25. Juni 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Mit folgenden Themen: Der Hitzewelle, dem mehrstündigen, bundesweiten Zugausfall bei der Deutschen Bahn und den Vorschlägen der Expertenkommission für den Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt.

Eine Warnmeldung auf einem Smartphone über eine bundesweite IT-Störung im Bahnverkehr. Im Hintergrund eine Bahnhofsuhr, die ein Uhr fünfundzwanzig in der Nacht anzeigt.
Warnmeldung über eine bundesweite IT-Störung im Bahnverkehr (picture alliance / SNS | Steven Mohr)
"Die Empfehlungen richten sich nicht nur an den Gesetzgeber", resümiert die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf: "Auch Verwaltung, Eltern, Bildungsinstitutionen, Gesundheitswesen und die Plattformen selbst werden angesprochen. Die Vorschläge sind weitreichend – von einer Stärkung der Medienkompetenz bis hin zu Handyverboten an Schulen. Bei einem Social-Media-Verbot positioniert sich die Kommission nicht klar, sondern schlägt zwei mögliche Pfade vor. Familienministerin Prien sprach sich schon dafür aus, soziale Medien grundsätzlich erst ab 13 Jahren zu erlauben. In dieser Frage wäre es tatsächlich wichtig, dass die Politik das scharfe Schwert des Verbots zieht. Von den Algorithmen sozialer Netzwerke, die auf maximale Bildschirmzeit optimiert sind, lassen sich schon Erwachsene oft genug verführen", gibt die RHEINISCHE POST zu bedenken.
Die Wochenzeitung DIE ZEIT bezeichnet die Quintessenz des Expertenrates als zu defensiv: "Nicht einmal auf eine Altersvorgabe von 13 Jahren konnten sich die Experten einigen. Obwohl es diese Grenze bei vielen Plattformen schon gibt; nur kontrolliert sie keiner. Ebenso fragt man sich, warum Handys zu privaten Zwecken nur bis Klasse sieben aus der Schule verbannt werden sollen. Auch in Klasse acht und neun verhindern sie Gemeinschaft. Viele Schulen geben sich bereits Altersregeln, was kürzlich noch unmöglich schien", unterstreicht DIE ZEIT.
Aus Sicht der STUTTGARTER ZEITUNG lassen die komplexen Ideen der Experten eine typisch deutsche Regelung befürchten: "Differenziert bis in die kleinsten Details - aber unpraktikabel und schwer verständlich. Vieles spricht für europaweite Standards und größtmögliche Klarheit. Im Interesse von Kindern und Eltern sind unmissverständliche Regeln angezeigt: ein Alterslimit ohne Einschränkungen und Ausnahmen, einheitliche Vorschriften für ein Verbot der privaten Handynutzung an sämtlichen Schulen - um nur zwei zu nennen, die unverzichtbar sind", erläutert die STUTTGARTER ZEITUNG.
Damit das Vorhaben gelingt, muss es nach Meinung der LAUSITZER RUNDSCHAU auf europäischer Ebene umgesetzt werden: "Bei diesem Einwand dürften viele Menschen die Augen verdrehen. Etwas europäisch zu regeln, heißt oft genug, es in eine unbestimmte Zukunft zu verlagern. Die Bedenken sind verständlich. Und doch hätte alles andere keinen Sinn. Ob eine Altersgrenze wirkt, hängt davon ab, ob es gelingt, die Plattformen in Verantwortung zu nehmen. Das geht nur auf EU-Ebene - sowohl rechtlich als auch praktisch. Außerdem spricht einiges dafür, dass die EU dieses Mal schneller sein könnte als üblich. Erstens liegen die Interessen der Mitgliedsstaaten nicht so weit auseinander wie bei anderen Vorhaben. Zweitens ist es nicht so komplex wie etwa die Reform des europäischen Asylsystems. Drittens hat die EU-Kommission schon mit der Arbeit angefangen, Mitte Juli will sie einen Vorschlag vorlegen." Soweit die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus.
Für das STRAUBINGER TAGBLATT besteht die beste Lösung darin, "dass die Betreiber der Plattformen verpflichtet werden, dass die Inhalte nicht jedem zugänglich sind, etwa dem deutschen Jugendschutz entsprechend. Dann nämlich müssen diese Tech-Giganten selbst Schranken einbauen - wie sie das machen, muss uns gar nicht groß interessieren, es muss nur wirksam sein. Das werden Instagram und Co verhindern wollen, aber die EU kann das durchsetzen, auch mit deutscher Initiative", ist sich das STRAUBINGER TAGBLATT sicher.
Dass ein Ausfall im digitalen Zugfunk den Bahnverkehr bundesweit für rund zwei Stunden lahmgelegt hat, ist Thema in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG: "Für die Deutsche Bahn kommt dieser Vorfall zur schlechtesten Zeit. Die Pünktlichkeit ist miserabel, die Betriebsqualität seit Langem ein Ärgernis, und aus Stuttgart 21 ist inzwischen Stuttgart 31 geworden. Und nun das. Dabei ist der Stillstand vom Dienstagabend mehr als nur eine besonders spektakuläre oder besonders peinliche Bahnpanne. Selbst wenn am Ende ein Updatefehler oder eine fehlerhafte technische Komponente die Ursache gewesen sein sollte: Fehler passieren überall. Kritische Infrastruktur muss aber so gebaut sein, dass nicht ein einzelner Fehler den Verkehr im ganzen Land zum Erliegen bringt. Genau darin liegt die eigentliche Brisanz", hebt die F.A.Z. hervor.
Kritik kommt auch vom KÖLNER STADT-ANZEIGER: "Dieses Geschehen hat eine Tragweite, die über bisherige Störungen weit hinausgeht. Nicht nur der Konzern muss Antworten liefern, die Regierung ist gefragt. Während draußen die Aggressoren lauern, ist der Schutz kritischer Infrastruktur offenbar noch längst nicht so gut, wie die Verantwortlichen in der Politik es glauben machen wollen."
Die NÜRNBERGER ZEITUNG meint: "Fest steht, dass die Schonfrist für die im Herbst 2025 ins Amt gekommene Bahnchefin Palla endgültig vorbei ist. Sie wolle den Konzern 'vom Kopf auf die Füße stellen', hat sie mehrfach betont. Damit muss sie sich beeilen. Und die Regierung sollte sich endlich ernsthaft mit der Frage befassen, ob die Infrastruktur nicht doch besser in einer bundeseigenen Gesellschaft aufgehoben wäre."
In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG ist dagegen von einem – wenn auch bitteren und inakzeptablen – Einzelfall die Rede: "Es ist naheliegend und einfach, diese Panne in eine Reihe zu stellen mit densonstigen Unzulänglichkeiten der Deutschen Bahn. Mit dem kaputten Schienennetz,den Verspätungen, den miesen Fahrgastinformationen. Also tat es am Mittwoch ein Politiker nach dem anderen, noch bevor die Ursache für den Ausfall überhaupt geklärt war. Wie töricht. Wer jetzt von einem 'maroden' Zugfunk schwadroniert und sich dazu aufschwingt, der Bahn die Sinnhaftigkeit von Ausfallsystemen zu erklären, handelt entweder aus purer Unwissenheit heraus oder schlicht populistisch. Keine Frage: Der Vorfall muss untersucht werden und darf sich nicht wiederholen", findet die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Und in der TAGESZEITUNG - TAZ - heißt es: "Erst nach etwa 90 Minuten war das akuteste Problem behoben. Das ist einegroßartige Leistung jener Beschäftigten, die tagtäglich in diesem marodenSystem Übermenschliches leisten. Doch der Schaden für HunderttausendeReisende und für das Vertrauen in die Bahn bleibt. Mal wieder. Dabei zeigenUmfragen und Studien, dass die Menschen umsteigen wollen, raus aus derAbhängigkeit vom Auto. Das Potenzial ist riesig. Aber es kann sichnicht entfalten, wenn das System nicht funktioniert. Echte Verkehrswendebedeutet: Die Bahn muss so verlässlich sein, dass das Auto zur zweiten Wahlwird. Dafür braucht es neben dem massiven Ausbau der Schieneninfrastrukturauch eine Modernisierung der Sicherheitstechnik", verlangt die TAZ.
Mit der aktuellen Hitzewelle in Europa und dem Verhalten der Menschen befasst sich die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg: "Ein bisschen ist es so wie mit dem Frosch im Wasser, befanden US-Forscher: Ist es heiß, springt er raus, ist das Wasser lauwarm und erwärmt sich nur langsam, bleibt er sitzen und lässt sich kochen. Diese Gewöhnung an Extremwetterlagen aber ist schlecht für den Klimaschutz. Denn sie ändert nicht unser Verhalten, um den CO2-Anstieg in der Atmosphäre zu reduzieren. Was aber die jüngsten Hitzewellen hierzulande klar gemacht haben sollten: Europa wird sich aufgrund seiner geografischen Lage schneller erwärmen als andere Kontinente. Dennoch ist Deutschland weiterhin nicht ausreichend vorbereitet. Längst hätten unsere Städte viel stärker reagieren müssen auf den Klimawandel – mit dem Pflanzen von mehr Bäumen, mit Trinkwasserzapfstellen, Klimaanlagen in Krankenhäusern und Pflegeheimen", mahnt die BADISCHE ZEITUNG zum Ende der Presseschau.