22. Mai 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Themen sind die Rentendebatte und die Rückkehr von Torwart Manuel Neuer in die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Im Mittelpunkt steht Bundeskanzler Merz. Er schlägt eine Teilmitgliedschaft der Ukraine in der EU vor, weil ein schneller vollständiger Beitritt des Landes aus seiner Sicht ausgeschlossen ist.

Zwei Fahnen der Europäischen Union und der Ukraine nebeneinander. Beide mit den Farben blau und gelb.
Die Ukraine soll nach einem Vorschlag von Bundeskanzler Merz einen Sonderstatus auf dem Weg zu einem regulären EU–Beitritt erhalten (Symboldbild). (picture alliance I PIC ONE | Ben Kriemann)
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG findet: "Die von Merz ins Spiel gebrachte Idee eines 'assoziierten Mitgliedsstatus' für die Ukraine soll wohl gut gemeint sein. Ganz sicher aber ist sie nicht der Weisheit letzter Schluss. Der Druck aus Kiew auf einen raschen EU-Beitritt ist zwar nachvollziehbar: Er speist sich aus sicherheitspolitischer Not, wirtschaftlicher Schwäche und dem strategischen Ziel, sich unwiderruflich im Westen zu verankern. Genau diese Gemengelage aber macht eine Vollmitgliedschaft des Landes in der Europäischen Union derzeit nicht verantwortbar. Ein Beitritt der Ukraine würde die Union in ihrer jetzigen Verfassung maßlos überfordern. Institutionell wäre die Aufnahme eines großen, strukturschwachen und vom Krieg geprägten Landes ein Einschnitt, der Entscheidungsprozesse weiter verkompliziert und die ohnehin fragile Handlungsfähigkeit der Gemeinschaft belastet", glaubt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Die TAGESZEITUNG - TAZ - betont, Merz schlage unter anderem vor, dass der ukrainische Präsident Selenskyj künftig "an allen EU-Gipfeln und seine MinisterInnen an den Ministerräten teilnehmen sollen. So könne man die Ukraine besser an die EU heranführen, meint Merz. Dabei ist das nicht neu. Selenskyj ist bei den Gipfeltreffen schon jetzt meist der erste Redner. Seine MinisterInnen nehmen an allen wichtigen EU-Treffen teil. Die Ukraine verfügt längst über einen Sonderstatus, wie auch der 90 Milliarden Euro schwere Hilfskredit zeigt. Diesen Sonderstatus mit einem neuen Label zu versehen – 'assoziiertes Mitglied' -, macht nichts besser, aber vieles noch schwieriger. Zum Beispiel das Verhältnis zu den anderen EU-Kandidatenländern auf dem Westbalkan. Sie warten seit 20 Jahren – und fühlen sich durch die privilegierte Behandlung der Ukraine übergangen", lautet die Einschätzung der TAZ.
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg mahnt: "Vorrang muss die Beendigung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine haben. Das wird nur diplomatisch zu machen sein. Deshalb ist es falsch, wenn Deutschland  seine Parteilichkeit für die Ukraine noch hervorkehrt. Vermittlung, auch von deutscher Seite, könnte Osteuropa einem Frieden dagegen näher bringen. Putin-Kumpel Gerhard Schröder wurde hierfür als ungeeignet befunden. Einen Vorschlag von Merz wird es nicht geben. Er hat niemanden." Wir zitierten die VOLKSSTIMME.
Die BERLINER MORGENPOST ist überzeugt, Kanzler Merz wolle "den Einfluss Europas erweitern und Fakten schaffen, bevor andere es tun. Das gilt insbesondere für die Ukraine, die demnächst gezwungen sein könnte, die angestrebte Mitgliedschaft in EU und NATO unter Zwang für einen Friedensschluss mit Russland zu opfern. Innerhalb der Gemeinschaft ist der Wunsch nach einer schnellen Erweiterung gering ausgeprägt. Das gilt insbesondere für Frankreich, wo 2027 Präsidentschaftswahlen anstehen. Merz versucht jetzt, eventuell vorhandene Spielräume zu nutzen. Unterstützung verdient das allemal", vermerkt die BERLINER MORGENPOST.
Themenwechsel. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG geht auf die andauernde Debatte über die Zukunft der Rente ein und stellt fest: "Die Fronten sind verhärtet. So hagelten scharfe Warnungen aus Gewerkschaften und Koalition, nachdem die Zeitung 'Bild' behauptet hatte, über Rente mit 70 und ein Absenken des Niveaus auf 46 Prozent sei sich die Kommission schon einig.Das dementieren deren Mitglieder, doch die Entrüstung unterstreicht: Es fehlt nach wie vor an Einsicht, dass zur Stabilisierung der Rentenkasse und der sie tragenden Wirtschaft Leistungsansprüche begrenzt werden müssen. Die Regierung steht vor schwierigen Entscheidungen. Und die SPD kommt womöglich nicht umhin, für sich zu klären, welches Bündnis ihr wichtiger ist: das mit den Gewerkschaften oder das mit der Union", prognostiziert die F.A.Z.
Die Zeitung DIE WELT wendet ein: "Gerade das Durchstechen solcher halbgaren Überlegungen dient oft dazu, gute Ideen durch öffentlichen Druck kaputtzumachen. Bei der 'Rente mit 70' liegt eine solche Intention nahe. Denn kaum ein Reformvorschlag wird von der großen Mehrheit der Bevölkerung derart vehement abgelehnt. Umgekehrt argumentiert das Gros der Wissenschaftler, dass bei einer stetig steigenden Lebenserwartung die Menschen auch etwas später in den Ruhestand gehen müssen. Die Rente wird damit zum Lackmustest für die Reformfähigkeit der Koalition. Traut sich die Merz-Regierung, das Unvermeidliche zu tun, damit die wichtigste Sozialversicherung auch in Zukunft zahlungsfähig bleibt? Was dafür unabdingbar ist, liegt auf der Hand. Die Älteren müssten akzeptieren, dass die Rente nicht länger im gleichen Tempo steigen kann wie die Löhne. Die Jungen wiederum müssten, stärker als ihre Eltern dies getan haben, zusätzlich vorsorgen und zudem auch einen späteren Renteneintritt hinnehmen. Ein solcher generationengerechter Pakt überfordert niemanden", argumentiert DIE WELT.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER fragt: "Werden wir künftig länger arbeiten müssen? Aber ja! Werden wir alle bis 70 Vollzeit im Job bleiben? Aber nein! Mit der vermeintlichen Neuigkeit, dass die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission einen allgemeinen Anstieg des Renteneintrittsalters auf 70 vorsehe, ist die unfruchtbarste Debatte über die Zukunft des Sozialstaats schon wieder im Gang. Dabei sollten alle mal einen Gang runterschalten. Um es einzuordnen: In einer solchen Kommission sitzen Wissenschaftler und Politiker unterschiedlicher Denkschulen. Am Ende werden sie vermutlich ein Konzept vorlegen, in dem deutlich mehr Reformvorschläge stehen als auf einen Schlag umgesetzt werden können." So weit der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Abschließend Stimmen zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Bei der Vorstellung des WM-Kaders hat Bundestrainer Julian Nagelsmann die Rückkehr von Torwart Manuel Neuer bekanntgegeben. Für die DIE GLOCKE aus Oelde ist die Entscheidung keine Überraschung: "Inhaltlich nachvollziehbar, der Eiertanz rund um diese Personalie hat das Image des Bundestrainers jedoch beschädigt. Am Donnerstag gab sich Nagelsmann in der Sache überzeugt, aber auch wohltuend selbstkritisch und ehrlich. Mit der Art, wie er seinen Kader begründete, sammelte er Pluspunkte. Über die eine oder andere Nominierung lässt sich streiten, aber die Debatten darüber werden jetzt leiser. Gut so", urteilt DIE GLOCKE.
Die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz bemerkt: "Die Reaktivierung von Bayern-Keeper Neuer, die mit der Degradierung des Hoffenheimers Oliver Baumann einhergeht, mag zwar wankelmütig von Nagelsmann und extrem bitter für Baumann sein, der in der WM-Quali sozusagen die Drecksarbeit verrichten durfte. Da der schnelllebige und erbarmungslose Profifußball aber nun mal von Stimmungs- und Formschwankungen geprägt ist, gehört das irgendwie zum Geschäft dazu. Einer ist der Gewinner, ein anderer der Verlierer. Baumann offenbarte gerade in den vergangenen Wochen einige Schwächen, was zur Entscheidungsfindung pro Neuer beigetragen haben könnte", vermutet DIE RHEIN-ZEITUNG.
Die FREIE PRESSE aus Chemnitz resümiert: "Der Kader ist stark, die Zielrichtung klar: Beim Finale am 19. Juli in East Rutherford nahe New York soll die deutsche Nationalhymne zu hören sein, und bestenfalls zwei, drei Stunden später laute Hupkonzerte und Feierlichkeiten in den Straßen von Berlin, München, Frankfurt und gern auch Chemnitz oder Zwickau. Dafür muss die Mannschaft eine Einheit werden, nicht nur mit individueller Klasse, sondern vor allem mit Teamgeist glänzen. Und: Sie wäre gut beraten, sich in den nächsten acht Wochen ganz auf den Fußball zu konzentrieren", kommentiert die FREIE PRESSE. Und damit endet diese Presseschau.