18. Juni 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Themen sind die schlechten Geschäftszahlen von BMW, die neuen EU-Regeln für Gentechnik und allem voran der Abschluss des G7-Gipfels in Frankreich. Dazu notiert die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg:

Verschiedene Flaggen in unterschiedlichen Farben stehen nebeneinander.
Zu den G7 gehören 7 Länder. (IMAGO / ABACAPRESS / IMAGO / Lafargue Raphael / ABACA)
"G7 wäre dann attraktiv, wenn wirklich die wichtigsten Staaten zusammenkämen. China fehlt, Russland bleibt ausgeschlossen. Brasilien und Indien nur als Gäste. Dafür Italien als Dauerteilnehmer? G7 drückt schon lange nicht mehr die Macht- und Wirtschaftsverhältnisse aus, die die Welt von morgen prägen. Durch den russischen Überfall auf die Ukraine und die damit einhergehende Entfremdung entstanden außerdem neue Formate, in denen sich Länder zusammentun, die vor allem das eine Interesse verfolgen: die westliche Dominanz zu brechen.", ist die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG überzeugt.
Die NÜRNBERGER ZEITUNG stellt fest: "Die Frage begleitet alle G7-Gipfel seit Jahren: Was bringen diese aufwändig organisierten Zusammenkünfte auf höchster Regierungsebene eigentlich? Vor allem das peinlich anmutende Umschmeicheln von US-Präsident Trump war keine Darbietung europäischen Selbstbewusstseins. Historisch war dieser Gipfel nicht, aber allein, dass er nicht zum totalen Fiasko wurde, erscheint in diesen Zeiten schon wie ein Erfolg."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG findet: "Beim G7-Gipfel in Évian ist Bemerkenswertes geschehen. Der US-Präsident hat sich gegen den russischen Präsidenten Putin gestellt. Die G7 konnten eine Erklärung verabschieden, die fast so klang wie in früheren Zeiten. Den Europäern und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj scheint es mit vereinten Kräften gelungen zu sein, Trump auf ihre Seite zu ziehen. Sollte das von längerer Dauer sein, könnte das tatsächlich einen Wendepunkt in dem von Russland 2022 begonnen Krieg gegen die Ukraine darstellen."
Für die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf ist es "bemerkenswert, dass Trump beim G7-Gipfel Moskau zu einem Abkommen mit Kiew zur Beendigung des Ukraine-Kriegs aufgefordert hat. Nun geht es darum, dass der wankelmütige Präsident den von den USA abhängigen Europäern und der Nato nicht doch wieder den Rücken zukehrt. Offenbar will Washington dem Militärbündnis schon bald weniger strategische Bomber und Kampfjets bereitstellen. Hier muss Europa liefern. Was das alles mit der deutschen Teilnahme an einer internationalen See-Operation im Mittleren Osten zu tun hat – noch dazu bei einer Marine, die ohnehin an der Belastungsgrenze ist? Sehr viel. Dahinter steckt ein politisches Geben und Nehmen: Deutschland sichert die für den Ölhandel so wichtige Wasserstraße von Hormus mit und hofft im Gegenzug auf amerikanische Verlässlichkeit – im Bündnis wie in der Ukraine. Es geht nicht nur um Minenräumung, sondern auch um ein transatlantisches Signal", gibt die RHEINISCHE POST zu bedenken.
"Was die Sicherung der Straße von Hormus angeht, ist Europa zu fast allem bereit," analysiert die TAZ aus Berlin. "Die Betonung liegt auf dem Wörtchen „fast“, denn bei einer zentralen Frage wollen Frankreich, Großbritannien und Deutschland ganz bestimmt nicht mitmachen: die Meerenge im Zweifel freizuschießen, sollte Iran die Weltgemeinschaft nach dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg weiterhin mit einer Seeblockade bestrafen. Seit der vollmundigen Ankündigung von Bundeskanzler Merz, Deutschland könne sich an einer Mission beteiligen, wiederholt die ganze Regierung jedoch ein Mantra: Die deutsche Marine rückt erst aus, wenn die Kampfhandlungen in Iran enden. Mit dem Deal zwischen Donald Trump und dem Mullahregime am Freitag würden die Waffen dort tatsächlich erst einmal schweigen. Es könnte also wirklich bald zu einem Mandat für die Bundeswehr kommen", vermutet die TAZ.
DIE WELT geht auf die Absichtserklärung der USA und des Iran ein und nennt sie "ein Schauspiel der Schwäche". "Grandioser, lauter, sichtbarer kann eine Supermacht kaum scheitern. Es ist ein Schauspiel der Schwäche, das nur mit dem Abzug der Sowjetunion aus Afghanistan zu vergleichen ist oder mit dem Bild jener überfüllten Helikopter, mit denen die USA am Ende des Vietnamkriegs in den 1970er-Jahren ihr letztes Botschaftspersonal aus Saigon ausflogen. Wer Trump nicht mag, wird sich jetzt vielleicht freuen. Aber zu Freude gibt es keinen Anlass. Mit dieser Niederlage könnte die Welt unsicherer und brutaler werden", ließt man in der WELT.
Und damit zum nächsten Thema: Die EU verändert den Umgang mit Gentechnik, schränkt die Risikoprüfung ein und erlaubt die Patentierung von Saatgut. DIE BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg hält dazu fest: "Die Kennzeichnungspflicht hat es Verbrauchern erleichtert, beim Einkaufen ihre Wahl zu treffen. Das Label einfach unter den Tisch fallen zu lassen, ist unsouverän gemogelt. Und mit dem Verweis auf weniger Bürokratie und Kosten lässt sich jede noch so sinnvolle Risikoprüfung aus dem Weg räumen. Dass anderswo Dinge erlaubt sind, kann nicht immer das Argument sein. Gravierend ist die Änderung bei Patenten: Damit macht die EU den Weg frei für das große Geschäft und für neue Abhängigkeiten der Landwirte. Profitieren dürften Konzerne, die Geld und Kapazitäten für Gerichtsverfahren über Patentnutzungen haben. Die strengen Bedingungen, die Brüssel angekündigt hat, muss es jetzt auch liefern. Wenigstens das", meint die BADISCHE ZEITUNG.
Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm konstatiert: "Beim Thema Neue Gentechnik schrillen auf allen Seiten die Alarmglocken. Für die Befürworter ist sie der Schlüssel zur Ernährungssicherheit in Zeiten des Klimawandels, für die Kritiker bedeutet sie eine Gefahr für die Natur und die Gesundheit des Menschen. Beide Seiten führen gute Argumente ins Feld. Wichtig für die Verbraucher ist, dass sie in Zukunft nicht mehr auf den ersten Blick erkennen können, ob sie im Supermarkt durch moderne Gentechnik-Verfahren veränderte Lebensmittel einkaufen. Wer das nicht möchte, muss auf Bio-Produkte umsteigen.Schwierig wird es beim Thema Patentrechte. Es besteht die Gefahr, dass sich große Agrarkonzerne wichtige Patente sichern und damit einen zentralen Einfluss auf die Ernährungssicherheit in Europa bekommen. Das muss verhindert werden", fordert die SÜDWEST PRESSE.
Und damit zu den vorgelegten Zahlen vom deutschen Autohersteller BMW. Der Münchner Konzern hat seinen Gewinn für das laufende Geschäftsjahr deutlich nach unten korrigiert. Dazu schreibt das HANDELSBLATT: "Lange galt in der deutschen Autobranche ein ungeschriebenes Gesetz: So schwierig die Lage in der Industrie auch sein mag, BMW bleibt stabil. Die Münchener kämpften zwar auch mit fallenden Erträgen. Aber mit Blick auf die Probleme in Stuttgart, Ingolstadt, Wolfsburg und Zuffenhausen wähnte man sich noch als Sieger. Damit ist es nun vorbei. Ganz unerwartet kam die Gewinnwarnung zwar nicht. Überraschend war aber wohl, wie drastisch BMW seine Erwartungen verringerte. Manche Analysten fragen schon, ob das Geschäftsmodell nicht neu ausgerichtet werden müsse, ebenfalls eine Frage, die man sonst eher aus dem VW- und Mercedes-Kosmos kennt", betont das HANDELSBLATT.
Der SPIEGEL kritisiert den abgetretenen Konzernchef von BMW Oliver Zipse: "Er vermittelte den Eindruck, als sei der erbitterte Preis- und Verdrängungswettbewerb, der in China stattfindet, ein vorübergehendes Phänomen und als könne er BMW als Premiumanbieter auf Dauer nichts anhaben. Dabei sinken die BMW-Absätze dort seit mehr als zwei Jahren bedenklich, und wenig spricht dafür, dass die zuletzt schwache Autonachfrage in China anzieht oder der Preiskampf sich entspannt. Absehbar war auch, dass der Krieg in Iran und die in der Folge steigenden Energiepreise verzögert auf die deutsche Industrie durchschlagen würden. Zipses Nachfolger Milan Nedeljković tut nun, was jeder neue CEO tut, zumal, wenn der Vorgänger besonders hohe Erwartungen geschürt hat: Er legt die Schwächen offen, senkt die Prognosen und kündigt Sparmaßnahmen an. Allerdings bleibt Nedeljković vage, wie er die Probleme bei BMW lösen will."