
"Endlich ein Ende", heißt es dazu in den Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN, zu der unter anderem der DONAUKURIER gehört: "Politisch ist das Signal verheerend – das lässt sich nicht schönreden. Inhaltlich ist der Schritt aber der richtige: FCAS entstammte einer Zeit vor der russischen Vollinvasion in der Ukraine, die die Karten in Europa neu gemischt hat. Deutschland hat finanziellen Spielraum geschaffen, um die größte konventionelle Armee Europas aufzubauen. Dafür braucht die Bundeswehr auch einen Kampfjet, der auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Einen Kompromiss-Flieger, der weder Franzosen noch Deutsche zufriedenstellt, kann sich niemand mehr leisten", kommentieren die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN.
Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg sieht in dem Scheitern des Projekts ein fatales Zeichen für Europa: "Ein starkes Europa, das zusammenrückt und sich selbst verteidigen kann – so klingt die Zukunft in Sonntagsreden. Und wenn es konkret wird? Dann wacht jeder eifersüchtig über den eigenen Vorteil und verfolgt nationale Interessen. Was soll dann das ganze Gerede von der europäischen Souveränität? Nun könnte der High-Tech-Flieger, der nie abheben wird, endgültig zum Symbol für deren Scheitern werden. Alleine dürfte keines der beiden Länder einen Kampfjet der nächsten Generation mit maßgeblich europäischer Technologie auf die Rollbahn stellen können. Zur Kooperation also gibt es keine Alternative", findet die BADISCHE ZEITUNG.
Die WIRTSCHAFTSWOCHE macht vor allem fehlendes wirtschaftliches Interesse beim französischen Partner des Projekts, dem Flugzeugbauer Dassault, für das Scheitern verantwortlich: "Der Vorstandsvorsitzende von Dassault, Éric Trappier, hat auf Jahre gut gefüllte Auftragsbücher mit Bestellungen des Mehrzweckkampfflugzeugs Rafale. Hinzu kommt: In Frankreich steht kommendes Jahr die Wahl einer neuen Regierung an. Ein Sieg des Rassemblement National hätte FCAS ohnehin vom Kurs abgebracht. Kurzum: Zuletzt hatte Trappier schlicht kein Interesse mehr an echter Zusammenarbeit mit Airbus. Stattdessen gab es nur scheinheilige Angebote, das Projekt quasi ganz zu übernehmen", notiert die WIRTSCHAFTSWOCHE.
Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG schaut auf die aktuellen Entwicklungen im Nahost-Konflikt und fragt sich: "Wann hört das eigentlich mal wieder auf mit den schlechten Nachrichten?" Die Antwort der Zeitung aus Heidelberg fällt sehr pessimistisch aus: "Die Welt ist aus den Fugen. Donald Trump hat den kleineren Verbündeten, Israel, nicht mehr im Griff. So viel Ohnmacht eines US-Präsident hat die Welt seit dem schmachvollen Abzug der US-Armee aus Saigon im Jahr 1975 nicht mehr erlebt. Der weltweit größte 'Dealmaker' und sein Land stehen blamiert da", lautet das Resümee der RHEIN-NECKAR-ZEITUNG.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG sieht Trump ebenfalls in einer schwachen Position - und befürchtet erhebliche Auswirkungen auch auf Europa: "Trump ist, so paradox es bei einer Weltmacht scheint, derzeit in der schwächsten Position. Aus innenpolitischen Gründen kann er seine Ziele nicht mit voller militärischer Macht durchsetzen, und er hat es eilig - Stichwort Kongresswahlen. Wieder zeigt sich, was sich mit asymmetrischer Kriegsführung gegen Amerika ausrichten lässt. In Europa sollte darüber niemand Schadenfreude empfinden. Die Selbstdemontage der westlichen Führungsmacht, die Trump auch hier so blind vorantreibt, wird andere ermutigen, nicht zuletzt in Moskau", glaubt die FAZ.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG sieht bei den Machthabern im Iran derzeit eine "Begeisterung über sich selbst". Und erkennt durchaus sachliche Gründe dafür: "So gut Krieg zu führen, das hätte man Iran nicht zugetraut. Aus dem wenigen, was das Regime den Militärmächten USA und Israel entgegenzusetzen hatte, machte es viel. Aus seinen Raketen, vor allem aus den billigen Drohnen. Aus seiner geografischen Lage an der Straße von Hormus. Geblieben aber ist ihnen eine Angst: Was, wenn Iran aus dem Krieg nicht mit genug Abschreckungspotenzial hervorgeht, wenn Israel seine Angriffe fortsetzt, wenn das Volk wieder protestiert?", fasst die SZ die aktuelle Lage zusammen.
Die RHEINISCHE POST stellt die Zivilbevölkerung in der Kriegsregion in den Fokus und kommt zu einem klaren Urteil: "Die Menschen in der Region stehen bei alldem als Verlierer da. Dass der Krieg die Sicherheit in Israel erhöht, ist fraglich – und wenn der israelische Verteidigungsminister von einer Kriegsführung nach dem 'Vorbild des Gazastreifens' spricht, klingt das für die Bevölkerung im Libanon verheerend. Auch die Protestbewegung im Iran gehört zu den Opfern des Krieges. Solange das Regime in Teheran profitiert, Trump keinen realistischen Exitplan hat und Netanjahu den Krieg innenpolitisch braucht, wird die Rechnung – wie so oft – von der Zivilbevölkerung bezahlt", stellt die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf fest.
Themenwechsel. Bei der Wahl in Armenien hat die europafreundliche Partei von Premier Paschinjan die absolute Mehrheit der Parlamentssitze errungen. Die TAZ sieht darin ein klares Signal: "Russland verliert in Armenien weiter an Einfluss, Armenien wird für Europa ein interessanterer Wirtschaftspartner. Dennoch ist der Weg Armeniens in die EU weit:Das Land muss erst seine komplette Wirtschaft umbauen und sich von Russland – seinem wichtigsten Handelspartner und Energielieferanten – entflechten. Auch wenn Armenien derzeit das demokratischste Land der Region ist, rangiert es bei verschiedenen Demokratie-Indizes im Mittelfeld. Der Grund: Polarisierung, Machtmissbrauch und mangelnde Justizunabhängigkeit. Nicht umsonst könnteein EU-Beitritt Armenien 20 bis 30 Jahre dauern", lautet die Analyse der TAGESZEITUNG.
Auch die VOLKSSTIMME aus Magdeburg sieht auf die armenische Regierung schwierige Zeiten zukommen: "Um Beziehungen auf Augenhöhe wird Wahlsieger Paschinjan schwer kämpfen müssen. Hinzu kommt die Sorge vor der russischen Rache. Zwar spricht Paschinjan von Offenheit nach allen Seiten. Das wird der Kreml ganz anders sehen", erläutert die VOLKSSTIMME.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU geht davon aus, dass Russlands Präsident Putin das Ergebnis der Wahl nicht so einfach hinnehmen wird: "Armenien mag sich nach Westen recken, doch der Macht Russlands kann sich der kleine Binnenstaat - eingeklemmt zwischen Georgien, der Türkei und Aserbaidschan - nicht einfach entziehen. Zu eng sind die wirtschaftlichen Verbindungen, zu groß die sicherheitspolitischen Zwänge. Der Wunsch nach mehr Freiheit trifft damit auf die Realität einer fortbestehenden Abhängigkeit. Armenien bleibt ein Land im Schwebezustand", so die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Und die Tageszeitung ND.DER TAG macht darauf aufmerksam, dass Armenien nicht so klar auf Europa-Kurs sei, wie es in Brüssel oft gesehen wird: "Wahlsieger Paschinjan ist ein weitaus größerer Pragmatiker, als man das in Moskau oder Brüssel gerne sehen möchte. Armeniens Premier weiß genau, wo er sich was holen kann, was seinem Land eventuell nützen könnte. Noch am Wahltag machte er klar, dass er nicht vorhabe, mit Russland zu brechen. Worte, die in Brüssel Sodbrennen verursacht haben müssen. Ebenso wie die lobenden Worte für die EU in Moskau. Was Armenien braucht, ist eine echte Perspektive. Weder Moskaus herrisch-drohende noch die europäische Hinhaltepolitik helfen weiter. Im Gegenteil: Beide haben hinreichend bewiesen, dass sie Länder auf diese Weise in den Wahnsinn treiben können. Noch mehr Wahnsinn aber kann Armenien nicht gebrauchen." Mit dieser Stimme der Zeitung ND.DER TAG endet diese Presseschau.
