01. Juni 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Themen sind die Wahl von Wolfgang Kubicki zum neuen Bundesvorsitzenden der FDP, die Debatte über die Bafög-Reform. Doch zunächst nach Hamburg, wo die Bürgerinnen und Bürger in einem Referendum gegen eine Bewerbung ihrer Stadt für Olympische Spiele gestimmt haben.

Wolfgang Kubicki steht während des Bundesparteitags am Rednerpult.
Ein Thema: Wolfgang Kubicki hat auf dem Bundesparteitag der FDP in Berlin die Wahl zum Vorsitzenden für sich entschieden. (picture alliance / dts-Agentur / dts Nachrichtenagentur GmbH)
Das HAMBURGER ABENDBLATT beobachtet: "Über das Ergebnis der Bürgerbefragung zu Olympia wurde an zwei Orten gejubelt: Einerseits bei den Kritikern rund um die Linken im Hamburger Rathaus. Andererseits rund 800 Kilometer entfernt, in der Landesregierung des Freistaats Bayerns. Denn mit Hamburg nimmt sich die Stadt selbst aus dem Rennen, die München bei seiner erneuten Bewerbung um Olympische Sommerspiele am meisten gefürchtet hatte. Was für ein schöner Abend für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und das Münchner Kampagnen-Team; was für ein Desaster für den Hamburger Senat, der mit ganzer Kraft für ein Ja der Bevölkerung gekämpft hat, aber die Mehrheit anders als bei der Bürgerschaftswahl nicht auf seine Seite ziehen konnte. Trotz einer Millionen Euro teuren Kampagne, trotz zigtausender Wahlplakate, unzähliger Veranstaltungen und einem Bürgermeister Peter Tschentscher, den man leidenschaftlich wie selten erlebt hat", resümiert das HAMBURGER ABENDBLATT.
DIE ZEIT analysiert in ihrer Online-Ausgabe: "Es gibt gute Gründe für die Vermutung, dass Hamburg auch im Fall eines erfolgreichen Referendums keine großen Aussichten gehabt hätte, Olympische Spiele auszurichten. So gesehen hat das Resultat den Stadtstaat nun in eine tristere, besser berechenbare und weniger glamouröse Wirklichkeit zurückgeworfen. Aber, wie man im Sinne des Senats sagen könnte: Die Stadt hat es wenigstens versucht."
Themenwechsel. Die DITHMARSCHER LANDESZEITUNG beschäftigt sich mit dem Bundesparteitag der FPD in Berlin und stellt fest: "Wolfgang Kubicki ist mit knapp 60 Prozent der Delegierten zum Parteichef gewählt worden. Dies und die plötzliche Kampfkandidatur von Marie-Agnes Strack-Zimmermann haben den tiefen Riss zutage gelegt, der die Partei in zwei Lager teilt. Uneinigkeit ausgerechnet in Zeiten, in denen die Liberalen bis auf Weiteres Wahl für Wahl an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern drohen. Es ist nicht auszuschließen, dass Wolfgang Kubicki unterm Strich zum Schadensfall wird. Nämlich dann, wenn es ihm misslingt, seine Partei nicht nur als entschlossene, sondern vor allem auch als geschlossene politische Kraft auftreten zu lassen. Dass er als frischgebackener Bundesvorsitzender die von Strack-Zimmermann gereichte Hand zur Zusammenarbeit ausgeschlagen hat, ist arrogant und fahrlässig in einem", urteilt die DITHMARSCHER LANDESZEITUNG aus Heide.
DIE WELT hebt in ihrer Online-Ausgabe hervor, Strack-Zimmermann habe sich nach der Abstimmung als... "...schlechte Verliererin gezeigt. In der für sie typischen Sprache der impliziten Drohung stellte sie klar, dass sie das Verhalten des neuen Vorsitzenden genau im Blick behalten will – und im Zweifel bereit ist, gegen ihn mobil zu machen: 'Wolfgang weiß, dass es 60 zu 40 steht.“ Doch als gelbe Nuance im Konsens der nur vermeintlich 'konstruktiven' Kompromisskultur werden die Liberalen eine Splitterpartei bleiben – und die AfD wird sich weiter erfolgreich als einzige kritische Kraft inszenieren können", so die Einschätzung von DIE WELT.
"Kubicki ist kein Programmatiker, sondern ein Situativ-Politiker", schreibt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder): "Er war bei den Liberalen schon so gut wie alles: Links-Liberaler und Brandmauer-Specht, Partei-Rebell und Grandseigneur, Grünen-Freund und Grünen-Gegner. Er wittert Stimmungen und kann sie bedienen, die Leute kennen und schätzen ihn genau dafür. Das klingt beliebig, aber es passt in die aktuelle politische Lage. Kubicki dürfte fürs Erste die beste Karte sein, die den Liberalen noch für ein Comeback bleibt. Klar ist aber auch, dass es sich bei ihm nur um einen Übergangsvorsitzenden handeln kann. Die Partei muss sich mittelfristig finden und einen einheitlichen Kurs einschlagen", empfiehlt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG.
Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG aus Essen wendet ein: "Klar ist, dass sich 40 Prozent der FDP-Delegierten nicht ignorieren lassen. Kubicki muss sich etwas einfallen lassen, um diese Parteimitglieder in sein Konzept für die Neuaufstellung der FDP zu integrieren. Parteiinterne Konflikte wird er nicht zulassen können, wenn er die Liberalen in eine neue, in seine Richtung bewegen will. Das gilt umso mehr in Hinblick auf die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin", betont die WAZ.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG vermutet: "Die FDP steht nicht deshalb so schlecht da, weil die Bürger 'Freie Demokraten' satthätten. Im Gegenteil. Es gibt ein Bedürfnis nach liberaler Politik. Nicht unbedingt nach Klientelpolitik oder Pendlerpauschalen-Fetischismus. Sondern danach, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und der Freiheit Raum zu geben. Gerade in Zeiten von Krise und Flaute, von Überregulierung und Verknöcherung braucht es ein Korrektiv." So weit die F.A.Z. und so viel zu diesem Thema.
Die FREIE PRESSE geht auf die Debatte über die geplante Bafög-Reform ein: "Schwarz-Rot kann Milliarden locker machen. Wenn die Regierung will. So wie für die Mütterrente, die Gastrosteuer oder den Tankrabatt – alles von Ökonomen durch und durch kritisierte Projekte. Nur wenn es um die Bildungs- und Chancengerechtigkeit geht, ohnehin nicht Deutschlands politisches Steckenpferd, soll nun der Rotstift angesetzt werden. Dabei ist eine Bafög-Reform mehr als überfällig, eigentlich noch eine viel weitergehende als lediglich eine Anpassung der Wohnkostenpauschale. Denn so richtig gut funktioniert die Ausbildungsförderung für bedürftige junge Menschen nicht", gibt die FREIE PRESSE aus Chemnitz zu bedenken.
Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN finden: "Eine Bafög-Reform ist überfällig, die Sätze reichen oft nicht mehr für ein WG-Zimmer. Dadurch wird das Studium zur Frage des Geldbeutels. Für ein Land, dessen einzige Ressource Bildung ist, sollte die Prioritätensetzung damit doch nun wirklich klar sein."
Das STRAUBINGER TAGBLATT verweist auf die CSU-Politikerin Bär: "Die Forschungsministerin, die eigentlich für die Studenten kämpfen sollte, hat angeblich die noch im April bekräftigte Bafög-Erhöhung vorbereitet, hält sie aber nun für verzichtbar, weil man eben 'Prioritäten setzen' müsse. Möglichst vielen jungen Menschen ein Studium zu ermöglichen, ist also nicht so wichtig? Ja, was denn dann, bitteschön? Es ist ein Rückfall in finstere Zeiten, wo ein Studium davon abhing, ob die Eltern sich das leisten konnten oder nicht", kritisiert das STRAUBINGER TAGBLATT.
Abschließend Stimmen zur Sperrung der Brennerautobahn wegen einer Protestaktion. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG erläutert: "Die Befürchtungen waren groß: Welch ein Verkehrschaos würde es geben, wenn der viel befahrene Brennerpass zwischen Österreich und Italien an einem Samstag wegen einer Demonstration gegen eben jenen Transitverkehr für Stunden gesperrt sein würde? Am Ende konnte man sagen: Nichts ist passiert, alles war gut. Für diesen einen Tag hatten die Anlieger im Tiroler Wipptal das, was sie wollen: mehr Ruhe, eine Pause vom Verkehrsdauerlärm. Was aus diesem Tag folgt, ist ungewiss", notiert die SZ.
Die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock konstatiert: "Der Protest der Menschen im Wipptal reiht sich ein in eine immer längere Liste von Demonstrationen in Transit- und Urlaubsregionen, die sich von Verkehr und Andrang überfordert fühlen. Auch im Rheintal, an der italienisch-französischen Grenze oder rund um die großen Häfen in Belgien und Holland setzen die Lkw den Menschen zu. Auf Mallorca, in Rom, Venedig oder Amsterdam fürchten viele, dass die Touristen ihnen die Heimat entfremden. Wenn wir in Europa handeln und reisen, dann ist das gut so. Nur hat all das eben auch Folgen. Für die Menschen am Weg, ebenso für die Menschen am Ziel. Sie zu schützen, ist daher auch ein Dienst am europäischen Zusammenhalt", argumentiert die OSTSEE-ZEITUNG, mit der diese Presseschau endet.