
Die ALLGEMEINE ZEITUNG betont, Auslöser seien zwei Vorfälle gewesen: "Der Mord am polnisch-britischen Studenten Henry Nowak durch einen indischstämmigen Sikh in Southampton sowie der brutale Angriff eines Sudanesen auf einen Schotten in Belfast. Angefacht werden diese Proteste durch Stephen Yaxley-Lennon, zehnfach vorbestrafter Rechtsextremer und Gründer der Hooligangruppe 'English Defense League', der sich Tommy Robinson nennt und sich aktuell mit Elon Musks Vater in Moskau aufhält. Der Mord an Nowak sowie der Angriff auf den Mann in Belfast haben kaum Gemeinsamkeiten, doch für Robinson ist die Ursache klar: Beide Täter haben einen sichtbaren Migrationshintergrund. Zusammen mit X-Chef Musk rief er daraufhin in sozialen Medien zu Ausschreitungen auf, landesweit sollten Geschäfte geschlossen bleiben. Dem Aufruf folgte vor allem in Belfast ein Mob, der nicht-weiße Menschen angriff, Autos und Häuser anzündete. Ein derartiges Verhalten ist durch nichts zu entschuldigen und zu rechtfertigen. Vielmehr sollte es benannt werden als das, was es ist: ein über die sozialen Medien konzertierter und organisierter Pogrom rechtsextremer Akteure", urteilt die ALLGEMEINE ZEITUNG aus Mainz.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER findet: "Ebenso schlimm wie die Krawalle selbst ist zudem, dass die Abläufe inzwischen fast schon vorhersagbar sind. Ein Gewaltverbrechen geschieht. Ein Video verbreitet sich im Netz. Rechte Aktivisten greifen es auf. Die Wut kocht hoch. Beispiele gibt es mittlerweile leider genug. Ende Juli 2024 verbreiteten sich Falschmeldungen zu einer Tat im englischen Southport schneller als die Fakten. In Ballymena, einer Stadt nördlich von Belfast, genügte im Juni 2025 schon eine Verdächtigung, damit sich eine Wut im Netz anstaute, die gezielt gegen ethnische Minderheiten und Migranten gerichtet war und sich schließlich auf der Straße gewaltsam entlud. Doch nicht nur dieses Eskalationsmuster wiederholt sich, auch die Reaktion der Politiker in Großbritannien ist immer die gleiche. Die Ausschreitungen werden verurteilt, die Täter sollen identifiziert und vor Gericht gebracht werden, die Bevölkerung wird zur Ruhe aufgerufen. Das ist zwar richtig. Aber es reicht offensichtlich längst nicht mehr aus", notiert der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Die TAGESZEITUNG - TAZ - wendet ein: "Diejenigen, die in den unionistischen Vierteln randalierten und Häuser von Migranten niederbrannten, sind zu jung, um sich an 1969 zu erinnern. Aber es steckt die gleiche Mentalität dahinter. Die unionistischen Protestanten fühlen ihre britische Identität bedroht – damals durch die Bürgerrechtsbewegung, heute durch Migranten. Das heißt freilich nicht, dass Katholiken weniger rassistisch sind. In der überwiegend katholischen Republik Irland haben Migranten auch nichts zu lachen. Aber Nordirlands Katholiken haben eben andere Erfahrungen gemacht. Mit Religion hatten die Konflikte in Nordirland nie etwas zu tun. Es ist das Erbe der britischen Kolonialpolitik", vermutet die TAZ.
Die Zeitung DIE WELT ist überzeugt: "Die eigentliche Verantwortung für das, was in Belfast geschieht, trägt keine Rotte maskierter Männer. Sie trägt eine politische Klasse, die eine Einwanderungspolitik betrieben hat, die Kontrolle systematisch der Ideologie des Antirassismus geopfert hat – und die nun, da die Konsequenzen sichtbar werden, wieder zur Beruhigungsrhetorik greift. Keir Starmer ist entsetzt. Er hat keine Toleranz. Er verurteilt. Das reicht nicht mehr. Die Nordiren, die in jener Nacht nicht auf den Staat gewartet haben, sondern handelten, wissen das längst." Wir zitierten DIE WELT.
Themenwechsel. Die Bundesregierung will die Luftfahrtindustrie in Deutschland stärken. Dazu hat das Kabinett eine Strategie beschlossen. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG stellt fest: "Einen konkreten Plan mit Zeitmarken gibt es nicht. Die schon beschlossene Senkung der Ticketsteuer wird zum Teil der Strategie erklärt. Dabei haben Airlines längst angemerkt, dass 2,50 Euro Entlastung für Europaflüge zu wenig und eher 15 Euro nötig seien, um im Wettbewerb zu Nachbarländern aufzuschließen. Was der Bund tun will, um die angestrebte Führungsrolle als Luftfahrtnation zu erreichen, lässt er offen. Begrüßenswert, aber ebenso vage, sind die Bekundungen, deutschen Werken solle eine Führungsrolle beim nächsten Airbus-Mittelstreckenjet zukommen. Wie man das erzwingen will, steht nicht in dem Papier. Und nach dem Aus für das deutsch-französische Kampfjetprojekt FCAS ist offen, welche Formen die bis 2040 geplante Alternative unter 'maßgeblicher' deutscher Beteiligung haben wird. Ein Erkenntnisproblem in Sachen Luftfahrt hat die Bundesregierung nicht. Umso bedauerlicher ist es, dass sie sich nicht durchringen konnte, mehr als diese vage Kursbestimmung vorzulegen", resümiert die F.A.Z.
Die NEUE PRESSE aus Coburg blickt zurück: "Bereits 2016 gab sich die damalige Bundesregierung eine Luftfahrtstrategie. Seitdem hat sich die Branche in Deutschland gut entwickelt, den Umsatz um zwei Drittel gesteigert und bei den Beschäftigten um mehr als 20.000 Menschen auf rund 130.000 zugelegt. Damit das so weitergehen kann, braucht es die richtigen Rahmenbedingungen. Wie fast alle Unternehmen in diesem Land fordert auch die Luftfahrtbranche Reformen ein. Niedrigere Lohnnebenkosten, weniger Bürokratie – das geht ein Luftfahrtunternehmen ebenso an wie einen Autozulieferer und den Bäcker um die Ecke", gibt die NEUE PRESSE zu bedenken.
Anlässlich des heutigen Beginns der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA glaubt die RHEINISCHE POST, das Turnier könnte "trotz mäßiger Anstoßzeiten tatsächlich zum Stimmungsaufheller werden — vorausgesetzt, die Nationalmannschaft liefert. Wenn sie mitreißend spielt, vielleicht sogar ein Spiel hinlegt, das Euphorie entfacht. So wie 2006 gegen Polen. So wie 2014 gegen Brasilien. Und dann klappt’s vielleicht auch mit der Politik. Tatsächlich täte es dem Land gut, wenn Deutschlands Elitekicker eine erfolgreiche WM spielen würden. Bei all den Problemen, die nicht kleingeredet werden dürfen, und bei allen notwendigen, auch schmerzhaften Reformen: Weniger Verzagtheit, mehr Zuversicht; weniger Klage, mehr Optimismus — das stünde der Republik gut zu Gesicht", schätzt die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf.
Die FREIE PRESSE auch Chemnitz vertritt folgende Ansicht: "In einer politisch so erschreckend aufgeheizten Zeit bietet eine Fußball-Weltmeisterschaft die große Chance, sein eigenes Weltbild zu erweitern, zu hinterfragen. In der journalistischen Berichterstattung wird es um viel mehr gehen als nur um Fußball. Es wird um Menschenrechte, Krieg, Rassismus, Religion, Terrorangst gehen. Wir sollten nicht wegsehen oder weghören. Wir müssen uns mit diesen Themen auseinandersetzen, wenn wir es wieder schaffen wollen, ein Miteinander ohne Hass und Hetze zu kreieren. Fußball hatte schon immer die Kraft, Menschen zu vereinen. Das ist auch im ganz kleinen Kreis möglich", schreibt die FREIE PRESSE.
Die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock fragt: "Ob die WM ein Erfolg wird, für alle und trotz allem? Fest steht, dass auch bei vergangenen Turnieren sämtliche Schreckensszenarien in den Hintergrund traten, sobald die Spiele angepfiffen wurden. Zur Wahrheit gehört auch: Eine WM ist immer noch das größtmögliche Fest der Völkerverständigung, Fußball ein Mittel, um für mindestens 90 Minuten alles zu vergessen, was außerhalb des Stadions passiert. Nur dieses Mal muss die Ablenkungskraft des Sportlichen besonders hoch sein, um von einer gelungenen WM zu sprechen. Im Grunde gilt für das Turnier das gleiche wie für die DFB-Auswahl: Beide können nur überraschen." Das war zum Ende dieser Presseschau die OSTSEE-ZEITUNG.
