26. Juni 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Es geht um die Resonanz auf den neuen Wehrdienst, das Verhältnis zwischen Bund und Ländern und die Hitzewelle in Deutschland. Zunächst aber nach Polen, wo auf einer Konferenz in Danzig internationale Geber über den Wiederaufbau der von Russland angegriffenen Ukraine beraten.

    Donald Tusk, Emmanuel Macron, Friedrich Merz, Giorgia Meloni und Keir Starmer stehen bei einer Pressekonferenz nebeneinander.
    Viele Kommentare greifen die Wiederaufbau-Konferenz für die Ukraine in Polen auf. (AP Photo / Ebrahim Noroozi / Ebrahim Noroozi)
    "Die Konferenz sendet zwei Signale", beobachtet die FRANKFURTER RUNDSCHAU: "Dem russischen Autokraten Wladimir Putin wird bedeutet, dass der Westen nicht nur bis zu einem möglichen Kriegsende, sondern darüber hinaus an der Seite Kiews steht. Und den Menschen in der Ukraine soll vermittelt werden, dass sie nach dem militärischen Konflikt mit dem teuren und beschwerlichen Wiederaufbau des in großen Teilen zerstörten Landes nicht alleine gelassen werden. Der Wiederaufbau des Landes wird nicht einfach. Optimistisch kann man trotzdem sein. Schließlich sind die westlichen Verbündeten zusammen mit Kiew in den letzten Monaten in vielen Bereichen gut vorangekommen. Mit vereinten Kräften haben die europäischen Verbündeten auch das sinkende US-Engagement kompensiert. Zusätzlich sorgen sie mit den begonnenen EU-Beitrittsverhandlungen für eine Perspektive Kiews", hält die FRANKFURTER RUNDSCHAU fest.
    DAS HANDELSBLATT notiert: "Niemand gab sich Illusionen über ein baldiges Kriegsende hin. Vielmehr zeigte sich in Danzig ein neuer Realitätssinn. Die polnischen Gastgeber hatten erstmals das Thema Verteidigung auf die Tagesordnung gesetzt. Zunehmend setzt sich bei den Europäern die Einsicht durch, dass Ukrainehilfen vor allem Investitionen in die eigene Sicherheit sind."
    Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG meint: "Letztlich ist die Recovery Conference eine große Wirtschaftsmesse. Am Wiederaufbau lässt sich verdienen, auch an einem Land, das in die EU will. Ob man nun Windräder bauen oder Krankenhäuser einrichten möchte. Auch die immensen Summen, welche die EU bereitstellt, sind teilweise gedacht, private Investitionen zu befördern. Vertrauen soll geschaffen werden, indem die Staaten in Vorleistung gehen. So wurde bei der Konferenz vor einem Jahr in Rom ein sogenannter Flagship Fonds angekündigt, den Deutschland, Polen, Frankreich und Italien mit der EU mit 220 Millionen Euro befüllt haben. Auf dieser Grundlage sollen private Investoren dazu gewonnen werden, gemeinsam will man Energie-und Infrastrukturprojekte auf den Weg bringen", erläutert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
    DIE GLOCKE aus Oelde geht näher auf den Konflikt zwischen der Ukraine und dem Konferenzgastgeber Polen ein: "Sicherlich war es nicht klug von Wolodymyr Selenskyj, eine Militäreinheit nach der Ukrainischen Aufstandsarmee zu benennen, die im Zweiten Weltkrieg gegen die Besatzer kämpfte, aber auch Massaker an zehntausenden Polen beging. Angesichts des brutalen russischen Invasionskriegs sollte man ihm diesen Fehler aber nachsehen. Polens rechtskonservativer Präsident Nawrocki hat leider das Gegenteil getan und den Streit durch die Aberkennung eines polnischen Ordens für Selenskyj ordentlich befeuert. Die polnische rechtsnationale Pis-Partei sollte es unbedingt unterlassen, den Streit innenpolitisch für die anstehende Parlamentswahl im kommenden Jahr auszuschlachten. Denn der Feind sitzt gegenwärtig nicht in Kiew, sondern in Moskau", unterstreicht DIE GLOCKE.
    Nun ins Inland. Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN befassen sich mit der Zwischenerhebung über die Resonanz des neuen Wehrdienstes, der freiwillig ist: "300.000 Fragebögen hat das Ministerium für Verteidigung in einem knappen halben Jahr an junge Menschen gesendet, um abzufragen, was die von einem Dienst bei der Bundeswehr halten. Das Ergebnis ist ernüchternd: 530 Einstellungen resultierten bislang aus den Fragebögen. Über drei Viertel der jungen Männer können sich offenbar überhaupt nicht vorstellen, Dienst bei der Truppe zu leisten. Bei den Frauen ist es noch dramatischer. Dürftige vier Prozent haben geantwortet", hält die MEDIENGRUPPE BAYERN fest.
    Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG hält die Erhebung für ein – Zitat - "schönes Beispiel dafür, wie man mit Zahlen Irreführung betreiben kann. Die einen setzen die 300.000 Fragebögen, die je zur Hälfte an junge Männer und Frauen an der Schwelle zum Erwachsensein verschickt worden sind, ins Verhältnis mit 530, die von ihnen bislang rekrutiert worden sind. Das klingt nach lächerlich wenig. Dabei geht es hier um diejenigen, die wenige Monate nach Beginn der Fragebogenaktion und Rücksendung ihrer Antwort bereits für das laufende Jahr 'fest eingeplant' werden konnten. Die also nicht in Ausbildung sind, schon tauglich gemustert wurden und einen Vertrag unterschrieben haben. Das könnten zu diesem Zeitpunkt schlicht kaum mehr sein", stellt die F.A.Z. klar.
    Wichtiger für Bundesverteidigungsminister Pistorius und den von der NATO vorgegebenen Zuwachs der Bundeswehr sei ohnehin eine andere Zahl aus der Auswertung, wendet die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz ein: "Das Interesse an der Bundeswehr jenseits der angeschriebenen 18-Jährigen hat so stark zugenommen, dass für den neuen Wehrdienst im Jahr 2026 rund 10.000 Freiwillige gewonnen werden konnten. Und auch sonst gibt sich das Ministerium zuversichtlich, die Zielmarke von knapp 190.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten in diesem Jahr erreichen zu können. Das ermutigt durchaus."
    Die STUTTGARTER ZEITUNG ist dagegen überzeugt: "Von einer wirklichen Zeitenwende bei der Verteidigungsbereitschaft kann (noch) keine Rede sein. Wie eine Drohne schwebt die Frage nach der Wehrpflicht über der Truppe. In den Schulen gibt es offenkundig großen Nachholbedarf, die Sinnhaftigkeit einer Armee in Zeiten wachsender Bedrohung deutlich zu machen", heißt es in der STUTTGARTER ZEITUNG.
    Nächstes Thema. Bund und Länder haben bei einem Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzler Merz über Finanzfragen verhandelt. Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf bemerkt: "In den Reformdebatten und vor den Landtagswahlen im Herbst zeigt sich: Immer häufiger formiert sich über Parteigrenzen hinweg eine Phalanx der Länder gegen den vermeintlich übergriffigen Bund. Die Länder kritisieren, dass ihnen oft neue Aufgaben vom Bund übertragen, die finanziellen Mittel zur Umsetzung aber nicht bereitgestellt werden. Der Bund hat die Kritik verstanden, pocht jedoch auch darauf, dass das jährliche Defizit des Bundes deutlich höher ausfällt als das der Länder-Haushalte zusammen. Wenn Politik aber glaubhaft bleiben soll, dann muss der Streit befriedet werden. Am Ende gilt: Auch hier gewinnt man nur gemeinsam", betont die RHEINISCHE POST.
    Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg führt aus: "Die kommunale Selbstverwaltung ist gewiss eine feine, demokratische Sache. Doch funktioniert sie nicht mit leeren Taschen. Wer bestellt, bezahlt, lautet daher die Formel der Länder und Kommunen für ihre aufgabengerechte finanzielle Ausstattung. Zum Beispiel bei den Sozialkosten, die auf der kommunalen Ebene anfallen. Aus dem Bürgergeld wird zwar die neue Grundsicherung, die Sätze bleiben aber erst mal gleich. Für den ganz großen Wurf fehlt dieser reform-gestressten Bundesregierung der nötige lange Atem. Der Zank wird weitergehen", prognostiziert die VOLKSSTIMME.
    Viele Zeitungen nehmen die aktuelle Hitzewelle zum Anlass für einen Kommentar zur deutschen Klimapolitik. Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN verlangen: "Wir müssen endlich anders bauen, grüner, mit der einst üblichen Beschattung statt offener Glasfassaden. Deutschland kann da von anderen Staaten viel lernen. In Frankreich gibt es Hitzeschutzpläne für alle Gemeinden. Und es gibt mehr Trinkbrunnen, mehr kühle Rückzugsorte in den Städten."
    Der TAGESSPIEGEL aus Berlin schreibt: "Die Zukunft, die Klimawandelforscher vorhergesagt haben, die Hitzeszenarien, sie sind längst Wirklichkeit. Zeitgleich verteilt die Bundesregierung fleißig Steuergeschenke auf fossile Emissionsträger, die genau zu dieser Erhitzung beitragen. Kaum endet zum Monatsende der Tankrabatt, sinkt Anfang Juli die Ticketsteuer im Flugverkehr. Diese Maßnahmen machen schmerzhaft deutlich, dass Deutschland die Augen vor der Realität verschließt." Das war der TAGESSPIEGEL, und damit endet die Presseschau.