17. Juni 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Themen sind die Debatte über den Umgang mit Künstlicher Intelligenz und das Votum des EU-Parlaments zum Handelsabkommen mit den USA. Im Mittelpunkt steht weiterhin das G7-Treffen. Auf der Agenda stand gestern Russlands Krieg gegen die Ukraine.

US-Präsident Donald Trump hält ein DFB-Fußball-Trikot mit dem Namen Trump und der Rückennummer 47, das er vom deutschen Kanzler Friedrich Merz bei einem Treffen der G7 bekommen hat
US-Präsident Donald Trump beim G7-Gipfel (picture alliance/dpa/dpa-Pool | Michael Kappeler)
Die HESSISCHE-NIEDERSÄCHSISCHE ALLGEMEINE schreibt: "Neben den Menschen in der Ukraine wünschen sich vor allem deren europäische Nachbarn, dass der Krieg so schnell wie möglich beendet wird. Auf dem G7-Gipfel ist noch einmal deutlich geworden, dass deshalb die Gesprächskanäle zur 'Führung im Kreml' unbedingt offengehalten werden sollen. US-Präsident Trump raunte zuvor wieder einmal von einem 'sehr guten' Telefonat mit Putin und einem möglichen Abkommen. Fast zeitgleich ließ der Angerufene die Ukraine mit Drohnen- und Raketenangriffen überziehen. Es war die Rache für ukrainische Attacken auf russische Ölanlagen. Wie kann man dem Kriegstreiber im Kreml das Interesse am Krieg austreiben? Darauf hat zurzeit noch niemand eine Antwort. Einstweilen soll wieder ein Sanktionspaket den Druck auf Moskau erhöhen. Es ist einmal mehr das Prinzip Hoffnung", stellt die HESSISCHE-NIEDERSÄCHSISCHE ALLGEMEINE aus Kassel fest.
Der Berliner TAGESSPIEGEL geht auf die jüngste Äußerung des US-Präsidenten ein: "Trumps Wunsch, sich nach der 'Befriedung' im Iran wieder mehr um die Ukraine zu kümmern, ist eine Gefahr. Trump sucht den bequemen Weg durch Absprachen mit Putin – ohne Rücksicht auf die Ukraine und Europa. Nach gut vier Jahren Krieg gerät Putin endlich militärisch und wirtschaftlich unter Druck. Nachgeben möchte er dennoch nicht. Er führt Krieg gegen die Zivilbevölkerung und Kulturgüter und droht mit Atomwaffen, weil er weiß, dass viele Europäer ein Kriegsende ohne größere Anstrengungen wünschen. Einen verlässlichen Frieden wird es nur geben, wenn Europa versteht: Putin wird erst Zugeständnisse machen, wenn er mit einer militärischen Niederlage rechnen muss. Verträge mit Putin sind nichts wert; er hat bisher nahezu alle gebrochen. Eingehalten wird nur das, was Europa notfalls auch militärisch durchsetzen kann und will. Es gibt keinen bequemen Weg zum Frieden, der ist eine Illusion", ist sich der TAGESSPIEGEL sicher.
Das ​Europäische Parlament hat endgültig grünes Licht für die Umsetzung des Handelsabkommens mit den USA gegeben. ‌Darauf geht die LAUSITZER RUNDSCHAU ein: "Dass endlich mehr Klarheit und mehr Sicherheit über die Rahmenbedingungen herrschen, dürfte viele deutsche Unternehmen und die Bundesregierung freuen. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass der auf dem Trump-Golfplatz in Schottland getätigte Deal in Wahrheit Ergebnis einer Art Erpressung ist. Der US-Präsident hatte mit noch viel höheren Zöllen gedroht – was insbesondere das exportorientierte Deutschland nachgiebig stimmte. Und Trump hatte auch mal wieder den Entzug von militärischem Schutz in Aussicht gestellt. Ergebnis dieser Strategie: Europa muss fortan 15 Prozent Zoll bezahlen, die USA nichts. Das ist der Preis der doppelten Abhängigkeit", konstatiert die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus.
Die STUTTGARTER ZEITUNG rät zur Vorsicht: "Die Europäer sind gut beraten, wenn sie sich auf den nächsten Erpressungsversuch des US-Präsidenten vorbereiten. Zum einen muss die EU die eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken, etwa durch bessere Rahmenbedingungen für die heimische Industrie. Auf der anderen Seite muss Europa auf einen neuen Zollstreit vorbereitet sein. Mögliche Gegenmaßnahmen sind bereits bei der ersten Auseinandersetzung erarbeitet worden. Die sind zwar in der Schublade verschwunden, müssen im Notfall aber wieder auf den Tisch. Europa ist eine Weltmacht, dieses Gewicht muss die EU in die Waagschale werfen. Die deutliche Botschaft an Trump muss sein, dass Europa in Sachen Handelspolitik guten Willens, aber nicht wehrlos ist", unterstreicht die STUTTGARTER ZEITUNG.
In Deutschland wird über mögliche Grenzen beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz diskutiert. Der KÖLNER STADT-ANZEIGER mahnt: "Die Debatte darum, ob und wie Künstliche Intelligenz im Politikbetrieb genutzt wird, muss dringend differenziert geführt werden. Grundsätzlich zu kritisieren, dass Politiker oder ihre Referentinnen und Redenschreiber sich von KI helfen lassen, wenn sie Texte und Ansprachen erstellen, ist im Jahr 2026 weltfremd. KI ist als Werkzeug aus dem Arbeitsalltag heute nicht mehr wegzudenken. Problematisch wird es allerdings, wenn die KI ganze Textpassagen aus dem Internet plagiiert oder leichte bis schwere inhaltliche Fehler in den Text einbaut – und den verantwortlichen Menschen das nicht auffällt, weil sie es an einer Überprüfung und Endkontrolle mit Sinn und Verstand fehlen lassen. So wie bei einem Gastbeitrag des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt, der frei erfundene Zitate enthalten haben soll und den die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' deshalb aus dem Netz nahm. Politiker sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie am Ende allein verantwortlich sind für Beiträge und Reden, die offenkundigen KI-Unsinn enthalten. Sie und ihre Teams täten schon aus Eigennutz gut daran, verantwortlich mit KI umzugehen", rät der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG rechtfertigt die Depublizierung des Gastbeitrages des thüringischenMinisterpräsidenten. "Der Text enthielt Zitate von Dritten, die so nie gesagt oder geschrieben worden waren. Es handelte sich um 'Halluzinationen' einer Künstlichen Intelligenz. Bislang beruhte das Instrument des Gastbeitrags auf Gegenseitigkeit – das Medium bietet die Bühne, der Autor liefert eine durchdachte, vor allem aber eigene Argumentation. Doch dieses Modell wird entwertet, wenn der Inhalt auf Knopfdruck generiert und im schlimmsten Fall von einem Algorithmus halluziniert wird. KI kann bei der Recherche helfen, beim Durchforsten und der Prüfung der Fakten und von Widersprüchen in der Argumentation, auch bei der Rechtschreibkontrolle. Doch der Text stammt von einem Menschen, der die Idee dazu hatte und seine Gedanken aufgeschrieben hat. Der Autor muss die inhaltliche Hoheit über den Text behalten", fordert die F.A.Z.
Die Zeitung DIE WELT ergänzt: "Wer künstliche Intelligenz – wie der Ministerpräsident Mario Voigt – nur dazu nutzt, um gedankenarme Texte mit unoriginellen Argumenten in unschöner Sprache unters Volk zu bringen, der macht sich auf lange Sicht überflüssig.Allerdings darf man den Verdacht schöpfen, dass jemand, der solche Texte in Auftrag gibt und autorisiert, auch aus eigener Kraft wenig Interessantes zu Papier bringt. Die Ideenlosigkeit des KI-Texts dokumentiert in solchen Fällen die Ideenarmut des Absenders, so wie sich Politiker auch schon in Vor-KI-Zeiten durch ihre Phrasen charakterisierten." Wir zitierten DIE WELT.
Zum Schluss ein anderes Thema. In Berlin und Warschau wird heute an den Abschluss des deutsch-polnischen Freundschaftsvertrages vor 35 Jahren erinnert. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG bemerkt: "Ein Anlass für große Gesten ist das nicht. Das Verhältnis beider Länder bezeichnen auch größte Enthusiasten als bestenfalls lau. Auch zum 35. Geburtstag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages werden keine weiteren Zahlungen an die noch lebenden Opfer des NS-Regimes in Polen verkündet. Betroffen sind derzeit knapp 50.000 hochbetagte Menschen. Die polnische Seite hätte gern Leistungen in Form monatlicher Renten. Premierminister Tuskdroht, solche Renten aus dem eigenen Haushalt zu zahlen, wenn Berlin keine Lösung bietet. Es wäre die maximale Blamage. Deutschland ist jetzt am Zug. Wozu gibt es eine Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung? Diese besitzt umfassende Datenbanken. Mit dessen Hilfe kann die Bundesregierung sich selbst und der Öffentlichkeit genau erklären, warum und an wen gezahlt wird. Auch die polnische Regierung könnte mithilfe der Stiftung zeigen, wem durch ihre Vermittlung weiterer Zahlungen geholfen wurde, und damit mögliche Kritiker in die Schranken weisen." Das war die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.