
"Endlich denkt eine Bundesregierung mal wieder über den nächsten Wahltag hinaus", meint der KÖLNER STADT-ANZEIGER: "Unter dem Strich verdient diese Reform tatsächlich ihren Namen. Sie ist auf die Zukunft gerichtet und verzichtet – anders als die Sozialpolitik der vergangenen Jahrzehnte – auf per Gießkanne verteilte Wohltaten, die künftige Generationen zahlen müssen. Im Gegenteil: Verteilt werden soll, was zunächst durch Arbeit erwirtschaftet wird. Nun wäre es schön, wenn dann tatsächlich ein Herbst der Reformen folgt, in dem bei Gesundheit und Pflege nicht nur gespart, sondern die Systeme auch für die Zukunft aufgestellt werden", hofft der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
"Diese Reform darf nicht scheitern", warnt die STUTTGARTER ZEITUNG: "Es geht dabei nicht nur um die Rente, sondern um die finanzielle Stabilität unseres Sozialstaats. Im Zuge der nun geplanten Umbauten würde jedoch ein Fundament zementiert, das ihren Bestand mittelfristig sichert. An einigen Stellen werden neue Wege beschritten, die der Rente auch auf lange Sicht Zukunftsperspektiven eröffnet: etwa durch ein Andocken an den Kapitalmarkt oder durch die Einbeziehung sämtlicher Berufe – womöglich auch der Beamten. Das wäre überfällig. Wenn die Regierung dieses Gesamtpaket tatsächlich bis Jahresende liefert, könnte sie doch noch als Reformkoalition in die Annalen eingehen", prognostiziert die STUTTGARTER ZEITUNG.
"Viele Reformvorschläge stoßen naturgemäß auf Widerstand, sind aber dennoch notwendig", betont die Zeitung DIE GLOCKE aus Oelde: "Wenn etwa die Lebenserwartung weiter steigt, ist es richtig, das Renteneintrittsalter sukzessive zu erhöhen. Für Arbeitnehmer in Jobs mit gesundheitlichen Härten sollen zu Recht Sonderregelungen greifen, die einen früheren Berufsausstieg ermöglichen. Eine längst überfällige Neuerung ist der Einstieg in den lukrativen Aktienmarkt über die Kapitalrente. Schweden hat damit gute Erfahrungen gemacht, die man sich zunutze machen sollte", fordert DIE GLOCKE.
"Die Kapitalrente ist nicht sicher", schreibt hingegen die TAGESZEITUNG – TAZ: "Aus guten Gründen hat Bundeskanzler Adenauer in den 1950er Jahren die Rente von der Kapitaldeckung auf das Umlageverfahren umgestellt. Nach zwei Weltkriegen war nicht mehr genug Kapital da. Abgesehen davon werden die Zeiten nicht friedlicher: Vor Börsencrashs ist niemand sicher. Die Reaktionen an den Börsen auf Trumps Kapriolen zeigen, wie schnell Finanzmärkte ins Wanken geraten. Und: Investieren am Kapitalmarkt ist nicht umsonst. Finanzdienstleister bekommen saftige Gebühren und Provisionen", notiert die TAZ.
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg kritisiert die Abschaffung der Minijobs: "Die Belastungen sollen angeblich gleichmäßig auf die Gesellschaft verteilt werden. Dass das nicht funktioniert, zeigt die Attacke auf die Minijobs. Während Gewerkschaften monieren, dass die 603-Euro-Tätigkeit kaum was an Rentenpunkten bringe, macht sich in der Gastronomie Katastrophenstimmung breit. Allein in dieser Branche arbeiten gut eine Million Menschen auf dieser Basis. Schülerarbeit wird die Lücken nicht füllen können. Insgesamt gibt es fast sieben Millionen Minijobber in Deutschland. Das Beschäftigungsmodell wurde nach Einführung vor gut 20 Jahren gefeiert – als Mittel gegen die Schattenwirtschaft. Genau da könnten diejenigen landen, die ihren Job nun verlieren", befürchtet die VOLKSSTIMME.
Auch die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG glaubt, dass die Abschaffung der Minijobs negative Folgen für Millionen haben könnte: "Viele Menschen stocken ihre Teil- oder Vollzeitstelle mit einem Minijob auf, um über die Runden zu kommen. Bricht das Modell weg, zahlen sie auf die Nebentätigkeit Steuern und Abgaben und hätten am Monatsende bei gleicher Stundenzahl weniger Geld auf dem Konto. Wenn Kanzler Merz mehr Arbeit fordert, sollte die Regierung nicht die bestrafen, die diese bereits leisten", merkt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG an.
Blicken wir auf die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU sieht Stillstand statt Fortschritt bei den Gesprächen: "Der erhoffte Frieden ist wieder in weite Ferne gerückt, wie die Entspannung für die Weltwirtschaft, weil die zugesicherte freie Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus infrage steht. Zwei scheinbar unüberwindliche Hürden stehen Washington im Weg. Zum einen die Mullahs, die verhandeln, ohne Zugeständnisse zu machen. Zum anderen die israelische Regierung von Netanjahu, die weder die vereinbarte Waffenruhe im Libanon einhält, noch ihre Armee aus dem Nachbarland abziehen will. Das könnte dazu führen, dass die Verhandlungsfrist von ursprünglich 60 Tagen verlängert wird. Das wäre eine gesichtswahrende Lösung für Trump, die Mullahs und Netanjahu. Sonst würde niemand davon profitieren", analysiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die FRANKFURTER ALLLGEMEINE ZEITUNG beobachtet, dass das Ansehen Trumps in der Welt immer weiter sinke: "Ausweislich einer neuen Studie haben besonders die Menschen in Europa kaum Vertrauen in den amerikanischen Präsidenten. Angesichts der Tatsache, wie er in den vergangenen anderthalb Jahren agiert hat, wen er alles vor den Kopf gestoßen und beleidigt hat, ist das kein Wunder. Wer selbst seine Verbündeten so behandelt wie Trump, muss sich nicht wundern, dass er nicht geliebt wird. Tief blicken lässt dabei eine Einschätzung aus Deutschland: Trump vertrauen hierzulande sogar fast so wenige Leute wie dem russischen Präsidenten Putin", heißt es in der F.A.Z.
Zurück nach Deutschland. Laut den Daten des Deutschen Schulbarometers der Robert-Bosch-Stiftung fühlen sich viele Lehrkräfte durch das Verhalten von Schülern zunehmend belastet. "Schule könne nicht die Probleme der Gesellschaft lösen, heißt es oft. Doch wer soll es sonst tun?", fragt sich die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder: "Wichtig ist, die Lehrer nicht alleinzulassen. Geld und Mittel müssen konsequenter dorthin gegeben werden, wo sie am meisten gebraucht werden: erst in die frühkindliche Bildung, dann in die Brennpunktschulen. Lehrer brauchen dort die Hilfe von Sozialarbeitern und Psychologen. Dazu kommt: Lehrkräfte müssen noch besser aus- und fortgebildet werden. Pisa-Chef Schleicher verweist immer wieder darauf, wie entscheidend die Rolle des Lehrers ist. Wenn er seine Schüler wirklich kennt und eine echte Bezugsperson für sie ist, lernen diese deutlich erfolgreicher", erklärt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG.
"Der Frust an den Schulen ist groß", stellt der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER fest: "Schon lange werden mehr Schulsozialarbeiter, mehr Schulpsychologen und auch mehr Lehrkräfte versprochen. Multiprofessionelle Teams sind in aller Munde, nur häufig in viel zu geringer Zahl an den Schulen anzutreffen. Doch um das Problem in den Griff zu bekommen, braucht es noch mehr: guten Unterricht, der die jungen Menschen in ihrer Lebensrealität abholt. Auch hier gibt es noch viel Luft nach oben", findet der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
Das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND unterstreicht: "An Motivation und Wille fehlt es nicht – zumindest bei den Lehrkräften. Sie wünschen sich Weiterbildungen und wollen wissen, wie sie Kompetenzen wie Empathie, Selbstregulation und kritisches Denken fördern können. Zudem sind 83 Prozent zufrieden mit ihrem Job. Das ist deutlich höher als in anderen Branchen – auch wenn etwas mehr als ein Viertel angibt, den Beruf bei einer Alternative aufgeben zu wollen. Damit dieser Elan nicht verpufft, braucht es endlich einen bildungspolitischen Plan – sonst ist die chronische Überforderung an den Schulen nicht mehr zu stoppen." Mit dem Kommentar aus dem REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND endet diese Presseschau.
